Bildungs-Reparaturbetrieb Familie: Hilfslehrer Eltern zwecks Lehrplanerfüllung

Begonnen von WimmelbuchLeser, Gestern um 20:35

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Organisator

Zitat von: Hugo Stieglitz in Heute um 12:42Also in den späten 50ern lag der durchschnittliche qm-Verbrauch bei 18 qm. Da gab es sicher ein paar mehr oder weniger, aber ich bin sicher, die Lifestyle-Explosion der 50er hat den zweiten Verdienst notwendig gemacht. :D

"Lifestyle-Explosion" ist auch ein schöner Begriff :)

Ansonsten war im Ostteil Deutschlands bereits ab den 50ern üblich, dass Frauen wie Männer Vollzeit arbeiten. Egal ob Eltern oder nicht.

Petar T.

Zitat von: WimmelbuchLeser in Gestern um 20:35(...)
Fakt ist aber: Gerade bei kaskadierenden Altersabständen – wenn die Kinder wie bei uns (drei Kinder - Grundschüler!) jeweils zwei bis drei Jahre auseinander sind – braucht eine Familie zwingend ein Elternteil, das zu Hause permanent Struktur und Organisation aufrechterhält. Da geht es um denjenigen, der logistisch die besten Voraussetzungen dafür mitbringt. Bei uns läuft das über die Teilzeitstelle meiner Frau, die zugleich im Wohnort mit kurzen Wegen zur Arbeitsstelle arbeitet. Ohne diese Präsenz würde unser Alltag schlicht kollabieren. Nahe Familienangehörige gibt es keine. Das ist der geforderten Flexibilität meines Dienstherrn (Dienstort) geschuldet.
(...)

Es gibt Millionen Familien mit zwei in Vollzeit tätigen Elternteilen, die diese Herausforderungen meistern müssen.

FGL

Zitat von: WimmelbuchLeser in Gestern um 20:35Ich habe das Gefühl, dass viele Lehrer ihren eigentlichen Lehrauftrag komplett nach Hause abwälzen.
Wenn viele Eltern ihren Erziehungsauftrag auf die Schule abwälzen, dann hat diese weniger Ressourcen für den Kernbereich ihres Auftrags.

Fettschwanzmaki

Zitat von: WimmelbuchLeser in Gestern um 20:35(...)
Doch statt uns zu entlasten, verlässt sich unser Bildungssystem genau auf diese mühsam geschaffene Struktur. Ich habe das Gefühl, dass viele Lehrer ihren eigentlichen Lehrauftrag komplett nach Hause abwälzen. Wir lernen nicht mehr nur punktuell mit den Kindern – wir müssen den Stoff zu Hause oft überhaupt erst erklären.  ::)  Durch Lehrermangel und ständigen Unterrichtsausfall bleibt in der Schule so viel auf der Strecke, dass wir Eltern als unbezahlte Nachhilfelehrer einspringen müssen. Selbst in den Ferien gibt es zeitfüllende Aufgabenpakete, sodass für die Kinder kaum noch echte Erholung drin ist. Würden wir uns nicht jeden verdammten Tag dahinterklemmen, wäre ein guter Notendurchschnitt und die Empfehlung fürs Gymnasium absolut utopisch. Die traurigen Gesichter hinsichtlich schlechten Noten, wenn Eltern anderer Kinder es weniger begleiten, vernehmen unsere Kinder. Bisher konnten wir unsere Kinder immer noch erreichen und zugleich motivieren. Doch kamen kürzlich neue Lehrer ins Spiel, die diesbezüglich weniger motivierend unterwegs sind.

1. Ihr hättet ja auch Dinks werden können, was interessieren mich Deine Blagen? Jetzt bist Du gleich dreifach belastet, nein vier- und fünffach, wenn ich den Job und die Ehefrau dazuzähle.
2. Wir brauchen auch gute Handwerker, wenn die Scheiße überläuft, muss schweres Gerät vor Ort sein. Gymnasiasten sind sich da oftmals zu fein.
3. Selbst junge Akademiker haben nicht mehr automatisch einen Arbeitsplatz sicher, die dumme KI wird die mittelgradig Schlauen über kurz oder lang ersetzen, von den ganzen Laberfächern, die ja niemand bei der Bewältigung einer Lebens-, Gesellschafts- oder Existenzkrise braucht, ganz abgesehen.
4. Nivellierung der Bildungsabschlüsse durch weichgekochte Anforderungen, lasse die ganze Hausaufgabennummer am Nachmittag durch deine trade-wife einfach nach, lohnt sich nicht. Gegen die Tigermütter aus dem asiatischen Raum stinken wir alle ab.

Das war ein wenig Polemik zum warm werden.

https://www.dw.com/de/pisa-studie-2026-deutschland-ranking-ergebnisse-test-oecd-karin-prien/a-79157256
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/in-niedersachsen-steigt-die-zahl-der-schulabbrecher-weiter,schulabbrecher-132.html
https://www.spiegel.de/start/bildung-zahl-der-schulabbrecher-erreicht-hoechststand-seit-zehn-jahren-a-1ac62e82-07ff-4e97-91dd-d3c34c3b52ed

Ich habe mich hier verschiedentlich dazu geäußert.

Schon vor den Polykrisen (1989/90, 2008, 2015, 2020, 2022, 2026) war der Zusammenhang von Herkunft und Bildung empirisch ausreichend untersucht. Ich selbst habe während meines Studiums u. a. eine Langzeitstudie in den Fingern gehabt, die seit 1970 (Beginn der Studie) diesen Zusammenhang langfristig untersucht (stark verkürzt: aus Akademikerfamilien besuchen x % Kinder das Gym, aus Arbeiterfamilien hingegen nur x % und natürlich weitere "Erkenntnisse"). Dieses Kaugummi ist so ausgelutscht, dass das als Sondermüll entsorgt werden muss.

Der Anteil der verhaltensauffälligen SuS beträgt mittlerweile 20 - 25 % in einer Schulklasse. Einer von fünf ist "gestört" und stört den Unterricht der anderen vier mehr oder weniger massiv. Dank der heiligen Inklusion wird jetzt niemanden mehr geholfen, die Leerkörper sind ausgebrannt, dazu ein rigides Schulsystem mit einer RLSB, die noch schwerfälliger und langsamer als eine durchschnittliche kommunale Verwaltung agiert. Hierzu kann man gern die Selbsterfahrungsberichte der angehenden Lehrkräfte gegenlesen, die sich über das Referendariat schlußendlich gegen den Beruf eines Lehrers oder einer Lehrerin entschieden haben.

Das damalige System der 1-4, 5+6 OS, danach HS, RS, Gym hat sich mAn eher bewährt, als das jetzige der IGS oder OGS mitsamt allen Schattierungen und Landesmoden (föderaler Ansatz). Nein, die starken Schüler ziehen die schwächeren nicht mit und unterstützen sie altruistisch, sie werden durch die schwächeren Schüler in ihrem Bildungserwerb gehemmt.

Pisa 2026 lässt grüßen.

Daneben kommen weitere Einflußgrößen wie Medienkonsum, fehlende Medienkompetenz, eine scheiß-egal-Haltung vieler Eltern, die ohnehin schon genug mit ihrem eigenen Leben zu tun haben oder glatt überfordert sind und keine Kraft, Zeit, Ahnung oder Lust haben, sich mit den Kindern und der Schule näher zu beschäftigen.

Seltsamerweise haben dabei viele Lehrkräfte das Gefühl, dass der Erziehungsauftrag der Eltern zunehmend an die Schule abgewälzt wird. Man ist halt nicht nur erziehungsberechtigt, sondern auch erziehungsverpflichtet.

Wenn man das nicht akzeptiert, sollte man besser keine Kinder in die Welt setzen, aber schon klar, der Weg dorthin macht ja bekanntlich ein paar Sekunden Spaß und entspannt von dem harten Arbeitsalltag - obwohl, die gehen ja ohnehin nicht arbeiten oder vegetieren in prekären Arbeitsverhältnissen vor sich hin.

Tja, hätten sie in der Schule halt besser aufgepasst.

Und somit schließt sich der polemische Kreis und mutiert zu einer sarkastischen Unbekannten.

Wir alle wissen ja: f(x) und sonst nix!