Verdacht auf Arbeitszeitbetrug

Begonnen von Doraymefayzo, Heute um 08:00

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Doraymefayzo

Wir haben bei uns einen Kollegen, dessen Arbeitsmoral sehr zu wünschen übrig lässt.
Nun steht zusätzlich noch der Verdacht im Raum, dass eben dieser Kollege Arbeitszeitbetrug begeht.
Er schreibt sich Stunden auf, die er wahrscheinlich nicht geleistet hat etc.

Wie geht man am besten in so einem Falle vor? An einen Vorgesetzten sind wir schon herangetreten.
Was gibt es dabei zu beachten?

Hatte das schon mal jemand in seinem Arbeitsumfeld?

Vollstrecker

Du hast da ein Wort benutzt: "Wahrscheinlich".

Ganz dünnes Eis. Damit könnte man viel kaputt machen und abgegebene Schuss kann auch ganz schnell nach hinten losgehen.

Ich sehe es so, dass ihr als Arbeitskollegen ein Problem mit habt und nun nach Fehlverhalten von ihm rumstochert, um ihn auszuliefern. Verständlich. Ich persönlich würde die Sache aber anders angehen. Ihm einfach direkt sagen, was ich von ihm halte. Dann weiß er, wo er dran ist und könnte sich auch denken, dass, wenn er im Dienst irgendwie Scheiße macht, ich keine Probleme hätte, ihn anzukacken.

Diesen "Hintenrum" finde ich immer ganz schlimm. Alle wissen dann schon alles...bzw. meinen alles zu wissen, nur die betreffende Person nicht.

Schokokeks

Ich wüsste, was Colonel Nathan R. Jessep befehlen würde...
Quereinsteiger mit Hang zum Monk

Bubi11

Ganz Ehrlich - Als Kollege würde ich da gar nichts machen.
Das kann schnell nach hinten los gehen.
Außer es betrifft dich persönlich in deiner täglichen Arbeit. Also wenn du dadurch mehr Arbeit hast würde ich mit dem Vorgesetzten reden. Wenn es dich nicht betrifft dann lass es auch.
Das ist das Problem des Vorgesetzten und nicht deins.

Bei uns arbeiten manche mehr und manche weniger mehr und in einigen Abteilungen weiß ich gar nicht was die machen.
Es gibt sogar welche die werden bewußt zum Nichtstun abgeschoben weil man sie nicht braucht.

Mich betrifft das nicht persönlich und damit ist es für mich egal.

Ich bin Abteilungsleiter. Bei uns wird Kaffeepause gemacht (Obwohl offiziell nicht erlaubt - Teambesprechung!) Bei uns wird Gequatscht und einige gehen 5-6 mal am Tag rauchen. Na und ... Sie machen ihre Arbeit und gut ist.

Wenn ich aber mitbekomme das jemand bewusst Stunden schiebt und noch dazu seine Arbeit nicht macht, dann gibt es ein Gespräch. Das musste ich Gott sei dank noch nie führen.

Um das zu beurteilen von dir müsste man mehr Infos haben.

Vollstrecker

Zitat von: Doraymefayzo in Heute um 08:00Wie geht man am besten in so einem Falle vor? An einen Vorgesetzten sind wir schon herangetreten.
Was gibt es dabei zu beachten?

Hatte das schon mal jemand in seinem Arbeitsumfeld?

Aber nochmal dazu:

1.) Den Kollegen selber auf sein Fehlverhalten ansprechen und sagen, was man davon hält
2.) Was soll es zu beachten geben? Ist es einmal beim Vorgesetzten raus, dann ist es raus. Da gibt es nichts zu beachten. Man muss selber wissen, ob und wie man es macht.
3.) Ständig

Doraymefayzo

Zitat von: Vollstrecker in Heute um 08:24Du hast da ein Wort benutzt: "Wahrscheinlich".

Ganz dünnes Eis. Damit könnte man viel kaputt machen und abgegebene Schuss kann auch ganz schnell nach hinten losgehen.


Nun ja, wenn das was er sich an Stunden aufschreibt, deutlich von dem abweicht wie er an den Systemen angemeldet ist, dann ist es sogar mehr als wahrscheinlich.

Mit ihm darüber zu sprechen kommt für mich persönlich nicht in Frage, dass soll bitte eine Führungskraft übernehmen.

Doraymefayzo

Zitat von: Schokokeks in Heute um 08:40Ich wüsste, was Colonel Nathan R. Jessep befehlen würde...

Sehr hilfreicher Kommentar

Petar T.

Man könnte sich auch die Frage stellen, wie kollegial es ist, den Mitarbeiter beim Vorgesetzten anzuschwärzen, ohne, wie es scheint, vorher mit ihm gesprochen zu haben.

Das war aber nicht die Frage.

ZitatWie geht man am besten in so einem Falle vor? An einen Vorgesetzten sind wir schon herangetreten.
Was gibt es dabei zu beachten?

Der Fall ist damit für euch erledigt, soweit ihr nicht im weiteren Verlauf aufgefordert werdet, eure Aussagen schriftlich einzureichen oder offiziell zu Protokoll zu geben. Es liegt jedenfalls nicht in eurer Zuständigkeit, den Sachverhalt weiter zu verfolgen. Mit der Meldung an den Vorgesetzten könnt ihr euch wieder den eigenen Arbeitsaufgaben widmen.

Der Vorgesetzte wird sich jetzt mit der Frage beschäftigen müssen, ob sich der Verdacht erhärtet und sich ggf. arbeitsrechtliche Maßnahmen erforderlich machen. Diese setzten aber eine saubere Dokumentation des konkret belegten Arbeitszeitbetrugs voraus.

Dabei ist insbesondere auch der Datenschutz zu beachten.
Eine berechtigte Frage des Kollegen in diesem Zusammenhang  könnte m. E. sein, woher ihr wisst, welche Stunden er sich aufschreibt.
 

MoinMoin

Das entscheidende ist das was Bubi11 sagt: Wenn ich die Arbeit anderer aufgehalst bekommen, weil sie minderleistend oder Zeitbetrüger sind, dann gibt es für mich Gesprächsbedarf im Team, sofern ich Druck vom VG bekomme.

Erst 4 Augen mit Kollegen, dann 4 Augen mit Vorgesetzten und dann zu dritt.

Wenn ich nicht betroffen bin, dann geht es mich nichts an, außer dass bei Gelegenheit man sich zynische Kommentare über Leistungsträger anhören darf.

MoinMoin

Zitat von: Doraymefayzo in Heute um 08:56Nun ja, wenn das was er sich an Stunden aufschreibt, deutlich von dem abweicht wie er an den Systemen angemeldet ist, dann ist es sogar mehr als wahrscheinlich.
Wenn ihr solche Informationen habt, dann dürfte der AG uU euch abmahnen, da ihr solche Informationen nicht haben dürftet.
Und viele arbeiten durchaus auch, wenn sie nicht angemeldet sind und andere arbeiten nicht, obwohl sie angemeldet sind.

Bubi11

Zitat von: Doraymefayzo in Heute um 09:01Sehr hilfreicher Kommentar

Ernstgemeinte Frage:
Was versprichst du dir davon?
Es kann auch sein das du dadurch in der Abteilung oder sogar im ganzen Amt als Petze abgestempelt wirst und der Schuss nach hinten losgeht.
Macht er seine Arbeit schlecht, zu langsam oder müssen andere für ihn die Arbeit erledigen? Dann kann man schon mal vorsichtig handeln und das ansprechen das es stört.
Wenn es nur das eigene Befinden ist (Womöglich auch Neid weil derjenige schneller arbeitet und somit mehr Freizeit hat) dann lass es (Gutgemeinter Rat). Glaub mir der ist mit Sicherheit dann nicht der einzigste und es könnte dann andere auch treffen (Evtl. Abschaffung von Kaffeepausen oder ähnliches).

Es gibt auch Mitarbeiter die haben einfach weniger Arbeit aber was kann der dann dafür das ihm der Arbeitgeber nicht mehr gibt? Dann wäre die Führungskraft schuld und dann bekommst du Probleme wenn du seine Kompetenzen oder Führungsqualitäten in Frage stellst (Zumindest wäre ich da ziemlich stinkig)

Organisator

Zitat von: Doraymefayzo in Heute um 08:00Wie geht man am besten in so einem Falle vor? An einen Vorgesetzten sind wir schon herangetreten.
Was gibt es dabei zu beachten?

Inwiefern betrifft die die Arbeitsleistung des Kollegen? Inwieweit ist es deine Aufgabe, das zu kontrollieren bzw. zu sanktionieren?

UNameIT

Zitat von: Doraymefayzo in Heute um 08:56Nun ja, wenn das was er sich an Stunden aufschreibt, deutlich von dem abweicht wie er an den Systemen angemeldet ist, dann ist es sogar mehr als wahrscheinlich.

Oh,oh - das nachzugucken könnte euch eine Abmahnung bis hin zu einer Kündigung einhandeln. Ihr bewegt euch da auf sehr dünnem Eis. So was ist nur auf begründetem Verdacht unter Aufsicht des Personalrats erlaubt. Andernfalls macht ihr unerlaubte Arbeitsüberwachung. Auch ist der Zugriff auf das Zeiterfassungskonto oder die Stempelkarte des Kollegen strafbar. Genau wie Datenerhebung über den Kollegen ohne seine ausdrückliche Zustimmung. Mit anderen Worten er könnte euch dafür sogar anzeigen - siehe §202a StGB, § 238 StGB , Art. 6 DSGVO . Es können Schadenersatz- sowie Schmerzensgeldansprüche auf seiner Seite entstehen.

Des weiteren könnte es sich hier um eine Mobbingsituation halten.

Müsst ihr wissen, ob ihr euer strafrechtlich relevantes Verhalten beibehalten wollt.

Johann

Betrifft dich das denn direkt? Also musst du bei deiner Arbeit bspw. auf unerledigte Arbeit vom Kollegen warten und kriegst dadurch Probleme mit deinen Fristen? Dann sprich ihn drauf an und sag ihm, dass du die Sachen früher brauchst, weil du selber noch was damit machen musst, bevor bei dir die Deadline gerissen wird. Wenn sich dann weiterhin nichts bewegt, weil der Kollege die Füße hoch legt, kannst du zur Führungskraft gehen und ihr mitteilen, dass du Probleme mit deiner Arbeit bekommst, weil der Kollege die notwendigen Vorarbeiten nicht (schnell genug) erledigt. Dann ist es an der Führungskraft, das Problem in den Griff zu bekommen.

Wenn der Kollege aber ansonsten seine Arbeit in mittlerer Art und Güte und im zeitlich zulässigen Rahmen schafft, gibt es aus meiner Sicht wenig Gründe, wieso man ihn da unbedingt anschwärzen müsste. Manche Kollegen füllen mit den gleichen Aufgaben ganze Arbeitswochen und sind häufiger in den Nachbarbüros und in der Teeküche anzutreffen als an ihrem Schreibtisch und manche machen ihre tägliche Arbeit konzentriert in 2h und drehen dann Däumchen. Manchmal würde ich mir wünschen, dass Bezahlung rein nach Arbeitszeit nicht die effizienteste Vertragsgestaltungsoption wäre. Da neigt man ja doch schnell mal dazu, länger für etwas zu brauchen, das man auch in deutlich kürzerer Zeit hätte schaffen können.

Faunus

Arbeitszeitbetrug ist eine ,arbeitsrechtliche Pflichtverletzung die eine fristlose Kündigung ohne Abmahnung rechtfertigt.
Ist in meinem Umfeld vor Jahren auch schon durchgezogen worden. Die betreffende Person kam nachweislich von... ins Büro ohne sich aus dem Zeiterfassungssy<stem für x Strunden abngemeldet zu haben. Diese Person musst unverzüglich im Beisein eines Verwaltunsgjuristen ihren Arbeitsplatz räumen.
War eine lange Entwicklung und die Abt. musste die "Aufgaben" dieses AN miterledigen. Es ist also auch zutiefst unkollegial.

Umgekehrt kann üble Nachrede am Arbeitsplatz den Teamfrieden so sehr stören, dass auch hier mindestens eine Abmahnung fällig ist, aber auch eine fristlose Kündigung durchsetzbar sein könnte. Das letztere ist aber um einiges schwieriger durchzusetzten.

Auch ist der disziplinarische Vorgesetzte in der Pflicht und nicht die Kollegen! Und für was hat man irgendwo in der Verwaltung "Juristen" eigentlich sitzen.