Verbeamtung beim Bund und Prüfung beim Amtsarzt

Begonnen von TomK8400, Gestern um 18:24

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

TomK8400

Hallo zusammen,


ich bin seit mehreren Jahren (>10) bei einer Bundesbehörde permanent auf einer E14 Stelle beschäftigt und mir gefällt es dort wirklich gut. Mein Arbeitgeber bietet nun Verbeamtungen auf Lebenszeit im hD (direkt ohne Probezeit, aufgrund langer Zugehörigkeit) an und mein Vorgesetzter drängt mich (freundschaftlich) ein wenig dazu mich für das Verfahren zu bewerben.

Die Vor- und Nachteile des Beamtentums sind mir hinlänglich bekannt, meine Frage dreht sich eher um die Prüfung beim Amtsarzt. Als Genussmensch im mittleren Lebensalter bringe ich leider ein paar Kilo zuviel auf die Waage (BMI etwas über 30) und dazu einen Bluthochdruck im mittleren Bereich. Wenn man genauer hinsieht, kommt bestimmt noch das ein oder andere Problemchen am Bewegungsapparat dazu. Ich arbeite dran die Probleme zu lösen, aber nur mit Sport etc. dauert das noch ein wenig ;).

Ohne dass ich selbst Arzt bin, würde ich hier also eine klare rote Karte für die Verbeamtung verteilen, auch wenn ich nur eine reine Bürotätigkeit habe. Hat jemand von euch Erfahrung, was genau dann passiert:

(1) Gibt es so etwas wie eine Wiedervorstellung? Oder eine Art Probezeit, in der ich die gesundheitlichen Probleme lösen muss. Wie läuft so etwas ab?

(2) Bei einer endgültigen Ablehnung des Amtsarzts: Kommt die Ablehung des Amtsarzts in meine ÖD-Personalakte? Ich möchte mich in ein paar Jahren auch ohne Verbeamtung als Tarifbeschäftiger heraus auf eine Leitungsfunktion bewerben. Das könnte dann ungünstig aussehen, oder? Sprich zu krank für Verbeamtung = wenig Leistungsfähigkeit generell.

(3) Bei Ausschreibungen für Leitungsfunktionen im B-Besoldungsbereich steht bei uns immer: "für Tarifbeschäftigte gibt es ein vergleichbares Entgelt." Ist es überhaupt realistisch ohne Verbeamtung eine solche Stelle zu bekommen? Gibt es hier eine unausgesprochen Regel, dass man hier nur Beamte einsetzen möchte? Was ich durchaus verstehen könnte ...


Würde mich über eure Meinungen und Erfahrungen freuen ... Vielen Dank schon mal!

Greif

Eine Wiedervorstellung gibt es. Man erhält einen Zeitraum und eine Vorgabe, z.B. einen bestimmten BMI.

Es gibt keine Messung von Leistungsfähigkeit. Amtsärzte bewerten den Wahrscheinlichkeit, mit welcher die betrachtete Person das Pensionsalter innerhalb von bestimmten Parametern erreicht.

Für eine B-Besoldung oder eine vergleichbare Entgelthöhe sind messbare Faktoren eher zweitrangig.
Wenn man die anderen Faktoren auf seiner Seite hat, ist die Frage ob Urkunde oder Arbeitsvertrag ebenfalls zweitrangig.
Manchmal sind Beamte bevorzugt, wenn man vergleibare Pflichttore hat erfüllen müssen oder man Abhängigkeiten schaffen möchte.
Falls es Dir um eine B-Besoldung gehen sollte, würde ein Blick in das Personalentwicklungskonzept des eigenen Hauses helfen, denn Beamte habe das Laufbahnprinzip und die damit verbundenen Pflichtübungen zu erfüllen. Das können Mindeststehzeiten, eine Mindestanzahl an Verwendungen, Ministerialrunden, etc. sein.
Ein Tarifbeschäftigter hat solche Auflagen nicht.


clarion

Hallo BMI allein ist überhaupt kein Ausschlusskriterium, da gibt es passende Rechtsprechung. In Verbindung mit Bluthochdruck und/oder Diabetes sieht es leider anders aus.

Geser

Hallo,
ich bin selbst vor einigen Jahren mit Ende 30 und BMI über 30 verbeamtet worden. Ich hatte auch leichten Bluthochdruck, habe den aber halbwegs in den Griff bekommen vor der Untersuchung und konnte mit Nervosität argumentieren.
Ich wurde im Vergleich zu den Kollegen etwas genauer und umfangreicher Untersucht, am Ende hat der Amtsarzt aber seinen Ermessensspielraum genutzt und mir die Tauglichkeit bescheinigt. Es ging sehr darum, dass ich am Abnehmen war und glaubhaft darlegen konnte, dass ich weiter dran bleibe.
Ich hatte auch echt Angst vor der Untersuchung, am Ende sind das auch nur Menschen.

GGf. musst du bei der PKV dann schauen, die wollen dann schnell 30% Risikoaufschlag wegen Übergewicht. Das ist aber immer noch billiger als GKV...

Ich hoffe das hilft dir weiter, nur Mut und Probieren würde ich sagen.


EiTee

Auch wenn Dinge objektiv ablaufen sollen, steht und fällt dieses mit dem AA.

Der BMI wird unproblematisch sein.
Wir haben hier Kamele die mit einem BMI weit über 40 verbeamtet wurden. Es gab jedoch auch Fälle, da war der BMI ursächlich für eine Nichtverbeamtung, hierbei ging jedoch um wirklich massive Überschreitungen.

Julianx1

BMI allein ist nicht ausschlaggebend. Blutfettwerte und Blutdruck und Allgemeinzustand. Sprich es kann sein das dir noch ein Belastungs-EKG aufgebrummt wird. In meinem Fall war es aber ähnlich wie bei dir. BMI bei Lebenszeitverbeamtung auf 30. da kam man aber in wenigen Wochen gegen vorgehen und den BMI etwas drücken. Und den Blutdruck gleich mit. Ich habe durch strenge Diät und viel Bewegung (kein Sport) mein Gewicht innerhalb von vier Wochen um mehr als 20 kg gedrückt. Gleichzeitig habe ich durch bestimmte Tee und Gemüse auch meinen Blutdruck gesenkt. Dein Alter kommt dir bei der Untersuchung auch etwas zu Gute. Die wissen, dass da kein 18jähriger vor ihnen steht. Am Ende kommt es wirklich etwas auf den Untersuchenden an.

Interessant wird es dann bei der PKV. Die sind sehr schnell mit Leistungsausschluss oder Risikozuschlag.

Auf deine spätere Entwicklung darf das keinen Einfluss haben.

RArnold

Zitat von: Julianx1 in Heute um 08:46Interessant wird es dann bei der PKV. Die sind sehr schnell mit Leistungsausschluss oder Risikozuschlag. 

Hierzu verweise ich auf die Öffnungsklausel der privaten Krankenversicherungen. Dort wird der maximale Zuschlag begrenzt.

tunnelblick

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, was bei mir geprüft wurde:

- Blutabnahme
- Urinprobe
- Sehtest
- Hörtest
- Lungenfunktionstest
- EKG

Und natürlich der übliche Fragebogen bzgl. eingenommene Medikamente und (Vor-)Erkrankungen.

Es gab eine Wiedervorstellung, da der 1. Termin für die Verbeamtung auf Probe und der 2. Termin die Verbeamtung auf Lebenszeit war.