Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

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Warnstreik

Dieses Genöle und Gebeiße untereinander ist doch wenig zielführend. Fakt ist, dass der TV-L gefahr läuft von anderen Tarifverträgen finanziell abgegängt zu werden - und das obwohl die Tätigkeiten z.B. in den Großstädten deutlich anspruchsvoller und anstrengender sind.

Hier muss man erstmal eines hinbekommen: Den Arbeitgeber dazu zu bekommen, die Differenz aufzuholen - diese liegt bald bei 10% (und das ist eine Größe, die relevant wird). Hierfür muss aber die Arbeitnehmerschaft mal konsequent für seine Rechte einstehen. Wenn an den Aktionen von GEW oder Verdi viele nicht teilnehmen und alles weiterläuft, dann wird sich nichts ändern. Es gibt in vielen Bereichen schon das Problem mit Beamten als (erzwungenermaßen) Streikbrecher. Um dennoch soviel Kraft wie möglich zu entwickeln, müssen zumindest in einigen Bereichen ALLE an einem Strang ziehen. Zum Beispiel: Einen Tag kein Winterdienst ist nervig - eine Woche tut weh. Wieso nicht man länferfristig die Führerscheinstellen oder die KFZ-Anmeldungen (ist zumindest hier in HH V-L) bestreiken? Was passiert, wenn man sich in HH zum Beispiel im ZPD (Zentrum für Personaldienstleistungen) einige wäre? Dann bleibt halt mal ein Gehaltslauf aus - oder die Abrechnungen der Beamten oder Beamtenpensionen bzw. der Beihilfe.

Worauf ich hinaus will: Es ist schwer im TV-L Wucht zu bekommen, aber es ist möglich. Dafür muss man klar sein und vor allem ausreichend organisiert. (gibt genug nicht-Verdi-Alternativen)

MoinMoin

Zitat von: Ingenieur007 in Heute um 12:29Am Rande gefragt: Woher nimmt man die Zeit für 10.000 Beiträge?
Wenn man einige Jahre im Forum unterwegs ist und viel Zeit am Rechner verbringt und schnell schreibt, dann ist da kein große Sache.
ZitatAnsonsten haben wir die Botschaft mit den Zulagen hinreichend vernommen meine ich. Die würde auch jeder gerne nehmen. Es wäre daher zielführend, diese Erkenntnisse den Ministerien in ähnlicher Prägnanz zu präsentieren.
Falls du aufmerksam gelesen hättest, dann wüsstest du, dass ich genau das in meinem Hause getan habe und das Ministerium darüber informiert ist.


ZitatZum Thema selbst zurück: Es gilt Verbesserungen im TV-L zu erreichen. Auch in der Breite angesichts der Entwicklung der Tabelle im Vergleich mit der Benchmark TVöD. Vor allem bei höheren EG einschließlich JSZ. Was angesichts der Miniforderung von 7 % ein strategisch schwieriger Akt ist. Als Mitglied höherer EG bei den Gewerkschaften ist das Ganze jedenfalls cringe oder lost...
Richtig, JSZ ist der beste Hebel, den der AG einsetzen kann.
Er zieht sich auf den sozialen Faktor (gleiche JSZ Quote für alle) zurück und kann so für die oberen was durchboxen.
FYI: In den unteren Einkommen ist der TVöD zeitweise schlechter gewesen als TV-L.

troubleshooting

Zitat von: Rowhin in Heute um 12:48Und das ändert ja nichts daran, dass wir trotzdem ein gutes Tarifergebnis brauchen, um nicht den Anschluss zu verlieren, weil die Leute sonst gar nicht erst in den TV-L kommen. Manchmal habe ich hier das Gefühl, manche verstehen die Botschaft als "ihr braucht keine Entgelterhöhung oder sonstige Tarifergebnisse, ihr könnt doch 16.5 beantragen!". Aber das sagt doch keiner.

Das ist mir etwas zu reduziert. Für mich hat Vergütung auch immer was mit Wertschätzung zu tun. Und diese war und ist seitens der AGs nicht mehr vorhanden. Man braucht sich ja nur die Aussagen von Dressel anschauen. Da kann die SPD noch so sehr auf der CDU rumhacken, egal ob in der Sache richtig oder nicht, wenn sich ihr eigenes Parteimitglied nicht ein Deut besser verhält. Sollte man sich genau überlegen, ob man für so agierende AG arbeiten möchte...

BTSV1

Ich bin auf die 3. Verhandlungsrunde gespannt. Ich glaube kaum das es dort eine Einigung geben wird.

Faunus

Zitat von: troubleshooting in Heute um 13:36Für mich hat Vergütung auch immer was mit Wertschätzung zu tun. Und diese war und ist seitens der AGs nicht mehr vorhanden.

Ich kann mich ganz am Anfang meines Arbeitslebens an Wertschätzung in Form von Vergütung erinnern. Ich wurde vorzeitig - außertariflich - durch unaufgeforderten Einsatz des Institusleiters höhergruppiert. Alle anderen Höhergruppierungen habe ich nur durch Wechsel oder Anwalt erreicht. Wenn nicht eingehaltene Versprechen eine Währung wären, wäre ich im ÖD reich geworden. Wertgeschätz fühle ich mich - trotz meines Gehaltes - schon lange nicht mehr von meinem AG.
Was mich zur Arbeit noch motiviert, sind die jungen Leute. Alles, was diese nicht betrifft, fällt hinten runter.

Das war auch der Grund, warum ich dieses mal wieder (das 2te Mal in meinem Leben) zur Streikkundgebung in meiner Freizeit gegangen bin.
Ich bin gegen die Verdi-Forderung studentische Hilfskräfte über den Mindestlohn zu bezahlen. Aber ich bin dafür, dass Jungakademiker/Jungarbeitnehmer mit befristeten Verträgen nicht mehr bei 5/1, 10/1 bzw. 12/1 einsteigen, wie bei entfristeten Verträgen sondern entweder eine EG höher als üblich/vorgegeben oder aber mit Stufe 3 oder 4. Müsste man mal ausrechnen, was es den Betroffenen bringt!

Faunus

Zitat von: Jayne in Gestern um 19:20Hi! Ich bin Personaler seit 16 Jahren im Bereich TVL. Ich habe es entweder hier im Forum nicht gesehen oder bisher wurde darüber nicht so ausschweifend philosophiert:

,,Paket zur Weiterentwicklung des Eingruppierungsrechts (Strukturpaket):
Zeitgemäße Weiterentwicklung Eingruppierungsrecht unter Berücksichtigung der Entgelttransparenzrichtlinie. Ermöglichung abgestufter und leistungsdifferenzierter Eingruppierung mit entsprechenden Bestandsschutzregelungen"


Aus Pers-Sicht finde ich diesen Absatz besorgniserregend. Vielleicht denkt man über eine Abstufung der Entgeltgruppen nach. Oder eine kleinteiligere Aufteilung (z.B E8a, E8b, E8c..), um die Eingruppierungen insgesamt zu drücken. Dass die Rede von Besitzstand ist, ist für uns Bestandsbeschäftigte ja gut. Insgesamt deutet der Satz für mich damit aber auf eine Verschlechterung in der Eingruppierung/Bezahlung für neue Beschäftigte (bzw. sicher auf für bestehende Beschäftigte bei zB Entgeltgruppenwechsel) hin. Für die Personalgewinnung und die damit oft verbundene Entlastung von Bestandspersonal wäre das nun eher weniger gut.

Nur mal ein lauter Gedanke, den ich äußern wollte, der mir so in den Kopf kam!


Dass die stufengleiche Höhergruppierung am Ende kommt, denke ich. Das Begehren zumindest vom Land Berlin dazu selbst habe ich seit Anfang 2025 schon auf Fachebne in höheren Kreisen gehört. 

Ein sehr interessante Information, die m.E. bisher keine Beachtung gefunden hat. Letztlich wird der AG alles mögliche unternehmen, um "zu drücken". Wie? Da können sicherlich noch ein paar Szenarien aufgezeichnet werden.
 




Ingenieur007

Zitat von: Faunus in Heute um 14:42...Was mich zur Arbeit noch motiviert, sind die jungen Leute. Alles, was diese nicht betrifft, fällt hinten runter...

Verständlich. Allerdings haben wir massivste Probleme ausgerechnet bei sehr erfahrenen Kollegen. Ingenieure die mit so 45-50+ das Boot verlassen. Und zwar keine Einzelfälle. Diese Kündigungen sind drastisch gestiegen. Die meisten hauen Richtung TV-V, TVöD, TV-N, Autobahngesellschaft und in Richtung BGs ab.

Darum wünsche ich mir bei den Tarifverhandlungen einen besonderen Blick auf diese Gruppierungen. Da muss doch was möglich sein.

ignaz

Zitat von: Faunus in Heute um 14:50Ein sehr interessante Information, die m.E. bisher keine Beachtung gefunden hat. Letztlich wird der AG alles mögliche unternehmen, um "zu drücken". Wie? Da können sicherlich noch ein paar Szenarien aufgezeichnet werden.
 

https://www.tdl-online.de/presse/detail/tarifgemeinschaft-deutscher-laender-legt-eckpunkte-fuer-einigungskorridor-vor

Das Wort "Paralleltabelle" für Lehrer scheint auch eine Abspaltung dieser Berufsgruppe aus dem TV-L zu sein?? Oder wie darf man das am Ende verstehen?
Will man den e13 TV-L Normalo Mitarbeiter am Ende anders (schlechter?) als den Lehrer e13 entlohnen?


Es bleibt spannend...obwohl eigentlich nicht. Da wir das Ergebnis doch näherungsweise kennen.
  • Entgelt Monatsbrutto bis ran an TVÖD Ergebnis
  • JSZ glaube ich noch nicht daran. Gerade für hohe EGs wäre dies interessant, da hier teilw. 200€ Brutto pro Monat fehlen und man die zus. JSZ sogar in 3 freie Tage umwandeln könnte und trotz Abzug dennoch mehr JSZ beim TVÖD gezahlt wird
  • Kein freier Tag extra ab 2027 wie beim TVÖD
  • Wochenstunden 40 zu 39 = 1 Woche Mehr Arbeit im TVL
  • stuf. Höhergruppierung - vielleicht, längst überfällig - aber immerhin

Dazu kommt die akutelle gezwungende Nullrunde, die seit auslaufen des alten Tarifvertrages besteht (Nov, Dez, Jan, Feb (4 Monate!!).
Zudem wird es absehbar in den nächsten 3 Monaten keine vollumfängliche Aufholzahlung des monatlichen Brutto Entgeldes zum TVÖD geben.
Ich gehe von 2 oder 3 Mini Stufen aus. Ende 2028 haben wir dann endlich das Gehalt vom TVÖD, was dort bereits ab Juni 2026 gezahlt wird und die nächsten Tarifverhandlungen 2027 werden den Abstand vergrößern.
Der zeitliche Versatz wird alle paar Jahre schön um 1-3 Monate verlängert, fällt doch gar nicht auf....noch ein paar Abschlüsse so weiter und wir haben Abstände wie TV-V zu TVÖD beim TVÖD zum TVL.

Wir im TV-L können uns dann 2028 endlich mit dem TV-V von 2022 vergleichen (ja, ja...kein direkter Vergleich). Na das ist doch was. Die 6 Jahre zeitlicher Versatz.... Am Ende müssen wir nur länger warten. Kleine Nullrunde... ;)
https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/tv-v?id=tv-v-2022&matrix=1

Ironie Aus...



Rheini

#308
Da ja derzeit diskutiert wird Beamte nur in hoheitlichen Bereichen einzusetzen und daher die Lehrer zukünftig wahrscheinlich weniger Beamte werden (die Länder wollen ja auch wohl hier an einem gemeinsamen Strang ziehen) kann ich mir vorstellen das man der Ansicht ist, angestellte Lehrer besser zu bezahlen um die Stellen besetzen zu können.

DiVO

Zitat von: Warnstreik in Heute um 13:13Dieses Genöle und Gebeiße untereinander ist doch wenig zielführend. Fakt ist, dass der TV-L gefahr läuft von anderen Tarifverträgen finanziell abgegängt zu werden - und das obwohl die Tätigkeiten z.B. in den Großstädten deutlich anspruchsvoller und anstrengender sind.

Kommt immer darauf an mit wem und was man sich vergleicht. Der TV-L läuft aktuell Gefahr ein besseres Ergebnis als IG Metall Holz und Kunststoff einzufahren.

Lämpel

Zitat von: ignaz in Heute um 15:18Das Wort "Paralleltabelle" für Lehrer scheint auch eine Abspaltung dieser Berufsgruppe aus dem TV-L zu sein?? Oder wie darf man das am Ende verstehen?
Das Ziel hier ist die Angleichung von A- und E-Tabelle bezogen auf die Eingruppierung. In vielen Ländern ist das auch schon passiert, aber noch nicht überall; teilweise sind angestellte Lehrkräfte etwas tiefer eingeordnet als verbeamtete (sprich Beamte bekommen z.B. A13, angestellte Lehrkräfte im identischen Aufgabenfeld aber E12).

Rheini

Zitat von: DiVO in Heute um 15:34Kommt immer darauf an mit wem und was man sich vergleicht. Der TV-L läuft aktuell Gefahr ein besseres Ergebnis als IG Metall Holz und Kunststoff einzufahren.

Was willst Du damit sagen?

Ingenieur007

Zitat von: DiVO in Heute um 15:34Kommt immer darauf an mit wem und was man sich vergleicht. Der TV-L läuft aktuell Gefahr ein besseres Ergebnis als IG Metall Holz und Kunststoff einzufahren.

Was soll das? Unsere Benchmark ist naturgemäß der TVöD. Und dort wird ab Mai zum Beipiel Jahregehalt in EG12/6 fast 89000 € gezahlt gegenüber gegenwärtig ca 80.000 € im TV-L. Wie soll aus das Sicht von Gewerkschaftlern weitergehen?

Faunus

Ich versuch es nochmal mit einem kleineren Teil des Posts
Zitat von: Jayne in Gestern um 19:20,,Paket zur Weiterentwicklung des Eingruppierungsrechts (Strukturpaket):
Zeitgemäße Weiterentwicklung Eingruppierungsrecht unter Berücksichtigung der Entgelttransparenzrichtlinie. Ermöglichung abgestufter und leistungsdifferenzierter Eingruppierung mit entsprechenden Bestandsschutzregelungen"



Stand bei der Angleichung der Lehrer auch etwas von BESTANDSSCHUTZ?!

Bestandsschutz hat man immer dann, wenn sich die tariflichen Bedingungen verschlechtern und man vor der Änderung einen Vertrag unterzeichnet hat bzw. zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Daher teile ich inzw. "besorgniserregend".

ignaz

Zitat von: DiVO in Heute um 15:34Kommt immer darauf an mit wem und was man sich vergleicht. Der TV-L läuft aktuell Gefahr ein besseres Ergebnis als IG Metall Holz und Kunststoff einzufahren.
https://www.igmetall.de/download/20251219_Final_Tarifkarten_Holz_Kunststoff_2026_4stg_9c4a1f871b7a752b72bd6461ef06a63911ef3cf0.pdf
auch 6 Stufen - die letzte nach 15 MONATEN! vs. TVL 15 JAHRE - Einstieg Stufe 1 (ohne Höhergruppierung und Stufenverluste)

Wie war die Entwicklung seit 2010 im Vergleich zum TVL? Wie viele Urlaubstage und Wochenstunden haben die Jungs dort?

Wenn man als Neueinsteiger im TVL nur 1,2 Jahre warten müsste wäre der Zuwachs an qualifiziertem Personal wohl auch ungleich höher. Die ewige Karotte vor der Nase - ja, ja einige Steigen in Stufe 6 ein - dann nehme ich gerne Stufe 1 zum Einstieg insofern das finale (richtige) Gehalt entsprechend schnell steigt (wie in der IGM H u K Tabelle -> 44% mehr als Einstieg nach 15 Monaten) und das Zielgehalt nach 15 Monaten meinen Erwartungen entspricht.