[RP] Verbeamtung: Ja / Nein?

Begonnen von blumenhans, 16.06.2024 11:16

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blumenhans

Hallo allerseits,

ich arbeite in einer Kommunalverwaltung und mein AG hat mir gegenüber die Bereitschaft für eine Verbeamtung signalisiert. Nun stellt sich mir die Frage, inwieweit ein Beamtenverhältnis für mich in meiner persönlichen Situation überhaupt Sinn macht.

Trotz längerer Recherche, reichlicher Überlegung und Rücksprache mit der Personalabteilung kann ich kein belastbares Fazit ziehen, weshalb ich mich an euch wende in der Hoffnung, dass ich auf diesem Weg weitere Erkenntnisse erhalte, die meine Entscheidungsfindung erleichtern. Die wesentlichen Pros/Contras sind mir durchaus bekannt. Jedoch kann ich nicht einschätzen, ob das mir unterbreitete Angebot langfristig betrachtet wirtschaftlich/finanziell sinnvoll ist (insbesondere weil ich angesichts meines Alters hinsichtlich der Pension nicht alle Dienstjahre erreichen werde) oder ob ich als Tarifangestellter besser fahren würde.

Aktuell bin ich in der E12 Stufe 4 eingruppiert. Mir wurde nun die Besoldungsgruppe A10/6 angeboten, vermutlich könnte ich nach einem Jahr in die A11/6 aufsteigen. Ich bin 37 Jahre alt, verheiratet, kinderlos und seit sechs Jahren im ÖD tätig. Ein Aufstieg in eine höhere Besoldungsgruppe wäre nach meiner Einschätzung, wenn überhaupt, erst in 10+ Jahren möglich.

Ich danke für eure Unterstützung.

Hallo allerseits,

ich arbeite in einer Kommunalverwaltung und mein AG hat mir gegenüber die Bereitschaft für eine Verbeamtung signalisiert. Nun stellt sich mir die Frage, inwieweit ein Beamtenverhältnis für mich in meiner persönlichen Situation überhaupt Sinn macht.

Trotz längerer Recherche, reichlicher Überlegung und Rücksprache mit der Personalabteilung kann ich kein belastbares Fazit ziehen, weshalb ich mich an euch wende in der Hoffnung, dass ich auf diesem Weg weitere Erkenntnisse erhalte, die meine Entscheidungsfindung erleichtern. Die wesentlichen Pros/Contras sind mir durchaus bekannt. Jedoch kann ich nicht einschätzen, ob das mir unterbreitete Angebot langfristig betrachtet wirtschaftlich/finanziell sinnvoll ist (insbesondere weil ich angesichts meines Alters hinsichtlich der Pension nicht alle Dienstjahre erreichen werde) oder ob ich als Tarifangestellter besser fahren würde.

Aktuell bin ich in der E12 Stufe 4 eingruppiert. Mir wurde nun die Besoldungsgruppe A10/6 angeboten, vermutlich könnte ich nach einem Jahr in die A11/6 aufsteigen. Ich bin 37 Jahre alt, verheiratet, kinderlos und seit sechs Jahren im ÖD tätig. Ein Aufstieg in eine höhere Besoldungsgruppe wäre nach meiner Einschätzung, wenn überhaupt, erst in 10+ Jahren möglich.

Ich danke für eure Unterstützung.

Modedit 18.06.2024:
- Anpassung Threadtitel (Länderkürzel)
- Verschoben nach Beamte Länder/Kommunen

Tagelöhner

Ich kann nur empfehlen die dutzenden Threads im Forum zu diesem Thema (mit Hilfe der Suchfunktion) zu durchforsten, da wurden alle Vor- und Nachteile wirklich oft hoch und runter diskutiert.

Dein Fall klingt für mich recht eindeutig so, als ob deine Kommune kurz-/mittelfristige Ziele zur Einsparung von Personalkosten, also auch offensichtliche Eigeninteressen verfolgt. Als A10 Beamter ohne Kinder bist du für die Kommune deutlich günstiger, als ein E12-Angestellter.
Nur mit ausgeprägtem Humorsinn weiterlesen: Ich habe nichts gegen Beamte, wirklich! Die tun ja nix! :-)

Carla

Ich würde in dieser Konstellation eindeutig Tarifbeschäftigter bleiben. Wo siehst Du denn die Vorteile für eine Verbeamtung? Das Netto-Gehalt ist ja nahezu identisch. Als Beamter musst du davon noch die private KK zahlen. Endstufe A11 zu Endstufe EG 12 ist ja auch eindeutig. Dazu die 41 Stunden-Woche, keine Jahressonderzahlung. Ich würde das zusätzliche Geld als private Altersvorsorge anlegen. Wie erklärt sich eigentlich die Kombi EG 12 und max. A11. Üblich ist ja eher A13 gehobener Dienst / A12 und EG 12.

blumenhans

Vielen Dank für die ersten Einschätzungen.

Die Kombi erkläre ich mir so: Vor wenigen Monaten gab es eine Veränderung meiner bisherigen Tätigkeit mit anschließender Stellenbewertung mit dem Ergebnis, dass die Tätigkeit der Entgeltgruppe E12 zuzuordnen ist. Allerdings wurde die vorhandene E12-Stelle, wenn ich es richtig aufgefasst habe, (noch?) nicht in A12 umgewandelt.

Vorteile sehe ich ggf. in der Versorgung und den Leistungen der PKV oder bei ggf. später eintretenden Erkrankungen (bei mir sind keine Vorerkrankungen bekannt).

Aus den gleichen Gründen wie ihr bin ich unschlüssig, inwieweit sich das Ganze am Ende tatsächlich rechnet, insbesondere weil derzeit absolut ungewiss ist bzw. mir nicht mitgeteilt werden kann, ob und wann sich mir mir die Möglichkeit einer A12-Stelle eröffnet.

MoinMoin

Zitat von: blumenhans in 16.06.2024 11:16ob das mir unterbreitete Angebot langfristig betrachtet wirtschaftlich/finanziell sinnvoll ist (insbesondere weil ich angesichts meines Alters hinsichtlich der Pension nicht alle Dienstjahre erreichen werde) oder ob ich als Tarifangestellter besser fahren würde.
Das klingt für mich (der stets Angestellter geblieben ist, trotz hD Möglichkeiten) für ein klares:
Nein!
Denn wenn man eine Verbeamtung wegen des finanziellen Anreize macht, dann ist man nicht geistig gut eingestellt für das Beamten leben und wird UU schnell gefrustet sein.

Bastel

Ich sehe da finanziell keinen Vorteil, vermutlich erstmal einen Nachteil. Wer weis ob die Stelle auf A12 geändert wird und wann du die A12 Beförderung bekommst. Du kannst ja mal eine Excel erstellen und dir den ,,ROI" ausrechnen.

2strong

Vorteile des Beamtenverhältnisses bestehen grundsätzlich in der PKV-Versorgung und der höheren Altersversorgung. Du müsstest mittelfristig allerdings zumindest die A 12 erreichen, sonst legst Du nach Abzug der PKV Geld dazu. Außerdem hast Du die E 12 bereits recht früh erreicht und zahlst entsprechend in die ZVK ein.

Siehst Du ne realistische Chance, irgendwann noch die A 13 zu erreichen?

blumenhans

Danke für eure Antworten!

@Bastel: In der Tat ist die A12 nach aktueller Kenntnislage sehr fraglich à la Glaskugel. Danke für den Tipp mit der ROI-Tabelle, den ich beherzigen werde :-)

@2Strong: Dass ich mittelfristig in die A12 kommen würde, ist derzeit absolut nicht abzusehen.
Die grundsätzliche Möglichkeit, irgendwann in die A13 zu kommen, schließe ich zwar nicht sicher aus, ist aber doch sehr unwahrscheinlich.

Realistischer wäre, die A13 bei einem anderen Dienstherrn zu erhalten (z. B. Ministerium), was ich aufgrund der Verlagerung meines Lebensmittelpunktes nur ungern bzw. nicht machen würde. Insgesamt bin ich mit meiner Tätigkeit und meinem Arbeitsumfeld so weit zufrieden.

Verstehe ich das richtig, dass ich deines Erachtens aufgrund der "frühen" E12 vergleichsweise "viel" in die ZVK einzahle, sodass sich der Unterschied zwischen Pension und Rente relativiert?

KlammeKassen

Zitat von: blumenhans in 16.06.2024 15:22
Danke für eure Antworten!

@Bastel: In der Tat ist die A12 nach aktueller Kenntnislage sehr fraglich à la Glaskugel. Danke für den Tipp mit der ROI-Tabelle, den ich beherzigen werde :-)

@2Strong: Dass ich mittelfristig in die A12 kommen würde, ist derzeit absolut nicht abzusehen.
Die grundsätzliche Möglichkeit, irgendwann in die A13 zu kommen, schließe ich zwar nicht sicher aus, ist aber doch sehr unwahrscheinlich.

Realistischer wäre, die A13 bei einem anderen Dienstherrn zu erhalten (z. B. Ministerium), was ich aufgrund der Verlagerung meines Lebensmittelpunktes nur ungern bzw. nicht machen würde. Insgesamt bin ich mit meiner Tätigkeit und meinem Arbeitsumfeld so weit zufrieden.

Verstehe ich das richtig, dass ich deines Erachtens aufgrund der "frühen" E12 vergleichsweise "viel" in die ZVK einzahle, sodass sich der Unterschied zwischen Pension und Rente relativiert?

Ja, die Differenz dürfte dann nicht ganz so groß sein. Je jünger du bist, desto höher ist der Multiplikator für die Versorgungspunkte. D.h., wenn du beispielsweise 60.000 Euro im Jahr verdient, gibt es mehr Punkte, wenn du 30 bist als wenn du 50 bist (zumindest wenn du bei der VBL bist; wie das bei anderen Versorgungskassen ist, weiß ich nicht)

Und du sagtest ja, dass du für Verbeamtung ohnehin nicht meht die 71,75 % vollmachen kannst, daher wäre die Pension bei dir ja ohnehin nicht beim Maximum.

MoinMoin

,, Verstehe ich das richtig, dass ich deines Erachtens aufgrund der "frühen" E12 vergleichsweise "viel" in die ZVK einzahle, sodass sich der Unterschied zwischen Pension und Rente relativiert?"
Ja, der Gap ist dann überschaubar.
Das könntest du dir selbst ausrechnen, was du an Rente plus vbl erwarten kannst und was du an Pension bekommst.

2strong

@ Blumenhans
Von welchem Bundesland reden wir? Dann kann man das nämlich mal überschlagsweise ausrechnen und gegenüberstellen.

Bastel

Um welches Bundesland geht es eigentlich?

Casa

Ich habe das Ganze grob durchgerechnet.
Annahme: E12, Stufe 5 für 5 Jahre, anschließend Stufe 6 für 25 Jahre.
Macht im Ergebnis 2.153 € Bruttorente allein ab Stand heute und mit aktuellem Wert der Rentenpunkte.
Dazu kommen die bisherigen Ansprüche und die Versorgung der ZVK.

(ich sehe gerade oben steht E12 Stufe 4, der Unterschied ist aber nicht so groß)

Annahme: Einstellung A11, Endamt A11 in NRW.
Pension brutto 2.480 €.
Dazu kommen wahrscheinlich Anrechnungszeiten aus dem öD (5 Jahre oder mehr), bedeutet + 415 € Bruttopension.


Verdienst netto Angestellter. 3650 € - 3800 €.

Verdienst netto Beamter A11 Stufe 6 3.367 € bis Stufe 12 3789 €. Davon ist die PKV abzuziehen, ca. 300 €, eher 350 €.


Bei Kinderwunsch bzw. wenn du heiraten solltest oder ab A12 (jetzt!) lohnt sich die Verbeamtung etwas eher. Gerade die Kinder kosten und das schmälert die Möglichkeit dir durch Investition bis ins Alter eine weitere Versorgung aufzubauen. Wobei die Differenz Rente und mögliche Pension gering ist.


Finanziell lohnt es sich aktuell nicht. Es wäre sogar ein Nachteil.

Bitte beachten, beim aktuellen Verdienst muss betrachtet werden, dass der Beamte bei dauernder Dienstunfähigkeit Ansprüche hat, die ein AN gesondert absichern muss und dies kostet entsprechend.
Gib mir ein Minus, wenn dir meine Beiträge gefallen. :-)

Bob Kelso

Zitat von: blumenhans in 16.06.2024 11:16
Hallo allerseits,

ich arbeite in einer Kommunalverwaltung und mein AG hat mir gegenüber die Bereitschaft für eine Verbeamtung signalisiert. Nun stellt sich mir die Frage, inwieweit ein Beamtenverhältnis für mich in meiner persönlichen Situation überhaupt Sinn macht.

Trotz längerer Recherche, reichlicher Überlegung und Rücksprache mit der Personalabteilung kann ich kein belastbares Fazit ziehen, weshalb ich mich an euch wende in der Hoffnung, dass ich auf diesem Weg weitere Erkenntnisse erhalte, die meine Entscheidungsfindung erleichtern. Die wesentlichen Pros/Contras sind mir durchaus bekannt. Jedoch kann ich nicht einschätzen, ob das mir unterbreitete Angebot langfristig betrachtet wirtschaftlich/finanziell sinnvoll ist (insbesondere weil ich angesichts meines Alters hinsichtlich der Pension nicht alle Dienstjahre erreichen werde) oder ob ich als Tarifangestellter besser fahren würde.

Aktuell bin ich in der E12 Stufe 4 eingruppiert. Mir wurde nun die Besoldungsgruppe A10/6 angeboten, vermutlich könnte ich nach einem Jahr in die A11/6 aufsteigen. Ich bin 37 Jahre alt, verheiratet, kinderlos und seit sechs Jahren im ÖD tätig. Ein Aufstieg in eine höhere Besoldungsgruppe wäre nach meiner Einschätzung, wenn überhaupt, erst in 10+ Jahren möglich.

Ich danke für eure Unterstützung.

Um welches Bundesland handelt es sich?

blumenhans

Hallo allerseits,

zunächst möchte ich mich bei euch allen für die tollen Beiträge und die informativen Kommentare herzlich bedanken! Mit so einer Unterstützung habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ihr seid der Hammer!

Es handelt sich um Rheinland-Pfalz.