Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion III

Begonnen von username, 14.02.2026 09:31

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MoinMoin

Zitat von: ignaz in Heute um 07:40Tagesarbeitszeit - Beamte dürfen 12h schreiben, TBs 8 oder 10h Tagesdienst -  nach § 3 ArbZG: 8 h werktäglich, ausnahmsweise auf 10 h verlängerbar.
Stmmt nicht! Du darfst nach ArbZG auch 12 h leisten und diese Zeit muss der AG dir dann auch vergüten. Solange keine DV oder andere Dinge im AV stehen, die dir es verbieten, deine Arbeitszeit frei zu gestellte.

MoinMoin

Zitat von: ignaz in Heute um 07:40Man profitiert vom Arbeitskampf
Wann hast du in deinen 20 Jahren einen Arbeitskampf erlebt?

Rheini

Zitat von: ignaz in Heute um 08:18Chef Volker Geyer kritisiert, in unteren Besoldungsgruppen liege die Alimentation teils unter der Grundsicherung, und fordert eine verfassungsgemäße Besoldung für alle bis Jahresende.

Was ist mit den unteren EGs im TVL/TVÖD? - sind die denn angemessen "bezahlt" ?
Der Tarifbeschäftigte Wachmann E4/E5 mit 3 Kindern wird dem A4 Beamten Kollegen mit 3 Kindern wohl jetzt schon deutlich schlechter gestellt sein?

Bei uns in der Behörde sitzen Tarifbeschäftigte und Beamte oft am selben Tisch, an zwei Arbeitsplätzen, und machen dieselbe Arbeit. Bezahlt werden wir dafür sehr unterschiedlich.

Wie kommt das? Zwei Punkte, die zusammengenommen absurd wirken:

Beamte übernehmen praktisch immer unsere Tarifabschlüsse ,,wirkungsgleich" – verhandeln also nicht selbst, streiken nicht, erben aber das Ergebnis. Über Zulagen, Beihilfe, keine Sozialabgaben und Pension stehen sie am Ende trotzdem meist deutlich besser da.
Und jetzt stellt das Bundesverfassungsgericht fest, dass genau diese Beamten jahrelang nicht amtsangemessen alimentiert wurden – es gibt also noch Nachschlag obendrauf. Gleichzeitig heißt es uns TBs gegenüber am Tariftisch, wir seien ,,schon jetzt zu teuer".

Uns ist klar: Alimentation und Tariflohn sind rechtlich zwei verschiedene Welten (Streikrecht gegen Versorgungsgarantie usw.). Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist die Praxis vor Ort: gleiche Tätigkeit, gleiche Verantwortung, gleicher Schreibtisch – und ein Einkommensabstand, der durch dieses Urteil eher noch größer wird.

Deshalb fordern wir für Stellen, die bei uns von TBs und Beamten gleichwertig besetzt werden, eine spürbare Annäherung der TB-Vergütung an das Beamtenniveau. Wenn der Staat sich verfassungsrechtlich verpflichtet sieht, seine Beamten ,,amtsangemessen" zu bezahlen, kann die Antwort an die Kollegin am Nebentisch nicht sein: für dich gilt das nicht.

Sehr gute Forderung. Ansprechpartner ist dafür der AG. Der Beamte am gleichen Tisch, ist nicht der Feind.

Warnstreik

Zitat von: ignaz in Heute um 08:18Wenn der Staat sich verfassungsrechtlich verpflichtet sieht, seine Beamten ,,amtsangemessen" zu bezahlen, kann die Antwort an die Kollegin am Nebentisch nicht sein: für dich gilt das nicht.

Du hast das einfach noch nicht durchdrungen - das ist doch ganz was anderes. ;-)

Die Krux an der Geschichte ist doch die Definition der Amtsangemessenheit: Hier kommt es (wie immer) auf den Bezugspunkt an. Vergleiche ich den Beamten mit derselben Tätigkeit als Angestellter ist das was dabei rauskommt mit ziemlicher Sicherheit amtsangemessen. Auch den Vergleich von Löhnen und Gehältern in der Wirtschaft braucht Beamter nicht zu scheuen - verbeamtete Lehrer gehören z.B. in den Ostdeutschen Bundesländern zu den Bestverdienern (zu Recht bei dem Job und dem Studium) und das was der Sachbearbeiter im Amt bekommt ist durchaus deutlich höher als vergleichbare Positionen im Mittel in der Wirtschaft. Das Problem ist, dass man als Staat eben die ganze Sippe auskömmlich versorgen will. Das war mal angemessen, aber die Zeiten haben sich eben geändert. Gerade der Vergleich mit der Grundsicherung ist albern: Grundgesicherte haben massive Pflichten, werden zum Arbeiten faktisch gezwungen und dürfen kein Vermögen aufbauen bzw. müssen es vorher abbauen. Kinder werden teils genötigt nach dem mittleren Abschluss die Schule zu verlassen um einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Wieso ist DAS der Bezugspunkt und nicht der Vollzeit arbeitende Kollege?
Bzw. bei den Tarifverhandlungen ist der Kollege ja dann doch als Bezugspunkt gut genug, man will dessen magere Erhöhung ja auch direkt haben.

MoinMoin

Zitat von: Scull in Heute um 07:52aber gerade im höheren Dienst wird die aA dazu führen, dass der Abstand krass auseinanderdriften wird.
Ja, weil dort die "Vergleichsgruppe" in der freien Wirtschaft eben auch so weit entfernt vom TV sind.
Daher muss dort zurecht ordentlich draufgepackt werden, oder wollen wir nur drittklassige Staatsanwälte und Richter?
Insofern muss da bei den Beamten ne ordentlich Schippe draufgelegt werden und bei den An muss man halt zu sehen wo man bleibt, man hat doch die Wahlfreiheit. Oder warum werden die höherwertigen Dinge im MINT Bereich nur noch von Beraterfirmen und nicht aus eigenerer Kraft erledigt?

Scull

Zitat von: MoinMoin in Heute um 08:54Ja, weil dort die "Vergleichsgruppe" in der freien Wirtschaft eben auch so weit entfernt vom TV sind.
Daher muss dort zurecht ordentlich draufgepackt werden, oder wollen wir nur drittklassige Staatsanwälte und Richter?
Insofern muss da bei den Beamten ne ordentlich Schippe draufgelegt werden und bei den An muss man halt zu sehen wo man bleibt, man hat doch die Wahlfreiheit. Oder warum werden die höherwertigen Dinge im MINT Bereich nur noch von Beraterfirmen und nicht aus eigenerer Kraft erledigt?

Also ich weiss nicht wie es bei anderen aussieht, aber wir bzw. ich in meinem Bereich mache alles selbst, und ja, das sind höherwertige Dinge im MINT Bereich.
Verstehe ich auch nicht, warum soviel an andere vergeben wird, v.a. extern

Naja Wahlfreiheit hin oder her, wenn ich die gleichen Tätigkeiten mache, sollte es keine extremen Unterschiede in der Bezahlung geben.

Ich habe aktuell zu 80% Tätigkeiten, die damals Beamte gemacht haben.

Wenn das nur noch Beamte machen sollen, würde das hier gar nicht gehen

MoinMoin

Zitat von: ignaz in Heute um 08:18Bei uns in der Behörde sitzen Tarifbeschäftigte und Beamte oft am selben Tisch, an zwei Arbeitsplätzen, und machen dieselbe Arbeit. Bezahlt werden wir dafür sehr unterschiedlich.

Wie kommt das?
Das ist doch das einzige Problem!
Entweder der Beamte ist da fehl am Platze und dürfte dort nicht existieren, da keine hoheitlichen Aufgaben und man keinen Beamten braucht.
Oder, der Angestellte macht hoheitliche Aufgaben ("führt" z.B. Durchsuchungen durch, als Angestellter) und müsste korrekterweise (wenn man das ganz ernst nehmen würde mit den hoheitlichen Aufgaben) Beamter sein.

MoinMoin

Zitat von: Scull in Heute um 08:57Naja Wahlfreiheit hin oder her, wenn ich die gleichen Tätigkeiten mache, sollte es keine extremen Unterschiede in der Bezahlung geben.

Ich habe aktuell zu 80% Tätigkeiten, die damals Beamte gemacht haben.
s.o. Wieso ist das so?!
ZitatWenn das nur noch Beamte machen sollen, würde das hier gar nicht gehen
Warum? Beamte sind dümmer? Beamte haben keine MINT Ausbildung?

Rheini

Zitat von: MoinMoin in Heute um 08:59Das ist doch das einzige Problem!
Entweder der Beamte ist da fehl am Platze und dürfte dort nicht existieren, da keine hoheitlichen Aufgaben und man keinen Beamten braucht.
Oder, der Angestellte macht hoheitliche Aufgaben ("führt" z.B. Durchsuchungen durch, als Angestellter) und müsste korrekterweise (wenn man das ganz ernst nehmen würde mit den hoheitlichen Aufgaben) Beamter sein.


Und wenn der DH das zukünftig ändert, wird das oben genannte Argument "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" nicht mehr zum tragen kommen.

Scull

Zitat von: MoinMoin in Heute um 09:00s.o. Wieso ist das so?!Warum? Beamte sind dümmer? Beamte haben keine MINT Ausbildung?

Nein, weil nicht vorhanden in unserem Bereich. Man müsste neu einstellen.

Scull

Zitat von: Rheini in Heute um 09:01Und wenn der DH das zukünftig ändert, wird das oben genannte Argument "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" nicht mehr zum tragen kommen.

Ja ok, das kann der DH natürlich ändern, dann müsste er aber auch für eine entsprechende Personalisierung hier sorgen.

MoinMoin

Zitat von: Scull in Heute um 09:56Nein, weil nicht vorhanden in unserem Bereich. Man müsste neu einstellen.
Beamte werden nicht eingestellt  8)

ignaz

Zitat von: MoinMoin in Heute um 09:00s.o. Wieso ist das so?!Warum? Beamte sind dümmer? Beamte haben keine MINT Ausbildung?

sagt niemand.... Aber ihrer eigenen Expertise scheinen Sie nicht zu trauen, oder warum stellen wir für jede halbwegs komplizierte Aufgabe Externe Berater zu horrenden Kosten ein, während wir Experten versuchen mit TVL/TVÖD Gehältern zu "locken" aber direkt wissen, dass die nur für  Netto Gehälter (inkl. Zulagen) die im ÖD nur Beamte erhalten kommen würden.

Einfach die Zulagen für alle Beamten auch auf die Tarifbeschäftigten anwenden. Dann wäre der Zulauf massiv. Aber für ne e13 mit Personalverantwortung keine 4k Netto (ohne persönlich ausgehandelte Zulage) als "Gut entlohnt" darzustellen ist nicht ganz nachvollziehbar.


MoinMoin

Zitat von: ignaz in Heute um 10:32sagt niemand.... Aber ihrer eigenen Expertise scheinen Sie nicht zu trauen, oder warum stellen wir für jede halbwegs komplizierte Aufgabe Externe Berater zu horrenden Kosten ein, während wir Experten versuchen mit TVL/TVÖD Gehältern zu "locken" aber direkt wissen, dass die nur für  Netto Gehälter (inkl. Zulagen) die im ÖD nur Beamte erhalten kommen würden.

Einfach die Zulagen für alle Beamten auch auf die Tarifbeschäftigten anwenden. Dann wäre der Zulauf massiv. Aber für ne e13 mit Personalverantwortung keine 4k Netto (ohne persönlich ausgehandelte Zulage) als "Gut entlohnt" darzustellen ist nicht ganz nachvollziehbar.
Komisch bei uns bekommen die EG13er 4K Netto.

Aber hast natürlich recht, dass das eben durchaus nicht immer mit den Gehältern "draußen" konkurrieren kann.

ignaz

Zitat von: MoinMoin in Heute um 10:50Komisch bei uns bekommen die EG13er 4K Netto.

Aber hast natürlich recht, dass das eben durchaus nicht immer mit den Gehältern "draußen" konkurrieren kann.

Knapp 4k Netto -> ist halt SB Gehalt im Großkonzern und als Beamter mit 2 Kindern und e10 schafft man das auch ganz easy:

A10 - 2 Kinder TVL Berlin, Stufe 8 (Nur Fam. Zuschlag genommen) landet ziemlich genau Beim e13er (Chef oder Chef Chef) - ein Schuss ins blaue...egal, es geht auch nicht um die 50€ mehr oder Weniger
https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/beamte/be?id=beamte-berlin-2026b&g=A_10&s=12&f=3&fstand=v&z=100&fz=100&zulageid=10.1&zulageid=10.2&zulage=&stj=2026&stkl=1&lst4f=0.000&r=0&zkf=1&pvk=0&pkpv=

Letzlich kann man natürlich immer den "Single" Beamten nehmen ohne Kinder zur Vergleichberechnung. Aber die Lebensrealität sieht anders aus.
Als TB/AN scheut man sich vor Kindern, weil es einfach große Kostenträger sind - Kita, Schule, Essensgeld. Wenn das vom Staat alles gestellt wird, natürlich ein kleineres Thema.
Und wenn man mal ehrlich ist, braucht man doch gerade in dieser Phase das Geld.

Beamter 30 - Frau angestellt in Wirtschaft: hey lass mal 3 Kinder machen - FamZuschlag regelt. Eigentum ist möglich, Urlaub auch - Altersvorsorge? Wozu, gibt doch Pension!

TB 30 - hey lass mal 3 Kinder machen -> Eigentum (haha), FamZuschlag (haha), Gehalt aus der Wirtschaft(haha), Pension (haha du hast doch "Rente" oder auch nicht, sorge mal lieber selbst vor)

Ich glaube niemand will die Beamten dauerhaft bashen, aber irgendwie ist doch der Wurm drin und wenn man dann die "amtsangemessene Allimentation" hört fällt mir eigentlich nur ein Spruch ein: "Der Teufel sch+++t immer auf den größten Haufen oder sachter "Es regnet immer dorthin, wo es schon nass ist".