Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Umlauf

Zitat von: JUSTIFY in Gestern um 06:31Wenn man es nicht verstehen will.... Wie das heißt, oder was auch immer die wollen, es heißt ursprünglich Tarifverhandlungen. Die Interessen von Beamten können diese Gruppen hinterher vertreten. Bei uns ist das mehr als hinderlich, wie auch Lunius dir versucht hat zu vermitteln....

Ich verstehe schon den Punkt mit den potentiellen Interessenskonflikten.

Ausgang meiner Einlassung war die Aussage, dass der dbb nicht mehr am Verhandlungstisch sitzen müssen, wenn man das Berufsbeamtentum weitestgehend abgeschafft hätte.

Darauf meinte ich, dass sowohl verdi als auch die dbb-Gewerkschaften Beamte und Tarifbeschäftigte als Mitglieder haben und auch vertreten.
Wenn ich mit die Beamtenliste von verdi in unserem HPR ansehe, ist verdi bei den Beamten hier ganz gut dabei.

Für die Beamten können die Gewerkschaften viel fordern, die Dienstherren lachen sich innerlich eins. Ganz einfach, weil der Gesetzgeber recht selbstherrlich walten kann. Wie man sieht interessiert ihn selbst das Bundesverfassungsgericht nicht sonderlich stark.

Ganz nebenbei hatte der ,,dbb und Tarifunion" mit Ulrich Silberbach, der regelmäßig am Verhandlungstisch saß, von 2017 bis 2025 einen Tarifbeschäftigten als Vorsitzenden.

In den Tarifverhandlungen wird auch nicht über Beamten verhandelt. Aber ich dem darum herumgealber wird öffentlichwirksam die Übertragung gefordert. Was die Verhandler aber nicht wirklich interessiert.
Es ist Folklore, wie weite Teile der öD-Verhandlungen.

Frogger

Bundesländer ertrinken in Flut von Widersprüchen: Beamte (auch Lehrkräfte) fordern verfassungskonforme Besoldung ein - News4teachers https://share.google/oMLFSpPAqbMp47D8w


Beamte müssen angemessen allilemtiert werden, das Abstandgebot für höhere Besoldungsgruppen, die mehr Verantwortung tragen sollen besteht auch.

Die Kommentare spiegeln die Meinung dieses Forums wieder (die der TBs)

...keine Pointe

Umlauf

Zitat von: Rheini in Heute um 07:56Ich kann es nicht nachvollziehen, warum die AN im öffentl. Dienst sich gegeneinander attackieren. Müsste nicht eine Forderung gegenüber den AG gemeinsam für alle durchgesetzt werden?

Derzeit ist die Situation aber für den AG ideal, wenn er die AN Gruppen gegeneinander ausspielen kann.

Prinzipiell hast du recht.
Aber das funktioniert nur, wenn man alle relativ gesehen gleich behandelt.
Wenn man dann doch mal davon weggeht, damit man den unteren Bereich in Zeiten besonderer Lagen extra stärkt, wird das spätere Nachziehen der zurücksteckenden oberen Bereiche als unsolidarisch und unsozial von Gewerkschaftsseite bezeichnet.

Sprich: das auseinander Dividieren hat die AN-Seite selbst ordentlich befeuert.

Wenn ich allein zurückdenke, wie ich 2005 bei einem Gewerkschaftstreffen zusammengefaltet wurde, als ich als junger Mensch mit EG6 leichte Kritik wegen des TVöD äußerte.

Heute sehe ich mit zweistelliger EG besonders verdi kritisch. Daher habe ich auch die Gewerkschaft gewechselt.

Bei den Beträgen prozentual immer schön zulangen. Aber bei den Verhandlungen das gleiche Prinzip als unsozial bezeichnen.

Da braucht die AG-Seite nur zusehen.

Rheini

Mein Kommentar hat es explizit niemand den Schuld oder Unschuld gegeben.

Jeder muss an seinem Platz das machen, was gemacht werden muss. Und wenn man das nicht hinbekommt bzw. das einem zu wenig ist, bin ich auch für Konsequenzen ziehen. Was ich dann dennoch nicht verstehe ist, dass im Nachgang dann immer ein Bashing stattfinden muss was dem AG nur eins zeigt, nämlich das seine Taktik aufgegangen ist.

Ich habe gelernt das wenn nur der Leidensdruck an einer Stelle zu hoch ist, doch Lösungen gefunden werden.

Muschebubu

Zitat von: DiVO in Heute um 06:21... Oder vielleicht doch nicht so fürchterlich, wie mancher hier behauptet? Oder hat man es sich in der persönlichen Komfortzone inzwischen so bequem eingerichtet, dass man lieber meckert, als sich weiterentwickelt?



Genau das ist für mich das Problem – und mit Demokratie hat das wenig zu tun. Man muss keiner Gewerkschaft angehören, um sie kritisieren zu dürfen. Und man muss auch nicht den Arbeitgeber wechseln, nur weil man einzelne Bedingungen für falsch hält. Das ist kein ,,Komfortzonen"-Thema, sondern eine Frage von Haltung.

Was für mich allerdings nicht geht: ein Prozent meines Einkommens zu zahlen, um mir anschließend erklären zu lassen, meine Forderungen seien ,,unsozial" oder Ausdruck von Neid. Wenn eine Interessenvertretung anfängt, ihre eigenen Mitglieder in ,,unten" und ,,oben" zu sortieren und den einen mehr Legitimität zuspricht als den anderen, läuft etwas grundlegend schief.

Ja, ich verdiene mehr als manche Kolleginnen und Kollegen. Aber höhere Verantwortung verschwindet nicht dadurch, dass man sie moralisch relativiert. Führung bedeutet nicht ein paar Besprechungen und nette Gespräche, sondern echte Verantwortung – für Personal, Entscheidungen, Fehler und deren Konsequenzen. Das macht man nicht zum Spaß, und schon gar nicht ohne Belastung.

Steigende Kosten betreffen mich genauso wie andere. Und wer so tut, als seien bestimmte Entgeltgruppen per se weniger schutzwürdig, betreibt keine solidarische Politik, sondern Spaltung.

Ich kritisiere, was ich für falsch halte – gegenüber der Arbeitgeberseite genauso wie gegenüber der Gewerkschaft. In diesem Punkt hat die Gewerkschaft aus meiner Sicht ein Problem, das sie nicht wahrhaben will. Die Arbeitgeberseite übrigens auch.

Meine Konsequenz habe ich längst gezogen: Als klar wurde, dass meine Interessen von ver.di nicht mehr vertreten werden, habe ich 2009 gekündigt.

sebbo83

Zitat von: DiVO in Heute um 08:50Meine Argumentationskette ist genauso beschränkt wie dein Beispiel provokativ und von oben herab ist. Dieses Forum hier ist, wenn man den Beiträgen glaubt, eine Bubble von Personen in >= E10. Die meisten dieser Leute fühlen sich, oft ohne Mitgliedschaft, von Verdi ungerecht vertreten und schreien nach sozialer Gerechtigkeit.

Diese besteht natürlich darin, dass die besagten >= E10er nun doch endlich deutlich mehr Geld erhalten sollen, während die "niedrigen" Jobs doch bitte von Ausländern übernommen werden sollen, die doch mit dem bisherigen Gehalt schon völlig überbezahlt sind. Wow - diese Einstellung hätte ich jetzt in Stammtischgesprächen bildungsferner Personen erwartet und nicht bei hochqualifizierten Beschäftigten im öD.

Kann man so oder so lesen - hat nix von Stammtischgespräch zu tun. Mir ist die Statistik schon klar mit 6 % Ausländeranteil im öD und auch völlig außerhalb jeder Wertung - darum wird im Satz auch das Wörtchen "kann" ganz klar verwendet. Provokativ = gerne, von oben herab = sicherlich nicht, wenn man den Rest auch noch liest.

Umlauf

Zitat von: Muschebubu in Heute um 09:32Genau das ist für mich das Problem – und mit Demokratie hat das wenig zu tun. Man muss keiner Gewerkschaft angehören, um sie kritisieren zu dürfen. Und man muss auch nicht den Arbeitgeber wechseln, nur weil man einzelne Bedingungen für falsch hält. Das ist kein ,,Komfortzonen"-Thema, sondern eine Frage von Haltung.

Was für mich allerdings nicht geht: ein Prozent meines Einkommens zu zahlen, um mir anschließend erklären zu lassen, meine Forderungen seien ,,unsozial" oder Ausdruck von Neid. Wenn eine Interessenvertretung anfängt, ihre eigenen Mitglieder in ,,unten" und ,,oben" zu sortieren und den einen mehr Legitimität zuspricht als den anderen, läuft etwas grundlegend schief.

Ja, ich verdiene mehr als manche Kolleginnen und Kollegen. Aber höhere Verantwortung verschwindet nicht dadurch, dass man sie moralisch relativiert. Führung bedeutet nicht ein paar Besprechungen und nette Gespräche, sondern echte Verantwortung – für Personal, Entscheidungen, Fehler und deren Konsequenzen. Das macht man nicht zum Spaß, und schon gar nicht ohne Belastung.

Steigende Kosten betreffen mich genauso wie andere. Und wer so tut, als seien bestimmte Entgeltgruppen per se weniger schutzwürdig, betreibt keine solidarische Politik, sondern Spaltung.

Ich kritisiere, was ich für falsch halte – gegenüber der Arbeitgeberseite genauso wie gegenüber der Gewerkschaft. In diesem Punkt hat die Gewerkschaft aus meiner Sicht ein Problem, das sie nicht wahrhaben will. Die Arbeitgeberseite übrigens auch.

Meine Konsequenz habe ich längst gezogen: Als klar wurde, dass meine Interessen von ver.di nicht mehr vertreten werden, habe ich 2009 gekündigt.


Danke für diese klaren und ausdifferenzierten Worte.

daseinsvorsorge

Zitat von: Muschebubu in Heute um 09:32Genau das ist für mich das Problem – und mit Demokratie hat das wenig zu tun. Man muss keiner Gewerkschaft angehören, um sie kritisieren zu dürfen. Und man muss auch nicht den Arbeitgeber wechseln, nur weil man einzelne Bedingungen für falsch hält. Das ist kein ,,Komfortzonen"-Thema, sondern eine Frage von Haltung.

Was für mich allerdings nicht geht: ein Prozent meines Einkommens zu zahlen, um mir anschließend erklären zu lassen, meine Forderungen seien ,,unsozial" oder Ausdruck von Neid. Wenn eine Interessenvertretung anfängt, ihre eigenen Mitglieder in ,,unten" und ,,oben" zu sortieren und den einen mehr Legitimität zuspricht als den anderen, läuft etwas grundlegend schief.

Ja, ich verdiene mehr als manche Kolleginnen und Kollegen. Aber höhere Verantwortung verschwindet nicht dadurch, dass man sie moralisch relativiert. Führung bedeutet nicht ein paar Besprechungen und nette Gespräche, sondern echte Verantwortung – für Personal, Entscheidungen, Fehler und deren Konsequenzen. Das macht man nicht zum Spaß, und schon gar nicht ohne Belastung.

Steigende Kosten betreffen mich genauso wie andere. Und wer so tut, als seien bestimmte Entgeltgruppen per se weniger schutzwürdig, betreibt keine solidarische Politik, sondern Spaltung.

Ich kritisiere, was ich für falsch halte – gegenüber der Arbeitgeberseite genauso wie gegenüber der Gewerkschaft. In diesem Punkt hat die Gewerkschaft aus meiner Sicht ein Problem, das sie nicht wahrhaben will. Die Arbeitgeberseite übrigens auch.

Meine Konsequenz habe ich längst gezogen: Als klar wurde, dass meine Interessen von ver.di nicht mehr vertreten werden, habe ich 2009 gekündigt.


Das ist doch auch völlig ok- aber das bedeutet doch auch, dass Sie und alle Nichtorganisierten für sich selber verhandeln müssen- nennt sich negative Koaltionsfreiheit. Was ist daran aus ihrer Sicht nicht richtig?

NelsonMuntz

Zitat von: DiVO in Heute um 07:52Vor einigen Seiten wurde in diesem Thread diskutiert, dass der E12-Lehrer mit zwei Kindern in München kaum leben kann. Wie ergeht es dann wohl erst dem Hausmeister in E5? Einer von beiden hat vermutlich ein Ausgabenproblem, der andere ein Einnahmenproblem.

Lesekompetenz! Es ging um einen alleinverdienenden Lehrer E13, der mit Partner/in und 4 Kindern in die Nähe der Wohngeldberechtigung rutscht. Der Hausmeister in E5 mit 4 Kindern bekommt in München längst Wohngeld und Kinderzuschlag. Der eigentliche Punkt ist hier, dass ein Lehrer in der A13 verfassungrechtlich dort nicht liegenbleiben darf. für die 6-köpfige Alleinverdiener-Familie gilt, dass sie in E5 oder E13 auf sehr ähnlichem Niveau leben. Ändert sich natürlich zugunsten des E13, wenn die Kinder flügge werden, und ganz klar bei der Rente. War (zumindest meinerseits) eine Momentaufnahme(!) beim Vergleich E zu A - Der Hausmeister gehörte da gar nicht hin. ;)

Ingenieur007

Zitat von: daseinsvorsorge in Heute um 09:39Das ist doch auch völlig ok- aber das bedeutet doch auch, dass Sie und alle Nichtorganisierten für sich selber verhandeln müssen- nennt sich negative Koaltionsfreiheit. Was ist daran aus ihrer Sicht nicht richtig?

Bei vielen ehemaligen Mitgliedern höherer EG schwingt Enttäuschung mit. Weil deren Belange systematisch unterbewertet waren in Gewerkschaften.

@daseinsvorsorge: Haben Gewerkschaften nicht den Anspruch auch höhere EG wieder mit ins Boot zu holen? Ich erkenne es beim besten Willen nicht. Was läuft da aus deiner Sicht schief? Oder siehst du die Problematik nicht?

daseinsvorsorge

Zitat von: Ingenieur007 in Heute um 10:04Bei vielen ehemaligen Mitgliedern höherer EG schwingt Enttäuschung mit. Weil deren Belange systematisch unterbewertet waren in Gewerkschaften.

@daseinsvorsorge: Haben Gewerkschaften nicht den Anspruch auch höhere EG wieder mit ins Boot zu holen? Ich erkenne es beim besten Willen nicht. Was läuft da aus deiner Sicht schief? Oder siehst du die Problematik nicht?
Und weil diese so enttäuscht waren, sind diese erst gar nicht eingetreten oder aus der Gewerkschaft ausgetreten. Nochmals- das ist völlig ok. Aber dann verhandeln diese doch für sich selber- oder wie sehen Sie das?

NelsonMuntz

Zitat von: daseinsvorsorge in Heute um 09:39Das ist doch auch völlig ok- aber das bedeutet doch auch, dass Sie und alle Nichtorganisierten für sich selber verhandeln müssen- nennt sich negative Koaltionsfreiheit. Was ist daran aus ihrer Sicht nicht richtig?

Da hast Du absolut recht!

Aber was hat das für Konsequenzen, wenn höhere EG (die im TV-L ja sogar die Mehrheit stellen) davon tatsächlich vermehrt Gebrauch machen? Der Organisationsgrad sinkt weiter und damit auch eben jene Macht, die man im Rahmen von Verhandlungen doch eigentlich braucht.

Die AG freut's und große Teile der Bevölkerung auch (immerhin wird deren Steuergeld an uns verteilt).

Es hilft also nix: Du kämpfst im roten Leibchen für die soziale Sache, ich kümmere mich um mich selbst. Die Freiheit, bestimmte Dinge/Entwicklungen kritisch zu beleuchten, lasse ich mir aber nicht nehmen.

Rowhin

Zitat von: NelsonMuntz in Heute um 10:12Es hilft also nix: Du kämpfst im roten Leibchen für die soziale Sache, ich kümmere mich um mich selbst. Die Freiheit, bestimmte Dinge/Entwicklungen kritisch zu beleuchten, lasse ich mir aber nicht nehmen.
 

Exakt. Ich zitiere mich selbst von früher im Thread:

Zitat von: Rowhin in 23.01.2026 21:20Ich würde aber auch generell niemandem, egal ob er Gewerkschaftsmitglied ist oder nicht, egal ob er für sich selbst verhandelt oder nicht, die Berechtigung absprechen, die Arbeit der Gewerkschaft zu kritisieren oder zu loben, sofern dies einigermaßen konstruktiv geschieht.

Genauso wie ich die Arbeit der Politik kritisieren kann, ohne von einer politischen Entscheidung unmittelbar betroffen oder bei der Entscheidungsfindung involviert zu sein. Oder die des Fußballbundestrainers.

Ingenieur007

Zitat von: daseinsvorsorge in Heute um 10:12Und weil diese so enttäuscht waren, sind diese erst gar nicht eingetreten oder aus der Gewerkschaft ausgetreten. Nochmals- das ist völlig ok. Aber dann verhandeln diese doch für sich selber- oder wie sehen Sie das?

Antworte doch bitte mal auf meine Frage ohne Gegenfrage. Zumal höhere EG einen wesentlich Teil der Mitarbeiter stellen. Warum so wenig Interesse an diesem Klientel? Sollte man hier nicht aktiv zugehen und zuhören?

Ingenieur007

Hier nochmal meine Frage: Haben Gewerkschaften nicht den Anspruch auch höhere EG wieder mit ins Boot zu holen? Ich erkenne es beim besten Willen nicht. Was läuft da aus deiner Sicht schief? Oder siehst du die Problematik nicht?