Rentenreform 2026/ 2027

Begonnen von BAT, 23.06.2026 13:27

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Faunus

Zitat von: MoinMoin in Heute um 13:44Ja, die Kommission empfiehlt doch, dass alles beschlossen wird auch auf die Beamten zu übertragen.

Bitte?

Wo empfiehlt die Rentenkommission die Abschaffung der ATZ bei TB, die im ÖD (TV-L) vor Jahren ausgelaufen ist? (Dafür wurde dann das Sabbatical als "kann" aufgenommen).
Du vermischt Rentenversicherung mit Tarifvertrag!
Und vor allem wie soll das Übertragen werden, wenn es garnicht in den 33 Vorschlägen enthalten ist?


cyrix42

Zitat von: Faunus in Heute um 11:47Es ist müsig über ungelegte Eier zu diskutieren, aber die Expertenkommission hat nicht aus Jux&Tollerei empfohlen für geplante Verschärfungen (z. B. den Wegfall bestimmter Frühverrentungsmodelle wie der "Rente mit 63") einen zeitlichen Vorlauf von mindestens fünf Jahren zu wählen.

Die Regierung sagt, sie will den Empfehlungen vollständig folgen. Ich bin gespannt! Dazu gehören schließlich auch die 5 Jahre Vorlauf!

Also, ich habe jetzt mal das Papier der Rentenkommission kurz quergelesen (bzw. Dinge gesucht). Die einzige Stelle, wo von "Vertrauensschutz" die Rede ist, ist bei der Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte. Aber auch dort ist nicht von "5 Jahren Vorlauf" die Rede, sondern von "unter Berücksichtigung des verfassungsrechtlich gebotenen Vertrauensschutzes zum frühestmöglichen Zeitpunkt". Bezüglich der Neuregelung der Altersteilzeit findet sich dazu nichts...

BAT

Diese fünf Jahre wurden von einem Mitglied der Kommission indirekt erwähnt. Auf die Frage nach Übergangszeiten, war die Antwort wohl, dass das Verfassungsgericht bisher in etwas fünf Jahre als Vertrauensschutz angesehen hätte.

Das Beamtenrecht ist eigentlich meines Erachtens eigentlich nicht direkt Aufgabe der Kommission. Ebenso wie Tarifverträge es nicht sind.

Da aber auch Vorschläge enthalten sind, die das System potentiell schwächen, bin ich mir wegen der Ausrichtung der Kommission nicht mehr so ganz sicher.

Faunus

Ich habe da auch so meine Zweifel - inzwischen.

Welche Expertise Pacal Reddig hat - außer jung und in der CDU das aufsteigende Sternchen zu sein - ist mir auch nicht so klar.
Laut WIKI ist er als angestellter Rechtsanwalt in einer Frankfurter Kanzlei für Presse- und Medienrecht tätig.
Medial verkaufen kann er sich! Ob er Wirtschafts- und Rentenexperte ist, wohl eher nicht!

Das die Jüngeren nicht bei 23 % Rentenbeiträgen landen wollen - ebenso die AG - kann ich absolut verstehen, aber das macht noch keinen zum Experten für die Thematik.
*kopfschüttel*

cyrix42

Zitat von: Faunus in Heute um 14:27Welche Expertise Pacal Reddig hat - außer jung und in der CDU das aufsteigende Sternchen zu sein - ist mir auch nicht so klar.

[...]

Das die Jüngeren nicht bei 23 % Rentenbeiträgen landen wollen - ebenso die AG - kann ich absolut verstehen, aber das macht noch keinen zum Experten für die Thematik.
*kopfschüttel*

Naja, jede der drei Regierungsparteien durfte eine_n Abgeordnete_n in die Kommission entsenden und Union sowie SPD jeweils 5 Fachleute benennen/ berufen. Von diesen 10 sind 8 Wirtschafts-Profs und die anderen beiden standen/ stehen entsprechenden Organisationen vor.

Ich würde also sagen, dass die drei Abgeordneten hier so ein bisschen die Rolle hatten, die 10 tatsächlichen Fachleute insofern etwas zu betreuen, als dass da keine Vorschläge rauskommen, die dann nicht auch politisch umsetzbar sind.

Faunus

#230
Zitat von: cyrix42 in Heute um 13:57Also, ich habe jetzt mal das Papier der Rentenkommission kurz quergelesen (bzw. Dinge gesucht). Die einzige Stelle, wo von "Vertrauensschutz" die Rede ist, ist bei der Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte. Aber auch dort ist nicht von "5 Jahren Vorlauf" die Rede, sondern von "unter Berücksichtigung des verfassungsrechtlich gebotenen Vertrauensschutzes zum frühestmöglichen Zeitpunkt". Bezüglich der Neuregelung der Altersteilzeit findet sich dazu nichts...


Suchfunktion: Plaungssicherheit => UNter III.2 Renteneintritt, S. 23 und weiter auf Seite 24.
Sorry, vergessen => Empfehlung 6, Seite 25 letzter Punkt.

Außerdem meine ich, dass der Ökonom Peter Bofinger davon gesprochen hat.


Faunus

Zitat von: cyrix42 in Heute um 14:43Ich würde also sagen, dass die drei Abgeordneten hier so ein bisschen die Rolle hatten, die 10 tatsächlichen Fachleute insofern etwas zu betreuen, als dass da keine Vorschläge rauskommen, die dann nicht auch politisch umsetzbar sind.

Ich halte einiges für (politisch) schwer umsetzbar - möglicherweise, weil die 3 dabei waren 8)

Am Ende entscheidet doch sowieso der Bundestag, Bundesrat, Vermittlungsausschuss etc. was läuft oder nicht. Das gibt noch jede Menge Diskussionsbedarf. Bin ich mir sicher und ist auch legitim.

BAT

Es ist halt immer wieder schön, dass meine geliebten Talk-Shows (Maischberger, Illner, etc.) in den Behördenurlaub gehen, wenn doch mal wirklich was zu diskutieren ist.  ;)

Zumindest läuft mein geliebter Presseclub fast regelmäßig nachdem er X-mal ausgefallen ist wegen Sport oder Karenval ;D

Ernsthaft. Sowas gehört auch in eine öffentliche Debatte.

Hugo Stieglitz

Ich habe das ja schon mal geschrieben und mich unbeliebt gemacht. Genau die Jahrgänge, die kurz vor der Rente stehen, sind die, für die kurzfristig eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit eingeführt werden müsste. Sie haben das demografische Problem mitverursacht. Sie wuchsen selbst mit vielen Geschwistern auf, haben dann aber zu wenige Kinder bekommen. Die dadurch eingesparten Kosten wurden in den eigenen Lebensstandard oder in Vermögen investiert. Dafür sollen deren Kinder jetzt länger arbeiten und am Ende weniger bekommen.
Wer leistungsfähig ist, zieht deshalb gern weg. Die Zahlen hochqualifizierter Auswanderer steigen, auch unter den mühsam angeworbenen Fachkräften. Und wer bleibt, geht gerne in Teilzeit. Denn die junge Generation weiß, dass Lebenszeit nicht verbeitragt oder besteuert werden kann.
Auch die Boomer-Generation hatte es nicht einfach, aber das, was uns nun bevorsteht, ist eine Abwärtsspirale, bei der auch die Boomer erkennen müssen, dass sie nicht gewinnen können, wenn es ihren Kindern schlecht geht.

BAT

Es muss halt alles ineinander greifen, von der Rente, Kranken- und Pflegeversicherung vor allem hin zur Einkommensteuer.

Wenn ich aber die bisher kolportierten Nettobeträge nach der Reform in Höhe von mehreren 100 € im Jahr sehe, kann ich keine wirkliche Trendwende sehen. Eher noch mehr Teilzeit. Mehrere 100 € im Monat mehr müssten eigentlich das Ziel sein. Aber dafür fehlt der Wille.

Faunus

Zitat von: Hugo Stieglitz in Heute um 15:21Genau die Jahrgänge, die kurz vor der Rente stehen, sind die, für die kurzfristig eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit eingeführt werden müsste. Sie haben das demografische Problem mitverursacht.


Wie lange ist das demografische Problem bekannt!


Zitat von: Hugo Stieglitz in Heute um 15:21Sie wuchsen selbst mit vielen Geschwistern auf, haben dann aber zu wenige Kinder bekommen. Die dadurch eingesparten Kosten wurden in den eigenen Lebensstandard oder in Vermögen investiert. Dafür sollen deren Kinder jetzt länger arbeiten und am Ende weniger bekommen.


Dann wäre doch eine Vermögens- und Erbschaftssteuer die logische Konsequenz 8) 


Zitat von: Hugo Stieglitz in Heute um 15:21Wer leistungsfähig ist, zieht deshalb gern weg. Die Zahlen hochqualifizierter Auswanderer steigen, auch unter den mühsam angeworbenen Fachkräften.

Die zieht es alle in die USA oder in die Emirate ;)
Ja, die mühsam angeworbenen Fachkräfte in der Pflege werden auf Grund ihrer Herkunft, usw. gemobbt. Wer würde da nicht wieder lieber nach Hause gehen!



Zitat von: Hugo Stieglitz in Heute um 15:21Und wer bleibt, geht gerne in Teilzeit. Denn die junge Generation weiß, dass Lebenszeit nicht verbeitragt oder besteuert werden kann.

Die junge Generation ist arbeitswillig, bekommt aber aktuell schwer Zugang zum Arbeitsmarkt oder bei uns z.B. auch nur Teilzeit- bzw. befristete Verträge.
Das Problem ist, dass zu viele Klein-Klein-Scheixx studiert haben und zu wenige gelernt haben, was lösungsorientiertes Arbeiten ist.
Der Bologna-Prozeß war der Anfang der Abwärtsspirale.

Zitat von: Hugo Stieglitz in Heute um 15:21Auch die Boomer-Generation hatte es nicht einfach, aber das, was uns nun bevorsteht, ist eine Abwärtsspirale, bei der auch die Boomer erkennen müssen, dass sie nicht gewinnen können, wenn es ihren Kindern schlecht geht.

Es geht nicht um gewinnen, sondern um eine Verteilung, die in unserem reichen Land in eine völlige Schieflage geraten ist. Es macht wenig Sinn an der Rente rumzubasteln und den ganzen großen Rest außen vorzulassen.

cyrix42

Zitat von: Faunus in Heute um 14:46Suchfunktion: Plaungssicherheit => UNter III.2 Renteneintritt, S. 23 und weiter auf Seite 24.
Sorry, vergessen => Empfehlung 6, Seite 25 letzter Punkt.

Außerdem meine ich, dass der Ökonom Peter Bofinger davon gesprochen hat.



Danke für die Hinweise:

Auf S. 23 geht es um die Empfehlung Nr. 5, also die weitere Anhebung der Regelaltersgrenze über 67 hinaus. Dies soll ab 2031 geschehen; also dann, wenn die bisherige Anhebung der Grenze auf 67 ihren Endwert erreicht. Hier wird sich darauf bezogen, dass man die Regelung zeitnah umsetzen sollte; ein früherer Beginn war aber eh nicht geplant.

Deinen zweiten Fund hatte ich oben schon genannt. Da geht es um die Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte und lautet

ZitatDie Rente für besonders langjährig Versicherte soll unter Berücksichtigung des verfassungsrechtlich gebotenen Vertrauensschutzes zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgeschafft werden.

Also: So schnell wie möglich. Von "5 Jahren" steht da nichts. Wie groß dieser "verfassungsrechtlich gebotener Vertrauensschutz" ist, ist zumindest in dem Dokument nicht definiert.

MoinMoin

Zitat von: cyrix42 in Heute um 18:59Also: So schnell wie möglich. Von "5 Jahren" steht da nichts. Wie groß dieser "verfassungsrechtlich gebotener Vertrauensschutz" ist, ist zumindest in dem Dokument nicht definiert.
Wäre auch noch schöner wenn sie so was definieren könnten 8)

Gemeinhin wird aber vom BVerfG 5 Jahre als geboten angesehen.
Also die Jahrgänge bis 65/66 dürften Safe seine.

Faunus

Ah... der Ursprung der beiden Regelungen ist der Gleiche - meine ich zumindest.
Eine Festlegung des Bundesverfassungsgericht, dass ca. 5 Jahre Planungssicherheit gegeben sein müssen - wo das Urteil gefallen ist und dann nochmals bekräftigt wurde, weiß ich nicht = "verfassungsrechtlich gebotener Vertrauensschutz". Das war in eine Interview mit ähm... kann ich mich nicht erinnern.
Egal!

Faunus

Zitat von: MoinMoin in Heute um 19:12Also die Jahrgänge bis 65/66 dürften Safe seine.


Das glaube ich erst, wenn ich es weiß! ;)