Abschaffung Teilzeitanspruch

Begonnen von BAT, 26.01.2026 10:23

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BAT

Zitat von: WimmelbuchLeser in 04.02.2026 12:11Für viele Menschen ist Teilzeit keine Frage von Bequemlichkeit,


Natürlich scheint sie das zu sein, dann man scheut scheinbar, diesen Anspruch für sich selbst durchsetzen durch Tarif und wartet auf Papa Gesetzgeber.

MoinMoin

Richtig und darüber zu fabulieren, dass es einige Menschen gibt, die TZ machen, obwohl sie mehr arbeiten könnten (und wenn ich den Microzensus richtig interpretieren, ist es definitiv die Minderheit der TZ Kräfte, die darunter fallen) ist doch Schwachsinn.

Wenn die also das TZ Gesetz ändern und der AG NEIN sagen kann, wenn jemand ohne gesetzlichen Grund (Pflege, Kinder, wer weiß was) ein TZ Antrag stellt.
Dann passiert was?
a) diverse TV erlauben es dann doch
b) die echten und benötigten Fachkräfte sagen ihrem Cheff, willst du mich zu 70% oder zu 0%? und Chef sagt 70
c) die livestyle TZler sagen dasgleiche und Chef sagt 0 und die suchen sich einen Ag der 70 sagt
d) die sich keinen anderen AG suchen können, wollen und denen das TZ verboten wird, sind ab sofort hoch motivierte Mitarbeiter, die voll Gas geben und 100% Arbeit leisten. Deutschland ist gerettet!


Finde den Fehler.

BAT

Was ich erschreckender finde als politische Diskussion zu Teilzeit oder Krankheitskosten. Wie wenig der normale Deutsche aber auch Journalisten den Überblick behalten.

Es ist zum Grausen.

Organisator

Zitat von: BAT in 04.02.2026 16:40Was ich erschreckender finde als politische Diskussion zu Teilzeit oder Krankheitskosten. Wie wenig der normale Deutsche aber auch Journalisten den Überblick behalten.

Es ist zum Grausen.

Grundsätzlich stimme ich dir zu. Eine vernunftbegabte Stimme hörte ich dann aber doch im ör-Rundfunk, die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag.
Sie meinte, dass bevor man an die Leistungskatalog geht, eine Überprüfung der Abläufe im Gesundheitswesen zu mehr Einsparungen und nicht zulasten der Versicherten gehen würde.
- Braucht es 96 GKVs
- Vermeidung von Mehrfachuntersucherungen, nur weil der eine Arzt nicht vom Ergebnis des andern weiss
- Notfallbehandlungen im Krankenhaus, die besser von einem niedergelassenen Arzt erfolgt wären
- zu lange stationäre Behandlungen
- Vorhalten von Krankenhäusern mit niedriger Auslastung

Nach ihrer Meinung sollte man erst an die Leistungen ran, wenn alles andere angemessen effizient ist. Ist aber eine größere Baustelle und macht mehr Arbeit als erstmal son Spruch wie "Leistungskürzung für XXX" rauszuhauen.

WimmelbuchLeser

Zitat von: Organisator in 04.02.2026 16:50Notfallbehandlungen im Krankenhaus, die besser von einem niedergelassenen Arzt erfolgt wären

Dieser Punkt allein schon ist ein interessantes Thema. Denn die zuletzt umfassende Strukturreform (Gesundheitsreform) zur Schließung und Zusammenlegungen kleinerer Häuser berücksichtig nicht genügend den stetig zunehmenden Hausärztemangel in Deutschland. Patienten die keinen zeitnahen Zugang zu ihren Hausarzt oder gar Facharzt bekommen, fühlen sich gezwungen in die Notaufnahme des Krankenhauses zu gehen. Ich habe schon durch eine Mitarbeiterin in der Notaufnahme gehört, dass Hausärzte öfters schon mögliche Patienten aufgrund nicht verfügbaren Kapazitäten telefonisch ablehnten mit der Bitte um Vorstellung im nächsten Krankenhaus. Sollte das in Deutschland häufiger der Fall sein, könnte eine solche Strukturreform zur Schließung von Krankenhäusern den nächstmöglichen Zugang zu einer medizinischen Versorgung zusätzlich stark erschweren.

MoinMoin

Da gibt es auch sinnvolle,kreative Lösungen:

Bei uns ist die Patienten-Aufnahme des ärztliche Notdienstes keine 5sekunden von der Notaufnahme des Krankenhauses entfernt  :)

Organisator

Zitat von: MoinMoin in 04.02.2026 18:18Da gibt es auch sinnvolle,kreative Lösungen:

Bei uns ist die Patienten-Aufnahme des ärztliche Notdienstes keine 5sekunden von der Notaufnahme des Krankenhauses entfernt  :)

So einfach kann es sein. Und in vielen (anderen) Ländern auch schon über jahrzehnte erfolgreich erprobt. Ältere Menschen kennen ggf. noch den Begriff Poliklinik.

Faunus

Zitat von: Organisator in 05.02.2026 08:32... Begriff Poliklinik.

Findet sich heute unter der Tel. 116117 ;)

Faunus

Man (Wirtschaftsflügen CDU) wollte das Recht auf Lifestyle-Teilzeit kippen
jetzt ist von "die Teilzeitansprüche ordnen" die Rede.

Ich denke, das Ziel bleibt gleich.

Bin ich froh, dass mein Sabbatical vertraglich in trockenen Tüchern ist!
Allerdings halte ich es für eine Frechheit, das wieder vollständig unter "ist u.U. möglich/falls das Ministerium nicht ein allg. Nein ausgibt" fallen zu lassen, da sich der TB das vollständig selbst finanzieren muss. Das geht den Staat also nichts an!


Tante Hilde

Zitat von: WimmelbuchLeser in 04.02.2026 12:11Die aktuelle arbeitsmarktpolitische Debatte wirkt wie ein abruptes Erwachen aus einem gesellschaftlichen Zukunftsdiskurs. Statt über moderne Arbeitsmodelle, bessere Vereinbarkeit oder Produktivität durch Flexibilität zu sprechen, dominiert plötzlich wieder der alte Ruf: Die Deutschen müssen mehr arbeiten. Teilzeit wird als ,,Lifestyle-Problem" geframt, hohe Krankenstände als moralisches Versagen interpretiert, Work-Life-Balance als Luxusidee abgetan. ::)

Dabei geht es längst nicht nur um Zahlen, sondern um Lebensrealitäten. Für viele Menschen ist Teilzeit keine Frage von Bequemlichkeit, sondern von Gesundheit, Care-Arbeit oder mentaler Belastbarkeit. Wer Arbeit ausschließlich über Präsenz und Stunden definiert, blendet aus, dass Motivation, Effizienz und Bindung nicht durch Druck entstehen, sondern durch faire Rahmenbedingungen.  ;)

Besonders auffällig ist der politische Richtungswechsel: Nach dem Regierungswechsel rücken arbeitgebernahe Forderungen stark in den Vordergrund. Wo wir noch vor einem Jahr – unter SPD-geführter Regierung – über Vier-Tage-Woche, mehr Flexibilität und neue Arbeitskulturen diskutiert haben, stehen heute Einschränkungen von Teilzeitrechten und Verschärfungen bei Krankheit auf der Agenda. Das wirft die Frage auf, ob hier tatsächlich zukunftsfähige Lösungen gesucht werden – oder ob vor allem Klientelpolitik für Arbeitgeber betrieben wird, während die Lebenswirklichkeit der Beschäftigten zunehmend aus dem Blick gerät. :o

Unterschreibe zu 100 %!
Ergänzen möchte ich eine Aussage von Maja Göpel: Wir sind kein Standort, wir sind eine Gesellschaft!

Wollen wir uns wirklich nur über das BIP oder irgendwelche Wachstumsraten definieren? Wo sollen wir denn hinwachsen? Nur Krebszellen wachsen immerzu.... daher halte ich den richtigen(!) Ansatz, dass manche auch aus Gesundheitsgründen außerhalb von Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen nicht VZ arbeiten möchten, noch zu kurz gegriffen.

Ganz viel, was eine Gesellschaft trägt bzw. überhaupt erst (über)lebensfähig macht, ist unbezahlte Care-Arbeit. Wollen wir wirklich genau diesen zwischenmenschlichen Kitt auslagern? Die ganzen Ehrenamtlichen gehören genauso dazu, wer hat bei verordneter Vollzeit noch Kapazität für den Trainer-Job oder Mithilfe in Vereinen usw.? Auch das ist Care-Arbeit!

Persönlich ist es bei mir so, dass ich es überhaupt nicht verknuse, wenn mir jemand vorschreiben will, wie ich mein Leben zu leben habe! Wir sind ja zum Glück nicht mehr in der DDR und solange ich mich finanzieren kann und nicht auf staatliche Zuschüsse angewiesen bin, geht das niemanden was an, wie lange ich arbeite. Meine Teilzeit ist bei VW Vollzeit.
Es ist unnötig, jede Woche einen neue Sau durchs Dorf zu treiben. Mittlerweile fragt man sich ja, wovon hier abgelenkt werden soll?

BAT

Zitat von: Tante Hilde in 05.02.2026 13:29Ganz viel, was eine Gesellschaft trägt bzw. überhaupt erst (über)lebensfähig macht, ist unbezahlte Care-Arbeit. Wollen wir wirklich genau diesen zwischenmenschlichen Kitt auslagern? Die ganzen Ehrenamtlichen gehören genauso dazu, wer hat bei verordneter Vollzeit noch Kapazität für den Trainer-Job oder Mithilfe in Vereinen usw.? Auch das ist Care-Arbeit!

Persönlich ist es bei mir so, dass ich es überhaupt nicht verknuse, wenn mir jemand vorschreiben will, wie ich mein Leben zu leben habe!


Nana, wenn hier etwas im Raume steht, dann ist es doch die eher dir frei und privat geregelte Vollzeit durch Tarif. Da ist der Gesetzgeber erstmal ganz hinten dran.

Und daher plädiere ich seit Jahrzehnten für eine effiziente Reduzierung der der Arbeitszeit im TVÖD bzw. BAT. Wo ist eigentlich dieser Nelson?

Warnstreik

Zitat von: Faunus in 05.02.2026 08:38Findet sich heute unter der Tel. 116117 ;)

Was hat denn eine Poliklinik (heute auch Ärztehaus) mit der Nummer zu tun? :-)
Die Polikliniken (als Ossi gabs nichts anderes) hatten den Vorteil, dass alle Ärzte unter einem Dach waren. Da bist du vom Hausarzt zum Sportmediziner rübergegangen, der hat dich dann in den Keller zum Röntgen geschickt und du konntest danach direkt zum Physio gehen. Echte Notdienste waren aber zumindest bei uns auch im Krankenhaus. 

In größeren Kliniken sind oft die kassenärztlichen Notdienste angebunden - oft wird da dann auch hingeschickt oder wenns wirklich ein Notfall ist auch direkt in die Notaufnahme.

BAT

Große Anteile der Besuche in Krankenhäusern und Notaufnahmen sind den sehr eingeschränkten Öffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte geschuldet.
Wie lange waren die Polikliniken in der DDR eigentlich auf?

FGL

Zitat von: Tante Hilde in 05.02.2026 13:29Ganz viel, was eine Gesellschaft trägt bzw. überhaupt erst (über)lebensfähig macht, ist unbezahlte Care-Arbeit. Wollen wir wirklich genau diesen zwischenmenschlichen Kitt auslagern? Die ganzen Ehrenamtlichen gehören genauso dazu, wer hat bei verordneter Vollzeit noch Kapazität für den Trainer-Job oder Mithilfe in Vereinen usw.? Auch das ist Care-Arbeit!
Niemand verordnet Vollzeit. Dass dieser Unsinn immer noch nachgeplappert wird...

WimmelbuchLeser

Zitat von: BAT in 06.02.2026 12:11Große Anteile der Besuche in Krankenhäusern und Notaufnahmen sind den sehr eingeschränkten Öffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte geschuldet.

Wie schon geschrieben, ein eigenes Thema. Um den Bezug zu Teilzeit aber wenigstens sehr kurz herzustellen, meine Hausärztin hat überhaupt Probleme eine geeignete Kraft in Teilzeit zu finden, die flexibel gesehen den Aufgaben gerecht werden kann.  :) 

Was mein Beispiel hinsichtlich Mehraufkommen in der Notaufnahme angeht, so war es schon so gemeint, dass die Patienten zu den Hauptzeiten (8:00 bis 16:00 Uhr) überwiegend erscheinen und auch bereit sind, drei Stunden und mehr Wartezeiten in der Notaufnahme zu verbringen. Auf Diagnose und Krankschreibung wird geduldig gewartet. Das mit einer späteren Diagnose wie grippalen Infekt o. Ä.  ::)  Wir reden von einer Stadt mit Krankenhaus bei einer Bevölkerung von rund 40.000. Es gibt einen offensichtlichen, zunehmenden Ärztemangel, der auch politisch bekannt ist. Ein MVZ gibt es natürlich auch, ist aber ebenso überlaufen. Die nächste Großstadt ist ca. 35 Autominuten entfernt und dort ist es nicht besser. Demnach wäre eine flächendeckende Statistik schon interessant, was die Krankenhäuser mittlerweile so alles abfedern!? Sollte hier eine Strukturreform zur Schließung vom Krankenhaus kommen, wäre ich sehr gespannt. 

Die Hausärzte sind in unserer Wohnumgebung jedenfalls schnell überlastet. Der Patientendurchlauf ist hoch frequentiert. Und in immer mehr Praxen wird kaum noch ans Telefon gegangen. Wohl ein nächster unliebsamer Kostenpunkt, oder halt dem Personalmangel geschuldet.  Warum ja auch, wenn man heutzutage über einen Onlineanbieter Termine buchen kann. Nur zu schade, dass die ältere Generation mit diesen Fortschritt nicht immer mithalten können. Oder gar zunehmend weite Wege bis zur nächsten medizinischen Versorgungsstation antreten müssen. 

Was (investorenbetriebene) MVZ angehen, so gibt es halt Vor- und Nachteile. (Die Planwirtschaft gibt es ja auch guten Gründen nicht mehr.) Die MVZ stehen mitunter in der Kritik, primär auf Gewinnmaximierung statt Patientenwohl ausgerichtet zu sein. Es gibt mittlerweile aber auch Ärzte, die dem nicht nachstehen. So habe ich vor ungefähr sechs Jahren schon erlebt, dass manch Kinderarzt sehr kreativ unterwegs sein kann. Mein damals zwei jähriges Kind hatte  bei unserem längeren Städteaufenthalt (deutsche Großstadt) im Winter einen akuten grippalen Infekt mit Bronchitis. Bei Erscheinen in einer Kinderarztpraxis nahm man sich uns an. In der Praxis war offensichtlich eine U-Untersuchung im Gange. Im Warteraum mussten die Eltern ihre Kinder bis auf die Unterhose entkleiden. Wie geschrieben - im Winter! Zudem war im Warteraum das Fenster geöffnet, was ja auch bezüglich Grippezeit nicht verkehrt ist. Auch wir sollten unser "krankes" Kind entkleiden, damit später beim Arzt keine Zeit verloren geht. Wir waren über die höchst bedenkliche Vorgehensweise entsetzt und weigerten uns dem nachzukommen. Mit Erfolg!

Ich stelle mir gerade vor, dieses auf Effizienz geprägte Modell nimmt bei uns Erwachsenen Einzug. Nach dem Motto:",,Neue Praxisregel: Im Wartezimmer bitte bereits entkleidet Platz nehmen.
Diagnose schneller, Überraschungen geringer, Schamgefühl hat heute leider keinen Termin."  ;D

Ach, und was PKV angeht, so bekomme ich heute beim Arzt in dieser (früher mit Poliklinik geprägter) Region auch nicht schneller einen Arzttermin. Bei Terminvergabe ist das nicht relevant.  Wartezeit Augenarzt nicht unter sechs Monaten...  ::) Demnach kann ich über künstliche Neiddebatten PKV / GKV nur schmunzeln. Zuvor habe ich in einer süddeutschen Region gewohnt, da gab es einen Ärzteüberschuss und man musste sich hinsichtlich einer medizinischen Überversorgung schon fast schützen. Manche neu erworbene Geräte sollten ja zum Einsatz kommen und sich schnell amortisieren. So unterschiedlich kann es eben in Deutschland sein. Doch aktuell schaue ich auf ein schon fast Drittweltniveau bezüglich Angebot und Nachfrage. Ich freue mich für dieses Niveau immer höhere Beiträge zu bezahlen.