42-Stunden-Woche im TVöD-Bund "Wer würde sie tatsächlich nutzen?"

Begonnen von Patrick2442, Heute um 15:24

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Patrick2442

Hallo zusammen,

im neuen TVöD-Bund (§6 Abs.1a) gibt es die Möglichkeit, die Arbeitszeit auf bis zu 42 Stunden pro Woche freiwillig zu erhöhen. In unserer Dienststelle würden sowohl die Leitung als auch ich einer solchen freiwilligen Erhöhung zustimmen (theoretisch also alles einvernehmlich).

Allerdings erschwert eine Durchführungsverfügung des BMI die praktische Umsetzung. So sollen z. B. eine Mitarbeiter-Vakanz bestehen und vorher Überstunden angeordnet gewesen sein. Dabei verlangt der Tarifvertrag selbst nur, dass die Erhöhung einvernehmlich erfolgt. Für mich wirkt das unnötig einschränkend, gerade weil die Möglichkeit in der Praxis viel Sinn machen könnte.

Bei uns arbeiten fast 600 Tarifbeschäftigte, und bisher hätten nur ein paar vom Küchenpersonal Anspruch gehabt. Dennoch ist die Nachfrage groß, viele Kolleg:innen hätten wirklich Interesse, die Arbeitszeit freiwillig zu erhöhen.

Warum es für uns praktisch sinnvoll wäre:

  • Grünpflege / Parkplatz: Später am Tag sind weniger Autos da – Aufgaben können sicherer erledigt werden, gleichzeitig wird Schaden an Fahrzeugen und Material minimiert.
  • Elektriker / Travos: Spätere Erreichbarkeit reduziert Risiken und ermöglicht flexiblere Arbeitszeiten.
  • Klempner: Tätigkeiten wie verstopfte Toiletten können erledigt werden, wenn weniger Bewegung ist – Schutz für Mitarbeitende und effizientere Abläufe.
  • Zusätzlich attraktiv: Allein die Möglichkeit, länger zu arbeiten und dafür gut bezahlt zu werden, ist gerade für die kleineren Entgeltgruppen (3–8) ein echter Anreiz.

Wir haben lange auf die Gehalts- und Tarifvereinbarungen gewartet und auch gestreikt, um den öffentlichen Dienst attraktiver zu machen, gerade für das Stammpersonal. Dass solche Möglichkeiten dann praktisch nicht genutzt werden können, schwächt das Vertrauen und die Attraktivität des ÖD, vor allem, wenn die Mitarbeiter vor Ort stark eingebunden sind und oft übersehen werden.

Daher interessiert mich:

  • Wer hätte grundsätzlich Interesse, die Arbeitszeit freiwillig zu erhöhen?
  • Hat jemand die Verfügung gelesen und kann einschätzen, wie realistisch die Voraussetzungen bei euch sind?
  • Wie steht ihr zu der Regelung, dass eine ,,Mitarbeiter-Vakanz" Voraussetzung sein soll, obwohl der Tarifvertrag nur Einvernehmlichkeit verlangt?

Ich würde gerne ein Gefühl bekommen, ob die 42-Stunden-Woche für andere überhaupt relevant oder interessant wäre, oder ob das nur bei uns ein Thema ist.
Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen und Meinungen, vielleicht sehen wir, dass wir nicht die einzigen sind, die auf die Verfügung stoßen oder Interesse an einer längeren Arbeitszeit haben.

LG, Patrick[/font]

MoinMoin

Bei deinem "Warum es für uns praktisch sinnvoll wäre:" kann ich nicht eine Zeile erkennen die etwas mit der 42 Stunden Woche, sondern nur mit der Lage der Arbeitszeit zu tun hat.

Wenn Grünpflege wg. Auto abends gemacht werden soll, dann fängt man halt mittags an und arbeitet bis 21:00
...

Der AG scheint bei euch Angst zu haben, dass zwar mehr gearbeitet wird, er aber überhaupt nicht dieses mehr an Arbeiten benötigt.
So frei nach dem Motto: wenn ich 42h arbeiten darf, dann mähe ich 3x und nicht 2x im Monat den Rasen.

Aber ich gebe dir natürlich Recht, es ist Mist, wenn etwas tariflich ausgehandelt wird und dann vom AG konterkariert wird durch unnötige Hürden.

Patrick2442

Moin! Vielen lieben Dank für deinen Beitrag und dass du deinen Gedankengang geteilt hast, verstehe dich gut.

Zitat von: MoinMoin in Heute um 16:23Wenn Grünpflege wg. Auto abends gemacht werden soll, dann fängt man halt mittags an und arbeitet bis 21:00
Die Beispiele sollten tatsächlich nur einen Einblick in unseren Arbeitsalltag geben und waren nicht als abschließende Begründung für die 42-Stunden-Woche gedacht. Mein Gedankengang dabei war weniger eine reine Verschiebung der Arbeitszeiten, da dies für viele von uns mit Blick auf Routine und Freizeitgestaltung eher schwierig wäre.

Vielmehr geht es aus meiner Sicht um freiwillige und planbare Mehrarbeit, die auch entsprechend vergütet wird. Genau deshalb ist die Regelung im Tarifvertrag ja bewusst einvernehmlich gestaltet, sie soll nur dann greifen, wenn sowohl der Arbeitgeber als auch die Beschäftigten darin einen tatsächlichen Bedarf und Mehrwert sehen.

In diesem Zusammenhang erscheint mir lediglich die praktische Umsetzung mit zusätzlichen Voraussetzungen etwas erklärungsbedürftig, wenn vor Ort grundsätzlich Einigkeit besteht.[/font]

Umlauf

Bei uns interessieren sie diejenigen, die aufgrund der Arbeitsdichte viele Plusstunden anhäufen. Wenn das BMI in seinem Rundschreiben einschränkende Regularien definiert, ist es aufgrund der Tarifkonstruktion dessen gutes Recht, um die Meinung des AG Bund auszudrücken. Das ist die Aufgabe der Abteilung D im BMI.

Aber es gibt auch praktische Fragen, die es zu klären gilt.

Das Ding ist eine dritte Form der Arbeitszeit, die separat erfasst werden muss. Die notwendigen Anpassungen in der Zeiterfassung müssen beauftragt und bezahlt werden. Diese zusätzliche Berechnung muss mit den Bezügestellen vereinbart werden. Das ist auch nicht für umme. Diese pfeifen aber jetzt schon auf dem letzten Loch. Das notwendige Geld für das erhöhte Entgelt muss auch vorhanden sein. Zusätzliches Geld wird es vom BMF nicht geben. Wie das zu den vorgegebenen Einsparungen passt, kann man sich ausmalen.

Meine persönliche Meinung: Anfang 2029 steht die Evaluation dieser Regeln an. Da wird man es wieder beerdigen.
Damit enden Ende Dezember 2029 die Regeln zur:
- freiwilligen Erhöhung der Arbeitszeit
- Umwandlung eines Teils der JSZ in Urlaub
- der 31. Tag Urlaub

Nur noch laufende Vereinbarungen werden bis zu ihrem definierten Ende weitergeführt.

Grad die JSZ-Regelung sieht, wenn man sich die Detailregelungen ansieht, nicht mehr ganz so prickelnd aus