Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion III

Begonnen von username, Heute um 09:31

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Admin


clarion

Von den Prozentzahlen finde ich es okay. Mich ärgert aber, dass man den TV ÖD immer mehr hinterher galloppiert. Und dass die stufengleiche Höhergruppierungen immer noch nicht gegeben sind, ist ein struktureller Nachteil für die betroffenen Kollegen. Mir scheint, dass Verdi deswegen noch nicht mal verhandelt hat.

seberus

Zitat von: cyrix42 in Heute um 15:36Bräuchte es nicht eher eine 75%-ige Ablehnungsquote, weil man in einen Erzwingungsstreik treten müsste?

Und was passiert dann wenn das Ergebnis abgelehnt wird?
Bei uns in einer Hochschulstadt mit ungefähr 4000 festangestellten (die befristet Beschäftigten rechne ich da schon gar nicht mehr mit) im Geltungsbereich des TD-L's waren beim Warnstreik ungefähr 150 Leutchen dabei.
Also wenn ich das als Arbeitgeber sehen würde, dann würde ich sagen, denen geht es ja allen zu gut, da braucht es gar keine Lohnerhöhung. 

Oliver1976

@Warnstreik: Ich kenne in der PW persönlich niemandem, der im gleichen Team auf gleicher Ebene anders entlohnt wird. Über Teams hinweg sicherlich, aber nicht im gleichen.

@Faunus: Forschung und Innovationskraft hängt auch davon ab, dass sich Menschen dafür interessieren, sich damit auseinanderzusetzen zu wollen. Gleiches gilt für Selbständigkeit. Es muss sich immer auch finanziell lohnen. Intrinsische Motivation ist schön, aber das sind die wenigsten dann. Umso mehr ich in der PW verdiene, umso weniger Gedanken mache ich mir darüber, ob ich auch forschend tätig sein könnte. Umso weniger denken daher an eine Forschungslaufbahn oder Karriere. Sieht man bei uns auch an den Zahlen, die sich für eine Doktorandenstelle interessieren, geschweige denn bewerben. Gleiches gilt doch auch für die StartUp-Szene. Wenn ich kein risikobereites Umfeld durch entsprechende Kapitalgeber vorfinde, dann lasse ich die tolle Idee doch lieber in der Schublade und gehe einen anderen Weg. Es muss sich immer lohnen. Und arbeiten beim Land lohnt sich für viele einfach nicht mehr, weil es bessere Alternativen gibt.

Faunus

Zitat von: seberus in Heute um 15:40Und was passiert dann wenn das Ergebnis abgelehnt wird?
Bei uns in einer Hochschulstadt mit ungefähr 4000 festangestellten (die befristet Beschäftigten rechne ich da schon gar nicht mehr mit) im Geltungsbereich des TD-L's waren beim Warnstreik ungefähr 150 Leutchen dabei.
Also wenn ich das als Arbeitgeber sehen würde, dann würde ich sagen, denen geht es ja allen zu gut, da braucht es gar keine Lohnerhöhung. 

150? Wauh! Bei uns waren es ca. 50 - bei ähnlichen Personalstand und keine Studis.

Für mich war daher die Forderung von ver.di für student. Hilfskräfte unverständlich - das ist ein Übergangszustand, der kein einziges Mitglied bringen wird. Ich verstehe überhaupt nicht, warum ver.di sich dafür zuständig fühlt, zumal  auch bei den 5000 am Odeonsplatz es vor allem AN (mit oder Zugehörigkeit zur GW) un der Rest Beamte in ihrer Freizeit waren.

Zwockel

Zitat von: Muschebubu in Heute um 15:21Ich auch, insbesondere weil man den Eindruck haben könnte, es beträfe jedes Jahr hunderttausende von Beschäftigte, die sich auf höherwertige Tätigkeiten bewerben würden. Nun werden sie es sicherlich nicht. Was sollte jemandem motivieren, wenn nur der Unterschiedsbetrag rausspringt.
Mir wird es jetzt so gehen. Nur der Unterschiedsbetrag.
Ich denke es hätte die Länder tatsächlich nicht irre viel gekostet und wäre trotzdem ein Anreiz gewesen.

Vorpommer

Zitat von: Aleksandra in Heute um 11:15Niemand wird da streiken.
Gut ist das Ergebnis nicht, aber eben auch nicht schlecht genug dass es abgelehnt werden würde.


Ich vermute sehr stark, dass dieser TV-L Abschluss mit den höchsten monetären Zuwachs aller in diesem Jahr von den Gewerkschaften aller anderen Branchen abgeschlossenen Tarifergebnisse haben wird. Und Solidarität mit dem Unikliniken im Osten hat eben auch einen Preis.....

Faunus

Zitat von: Oliver1976 in Heute um 15:50@Faunus: Forschung und Innovationskraft hängt auch davon ab, dass sich Menschen dafür interessieren, sich damit auseinanderzusetzen zu wollen. Gleiches gilt für Selbständigkeit. Es muss sich immer auch finanziell lohnen. Intrinsische Motivation ist schön, aber das sind die wenigsten dann. Umso mehr ich in der PW verdiene, umso weniger Gedanken mache ich mir darüber, ob ich auch forschend tätig sein könnte. Umso weniger denken daher an eine Forschungslaufbahn oder Karriere. Sieht man bei uns auch an den Zahlen, die sich für eine Doktorandenstelle interessieren, geschweige denn bewerben. Gleiches gilt doch auch für die StartUp-Szene. Wenn ich kein risikobereites Umfeld durch entsprechende Kapitalgeber vorfinde, dann lasse ich die tolle Idee doch lieber in der Schublade und gehe einen anderen Weg. Es muss sich immer lohnen. Und arbeiten beim Land lohnt sich für viele einfach nicht mehr, weil es bessere Alternativen gibt.

Hmm.. ich habe da eine andere Erfahrung. Mein Eindruck ist, dass die Start-ups die Ich-Ags abgelöst haben, denn die wenigsten Start-Up benötigt Millioneninvestitionen.
Letzte Woche wurden die Arbeitslosenzahlen veröffentlicht. Die Sensation: erstmals waren mehr Akademiker arbeitslos als Menschen mit Ausbildung. Daher wundere ich mich, dass Eure Doktorandenstellen nicht besetzt werden können, zumal ihr die Leute ausbildet - also direkt an der Quelle sitzt.

Und was wären die bessere Alternativen?

IchLiebeBeamtentum

Waren die Verhandlungsführer von Arbeitgeberseite und Arbeitnehmerseite nicht in ein- und derselben Partei? Allein das ist doch auch schon ein Witz, oder?

JayBrak

Zitat von: seberus in Heute um 15:24was man wenn man sagt "Inflationsausgleich" vergisst, ist dass man die Inflation aus dem Netto bezahlt. Die Lohnerhöhung aber Brutto ist. Unterm Stich kann ich mir halt bei einer Erhöhung im Bereich der Inflation am Ende weniger kaufen.

Das verstehe ich nun nicht so ganz. Es ist richtig, wenn ich jetzt die prozentuale Nettoerhöhung im Jahr 2028 beachte, dann wird die nur bei etwa 4,6 Prozent liegen.
Aber seit 2023 wird (und soll meines Wissens nach auch zunkünftig?) die kalte Progression durch Anpassungen bei den Steuertabellen doch jährlich angeglichen. Durch diese Anpassungen sollten die prozentualen Nettoerhöhungen doch etwa den prozentualen Bruttoerhöhungen entsprechen?

Wenn ich viel verdiene, dann natürlich nicht mehr, weil ich dann irgendwann die Höchstgrenze bei den Sozialabgaben erreiche. Dann sollte (bis ich zur Gehaltsstufe des Solis komme) die prozentuale Nettoerhöhung sogar über der prozentualen Bruttoerhöhung liegen?

Oliver1976

Zitat von: Faunus in Heute um 16:06Hmm.. ich habe da eine andere Erfahrung. Mein Eindruck ist, dass die Start-ups die Ich-Ags abgelöst haben, denn die wenigsten Start-Up benötigt Millioneninvestitionen.
Letzte Woche wurden die Arbeitslosenzahlen veröffentlicht. Die Sensation: erstmals waren mehr Akademiker arbeitslos als Menschen mit Ausbildung. Daher wundere ich mich, dass Eure Doktorandenstellen nicht besetzt werden können, zumal ihr die Leute ausbildet - also direkt an der Quelle sitzt.

Und was wären die bessere Alternativen?

Wir bilden die Leute einfach so gut aus, dass ihnen die Stellen in der PW einfach so zufliegen 😁

Spaß bei Seite. Derzeit ist es tatsächlich noch immer der Fall, dass die Studierenden meines Studiengangs, für den ich sowohl im Bachelor als auch im Master verantwortlich bin, derzeit immer noch unproblematisch Stellen finden. Vielleicht nicht mehr bei den großen OEMs in der Region, aber immer noch bei den Hidden Champions, die wir so in der Gegend haben. Es ist halt nicht mehr der Bosch, Porsche oder Daimler, der einstellt, dafür aber noch der Würth, Kärcher oder Stihl. Und so könnte ich weitere nennen. So lange das auch so ist, bleibt eine Doktorandenstelle unbesetzt. Das ist einfach so.


Zinc

Nach all den Jahren und harten Monaten der Bemühungen bleiben also ab April ca. 50 Euro netto mehr hängen. Da würde ich mir als zahlendes Gewerkschaftsmitglied aber richtig verarscht vorkommen  :D

cyrix42

Zitat von: IchLiebeBeamtentum in Heute um 16:14Waren die Verhandlungsführer von Arbeitgeberseite und Arbeitnehmerseite nicht in ein- und derselben Partei? Allein das ist doch auch schon ein Witz, oder?

Hm? Inwiefern spielt die Parteizugehörigkeit hier eine Rolle? Die Verhandlungsführungen waren nicht in ihrer Rolle als Parteimitglieder sondern in ihren Funktionen als Gewerkschaftsfunktionäre bzw. Finanzminister usw. an den Verhandlungen beteiligt. Oder inwiefern spielt es für dich eine Rolle, dass die TdL etwa durch ihren Vorstand, namentlich
*) den Finanzsenator Hamburgs (SPD),
*) den Finanzminister Sachsens (CDU) und
*) die Finanzministerin Schleswig-Holsteins (Grüne)
bei den Tarif-Verhandlungen vertreten war?

Frogger

TVÖD ab 01.06.2026 e11 Stufe 6 81615.33€
TVL 2026-2027 e13 Stufe 6 =  84319.83€

Ab 2027 nächste Tarifanpassung TVÖD ... die Krümel, die es beim TVL danach noch gibt vernachlässigen wir mal. Eine Anpassung um 3-4% TVÖD reicht aus, dann gibt's keine Differenz mehr.

Hinzu kommt 39h Woche, 1 Tag mehr Urlaub ab 2027, stufengleiche Höhergruppierung im TVÖD.

Eine Tarifrunde noch, dann kann man getrost die Leitungsaufgabe TVl gegen Sachbearbeiter TVÖD tauschen.


webs96

Zitat von: cyrix42 in Heute um 16:35Hm? Inwiefern spielt die Parteizugehörigkeit hier eine Rolle?
Es hat eben ein gewisses ,,Geschmäckle" wenn der Verdi Chef und der TdL Verhandlungsführer beide SPD Parteimitglied sind. Aber das ganze ist beispielsweise beim Bayerischen Beamtenbund nicht besser. Hr. Nachtigall ist bekennendes CSU Mitglied. Da finde ich das bedeutend schlimmer.