Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

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Warnstreik

Zitat von: Modulator in Heute um 08:29Im Grunde ist es doch ganz einfach.
Warum soll ich mich für meinen Arbeitgeber engagieren, wenn er es nicht für mich tut und ich mich nicht angemessen entlohnt fühle?

Also mache ich Dienst nach Vorschrift.

Beim kleinsten Hüsteln zuhause bleiben.
Nicht mehr ans Telefon gehen, wenn gleich Dienstschluß (DS) ist.
Keine eMails mehr nach DS abrufen.
Auf Fehlermeldungen nicht mehr fix und nach DS reagieren.

Da gibt es einige legale Möglichkeiten.



Zum einen weil du trotz alledem bezahlt wirst - und das auch nicht auf Armutniveau. Zum anderen - und das finde ich viel wichtiger - weil du deinen Kollegen mit sowas vor die Füße spuckst. Du arbeitest nicht im Luftleeren Raum - wenn du das oben genannte Verhalten an den Tag legst, dann haben die mehr Arbeit oder kommen bei irgendwelchen Deadlines in Schwierigkeiten. Finde ich assi, muss aber jeder selbst wissen.

Modulator

Zitat von: Rowhin in Heute um 11:16Die Frage ist, was man über "Kann"-, und was über "Muss"-Regelungen regelt. Da gibt es durchaus eine Balance.

Hier ist es an Verdi die Verhandlungen so zu führen, dass solcher Willkür Einhalt geboten wird.
Man kann doch keine Möglichkeiten vorsehen, die dann per Dekret einfach ausgehebelt werden.
Dann brauche ich das auch nicht vereinbaren und keine Tarifverträge.

"Es gibt keine Dienstwagen, weil der Hausmeister dagegen ist ..." - sorry, etwas überspitzt und nix gegen Hausmeister.


MoinMoin

Zitat von: ignaz in Heute um 10:47Das die Möglichkeiten sinnvoll sein können, streite ich keineswegs ab. Nur wenn es keine Verpflichtung gibt, diese als AG auch anzuwenden und es immer wieder Möglichkeiten gibt, diese nicht anwenden zu müssen, so haben wir hier keine gleichmäßig faire Anwendung eines bindenden Tarifvertrages, oder?
Kannst du mal näher erläutern, welche Verpflichtung es denn tariflicher Natur geben soll?
Wenn ein AG diese Möglichkeiten nicht nutzt, weil er der Meinung ist, dass er auch ohne sie auskommt, dann ist das doch seine Entscheidung, dass er eben nicht die Stellen mit guten Leuten besetzt. Und der AG eine Tür weiter, der macht es und bekommt die guten Mitarbeiter. Wo ist das Problem?
Das man seinen hintern bewegen muss, damit man im Genuss der tariflichen Möglichkeiten kommt?

Und natürlich haben wir weiterhin eine gleichmäßig faire Anwendung eines bindenden Tarifvertrages!

Ein Tarifvertrag ist immer nur die Untergrenze, die ein AG nicht unterschreiten darf.

Bist du also der Meinung, dass es eine Obergrenze sein muss, damit du nicht weniger bekommst als der andere?


MoinMoin

Zitat von: Modulator in Heute um 11:42Hier ist es an Verdi die Verhandlungen so zu führen, dass solcher Willkür Einhalt geboten wird.
Man kann doch keine Möglichkeiten vorsehen, die dann per Dekret einfach ausgehebelt werden.
Dann brauche ich das auch nicht vereinbaren und keine Tarifverträge.
Natürlich kann man Möglichkeiten vorsehen, die nicht alle nutze wollen, wir sind doch nicht in einem Einheitsstaat, wo über all die Lebensumstände identisch sind.

Und wenn ein AG meint, diese Möglichkeiten aktuell nicht nutzen zu wollen, so kann es in 5 Jahren anders aussehen und der AG will sie nutzen.

Daher ist es doch gut, dass man so etwas vereinbart, weil man dann nicht auf außertarifliche oder übertarifliche Dinge ausweichen muss, sondern einen Rahmen gebildet hat und man im tariflichen Bereich bleibt.

Aber dieses Gejaule, das diese Möglichkeiten Mist sind, weil sie mein AG bei mir nicht anwendet, ist doch kurzsichtig.

Modulator

Zitat von: Warnstreik in Heute um 11:40Zum einen weil du trotz alledem bezahlt wirst - und das auch nicht auf Armutniveau. Zum anderen - und das finde ich viel wichtiger - weil du deinen Kollegen mit sowas vor die Füße spuckst. Du arbeitest nicht im Luftleeren Raum - wenn du das oben genannte Verhalten an den Tag legst, dann haben die mehr Arbeit oder kommen bei irgendwelchen Deadlines in Schwierigkeiten. Finde ich assi, muss aber jeder selbst wissen.

Dann hast du meinen Text nicht genau gelesen.
Ich war immer bereit mehr zu tun, über die normale Arbeitszeit hinaus oder auch nach Dienstschluss.
Ich habe Leute am Wochenende geholfen, weil es wichtig war. Am Samstag einen defekten Switch getauscht usw.
Ich habe bis nachts um 3 Uhr im Serverraum Probleme behoben, damit die Leute am nächsten Morgen arbeiten konnten und war trotzdem um 9 Uhr wieder im Dienst.
Das waren alles Arbeiten auf freiwillger Basis, die ich nicht hätte tun müssen.
Ich kann Switches auch tauschen, wenn alle im Dienst sind.
Vieles wird mit der Zeit als selbstverständlich angenommen, was es aber nicht ist.
Das ist dann vom Arbeitgeber her assi und nicht von AN-Seite aus.

DNV heißt dann nur, dass ich mich exakt an die Regeln halte.


Rowhin

Zitat von: MoinMoin in Heute um 11:47Natürlich kann man Möglichkeiten vorsehen, die nicht alle nutze wollen, wir sind doch nicht in einem Einheitsstaat, wo über all die Lebensumstände identisch sind.

Und wenn ein AG meint, diese Möglichkeiten aktuell nicht nutzen zu wollen, so kann es in 5 Jahren anders aussehen und der AG will sie nutzen.


Eben. Man braucht beides - ein vernünftiges Mindestlevel, dass allen garantiert wird. Und zusätzliche Optionen, die den AG zur Verfügung stehen, wenn sie (der Meinung sind, dass sie) diese brauchen. Die Frage ist, was schiebt man in welche Kategorie, und wieviel individueller Freiraum steht dem einzelnen AG, bzw. dessen Vertreter dann überhaupt zur Verfügung, zusätzliche Instrumente anzuwenden.

Ein Bundesland wie Bayern oder BaWü ist halt "ein" AG, aber mit durchaus sehr unterschiedlichen Bedingungen und Bedürfnissen in der Organisationseinheit, die dann tatsächlich einstellt.

UNameIT

Zitat von: Warnstreik in Heute um 11:40Zum einen weil du trotz alledem bezahlt wirst - und das auch nicht auf Armutniveau. Zum anderen - und das finde ich viel wichtiger - weil du deinen Kollegen mit sowas vor die Füße spuckst. Du arbeitest nicht im Luftleeren Raum - wenn du das oben genannte Verhalten an den Tag legst, dann haben die mehr Arbeit oder kommen bei irgendwelchen Deadlines in Schwierigkeiten. Finde ich assi, muss aber jeder selbst wissen.

Am Ende bedeutet das aber auch, dass sich nichts ändert. Nur wenn der AG die Arbeitsleistung nicht umsonst erhält, wird sich was an seinem Verhalten ändern. Man muss halt langfristig denken und nicht kurzfristig. Es bringt doch niemanden etwas überspitzt gesagt tausende von unbezahlten Mehrarbeitsstunden vor sich her zu schleppen.

Johann

Zitat von: Warnstreik in Heute um 11:40Zum einen weil du trotz alledem bezahlt wirst - und das auch nicht auf Armutniveau. Zum anderen - und das finde ich viel wichtiger - weil du deinen Kollegen mit sowas vor die Füße spuckst. Du arbeitest nicht im Luftleeren Raum - wenn du das oben genannte Verhalten an den Tag legst, dann haben die mehr Arbeit oder kommen bei irgendwelchen Deadlines in Schwierigkeiten. Finde ich assi, muss aber jeder selbst wissen.
Sowas entwickelt sich aber auch einfach mit der Zeit. Ich war auch durchaus immer gewillt, die Aufgaben noch fertig zu machen, selbst wenn die Stempeluhr mir ab 20 Uhr keine Arbeitszeit mehr gönnt.

Das hat dann aufgehört, nachdem wir als 4-köpfiges Team über mindestens 2 Jahre beklagt haben, dass sich die 3 Kollegen, die gestorben sind, in Rente gingen oder die Abteilung gewechselt haben und deren Stellen nicht nachbesetzt wurden, langsam bemerkbar machen. Es hat noch lange auch so funktioniert, weil dann einfach die unterjährigen Instandhaltungsaufgaben weggefallen sind und man nur noch das Tagesgeschäft bearbeitet hat. Aber irgendwann fällt einem das auf die Füße und kracht. Vor allem wenn in mehreren Projekten dann auf einmal gleichzeitig die Hölle los ist.

Letztes Jahr war es dann so weit, dass es in mehreren Projekten gleichzeitig gekracht hat. Das zog sich über eine Woche und wurde bis hin zur Behördenleitung bekannt. Ich gehe davon aus, dass unsere Vorgesetzten, die seit Jahren erzählt haben, sie würden die Stellen nicht ausschreiben weil sie sowieso niemanden finden würden, richtig Feuer untern Hintern bekommen haben. Aber statt das Problem endlich mal anzugehen, kam unser Vorgesetzter dann auf uns zu und teilte uns mit, dass wir ab jetzt jeden Pups haarklein zu dokumentieren hätten. Das wäre das Problem gewesen, weswegen es geknallt habe. Und nicht, weil wir seit mehreren Jahren mit 4 statt 7 Personen mindestens den selben Workload schultern müssen.

Seitdem plane ich meine Arbeitszeiten auch eher um die privaten Termine als andersrum. Wenns brennt und ich nach 8h Arbeit ohne angeordnete Überstunden noch nicht fertig bin, brennts halt noch bis zum nächsten Tag weiter. Wirft zwar ein schlechtes Licht auf meine Behörde, aber das liegt nicht in meiner Gehaltsklasse.

Warnstreik

Zitat von: Modulator in Heute um 11:54Dann hast du meinen Text nicht genau gelesen.
Ich war immer bereit mehr zu tun, über die normale Arbeitszeit hinaus oder auch nach Dienstschluss.
Ich habe Leute am Wochenende geholfen, weil es wichtig war. Am Samstag einen defekten Switch getauscht usw.
Ich habe bis nachts um 3 Uhr im Serverraum Probleme behoben, damit die Leute am nächsten Morgen arbeiten konnten und war trotzdem um 9 Uhr wieder im Dienst.
Das waren alles Arbeiten auf freiwillger Basis, die ich nicht hätte tun müssen.
Ich kann Switches auch tauschen, wenn alle im Dienst sind.
Vieles wird mit der Zeit als selbstverständlich angenommen, was es aber nicht ist.
Das ist dann vom Arbeitgeber her assi und nicht von AN-Seite aus.

DNV heißt dann nur, dass ich mich exakt an die Regeln halte.



Sorry, das hatte ich tatsächlich falsch verstanden und das ist deinerseits natürlich auch absolut richtig so wie du beschreibst.
Sogar eher im Gegenteil - ich würde gegen Arbeitszeitgesetze freiwillig nicht verstoßen, da kann zu viel Mist passieren. (für den 3-Uhr-Nachts-Fall) Ansonsten stimmt das aber so. Flexibel zum eigenen Nachteil bleibt man natürlich nur, wenn einem die Arbeitsumgebung gefällt (das hängt aber nicht nur vom Lohn ab).