TVÖD - Regelung zur AU ab dem ersten Arbeitstag?

Begonnen von Aleksandra, 02.07.2026 10:09

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

BAT

Zunächst aus eigener Erfahrung mit Insolvenzverfahren in dreistelliger Anzahl: über 90 Prozent verantwortungsloses Ausgabeverhalten, Bestellungen im Internet, Handyverträge, etc.

Zweitens: die Wohlverhaltensphase wurde vor Jahren von sechs auf drei Jahre verkürzt, alle können also laufend neue Runden drehen...


Faunus

Ich schrieb von den "letzten 10 Jahren". Dazu gehört das Jahr 2010 nicht und deshalb habe ich nicht recherchiert, warum dort die Privatinsolvenzen so hoch waren... Wann war das mit den "Massengründungen der ich-AGs" nochmal?  K.A. Selbst recherchieren. Da gab es sicherlich mind. einen Grund und jetzt gibt es auch wieder mindestens einen Grund.

Die Aussage, dass heute "mehr Haushalte kaum über die Runden kommen" halte ich für realistisch, weil für mich z.B. die Zahl der steigenden Privatinsolvenzen ein Indiz ist. Wenn man das noch in Kontext mit der vorangegangene Inflation nimmt, den beträchtlichen Anstieg an Wohnungsgeldempfängern mit einbezieht... wenn man will, kann man sehen & erkennen!


Vollstrecker

Ich meine mal gehört zu haben, dass es die meisten Zahlungsschwierigkeiten bei Telekommunikationsanbietern gibt, gefolgt von Schulden für ein KFZ-Kauf oder -Leasing. Danach kommen Versandunternehmen wie Otto oder Amazon und Technikmärkte.

Erst dann häufen sich prozentual Mietschulden, Strom u.ä. oder Dinge, die man wirklich so einordnen kann, dass es für das Leben wichtige Dinge sind und keine Konsumgüter.  ;)  8)

Die Gesellschaft hat sich verändert. Früher musste man sich manche Dinge einfach verdienen bzw. konnte die sich trotz großem Wunsch nicht leisten, weil man dafür einfach nicht die Gehaltsklasse hatte.

Heute kann sich jeder den AMG, das riesengroße TV-Gerät oder die drei Wochen Urlaub besorgen. Dank Raten- und Leasingmöglichkeiten mit doch recht laschen Kontrollen oftmals.




BAT

Zitat von: Faunus in 23.07.2026 09:53Die Aussage, dass heute "mehr Haushalte kaum über die Runden kommen" halte ich für realistisch, weil für mich z.B. die Zahl der steigenden Privatinsolvenzen ein Indiz ist. Wenn man das noch in Kontext mit der vorangegangene Inflation nimmt, den beträchtlichen Anstieg an Wohnungsgeldempfängern mit einbezieht... wenn man will, kann man sehen & erkennen!

Dir ist schon bekannt, dass das Wohngeld massiv ausgeweitet wurde vor Jahren und damit auch die Zahl der Anspruchsberechtigten?

Auch wenn es mehr Leute gibt, die wirtschaftliche Probleme haben. Das sind in der Wirtschaft aber auch nicht anders aus. Und wenn jemand ausfällt - mit oder ohne AU - oder auch Karenztage hat evtl. nicht nur der Mitarbeiter kein Geld, sondern der AG auch keine Arbeitsleistung.

An diesem Anspruchsdenken scheitert dieses Land. Deswegen wird von Merz hier auch bewusst Druck gemacht, meiner Ansicht nach sachlich richtig, politisch aber völlig unklug.

Meteor

Zitat von: BAT in 23.07.2026 10:28Auch wenn es mehr Leute gibt, die wirtschaftliche Probleme haben. Das sind in der Wirtschaft aber auch nicht anders aus. Und wenn jemand ausfällt - mit oder ohne AU - oder auch Karenztage hat evtl. nicht nur der Mitarbeiter kein Geld, sondern der AG auch keine Arbeitsleistung.

Es gibt einen Unterschied zwischen kalkulatorischen (fiktiven) Kosten und tatsächlichen Ausgaben.

Es gibt einen Unterschied zwischen geleisteten Stunden und geleisteter Arbeitsleistung.

In der Regel führt ein normaler individueller Krankheitsausfall durch Migräne oder gar eines Grippalen Infektes zu keinen zusätzlichen Kosten. In der Regel wird das Soll/das Arbeitsergebnis fristgerecht bzw. zu hinnehmbaren Fristen, bei gleichen Kosten erreicht. Hier kann sich das System in gewissen Maßen selbst ausgleichen. Insbesondere im Kontext des öffentlichen Dienstes.

Von wirtschaftlicher Relevanz sind regelmäßige mittel- bis längerfristige Ausfälle durch schwere bzw. chronische Erkrankungen. Diese werden durch die Veränderungen gefördert.

Thema Leistungsfähigkeit wird völlig ignoriert.




BAT

Zitat von: Meteor in 23.07.2026 13:48In der Regel führt ein normaler individueller Krankheitsausfall durch Migräne oder gar eines Grippalen Infektes zu keinen zusätzlichen Kosten.

Im Gegenteil, im Rahmen der Karenztage zu weniger Kosten.

Faunus

Zitat von: Vollstrecker in 23.07.2026 10:10Ich meine mal gehört zu haben, dass es die meisten Zahlungsschwierigkeiten bei Telekommunikationsanbietern gibt, gefolgt von Schulden für ein KFZ-Kauf oder -Leasing. Danach kommen Versandunternehmen wie Otto oder Amazon und Technikmärkte.

Erst dann häufen sich prozentual Mietschulden, Strom u.ä. oder Dinge, die man wirklich so einordnen kann, dass es für das Leben wichtige Dinge sind und keine Konsumgüter.  ;)  8)

Die Gesellschaft hat sich verändert. Früher musste man sich manche Dinge einfach verdienen bzw. konnte die sich trotz großem Wunsch nicht leisten, weil man dafür einfach nicht die Gehaltsklasse hatte.

Heute kann sich jeder den AMG, das riesengroße TV-Gerät oder die drei Wochen Urlaub besorgen. Dank Raten- und Leasingmöglichkeiten mit doch recht laschen Kontrollen oftmals.



Im Jahr 2024 haben insgesamt 15.574 Personen, die 61 Jahre und älter sind, Privatinsolvenz angemeldet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dies ein Anstieg um 10,1 Prozent und damit der stärkste Anstieg im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen. (Quelle: CRIF)

Gibt sicherlich auch andere Zahlen, aber die Privatinsolvenzen von 20-jährigen wegen nicht abgedeckter Handykosten... sorry, mögen "zahlreich" sein, aber kann ich nicht wirklich ernst nehmen und ich bin mir sicher, dass die verzogenen Plagen anderer bei unseren Handykosten eingepreist sind 8)

BAT

Worum geht es denn?

Zu wenig Geld, die Wirtschaft läuft nicht gut, die Lebenshaltungskosten steigen, für viele wird es knapp. Da braucht man eigentlich nicht weiter zu diskutieren. Die Lösung ist die Frage.

Auch als CDU - Mitglied muss ich da leider sagen, dass ich bei der aktuellen Koalition keine Möglichkeit sehe, den Knoten zu durchschlagen und echte Reformen zu machen.

Ich denke, die Zeiten werden noch schwerer, nicht nur finanziell sondern auch gesellschaflich.

KlammeKassen

Zitat von: FGL in 22.07.2026 15:59Hast Du dazu belastbare Zahlen?
Und?

1.)
Nein, aber:

https://www.ifo.de/pressemitteilung/2026-04-28/wohlstand-deutschland-seit-2020-unter-druck

https://www.deutschlandfunk.de/deutsche-verlieren-an-kaufkraft-und-wohlstand-einkommen-stiegen-seit-2020-deutlich-langsamer-als-inf-100.html

https://www.welt.de/wirtschaft/article69a7cd3fad41f3cd65a1bc7d/statistisches-bundesamt-politik-hat-deutsche-deutlich-aermer-gemacht-deutsche-verlieren-seit-2020-erheblich-an-kaufkraft.html


Verlust an realer Kaufkraft, und insbesondere die Lebensmittel und anderen Güter des alltäglichen Bedarfs sind wesentlich schneller teurer geworden als die Löhne gestiegen sind:
Lebensmittel beispeilsweise 36 % seit 2020.

Reale Kaufkraftverluste sind insbesondere bei "Niedrigverdienern" ein Riesenproblem.

Und dass es Leute gibt, die gerade ständig im Dispo hängen oder eben so gerade hinkommen, dürften dir Banken problemlos bestätigen können.



zu dem "UND"
???
Ja ist wohl ein Riesenproblem.
Gerechtigkeitsprobleme führen fast immer zu Motivationsverlusten, was zu Verlusten in der Produktivität führt.

KlammeKassen

Zitat von: Faunus in 23.07.2026 09:53Ich schrieb von den "letzten 10 Jahren". Dazu gehört das Jahr 2010 nicht und deshalb habe ich nicht recherchiert, warum dort die Privatinsolvenzen so hoch waren... Wann war das mit den "Massengründungen der ich-AGs" nochmal?  K.A. Selbst recherchieren. Da gab es sicherlich mind. einen Grund und jetzt gibt es auch wieder mindestens einen Grund.

Die Aussage, dass heute "mehr Haushalte kaum über die Runden kommen" halte ich für realistisch, weil für mich z.B. die Zahl der steigenden Privatinsolvenzen ein Indiz ist. Wenn man das noch in Kontext mit der vorangegangene Inflation nimmt, den beträchtlichen Anstieg an Wohnungsgeldempfängern mit einbezieht... wenn man will, kann man sehen & erkennen!


Ich denke, dass auch jeder merken dürfte, dass Versicherungen, Wocheneinkäufe, Gebühren etc., Auto, Werkstätten(!), Sprit etc. immer teurer geworden sind.
Die Löhne sind zwar auch gestiegen, aber nicht in dem Maße.


und entscheidend finde ich auch immer:

Beispiel, fiktiv:
Inflation: 5 %
Gehaltssteigerung: 5 %

--> Der Artikel ist dann 5 % teurer
--> die Gehaltssteigerung kommt netto (St.Kl. I) nicht einmal zur Hälfte an, also eigentlich real nur 2,4 % oder so. Das Bruttogehalt, das dann vielleicht auch zu 5 % gestiegen ist, kann ich aber nicht ausgeben

KlammeKassen

Zitat von: BAT in 23.07.2026 10:28Dir ist schon bekannt, dass das Wohngeld massiv ausgeweitet wurde vor Jahren und damit auch die Zahl der Anspruchsberechtigten?

Auch wenn es mehr Leute gibt, die wirtschaftliche Probleme haben. Das sind in der Wirtschaft aber auch nicht anders aus. Und wenn jemand ausfällt - mit oder ohne AU - oder auch Karenztage hat evtl. nicht nur der Mitarbeiter kein Geld, sondern der AG auch keine Arbeitsleistung.

An diesem Anspruchsdenken scheitert dieses Land. Deswegen wird von Merz hier auch bewusst Druck gemacht, meiner Ansicht nach sachlich richtig, politisch aber völlig unklug.


Habe hier auch keinen Unterschied zur PW gezogen, selbstverständlich ist es dort genauso.
Wenn der Arbeitnehmer sich in der PW krank hinschleppt und nicht produktiv ist, ist aber dasselbe Problem.

KlammeKassen

Zitat von: BAT in 24.07.2026 09:02Worum geht es denn?

Zu wenig Geld, die Wirtschaft läuft nicht gut, die Lebenshaltungskosten steigen, für viele wird es knapp. Da braucht man eigentlich nicht weiter zu diskutieren. Die Lösung ist die Frage.

Auch als CDU - Mitglied muss ich da leider sagen, dass ich bei der aktuellen Koalition keine Möglichkeit sehe, den Knoten zu durchschlagen und echte Reformen zu machen.

Ich denke, die Zeiten werden noch schwerer, nicht nur finanziell sondern auch gesellschaflich.

Reformen kommen ja definitiv (mehr zahlen, weniger bekommen, sich von Provatpatienten auslachen lassen), Rente scheint wirklich was zu passieren, insofern das einigermaßen so durchgeht....

Dass allerdings nicht mal die kalte Progression ausgeglichen wird (was in den letzten > 10 Jahren immer gemacht wurde) und das zu versteuernde Entgelt, ab dem der Spitzensteuersatz greift, gerade mal um ca. 1000 Euro erhöht wird, ist natürlich ein absoluter Witz. Insbesondere wenn man bei der Einkommenssteuer von einer REFORM reden will, dass sich "da endlich was tut".... das ist dummes Zeug von der Regierung

Schnarchnase81

Zitat von: KlammeKassen in 28.07.2026 08:10Ich denke, dass auch jeder merken dürfte, dass Versicherungen, Wocheneinkäufe, Gebühren etc., Auto, Werkstätten(!), Sprit etc. immer teurer geworden sind.
Die Löhne sind zwar auch gestiegen, aber nicht in dem Maße.


und entscheidend finde ich auch immer:

Beispiel, fiktiv:
Inflation: 5 %
Gehaltssteigerung: 5 %

--> Der Artikel ist dann 5 % teurer
--> die Gehaltssteigerung kommt netto (St.Kl. I) nicht einmal zur Hälfte an, also eigentlich real nur 2,4 % oder so. Das Bruttogehalt, das dann vielleicht auch zu 5 % gestiegen ist, kann ich aber nicht ausgeben


Es kann schon mehr als nur die Hälfte ankommen, nämlich dann wenn ich für den Vergleich nicht Steigerung Brutto/ Steigerung Netto, sondern altes Netto/ Neues Netto nehme. Das Bruttogehalt beinhaltet nämlich die Sozialabgaben und der Anteil wird demnach auch gesteigert. Und die Inflation wirkt auf mein Netto und nicht auf das Brutto, auch vorher musste ich mir die Sachen vom Netto kaufen. Natürlich kommen nicht die Prozente beim Netto alt/Netto neu -Vergleich an, da die Progression wirkt, das ist leider so.
Aber ich kann nicht verstehen, wie man sich darüber aufregen kann, dass man eine Lohnsteigerung von, sagen wir mal 100€ Brutto, auch beim Netto erwartet. Natürlich sind in den 100€ auch Anteile zu den Sozialabgaben. Wenn nur der zu versteuernden Anteil des Bruttos ohne Sozialabgabenanteil erhöht werden würde, ok, dann dürfte man richtig motzen (ein bisschen ist ja wegen der Progression ok). Ich habe das mal (zugegeben über Ki) nachgerechnet: bei 3000 Brutto und 5% Erhöhung ist das neue Netto 4,1% höher, als das alte Netto! Nichts anderes sollte verglichen werden!

KlammeKassen

Zitat von: Schnarchnase81 in 28.07.2026 08:45Es kann schon mehr als nur die Hälfte ankommen, nämlich dann wenn ich für den Vergleich nicht Steigerung Brutto/ Steigerung Netto, sondern altes Netto/ Neues Netto nehme. Das Bruttogehalt beinhaltet nämlich die Sozialabgaben und der Anteil wird demnach auch gesteigert. Und die Inflation wirkt auf mein Netto und nicht auf das Brutto, auch vorher musste ich mir die Sachen vom Netto kaufen. Natürlich kommen nicht die Prozente beim Netto alt/Netto neu -Vergleich an, da die Progression wirkt, das ist leider so.
Aber ich kann nicht verstehen, wie man sich darüber aufregen kann, dass man eine Lohnsteigerung von, sagen wir mal 100€ Brutto, auch beim Netto erwartet. Natürlich sind in den 100€ auch Anteile zu den Sozialabgaben. Wenn nur der zu versteuernden Anteil des Bruttos ohne Sozialabgabenanteil erhöht werden würde, ok, dann dürfte man richtig motzen (ein bisschen ist ja wegen der Progression ok). Ich habe das mal (zugegeben über Ki) nachgerechnet: bei 3000 Brutto und 5% Erhöhung ist das neue Netto 4,1% höher, als das alte Netto! Nichts anderes sollte verglichen werden!

Selbst wenn es dann 4,1 % sind statt 5 %: Dann steigen die Löhne zwar wie die Preise, aber eben nicht das verfügbare Nettoeinkommen, dies verliert halt zunehmend an Kaufkraft.

Das ist auf Dauer halt problematisch...

MoinMoin

Zitat von: KlammeKassen in 28.07.2026 08:10Beispiel, fiktiv:
Inflation: 5 %
Gehaltssteigerung: 5 %

--> Der Artikel ist dann 5 % teurer
--> die Gehaltssteigerung kommt netto (St.Kl. I) nicht einmal zur Hälfte an, also eigentlich real nur 2,4 % oder so. Das Bruttogehalt, das dann vielleicht auch zu 5 % gestiegen ist, kann ich aber nicht ausgeben

Also bei mir ist eine 5% Bruttolohnsteigerung eine 4,1% Nettolohnsteigerung.
bei jemanden mit nur 2000 Brutto Stk III sind es 4,92% die mehr in der Tasche landen.