Jobcenter in der Probezeit gekündigt

Begonnen von Buey3, 13.05.2026 23:14

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Buey3

Zitat von: kittyka in Gestern um 19:16Hattest du das Gefühl, jemand von den Fachanleitern hat dich auf dem Kieker? Stichelt z.B., lässt unklare, diffuse Sachen los, so dass eine merkwürdige Stimmung da ist?
Reicht schon, wenn es einem der Fall ist.

Dieses Gefühl habe ich von Tag 1. Ich möchte niemandem etwas unterstellen, aber ich bin muslimisch und trage ein Kopftuch... Ich merke an dem Umgang mit mir, im Vergleich zu anderen KollegInnen, dass ich "anders" behandelt werde... Mir fehlen jegliche Worte.

kittyka

Zitat von: Buey3 in Gestern um 19:34Dieses Gefühl habe ich von Tag 1. Ich möchte niemandem etwas unterstellen, aber ich bin muslimisch und trage ein Kopftuch... Ich merke an dem Umgang mit mir, im Vergleich zu anderen KollegInnen, dass ich "anders" behandelt werde... Mir fehlen jegliche Worte.

Das kenne ich. Ich habe mich auch quasi von Anfang an irgendwie anders behandelt gefühlt. Bei mir lag es aber daran, dass ich damals noch nicht diagnostiziertes ADHS hatte. Die Leute merken das aber und dann wird man
aussortiert und  so kommt dann schnell eins zum anderen. Bei mir fing man an, Dinge zu unterstellen, lief mir aufs Klo nach,weil ich angeblich keine Leute grüße und man es auf diese Weise überprüfen wollte und kontrollierte mich besonders, da ich ja irgendwie seltsam bin, muss ich was im Schilde führen,so in etwa. Kinderkram eben, aber so reagierten die eben. Und der Standardspruch war auch: Ja, XY sehen/sieht das auch so.
Das sind eben typische Mikroaggressionen.

Dass alles was in einer Form irgendwie anders ist, Gefahr läuft ausgegrenzt zu werden, ändert man eben nicht.
Man kann nur lernen damit besser umzugehen und schneller drauf zu reagieren, bevor sowas ausaatet.



Schokobon

Welche Vorbildung / Berufserfahrungen bringst du denn mit?

Die Rechtsmaterie SGB II mit allem drumherum ist nicht ohne und selbst für gute Leute kaum zu überblicken. Viele Neue haben den Eindruck in der Einarbeitung, dass doch "eigentlich alles gut läuft, man hat doch viel gelernt". Tatsächlich kratzen sie nach 2 Monaten aber gerade mal an der Oberfläche.
Erfahrene Leute - insb. Fachanleiter/Ausbilder - merken ziemlich schnell, ob sich die Einarbeitung lohnt oder nicht. Die Rückmeldung an die Teamleitung fällt dann eben entsprechend aus.
Das ist gut so, denn kein Team kann (und will) sich Low-Performer in den Reihen leisten.
 

clarion

Hallo,

Im Zeitalter von Fachkräftemangel zählt Fachkenntnis und eine zwischenmenschliche Kompatibilität deutlich mehr als das Tragen von Kopftüchern, eine Behinderung oder andere nicht dem Mainstream entsprechende Eigenschaft.

@Buey, schade, dass es nicht geklappt hat.

@Schokobon, wenn man eine Person ohne detaillierte Fachkenntnisse einstellt, so muss man sich als Dienststelle noch vor der Einstellung Gedanken darüber machen, wie man der neuen Kollegin oder dem neuen Kollegen die Fachkenntnisse beibringt. Abzuwarten, ob die Person sich als Naturtalent entpuppt und anderenfalls die Karte der Probezeitkündigung zu ziehen, scheint mir nicht die feine Art. Aber das wolltest Du mit Deinem Posting vermutlich nicht ausdrücken?

Petar T.

#19
Da kann ich @Schokobon nur zustimmen.

Gerade für Quereinsteiger und Menschen mit geringen Vorkenntnissen kann die Einarbeitung in komplexe Rechtsgebiete eine gewaltige Herausforderung sein.

Trotz aller Bemühungen, hier im konkreten Fall gibt es bspw. gleich drei Fachunterweiser, kann sich auch bei vielversprechenden Bewerbern recht schnell herausstellen, dass sie voraussichtlich scheitern werden.

Dass man dann von der Wartezeitkündigung Gebrauch macht, ist nachvollziehbar.

Das alles hat aber offenbar mit dem vorliegenden Fall nichts zu tun, denn hier sprechen wir dem Anschein nach über strukturellen Rassismus.

Bubi11

Wenn das so ist, ist es natürlich ein Fall für den Betriebsrat bzw. Gleichstellungsbeauftragten!
Jedoch das zu beweisen (Wenn es keinerlei schriftliche oder mündliche Aussagen dazu gibt) wird schwierig bis unmöglich.

Abgesehen davon wäre es genauso schlimm es zu behaupten wenn es nicht so ist!

Wenn alles sonst gut läuft, du absolut qualifiziert bist und du dich schnell und gut einarbeitest dann bekommen das sicher auch die anderen Mitarbeiter mit. Gibt es welche die auch der Meinung sind das es an deiner Herkunft oder Religion liegt?

Das ist jetzt explizit nicht auf dich bezogen aber wir hatten hier auch schon den Fall das ein neuer Mitarbeiter behauptet hat das er aufgrund seiner Herkunft gemobbt wurde und er wurde in der Probezeit gekündigt. Allerdings war dieser absolut unterirdisch in allem. Von Fachlich bis Menschlich war da gar nix da und dieser hat halt absolut nicht ins Team gepasst. Aber das hatte 0,00 mit seiner Herkunft zu tun. Da war er schon selber schuld.
Wie gesagt das ist nicht auf dich bezogen da ich dich gar nicht kenne. Wir haben auch Muslimische Kollegen die super sind, auch in meinem Team.

marvie

Zitat von: Buey3 in Gestern um 18:54Ich bin heute wie gewohnt zur Fachunterweisung gegangen und habe weiterhin mein Bestes gegeben. Kurz vor Feierabend habe ich eine Mail vom Personalamt erhalten: Ich wurde auf unbestimmte Zeit und ohne Angaben von Gründen freigestellt ...
Hier musst du aktiv werden! Biete in jedem Fall deine Arbeitskraft an! Du hast einen Anspruch auf Beschäftigung, der Arbeitgeber darf dich nicht ohne Angabe von Gründen einfach freistellen.
Außerdem solltest du unmittelbar den PR und auch die Gleichstellungsbeauftragte einschalten.

KaiBro

Zitat von: Schokobon in Gestern um 21:56Welche Vorbildung / Berufserfahrungen bringst du denn mit?

Die Rechtsmaterie SGB II mit allem drumherum ist nicht ohne und selbst für gute Leute kaum zu überblicken. Viele Neue haben den Eindruck in der Einarbeitung, dass doch "eigentlich alles gut läuft, man hat doch viel gelernt". Tatsächlich kratzen sie nach 2 Monaten aber gerade mal an der Oberfläche.
Erfahrene Leute - insb. Fachanleiter/Ausbilder - merken ziemlich schnell, ob sich die Einarbeitung lohnt oder nicht. Die Rückmeldung an die Teamleitung fällt dann eben entsprechend aus.
Das ist gut so, denn kein Team kann (und will) sich Low-Performer in den Reihen leisten.
 

Mein Comeback im öffentlichen Dienst habe ich im Jobcenter gegeben. Eingestellt wurden mehrere Sachbearbeiter, sodass es direkt interne Schulungen gab. Alles war strikt durchgeplant und nach wenigen Wochen konnte man mind. 80-90 % der Fälle selbstständig bearbeiten. Nur bei schwierigen Fällen mussten wir Neulinge auf die Expertise der alten Hasen zurückgreifen.

Petar T.

Zitat von: marvie in Heute um 10:14Hier musst du aktiv werden! Biete in jedem Fall deine Arbeitskraft an! Du hast einen Anspruch auf Beschäftigung, der Arbeitgeber darf dich nicht ohne Angabe von Gründen einfach freistellen.
Außerdem solltest du unmittelbar den PR und auch die Gleichstellungsbeauftragte einschalten.

Der Arbeitgeber könnte sachliche Gründe nachliefern, die eine einseitige Freistellung rechtfertigen würden. Unabhängig davon müsste man den Anspruch auf Beschäftigung gegenüber dem Arbeitgeber in letzter Konsequenz durch anwaltliche Unterstützung vor Gericht geltend machen. Wozu das Ganze? Um im Zweifelsfall noch ein paar Tage oder Wochen bis zum Wirksamwerden der mit Sicherheit folgenden Kündigung mit irgendeiner Sinnlosaufgabe beschäftigt zu werden?

Sofern es nicht belegbare Anhaltspunkte für eine tatsächliche Diskriminierung gibt, sehe ich hier keine realistischen Chancen, die sich abzeichnende vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses abzuwenden.



Schokokeks

Warum wittert man heute immer gleich eine Diskriminierung/Verschwörung?

Vielleicht ist es objektiv betrachtet wirklich einfach so, dass man als Person hierfür ungeeignet ist...

Wenn man beispielsweise als Quereinsteiger (wir kennen bislang keine Ausbildung/Studium/Sonstiges) generell keine Ahnung von der Materie hat und obendrein möglicherweise mehr Flüchtigkeitsfehler als weitere/andere Kollegen macht, dann liegen die Fachunterweiser eventuell gar nicht falsch, sondern die eigene Wahrnehmung unterscheidet sich einfach von deren Expertise...
Quereinsteiger mit Hang zum Monk

KlammeKassen

Zitat von: Petar T. in Heute um 11:00Der Arbeitgeber könnte sachliche Gründe nachliefern, die eine einseitige Freistellung rechtfertigen würden. Unabhängig davon müsste man den Anspruch auf Beschäftigung gegenüber dem Arbeitgeber in letzter Konsequenz durch anwaltliche Unterstützung vor Gericht geltend machen. Wozu das Ganze? Um im Zweifelsfall noch ein paar Tage oder Wochen bis zum Wirksamwerden der mit Sicherheit folgenden Kündigung mit irgendeiner Sinnlosaufgabe beschäftigt zu werden?

Sofern es nicht belegbare Anhaltspunkte für eine tatsächliche Diskriminierung gibt, sehe ich hier keine realistischen Chancen, die sich abzeichnende vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses abzuwenden.




Kündigung in der Probezeit benötigt keine Angabe von Gründen, das ist ja diese vereinfachte Kündigungsregel. In der Probezeit kann der normale Kündigungsschutz umgangen werden.
Eine Kündigung wegen des Glaubens wäre aber dennoch rechtsmissbräuchlich.
Da sollten die Arbeitgeber mal ins AGG schauen, wenn wirklich das der Grund ist.
Es dürfte wahrscheinlich nur sehr schwer nachweisbar sein, dass das der Grund war und nicht mangelhafte Leistung o. ä.

ImöDBeschäftigt

Wir wissen hier nichts über die fachlichen Vorkenntnisse, noch über die tatsächlichen Gründe für die schlechten Bewertungen, aber dennoch wird sofort Rassismus gerufen, nachdem das Gefühl mitgeteilt wurde, das Kopftuch könne Stein des Anstoßes sein.
Damit wäre ich vorsichtig. Mitgeteilt wurden seitens des AG fachliche Schwierigkeiten und natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass andere Gründe tatsächlich dahinter stecken, allerdings besteht genauso gut (denn wir kennen keinen der Beteilgten!) die Möglichkeit, dass das die tatsächlichen Gründe sind und Selbst- und Fremdwahrnehmung einfach nur auseinander gehen.
Das kommt ja oft vor. Wir hatten z.B. kürzlich auch einen Azubi hier, der sich verhielt, als schüttle er alles mal eben schnell aus dem Ärmel, dabei aber ständig massive Fehler einbaute und das selbst mit Erklärungen nicht wirklich wahrnahm.
Das muss in diesem Fall nicht sein, ist aber erstmal genauso wahrscheinlich oder unwahrscheinlich wie der Rassismusvorwurf.

Petar T.

::)

Meine Aussagen beziehen sich auf die Freistellung bzw. die Aufforderung, dagegen vorzugehen, nicht die Kündigung.

Zur Kündigung:

Es ist die 6-monatige Wartezeit nach dem Kündigungsschutzgesetz, die eine Angabe von Gründen entbehrlich macht - nicht die Probezeit. Die Probezeit regelt lediglich verkürzte Kündigungsfristen.

Es wird auch kein Kündigungsschutz umgangen, denn umgangen werden kann nur etwas, das besteht.