Amtsangemessene Alimentation - und die Angestellten?

Begonnen von ahbeha, 15.05.2026 09:40

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BAT

Zitat von: Landesknecht in 29.05.2026 10:55Um nochmal auf den Ausgangspost einzugehen.
 
Ich bin auch extrem gefrustet als Tarifangestellter in einer Landesverwaltung. Wir sind 14 Leute in der Arbeitsgruppe, machen alle dieselben Tätigkeiten und je nach Einstellungszeitraum und damaligen Alter ist man verbeamtet oder nicht. Wir haben alle einen (Fach)hochschulabschluss. Alle Angestellten sind in E9 und die Beamten sehr schnell befördert in A10 oder A11. Die selbe Tätigkeit, die selbe Arbeitszeit von 40h. Ich habe letztens einen Blick auf den GEhaltszettel eines Kollegen ( 18 Jahre jünger, aber selber Familienstand, selbe Kinderzahl) geworfen, da wurde mir schlecht - Locker 1300 Euro mehr Gehalt. Abzüglich nur 210 Euro private Krankenkasse, dafür mit deren Vorteilen. Ist das fair?

Der Sold richtet sich nach Alimentation.
Das Beschäftigtengehalt nach Verhandlungsgeschick.

Man könnte auch 1300 € netto mehr verhandeln als ein Beamter bekommt.

Ist das fair?

DiVO

Manche Beamte geben ihren Status auch wieder zurück und gehen lieber in die Privatwirtschaft, weil sie dort mehr verdienen können. Ein Freund von mir war Gymnasiallehrer, ist jetzt Personalleiter bei einer Firma in München und hat 6-stelliges Gehalt plus Firmenwagen.

Man muss einfach für sich selbst wissen, was man möchte und dann dafür kämpfen.

Landesknecht

Zitat von: Rheini in 29.05.2026 11:22Auf welche Aspekte / Teilaspekte beziehst Du dein "Fair"???????? Welche Aspekte findest Du im Angestelltenverhältnis besser, als wenn Du in einem Beamtenverhältnis wärst? Warum bist Du nicht Beamter geworden (beworben - nicht genommen, nie beworben usw.).

Das Angestelltenverhältnis hat den einzigen Vorteil dass man keine Angst vor einer schlechten Beurteilung haben braucht und deshalb vielleicht sich nicht traut den Mund aufzumachen.

Und ja ich wäre gern verbeamtet wurden, bin aber in einer Zeit in diese Abteilung gekommen, als Verbeamtung kein Thema war und als plötzlich alle verbeamtet werden sollten, war ich (und einige Kollegen) natürlich schon 42 oder älter.
Und nein - wir können nicht verhandeln, es gibt keine Höhergruppierung, keine Stufenvorweggewährung - nichtmal Leistungsprämien, da das Land sparen muss.
Und wegbewerben hilft nicht, da es überall im Land und in den angrenzenden Kommunen ähnlich aussieht. Freie Stellen werden derzeit auch nicht neubesetzt.

Rheini

Zitat von: Landesknecht in 29.05.2026 14:59Das Angestelltenverhältnis hat den einzigen Vorteil dass man keine Angst vor einer schlechten Beurteilung haben braucht und deshalb vielleicht sich nicht traut den Mund aufzumachen.

Und ja ich wäre gern verbeamtet wurden, bin aber in einer Zeit in diese Abteilung gekommen, als Verbeamtung kein Thema war und als plötzlich alle verbeamtet werden sollten, war ich (und einige Kollegen) natürlich schon 42 oder älter.
Und nein - wir können nicht verhandeln, es gibt keine Höhergruppierung, keine Stufenvorweggewährung - nichtmal Leistungsprämien, da das Land sparen muss.
Und wegbewerben hilft nicht, da es überall im Land und in den angrenzenden Kommunen ähnlich aussieht. Freie Stellen werden derzeit auch nicht neubesetzt.

Und warum hast du dich nicht woanders als Beamter beworben?

Faunus

Weil man über 42 vielleicht ein Reihenhäuschen in Erbpacht zusammen mit seiner Frau, die eine Halbtagsstelle vor Ort hat, für die Kinder abzahlt, z.B.!

Ich habe seinerzeit eine Verbeamtung abgelehnt und mich tatsächlich durch die EGs "durchgeboxt" - das ist aber nicht jedermanns Sache und habe eine Vorstellung, warum Menschen gerne eine Verbeamtung anstreben.

Rheini

Zitat von: Faunus in 29.05.2026 15:48Weil man über 42 vielleicht ein Reihenhäuschen in Erbpacht zusammen mit seiner Frau, die eine Halbtagsstelle vor Ort hat, für die Kinder abzahlt, z.B.!

Ich habe seinerzeit eine Verbeamtung abgelehnt und mich tatsächlich durch die EGs "durchgeboxt" - das ist aber nicht jedermanns Sache und habe eine Vorstellung, warum Menschen gerne eine Verbeamtung anstreben.


Man kann sich schon vor 42 um eine Beamtenstelle bemühen. Und dann hast Du auch noch eine Beamtenstelle abgelehnt und jetzt viele Jahre später findest Du was genau nicht "fair"?

Faunus

Zitat von: Rheini in 29.05.2026 15:58Man kann sich schon vor 42 um eine Beamtenstelle bemühen. Und dann hast Du auch noch eine Beamtenstelle abgelehnt und jetzt viele Jahre später findest Du was genau nicht "fair"?

HÄÄÄ?!
Du liest schon, wer was schreibt!


Faunus

Zitat von: Landesknecht in 29.05.2026 14:59Und ja ich wäre gern verbeamtet wurden, bin aber in einer Zeit in diese Abteilung gekommen, als Verbeamtung kein Thema war und als plötzlich alle verbeamtet werden sollten, war ich (und einige Kollegen) natürlich schon 42 oder älter.

Zitat von: Landesknecht in 29.05.2026 14:59Und warum hast du dich nicht woanders als Beamter beworben?

Und ich darauf:
ZitatWeil man über 42 vielleicht ein Reihenhäuschen in Erbpacht zusammen mit seiner Frau, die eine Halbtagsstelle vor Ort hat, für die Kinder abzahlt, z.B.!

Rheini

Nein hatte ich nicht, sry. Auf de handy habe ich es überlesen.

Faunus


Tagelöhner

#100
Wer will schon ernsthaft mit Übernahme der Ernennungsurkunde seine Seele an den Teufel, ähm pardon, natürlich Dienstherr verkaufen  ;D
Und dann heißt es im Anschluss nach erlebter Frustration und aufgebrauchter Frustrationstoleranz ein Berufsleben lang: "solange du Dienstherr so tust, als würdest du mich amtsangemessen alimentieren, tue ich so als würde ich besonders engagiert, mit voller Hingabe und treu Dienst leisten."

Und meistens nimmt man dann halt ein Leben lang die Privilegien des Beamtenstatus' mit und schaltet in den Pseudobeamtenmodus, der sich im Wesen von einem Arbeitsverhältnis mit innerer Kündigung in keiner Weise unterscheidet, aber sogar wegen der Unkündbarkeit noch heftiger ausgelebt wird.
Nur mit ausgeprägtem Sinn für Humor weiterlesen: Ich habe nichts gegen Beamte, wirklich! Die tun ja nix! :-)

Umlauf

Zitat von: Landesknecht in 29.05.2026 10:55Um nochmal auf den Ausgangspost einzugehen.
 
Ich bin auch extrem gefrustet als Tarifangestellter in einer Landesverwaltung. Wir sind 14 Leute in der Arbeitsgruppe, machen alle dieselben Tätigkeiten und je nach Einstellungszeitraum und damaligen Alter ist man verbeamtet oder nicht. Wir haben alle einen (Fach)hochschulabschluss. Alle Angestellten sind in E9 und die Beamten sehr schnell befördert in A10 oder A11. Die selbe Tätigkeit, die selbe Arbeitszeit von 40h. Ich habe letztens einen Blick auf den GEhaltszettel eines Kollegen ( 18 Jahre jünger, aber selber Familienstand, selbe Kinderzahl) geworfen, da wurde mir schlecht - Locker 1300 Euro mehr Gehalt. Abzüglich nur 210 Euro private Krankenkasse, dafür mit deren Vorteilen. Ist das fair?


So unterschiedlich kann es sein. Vor über 20 Jahren gnubbelten die Beamten auf der Stelle und kamen nicht weiter. Der Stellenplan war einfach voll.
Ich als Tarifler bin einfach dran vorbei gezogen. Zusätzlich habe ich noch den Aufstieg gemacht, der im technischen Bereich wesentlich einfacher als Tb umzusetzen ist.

KlammeKassen

Zitat von: Schinkensandwich in 20.05.2026 11:27Naja, Kommunen sind halt (und ganz besonders in strukturärmeren Gegenden) zum Einen schon auch zum Teil größere oder zumindest relevante Arbeitgeber die auch immer wieder Personal suchen und auch für bestimmte Tätigkeiten und Ausbildungen besonders prädestiniert.
Außerdem: Der TVöD-VKA im Vergleich zum TV-L immerhin deutlich besser.

Die Ortsnähe als den EINEN Grund für eine Beschäftigung bei einer Kommune halte ich für fernliegend. Ist m.E. auch relativ klar, dass man z. B. als Stadtplaner oder City-Manager v.a. nach Stellen bei einer Kommune sucht und die dort auch nur geboten werden. Aber das gilt auch für alle anderen nicht so spezialisierten Bereiche. Eine Sachbearbeiterstelle oder eine Stelle als Bürokraft kann bei einer Kommune durchaus attraktiv sein, im Vergleich zu dem was man z. B. bei einem kleinen Mittelständler oder Handwerksbetrieb bekommt.
Es kommen halt auch oft mehrere Kommunen im näheren Umkreis in Frage (wenn man nicht sowieso direkt in der betreffenden Stadt wohnt). Bei mir im Umkreis gibt es eine mittelgroße Stadt von der ich jedes Wochenende in der Zeitung immer eine ganze Reihe von ausgeschriebenen Stelle lese. Und dann suchen natürlich auch die kleineren Kommunen immer mal wieder.
Ein weiterer Vorteil: Häufig hat man dort gerade als Angestellter gute Chancen, während meiner Erfahrung nach beim Bezirk oder Landratsämtern in erster Linie Beamte gesucht und auch bevorzugt eingestellt werden.

Oder du sollst möglichst direkt verbeamtet werden, was ja eigentlich dem BlaBla in der öffentlichen Debatte, beispielsweise Bund der Steuerzahler, aber auch einiger Politiker, vollkommen widerspricht.

Nur mal auf die Schnelle gefunden, Bund und Land:
https://www.service.bund.de/IMPORTE/Stellenangebote/interamt/2026/05/1447284.html

"Für eine Einstellung im öffentlichen Dienst gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: eine Anstellung als Beamtin bzw. Beamter oder eine Einstellung als Tarifbeschäftigte bzw. Tarifbeschäftigter. Sofern Sie sich nicht bereits in einer sogenannten Beamtenlaufbahn befinden, erfolgt Ihre Einstellung im ITZBund grundsätzlich zunächst in der Tarifbeschäftigung. Im Rahmen Ihrer Einstellung als Tarifbeschäftigte bzw. Tarifbeschäftigter leisten Sie eine tarifrechtliche Probezeit von in der Regel 6 Monaten ab. Eine spätere Verbeamtung wird von Seiten des ITZBund grundsätzlich angestrebt."

https://www.service.bund.de/IMPORTE/Stellenangebote/interamt/2026/05/1447284.html
"Die Beschäftigung erfolgt in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis beim Land Sachsen-Anhalt nach den Bestimmungen des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Die ersten sechs Monate der Beschäftigung gelten als Probezeit. Bei Erfüllung der für die Stellen tarifrechtlich anerkannten Qualifikationsmerkmale richtet sich die Vergütung/Bezahlung nach der Entgeltgruppe 12 TV-L.

Wegen des hoheitlichen Charakters der Prüftätigkeit des Landesrechnungshofes Sachsen-Anhalt wird bei Vorliegen der beamten- und haushaltsrechtlichen Voraussetzungen eine Verbeamtung im ersten Einstiegsamt der Laufbahngruppe 2 angestrebt."

Habe ich bei Kommunen so noch nie gesehen.

KlammeKassen

Zitat von: daseinsvorsorge in 20.05.2026 12:17Was ist mit LehrerInnen? Dann nicht nur Streiks in Kitas sondern auch noch in Schulen? Viel spaß mit den Eltern.

Das ist ja schon mal schiefgegangen, als man Bahnbedienste nicht mehr verbeamtet hat und sich nun wundert, warum diese jetzt streiken.

Willst du dann im Bürgeramt auch alle verbeamten, weil sonst bei Streiks keine neuen Persos beantragt werden können?
Wenn der Nahverkehr streikt, kommen die Schüler teilweise auch nicht zur Schule und es interessiert auch keinen.

Wenn sich die Arbeitgeber/ "Dienstherren" in den Tarifverhandlungen mal etwas Mühe geben würden, wären ja auch keine großartigen Streiks notwendig. Aber jedes Mal (egal, ob Kassenlage gut oder schlecht ist), einfach immer nur zu sagen, dass die Kassen leer sind, ist halt obsolet und sinnlos).
Wenn dieser Druck da wäre, würde die Bezahlung ggf. auch besser ausfallen. So kriegen die Beamten halt genug (amtsangemessene Besoldung) und die, die halt das Pech haben, nicht verbeamtet zu werden, fallen hinter herunter.
Das ist schlimmer meiner Meinung nach.

Ich bewundere diese angestellten Lehrer, deren Kollegen zu 90 % verbeamtet sind und jeden Monat mit mindestens 1.500 Euro netto mehr nach Hause gehen und später die üppige Pension bekommen. Gerade in dem Bereich ist es echt übel. Zumal die Arbeit ja nun wirklich dieselbe ist.

KlammeKassen

Zitat von: Faunus in 20.05.2026 13:36Eben und die ÖPNV-Nutzer kommen auch damit klar!
Muss man dem jeden beim kleinsten Problem den Wertesten abwischen!

Wenn Lehrer streiken, könnte das Bildungssysten/Kinderwohl auch nicht mehr schlechter werden.
Warum zerreißt es uns regelmäßig in den ganzen Bildungsstudien? Für mich ein Grund mehr (Hochschul-)Lehrer nicht mehr zu verbeamten.

Guter Einwand!
Die Leute, die Lehre an der Uni halten, sind ohnehin nicht verbeamtet (wissenschaftliche Mitarbeiter E13); manchmal stellen sich Profs vorne hin ja, aber viele geben das einfach ab an die WiMas