Alle in Gewerkschaft: Tatsächlich bessere Tarifergebnisse?

Begonnen von Ingenieur007, 24.02.2026 08:44

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MoinMoin

Zitat von: daseinsvorsorge in 24.02.2026 21:22Ab Edit lass ich das jetzt mal so stehen, weil ich davon überhaupt nicht gesprochen habe. Der gewerkschafter gibt sein Verhandlungsmandat an die Gewerkschaften ab, damit diese für ihn verhandeln.Wenn das nicht so wäre, welchen Sinn sollten dann Mitgliedschaften in Gewerkschaften ergeben?
Ja, jetzt verstehe ich dich: Der Gewerkschaftler ist kein mündiger Arbeitnehmer, der mir einem AG verhandeln kann!
Der Gewerkschaftler kann nicht förderliche Zeiten fordern oder Zulagen, weil er das Mandat abgegeben hat.

spooky
ZitatDer Nichtgewerkschafter kann nicht nur, sondern muss für sich selber verhandeln, weil niemand ihn vertritt. Das ist ja das Ergebnis der negativen Koaltionsfreiheit.
Richtig und in deiner Lesart und deinem (Selbst)Verständnis ist der Gewerkschaftler weder geistig, menschlich oder warum auch immer nicht in der Lage für sich zu verhandeln?
ZitatObschon sich diese Verhandlungen -mit ein paar Ausnahmen wie Ihnen - lediglich auf die Annahme des Tarifergebnisses oder der AN kündigt reduziert , bleibt es trotzdem eine Verhandlung, was viele hier leider nicht verstehen können oder wollen.
Jeder der einen AV unterschreibt hat verhandelt. Aktiv oder passiv, das ist eine Binsenweisheit.
Und der Gewerkschaftler in deiner Welt, der verhandelt halt nicht mit dem AG um ein mehr als das tarifliche Minimum.
Warum auch immer? Die Frage bleibt offen! Aber wenn ich dich richtig verstehe haben sie quasie ein Verhandlungsverbot (zumindest mental)
ZitatDass die AGs die Tarifergebnisse auf alle übertragen, ist natürlich ein kluger Schachzug. Frage: wer handelt Tarifverträge aus, wenn alle so clever sind, nicht in einer Gewerkschaft zu sein und sich wie die anderen 1% vom brutto zu ersparen?
Dem AG bleibt nichts anderes übrig, was könnte er denn anderes machen? Nur ist es so, dass nur im öD der AG eben grundsätzlich nicht mehr als Tarif bezahlt.

Und nur im öD sind die Gewerkschaftler so unmündig, dass sie nicht über das Mindeste hinaus verhandeln (so habe ich dich nun verstanden)
Und nur im öD sind die Ag so unmündig, dass sie sich ein enges Korsett schnüren, das es ihnen erschwert zu verhandeln.

Und nur im öD sind die Gewerkschaften bereit, Nachteile für Teile der Gemeinschaft zu akzeptieren.


Der Sinn von Gewerkschaften ist es, dass sie MINDESTstandards aushandeln, insbesondere für die "Schwachen" im Gefüge, die keine Stimme haben. Nicht das sie unterschiedliche Ergebnisse für ihre Mitglieder aushandeln.

teclis22

Wenn Verdi was verändern würde wollen könnten sie das vermutlich durch (wie schon xfach vorgeschlagen wurde) gestaffelte mitgliedschaften realisieren


(atkuellerpreis*1)= Vollmitglied
Streikgeld, Beratung, Infos


(aktuellerpreis*0,5) = Supporter Level
Beratung, Infos

(aktuellerpreis*0,25) = Well Wisher
Infos


ich bin recht sicher das eine menge mehr leute eintreten würden.
Schon die tatsache dann man eine sinnvolle info quelle zu haben die strukturiert und ideologiefrei versorgt gepflegt wird (wann wird gestreikt, wo, was ist der prozess)  würde wohl viele leute anziehen

und verdi würde hohe mitglied zahlen vermelden können.

aber.. althergebrachte prinzipien der gewerkschaften .. und so.  :/

daseinsvorsorge

Zitat von: MoinMoin in 24.02.2026 23:04Ja, jetzt verstehe ich dich: Der Gewerkschaftler ist kein mündiger Arbeitnehmer, der mir einem AG verhandeln kann!
Der Gewerkschaftler kann nicht förderliche Zeiten fordern oder Zulagen, weil er das Mandat abgegeben hat.

spookyRichtig und in deiner Lesart und deinem (Selbst)Verständnis ist der Gewerkschaftler weder geistig, menschlich oder warum auch immer nicht in der Lage für sich zu verhandeln?Jeder der einen AV unterschreibt hat verhandelt. Aktiv oder passiv, das ist eine Binsenweisheit.
Und der Gewerkschaftler in deiner Welt, der verhandelt halt nicht mit dem AG um ein mehr als das tarifliche Minimum.
Warum auch immer? Die Frage bleibt offen! Aber wenn ich dich richtig verstehe haben sie quasie ein Verhandlungsverbot (zumindest mental)Dem AG bleibt nichts anderes übrig, was könnte er denn anderes machen? Nur ist es so, dass nur im öD der AG eben grundsätzlich nicht mehr als Tarif bezahlt.

Und nur im öD sind die Gewerkschaftler so unmündig, dass sie nicht über das Mindeste hinaus verhandeln (so habe ich dich nun verstanden)
Und nur im öD sind die Ag so unmündig, dass sie sich ein enges Korsett schnüren, das es ihnen erschwert zu verhandeln.

Und nur im öD sind die Gewerkschaften bereit, Nachteile für Teile der Gemeinschaft zu akzeptieren.


Der Sinn von Gewerkschaften ist es, dass sie MINDESTstandards aushandeln, insbesondere für die "Schwachen" im Gefüge, die keine Stimme haben. Nicht das sie unterschiedliche Ergebnisse für ihre Mitglieder aushandeln.


Ich kann Sie nicht daran hindern, dass Sie es so vestehen, wie es Ihnen passt. Alles Gute.

DiVO

Zitat von: teclis22 in 24.02.2026 23:32Wenn Verdi was verändern würde wollen könnten sie das vermutlich durch (wie schon xfach vorgeschlagen wurde) gestaffelte mitgliedschaften realisieren


(atkuellerpreis*1)= Vollmitglied
Streikgeld, Beratung, Infos


(aktuellerpreis*0,5) = Supporter Level
Beratung, Infos

(aktuellerpreis*0,25) = Well Wisher
Infos


ich bin recht sicher das eine menge mehr leute eintreten würden.
Schon die tatsache dann man eine sinnvolle info quelle zu haben die strukturiert und ideologiefrei versorgt gepflegt wird (wann wird gestreikt, wo, was ist der prozess)  würde wohl viele leute anziehen

und verdi würde hohe mitglied zahlen vermelden können.

aber.. althergebrachte prinzipien der gewerkschaften .. und so.  :/


Du würdest mit dieser Beitragsstaffelung keine neuen Mitglieder gewinnen, du würdest eher bei den engagierten Bestandsmitgliedern für Unmut und Austritte sorgen.

Wir haben in unserem lokalen Sportverein die Mitgliedsbeiträge über die Jahre konstant gehalten, weil, Zitat damalige Vorstandschaft, "bei höheren Beiträgen uns die ganzen passiven Mitglieder in Scharen weglaufen und auch keine neuen mehr dazukommen".

Inzwischen haben wir die Mitgliedsbeiträge mehr als verdoppelt. Die Anzahl er Mitglieder war zunächst ziemlich konstant geblieben und seit zwei Jahren erleben wir einen richtigen Boom an Neumitgliedern.

Mit dein Beitragsstaffelung würdest du nur die "Freibiergesichter der Geiz-ist-geil-Generation" anziehen, die sich mit ihrem Verhalten null von der Arbeitgeberseite unterscheiden und für möglichst wenig eigenen Einsatz möglichst viel persönlichen Benefit erwarten.

Maggus

@teclis22

Der Versuch mit "light-Tarifen" ist in den 90ern bereits gescheitert.
Vor der Gründung von ver.di konkurrierten im Angestelltenbereich die ÖTV und die DAG miteinander.
Die DAG hatte auch mit "Sondertarifen" um neue Mitglieder geworben (0,5 % Beitrag).

In den 90ern verloren beide Gewerkschaften Mitglieder.
Die DAG verlor in den 90ern ca. 30 % ihrer Mitglieder (von 573.000 in 1990 auf 401.000 in 1999).
Der durchschnittliche Monatsbeitrag (Vollzeit) im Dezember 1999 betrug bei der DAG 28,01 Mark und bei der ÖTV 38,37 Mark (hierin sind alle ÖTV-Mitglieder enthalten, nicht nur die Angestellten).

Zur Gründung von ver.di hat die DAG hat rund 401.000 Mitglieder mitgebracht, die ÖTV rund 1,5 Mio. - davon ca. 808.000 Angestellte.
(Quelle: https://www.verdi.de/gruendungsgewerkschaften)

Und bei "light-Tarifen" ist der Knatsch oftmals vorprogrammiert (weshalb bekomme ich kein Streikgeld, wieso keine Rechtsberatung, usw.).

troubleshooting

Zitat von: daseinsvorsorge in 24.02.2026 15:57[/... und können nun Ihre Wünsche/Vorstellungen direkt mit Ihrem AG verhandeln. Welche davon konnten Sie durchsetzen?

Wesentlich bessere Bedingungen bei einem neuen AG und den Zeitpunkt meines Ausscheidens beim alten AG - allerdings erst nachdem der Tobsuchtsanfall des Chefs der Dienststelle abgeklungen war. Waren halt einige, die innerhalb weniger Tage ihren Abgang mitgeteilt haben.

Warnstreik

Zitat von: troubleshooting in Gestern um 14:33Wesentlich bessere Bedingungen bei einem neuen AG und den Zeitpunkt meines Ausscheidens beim alten AG - allerdings erst nachdem der Tobsuchtsanfall des Chefs der Dienststelle abgeklungen war. Waren halt einige, die innerhalb weniger Tage ihren Abgang mitgeteilt haben.

Und alle direkt in den TVöD, die haben auf alle gewartet :-)    Nichts für ungut, aber diese Geschichten liest man nach jeder Tarifrunde, am Ende sind sie irgendwie doch alle wieder da. Trotzdem viel Glück beim neuen AG!

Muschebubu

An die Gewerkschaftsmitglieder hier gerichtet:

1. Wie viele Gewerkschaftsmitglieder gibt es in den höheren Entgeltgruppen?
2. Sollte die Zahl höher als 0 sein, ab wie vielen Mitgliedern würde ver.di wieder für diesen Personenkreis verhandeln?
3. Unabhängig von der Mitgliederzahl, sollte ver.di nicht dennoch für diese Mitglieder eintreten?
4. Wenn ver.di erst ab einer bestimmten Zahl x verhandeln würde, was sollte einen Einzelnen dann überhaupt dazu bewegen, einzutreten?

MoinMoin

5. Und warum verhandeln sie gegen die Interessen der Mehrheit der Arbeitnehmer im TV L, wenn sie doch stets behaupten sie würden für diese verhandeln?


Ingenieur007

Ich erwarte die Antworten auf die 5 interessanten Fragen mit Spannung.

Rowhin

Zitat von: Muschebubu in Gestern um 21:37An die Gewerkschaftsmitglieder hier gerichtet:

1. Wie viele Gewerkschaftsmitglieder gibt es in den höheren Entgeltgruppen?


Mal nur zu der Frage, weil sie ja öfter aufkommt, zitiere ich mal cyrix42 nicht zu den Gerwerkschaftszahlen direkt, aber zur verwandten Frage nach der Verteilung der EGs bei den Ländern insgesamt:

Zitat von: cyrix42 in 17.02.2026 19:02Gemäß der Tabelle 74111-06 bei destatis (Tabelle ganz unten auf der Seite zum Download) gibt es für 2024 zumindest Zahlen der Beschäftigten im öD nach Bund, Ländern und Kommunen aufgeteilt.

Da findet man z.B. für den Bund:
Arbeitnehmer insgesamt: 155 T
davon EG>=10: 42 T

Kommunen insgesamt: 1610 T
davon EG>=10: 242T

Länder insgesamt: 1302 T
davon EG>=10: 576 T (davon allein 259 T in EG 13)

Man sieht schon, dass die Länder hier einen deutlich anderen Schwerpunkt haben...

Im Übrigen merkt man auch allein schon an den Zahlen, dass in diesem Bereich der Bund sich eher aussuchen kann, wen er nimmt resp. sicherlich nicht jeder, der im TV-L mit der Bezahlung unzufrieden ist, in den TVöD wechseln könnte.

In den Gewerkschaften wird die Verteilung sicher nicht dieser entsprechen.

Warnstreik

Zitat von: Muschebubu in Gestern um 21:372. Sollte die Zahl höher als 0 sein, ab wie vielen Mitgliedern würde ver.di wieder für diesen Personenkreis verhandeln?

Es wäre mir neu, dass höhere Entgeltgruppen von den Ergebnissen ausgenommen werden. Natürlich ist mir klar, dass die Frage schlichtes Framing ist und Reaktionen hervorrufen soll, so funktioniert trolling im Netz halt.
Ich würde aber folgendes sagen: Es mag Mitglieder geben, die den Abschluss insgesamt nicht gut finden weil er zu gering ausfällt. Ich kann auch verstehen, wenn man das Niveau mit dem TVöD oder der Gesamtwirtschaft kritisiert. Aber ein "Gerechtigkeitsthema" fabuliert man aber nur von außen rein.

Rowhin

#42
Zitat von: Warnstreik in Heute um 08:28Es wäre mir neu, dass höhere Entgeltgruppen von den Ergebnissen ausgenommen werden.

Insofern wäre die Frage evtl. genauer/neutraler gestellt mit: "ab wie vielen Mitgliedern würde ver.di auch (wieder?) für die Partikularinteressen dieser EGs (keine Sockelbeiträge mehr, um weitere Stauchung der Tabelle zu verhindern; stufengleiche Höhergruppierung, etc. pp.) verhandeln".

Mich würde aber eigentlich eher interessieren, was passieren müsste, damit ver.di irgendwelche Forderungen abseits von reinen Entgelterhöhungen durchzusetzen versucht. Die Antwort wird wahrscheinlich wie bei vielem anderen "höhere Mitgliedszahlen, höhere Streikbereitschaft, etc." sein.

MoinMoin

Zitat von: Warnstreik in Heute um 08:28Es wäre mir neu, dass höhere Entgeltgruppen von den Ergebnissen ausgenommen werden. Natürlich ist mir klar, dass die Frage schlichtes Framing ist und Reaktionen hervorrufen soll, so funktioniert trolling im Netz halt.
Ich würde aber folgendes sagen: Es mag Mitglieder geben, die den Abschluss insgesamt nicht gut finden weil er zu gering ausfällt. Ich kann auch verstehen, wenn man das Niveau mit dem TVöD oder der Gesamtwirtschaft kritisiert. Aber ein "Gerechtigkeitsthema" fabuliert man aber nur von außen rein.
Die Frage war durchaus unscharf formuliert, dass ist dir bewusst, denke ich.
Die Frage zielt darauf, dass für die anderen Gruppen was ausgehandelt wird, was nur für diese wirkt, für die benannte Gruppe jedoch noch nie (Stufe 6 für diese Gruppe wurden mW von der AG Seite eingebracht, nicht von der Gewerkschaft), aber Nachteile die diese Gruppe stärker treffen werden gefühlt schnell akzeptiert und als Verhandlungsmasse genutzt.

Also korrigiere ich mal die Frage:
2. Sollte die Zahl höher als 0 sein, ab wie vielen Mitgliedern würde ver.di erstmalig Verhandlungspositionen einbringen, die nur für diesen Personenkreis wirken?

Für den anderen Personenkreise wird das so gut wie in jeder Runde gemacht.
Besser?