Autor Thema: Verbeamtung  (Read 2024 times)

totoughtotame

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Verbeamtung
« am: 19.11.2019 11:50 »
Hallo zusammen,

ich muss dieses Forum einmal dafür ausnutzen mich ein wenig auszukotzen und zugleich eine Frage loszuwerden. Zu meiner Person; ich arbeite in der Verwaltung eines norddeutschen Stadtstaates (einer von beiden) als angestellter Jurist in einer obersten Landesbehörde. Ich mag die Aufgaben an sich wirklich sehr, sie sind abwechslungsreich und sie haben, wie ich finde, auch noch einen gesellschaftlichen Mehrwert, was ich ganz besonders schätze.  Nun zum Auskotzteil: nach nunmehr jahrelanger Diskussion, auch unter Zuhilfenahme des PR, steht nunmehr fest, dass zumindest die Juristen, die Quereinsteiger sind, in unserem Hause auf absehbare Zeit keine Chance auf eine Verbeamtung haben werden. Der Begriff „Quereinsteiger“ ist dahingehend zu erklären, dass es zum einen Juristen gibt, die an einem Nachwuchsförderungsprogramm teilgenommen haben und meist unmittelbar nach deren Examen mittels eines Assessment Auswahlverfahrens „zentral“ im Rathaus als Beamte eingestellt worden sind und dann in die einzelnen Fachressorts abgeordnet werden. Diese Leute profitieren dann auch von besonderen Fördermöglichkeiten etc, was hier aber nichts weiter zur Sache tut. Quereinsteiger, wie ich es bin, werden hingegen direkt von den Fachressorts eingestellt und auch bezahlt, dies jedoch als Angestellte. Da ich mittlerweile auch schon fünf Jahre für das Ressort arbeite, komme ich als „Nachwuchskraft“ zudem nicht mehr in Betracht.

Bislang war ich immer der Meinung, dass sich der öffentliche Dienst finanziell nur lohnt, wenn man die Vorteile des Berufsbeamtentums „mitnehmen“ kann. Da dieser Ofen wohl nunmehr bis auf weiteres aus ist, frage ich mich, ob ich den ÖD nicht gleich verlassen und in die „freie Wirtschaft“ wechseln sollte, so wie es hier derzeit auch so mancher Kollege vorhat, da zugegebenermaßen das E13 Tv-L Nettogehalt bei Steuerklasse 1 nicht wirklich üppig ist.  Bzw. ist man nach fünf Jahren ÖD überhaupt noch vermittelbar ? Für Einschätzungen wäre ich dankbar   

Bastel

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #1 am: 19.11.2019 12:13 »
Da du grundsätzlich nichts zu verlieren hast, hindert dich doch nichts an einer Bewerbung? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Organisator

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #2 am: 19.11.2019 12:44 »
Da Du als Jurist mit 2. Staatsexamen auch automatisch die Laufbahnbefähigung für den höheren Dienst inne hast, kannst Du Dich ja auch auf A13-er Stellen in anderen Behörden bewerben und dort verbeamtet werden...

Kaffeetassensucher

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #3 am: 19.11.2019 13:08 »
Bislang war ich immer der Meinung, dass sich der öffentliche Dienst finanziell nur lohnt, wenn man die Vorteile des Berufsbeamtentums „mitnehmen“ kann.

Woraus speist sich diese Meinung?

Ich für meinen Teil kann nicht darüber klagen, dass es sich "finanziell nicht lohnen würde", kein Beamter, sondern TB zu sein. Ich komm über die Runden und hab jeden Monat sogar noch ein paar hundert Euro übrig.

da zugegebenermaßen das E13 Tv-L Nettogehalt bei Steuerklasse 1 nicht wirklich üppig ist.

Dann müsste ich mich mit meinem E9a-Entgelt ja gleich unter die Brücke legen, das ist ja noch weniger üppig.  8)



BStromberg

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #4 am: 19.11.2019 13:21 »
Da Du als Jurist mit 2. Staatsexamen auch automatisch die Laufbahnbefähigung für den höheren Dienst inne hast, kannst Du Dich ja auch auf A13-er Stellen in anderen Behörden bewerben und dort verbeamtet werden...

Eben.

In § 1 JAG NRW z.B. ist ganz ausdrücklich geklärt, dass qua Werdegang die Befähigung für die LG 2.2 vorhanden ist. Wenn der Dienstherr es möchte, kann er dich (zumindest in NRW) unter Beachtung der allgemeinen Laufbahnregelungen verbeamten. Bewirb dich doch einfach weg. Es gibt noch genug Behörden, die dem alten Irrglauben aufgesessen sind, dass Juristen automatisch top-Führungskräfte sind und daher immer gerne eine Direktverbeamtung vornehmen... umso mehr, wenn man bereits im ö.D. gearbeitet hat.

Einfach mal nach freien A13 Stellen für Juristen suchen.
Vorher würde ich aber noch mal mit einem Personalverantwortlichen reden und die Abwanderung androhen und dann einfach mal gucken, wie die darauf reagieren?! Zu verlieren hast du nichts.

"Ich brauche Informationen.
Meine Meinung bilde ich mir selber."
(Charles Dickens)

Kat

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #5 am: 19.11.2019 13:30 »


Bislang war ich immer der Meinung, dass sich der öffentliche Dienst finanziell nur lohnt, wenn man die Vorteile des Berufsbeamtentums „mitnehmen“ kann.

Wenn es denn Vorteile gibt. Ich kenne durchaus Beamte, die sagen, sie würden sich heute nicht mehr verbeamten lassen.  Und wenn E 13 nicht üppig ist, was sollen denn dann die vielen sagen, die E8 und weniger bekommen?

WasDennNun

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #6 am: 19.11.2019 13:34 »
Bislang war ich immer der Meinung, dass sich der öffentliche Dienst finanziell nur lohnt, wenn man die Vorteile des Berufsbeamtentums „mitnehmen“ kann.

Woraus speist sich diese Meinung?

Ich für meinen Teil kann nicht darüber klagen, dass es sich "finanziell nicht lohnen würde", kein Beamter, sondern TB zu sein. Ich komm über die Runden und hab jeden Monat sogar noch ein paar hundert Euro übrig.

da zugegebenermaßen das E13 Tv-L Nettogehalt bei Steuerklasse 1 nicht wirklich üppig ist.

Dann müsste ich mich mit meinem E9a-Entgelt ja gleich unter die Brücke legen, das ist ja noch weniger üppig.  8)
Ganz deiner Meinung.
Ich bin mehrfach zwischen pW und öD gewandelt. Nie niedriger als E13 im öD (mehr natürlich in der pW) und kommen mit meiner E13 im öD bestens klar.


An den TE: Wenn E13 zuwenig und nie eine Chance auf E14 gibt. Gehe in die pW!! Und werde nicht Beamter!

Bastel

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #7 am: 19.11.2019 13:48 »
Ich denke mal, dass für einen Volljuristen die E13 gerade in den Anfangsjahren nicht gerade zufrieden stellt.

Zwischen A13 und E13 sind aufgrund der Sozialversicherungen Welten. Bei E8/A8 oder was auch immer, macht sich das kaum bemerkbar. Ohne die PKV zu berücksichtigen macht das im Jahr Netto bei ca. 9.000€. Bei einem gesunden jungen Menschen gehen vielleicht nochmal 3000€ PKV weg.

totoughtotame

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #8 am: 19.11.2019 14:08 »
Ich denke mal, dass für einen Volljuristen die E13 gerade in den Anfangsjahren nicht gerade zufrieden stellt.

Zwischen A13 und E13 sind aufgrund der Sozialversicherungen Welten. Bei E8/A8 oder was auch immer, macht sich das kaum bemerkbar. Ohne die PKV zu berücksichtigen macht das im Jahr Netto bei ca. 9.000€. Bei einem gesunden jungen Menschen gehen vielleicht nochmal 3000€ PKV weg.

Das soll nicht so klingen, als ob ich mit meinem Gehalt nicht zurechtkäme oder exorbitante Summen fordere, nur ist es bei Vergleich mit verbeamteten Kollegen in gleichen Positionen durchaus mal ein Gehaltsunterschied von 300 € netto und mehr, je nach Krankenkasse. Und ich will hier wirklich niemanden vor den Kopf stoßen, aber ich bekomme netto 2400€, abzgl. Jobticket usw. sind es etwas über 2200€. Das ist für sieben Jahre Ausbildung wirklich nur so mittel.

Besonders ärgerlich ist das alles ja, weil ich die formellen Voraussetzungen erfülle, es hier jedoch schlicht abgelehnt und noch nicht einmal begründet wird.

Und nochmals mehr ärgerlich ist es, weil ich meine Arbeit an sich als erfüllend empfinde und auch meine Kollegen recht gern mag. Deshalb hadere ich mit mir, ob es wert ist "nur" deswegen hier die Segel zu streichen. Und ich muss dazu sagen, dass ich örtlich gebunden bin. Ich kann nicht mal eben z.B. nach NRW gehen.

totoughtotame

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #9 am: 19.11.2019 14:11 »


Bislang war ich immer der Meinung, dass sich der öffentliche Dienst finanziell nur lohnt, wenn man die Vorteile des Berufsbeamtentums „mitnehmen“ kann.

Wenn es denn Vorteile gibt. Ich kenne durchaus Beamte, die sagen, sie würden sich heute nicht mehr verbeamten lassen.  Und wenn E 13 nicht üppig ist, was sollen denn dann die vielen sagen, die E8 und weniger bekommen?

Ich nehme mal an, dass Menschen, die E8 bekommen, auch eine andere Berufsausbildung haben. Spannend finde ich aber, dass es bei euch Leute gibt, die das so sagen. Was sind denn die Gründe dafür ? Hier wird es nämlich immer genau umgekehrt vertreten.

Organisator

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #10 am: 19.11.2019 14:15 »
Und nochmals mehr ärgerlich ist es, weil ich meine Arbeit an sich als erfüllend empfinde und auch meine Kollegen recht gern mag. Deshalb hadere ich mit mir, ob es wert ist "nur" deswegen hier die Segel zu streichen. Und ich muss dazu sagen, dass ich örtlich gebunden bin. Ich kann nicht mal eben z.B. nach NRW gehen.

Es muss ja nicht NRW sein. Im Stadtstaat gibt es ja noch mehr Behörden als Deine oberste.
Du musst halt abwägen, was Dir mehr wert ist. Ein bekanntes und angenehmes berufliches Umfeld und ärgerliche monetäre Rahmenbedingungen oder bessere monetäre Rahmenbedingungen und ein unbekanntes Umfeld.

Die Diskussion, dass E 13 mehr Einkommen bedeutet als E 8 ist irgendwie sinnlos, wenn es um den Vergleich zwischen E 13 und A 13 geht...

JC83

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #11 am: 19.11.2019 14:16 »
Was Leute in E8 oder E9 haben oder nicht haben, ist doch für dich völlig unerheblich.

Die, die ob ihres Gehalt jammern, ohne etwas dagegen zu tun, kann man idR ohnehin nicht ernst nehmen.

Bewirb dich, und fertig :-)

WasDennNun

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #12 am: 19.11.2019 14:28 »
Die Diskussion, dass E 13 mehr Einkommen bedeutet als E 8 ist irgendwie sinnlos, wenn es um den Vergleich zwischen E 13 und A 13 geht...
Richtig,
ich finde aber genauso es irgendwie sinnlos, eine Diskussion über den Vergleich E13/ A13 anzustellen.
Wer mit E13 kein bekömmmliches Leben finanzieren kann, weil er andere sieht die mehr haben, der sollte in sich gehen und darüber sinnieren, was ihm am wichtigsten ist.
Und dem TE scheint die Arbeit zu gefallen, dann soll er sich darüber freuen, schauen, ob man ihm evtl. eine Zulage gibt, damit er mehr Geld hat. Natürlich kann man sich über die Dummheit des Staates aufregen, ihn nicht als Nachwuchs zu fördern. Aber das ist ein anderes Thema.
Ich bin trotz (Fast)Halbierung meines Einkommens Glücklich und zufrieden auf meiner E13er Stelle, weil Geld und Inhalte und Kollegium und Lage stimmen, da pfeife ich auf nen 10Ter mehr.

totoughtotame

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #13 am: 19.11.2019 14:34 »
Und nochmals mehr ärgerlich ist es, weil ich meine Arbeit an sich als erfüllend empfinde und auch meine Kollegen recht gern mag. Deshalb hadere ich mit mir, ob es wert ist "nur" deswegen hier die Segel zu streichen. Und ich muss dazu sagen, dass ich örtlich gebunden bin. Ich kann nicht mal eben z.B. nach NRW gehen.

Es muss ja nicht NRW sein. Im Stadtstaat gibt es ja noch mehr Behörden als Deine oberste.
Du musst halt abwägen, was Dir mehr wert ist. Ein bekanntes und angenehmes berufliches Umfeld und ärgerliche monetäre Rahmenbedingungen oder bessere monetäre Rahmenbedingungen und ein unbekanntes Umfeld.

Die Diskussion, dass E 13 mehr Einkommen bedeutet als E 8 ist irgendwie sinnlos, wenn es um den Vergleich zwischen E 13 und A 13 geht...

Die von mir beschriebene Situation gilt für alle Behörden in diesem Land, vielleicht war ich da etwas ungenau. Ausnahme ist das beschriebene Nachwuchsprogramm. Ich denke, dass ich es auch mal in den Umlandgemeinden versuchen sollte, so weit war ich zugegebenermaßen noch nicht.

Ich weiß immer nicht so richtig, was ich mit dem Argument "ich bekomme aber viel weniger und komme auch zurecht" anfangen soll. Ist natürlich richtig, aber es bringt das Thema in dem Moment dann ja doch nicht weiter.

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Antw:Verbeamtung
« Antwort #14 am: 19.11.2019 14:36 »
ich finde aber genauso es irgendwie sinnlos, eine Diskussion über den Vergleich E13/ A13 anzustellen.
Naja, wenn man E 13 ist und die Laufbahnbefähigung für die A 13 hat (was z.B. im Bund bei Stufe 3 ein Gehaltsplus von 600 € netto ausmacht) kann man schon ins Grübeln kommen.

Wer mit E13 kein bekömmmliches Leben finanzieren kann, weil er andere sieht die mehr haben, der sollte in sich gehen und darüber sinnieren, was ihm am wichtigsten ist.

Daher auch mein Hinweis zu prüfen, was wichtiger ist. Bekanntes und angenehmes Umfeld und weniger Geld, oder unbekanntes Umfeld und mehr Geld.