Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 236957 times)

daseinsvorsorge

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1635 am: 03.08.2022 18:43 »
Die Nichtorganisierten -gleich welcher EG -verhandeln für sich selber mit ihren Arbeitgebern ; was haben die Gewerkschaften mit deren Ergebnissen zu tun ?
Nichts.


OK- aber warum lamentiert genau dieser Personenkreis vor, während und nach Tarifverhandlungen seit Jahren in diesem Forum, anstatt Verantwortung  für sich selber zu übernehmen. Insbesondere von Menschen >EG9a, die sich unterbezahlt sehen, dürfte das doch wohl zu erwarten sein - selbst im ÖD.

daseinsvorsorge

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1636 am: 03.08.2022 18:58 »
Die Nichtorganisierten -gleich welcher EG -verhandeln für sich selber mit ihren Arbeitgebern ; was haben die Gewerkschaften mit deren Ergebnissen zu tun ?
Und ver.di bieten den Organisierten eg9+ Kräften nur eins an: Austritt, selbst drum kümmern oder andere Gewerkschaft (und damit AG) suchen.

Und MINT etc. ist ein reines AG Problem, wo entweder sich gegenüber ver.di durchsetzen muss oder üT zahlen wird.

zu1:) Dies gilt m.E. grundsätzlich für alle TBs- ob organisiert oder auch nicht. Wenn ich unzufrieden bin, muß ich was machen. Ich kann nicht darauf warten, dass  jemand etwas für mich tut.

zu2.) Es gibt für die AGs möglicherweise ein MINT-Problem-
aber eben keine Krise; die sie zum handeln zwingen würde.  Nur da, wo die Kacke so richtig am Dampfen ist und/oder der Druck einfach zu groß wird - werden die AGs tätig- siehe Abschluß SuE+ Pflege UKs.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1637 am: 03.08.2022 19:14 »
Die Nichtorganisierten -gleich welcher EG -verhandeln für sich selber mit ihren Arbeitgebern ; was haben die Gewerkschaften mit deren Ergebnissen zu tun ?
Nichts.


OK- aber warum lamentiert genau dieser Personenkreis vor, während und nach Tarifverhandlungen seit Jahren in diesem Forum, anstatt Verantwortung  für sich selber zu übernehmen. Insbesondere von Menschen >EG9a, die sich unterbezahlt sehen, dürfte das doch wohl zu erwarten sein - selbst im ÖD.

Ich kann kritisieren, wen ich will. Bevor ich die Regierung kritisiere, muss ich nicht vorher einen eigenen Staat gründen. Ebenso ist es mit Gewerkschaften. Die kann ich kritisieren, wie ich lustig bin. Das ist dann auch kein Lamentieren. Lamentieren kommt eher von den Gewerkschaftsbütteln: es liegt nur am Organisationsgrad (Frankreich hat über alle Branchen einen deutlich schwächeren Organisationsgrad als Deutschland und die dortigen Gewerkschaften kriegen es dennoch besser hin). Die Nichtmitglieder bekommen das Gleiche wie Mitglieder (klar, haben sie ja so in ihren Arbeitsvertrag verhandelt). Werd erstmal Mitglied, bevor Du was gegen die Gewerkschaft sagst (warum sollte jemand einer Organisation beitreten, die den eigenen Interessen massiv zuwiderhandelt?!?).

MoinMoin

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1638 am: 03.08.2022 19:52 »
Die Nichtorganisierten -gleich welcher EG -verhandeln für sich selber mit ihren Arbeitgebern ; was haben die Gewerkschaften mit deren Ergebnissen zu tun ?
Nichts.


OK- aber warum lamentiert genau dieser Personenkreis vor, während und nach Tarifverhandlungen seit Jahren in diesem Forum, anstatt Verantwortung  für sich selber zu übernehmen. Insbesondere von Menschen >EG9a, die sich unterbezahlt sehen, dürfte das doch wohl zu erwarten sein - selbst im ÖD.
Ach herrje hast du eine Mitglieder Befragung hier im Forum gemacht?
Oder andere Antwort: Weil die die hier als EG9+ rumlamentieren eben das sind: Die Looser die nichts geschissen kriegen?
Weitere Antwort:
Weil die EG9+ hier rumlammentieren um evtl ein Bewusstsein über die selbstverschuldete? Problematik zu schaffen?

Final Antwort:
ich weiß es auch nicht!

MoinMoin

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1639 am: 03.08.2022 19:58 »
Die Nichtorganisierten -gleich welcher EG -verhandeln für sich selber mit ihren Arbeitgebern ; was haben die Gewerkschaften mit deren Ergebnissen zu tun ?
Und ver.di bieten den Organisierten eg9+ Kräften nur eins an: Austritt, selbst drum kümmern oder andere Gewerkschaft (und damit AG) suchen.

Und MINT etc. ist ein reines AG Problem, wo entweder sich gegenüber ver.di durchsetzen muss oder üT zahlen wird.

zu1:) Dies gilt m.E. grundsätzlich für alle TBs- ob organisiert oder auch nicht. Wenn ich unzufrieden bin, muß ich was machen. Ich kann nicht darauf warten, dass  jemand etwas für mich tut.

zu2.) Es gibt für die AGs möglicherweise ein MINT-Problem-
aber eben keine Krise; die sie zum handeln zwingen würde.  Nur da, wo die Kacke so richtig am Dampfen ist und/oder der Druck einfach zu groß wird - werden die AGs tätig- siehe Abschluß SuE+ Pflege UKs.
Eben:
wenn ich mehr Geld will als der AG mir anbietet, dann muss ich dem AG unter Umständen erklären wie er mir mehr Geld geben kann und trotzdem mich "Tarifkonform" bezahlt.
Wenn ich als AN rumjammere, dass im öD ich nur 60% dessen bekomme, als meine Freunde bei der IGM oder richtiger pW, dann muss man wechseln oder erkenne wo der persönliche Deal ist.

Und am Ende: So wie SVA schon schrieb: Wenn ich auf Personaler oder Gewerkschaften rumhacke, dann weil das meine Meinungen / Beobachtungen sind, von mir wirst du aber kein Wort darüber hören, das die für meine persönliche monetäre Lage verantwortlich sind.


Britta2

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1640 am: 04.08.2022 07:08 »
...
wenn ich mehr Geld will als der AG mir anbietet, dann muss ich dem AG unter Umständen erklären wie er mir mehr Geld geben kann und trotzdem mich "Tarifkonform" bezahlt.
Wenn ich als AN rumjammere, dass im öD ich nur 60% dessen bekomme, als meine Freunde bei der IGM oder richtiger pW, dann muss man wechseln oder erkenne wo der persönliche Deal ist. ...

So isses. Verlangen kann man viel, bekommen nicht. Wenn nur eine xyz Stelle im Stellenplan vorhanden mit mit Eingruppierung in xyz Bezahlung, dann gibt es eben kein "will mehr Geld haben". Friss oder stirb, nimm und akzeptiere oder lass es sein und geh.
DARUM gibt es bei Verbleib im ÖD nur die einzige Option - Tarifvertrag. Höhere Bezahlung für Stelle xyz.  DARUM meckern Angestellte und sind unzufrieden mit Verdi.  Sowas sollte erlaubt sein ohne dafür gesteinigt zu werden.  Verdi ist zuständig für den für alle Angestellten geltenden Tarifvertrag. Milchmädchenrechnung!

Kubus

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1641 am: 04.08.2022 08:39 »
puh, wenn ich mich zurückerinnere, wie viele Kollegen ihre Zeit totgeschlagen haben.. dann ist das oft auch falscher Stolz im öD zu bleiben. Übrigens macht sich der öD oft selbst Konkurrenz: Zahlt man für höherwertige Stellen im Tvöd im IT-Bereich vll EG11-EG12, so zahlt man bspweise bei der ARD (vergleichsweise) EG15 und EG15Ü Gehälter + Familienzuschlag etc. Also viel mehr Geld. Wieso sollte man dann zu ieiner TVÖD-Klitsche gehen?

Normale FiSis sind dann oft EG 8 oder 9a. Das ist sowas von uninteressant und die Leute, die das für das Geld machen, wissen vermutlich einfach nicht dass es meist interessanter und besser "draussen" ist.

Geld ist nicht alles, aber ich fand dieses "alle sitzen Zeit ab und arbeiten bisjen was, 1-2h Mittagspause sind normal, aber 39h Zeit absitzen muss jeder" schrecklich. Bin so froh dass ich da raus bin! - bei fast 20k mehr Gehalt.

Kubus

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1642 am: 04.08.2022 08:43 »
...
wenn ich mehr Geld will als der AG mir anbietet, dann muss ich dem AG unter Umständen erklären wie er mir mehr Geld geben kann und trotzdem mich "Tarifkonform" bezahlt.
Wenn ich als AN rumjammere, dass im öD ich nur 60% dessen bekomme, als meine Freunde bei der IGM oder richtiger pW, dann muss man wechseln oder erkenne wo der persönliche Deal ist. ...

So isses. Verlangen kann man viel, bekommen nicht. Wenn nur eine xyz Stelle im Stellenplan vorhanden mit mit Eingruppierung in xyz Bezahlung, dann gibt es eben kein "will mehr Geld haben". Friss oder stirb, nimm und akzeptiere oder lass es sein und geh.
DARUM gibt es bei Verbleib im ÖD nur die einzige Option - Tarifvertrag. Höhere Bezahlung für Stelle xyz.  DARUM meckern Angestellte und sind unzufrieden mit Verdi.  Sowas sollte erlaubt sein ohne dafür gesteinigt zu werden.  Verdi ist zuständig für den für alle Angestellten geltenden Tarifvertrag. Milchmädchenrechnung!

naja es gehen ja auch viele raus und noch schlechtere Mitarbeiter kommen nach. Die Liste, die bei "uns" früher mit offenen Stellen (teilweise auch einige E12 bzw A14/15ler) wurde immer länger. Hohe Fluktuation etc.. aber Behördenleitung konnte halt auch nicht mehr zahlen.

Schokobon

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1643 am: 04.08.2022 08:44 »
Friss oder stirb, nimm und akzeptiere oder lass es sein und geh.

Sicher zutreffend bei den leicht ersetzbaren AN.
Aber unzutreffend bei fähigen AN in Mangelberufen oder Führungspositionen.
Problematisch ist, dass dem AG die Instrumente fehlen (sei es seitens Tarifvertrag oder Politik) hier echte Anreize zu setzen.
Abwanderung ist deshalb vorprogrammiert und wir haben die Behördenlandschaft wie wir sie kennen:
Inkompetent, langsam, Steinzeit, furchtbar teuer und ineffizient, schlechter Bürgerservice, insgesamt überaltert und träge, schlechtes Image.

Bin kein fähiger IT-ler aber wenn ich einer wäre wüsste ich nicht, warum ich im ÖD versauern sollte.
Das gilt auch für viele andere Berufsgruppen.

Und anstatt da endlich anzusetzen - die AG hätten daran großes Interesse - wird der nächste Sockelbetrag rausgehauen, der EG 2 - 9a überproportional bevorteilt und Sonderzahlungen ab 9b aufwärts gekürzt.
Schade!

Rumo1895

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1644 am: 04.08.2022 10:35 »
Sicher zutreffend bei den leicht ersetzbaren AN.
Aber unzutreffend bei fähigen AN in Mangelberufen oder Führungspositionen.
Problematisch ist, dass dem AG die Instrumente fehlen (sei es seitens Tarifvertrag oder Politik) hier echte Anreize zu setzen.
(...)
Und anstatt da endlich anzusetzen - die AG hätten daran großes Interesse - wird der nächste Sockelbetrag rausgehauen, der EG 2 - 9a überproportional bevorteilt und Sonderzahlungen ab 9b aufwärts gekürzt.
Schade!

Aber welches Interesse sollte denn Ver.di daran haben das Problem für den Arbeitgeber tarifvertraglich zu lösen?
 
Allein aus der Mitgliederstruktur dürfte sich Ver.di in der Breite nicht dafür zuständig fühlen für die betreffenden Bereiche (und in letzter Konsequenz zu Lasten des Gros der eigenen Mitglieder) eine marktangemessene Entlohnung herbeizuführen. Mal von ideologischen Hürden ("Solidarität") abgesehen wenn man sich z.B. die Entstehung der tarifpolitischen Eigenständigkeit z.B. der Vereinigung Cockpit oder des Marburger Bunds anschaut.
 
Vor dem Tarifeinheitsgesetz wäre die Gründung einer Spartengewerkschaft die entsprechende Bereiche erfasst eine Option gewesen aber da hat ja der politische Arm des DGB in Form der SPD einen Riegel vorgeschoben. 

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1645 am: 04.08.2022 10:59 »
Naja, Feststellungsebene dafür, wer mehr Mitglieder hat, ist ja der jeweilige Betrieb. Da genügt dann häufig schon ein einziges Mitglied, um mehr Mitglieder zu haben als Verdi.

daseinsvorsorge

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1646 am: 04.08.2022 11:07 »
Sicher zutreffend bei den leicht ersetzbaren AN.
Aber unzutreffend bei fähigen AN in Mangelberufen oder Führungspositionen.
Problematisch ist, dass dem AG die Instrumente fehlen (sei es seitens Tarifvertrag oder Politik) hier echte Anreize zu setzen.


Wenn die AGs wirklich Anreize setzen wollten, würden sie es in die Tarifverhandlungen einbringen und einen Abschluss mit den Gewerkschaften davon abhängig machen. Sie tun´s aber nicht, weil sie dies selber gar nicht wollen.

Zum Einen sehen sie keine Krise, die sie zum Handeln zwingen würde. Zum anderen sind sie nicht bereit, die daraus entstehenden Kosten aufzubringen. Selbst dann nicht ,wenn - wie hier schon vor Jahren geträumt wurde -die EGs<9a abzuwerten oder maximal (damaligen) Inflationsausgleich zu zahlen.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1647 am: 04.08.2022 11:10 »
Es besteht doch überhaupt kein Grund, mit den Gewerkschaften über so etwas zu verhandeln. Es betrifft deren Klientel ohnehin nicht und sie würden nur fordern, dass es ihrer Klientel ebenso zukäme. Die Arbeitgeber regeln das doch verbreitet über entsprechende übertarifliche Zulagen, zumindest haben VKA, TdL und Bund doch entsprechende Maßnahmen im Portfolio.

daseinsvorsorge

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1648 am: 04.08.2022 11:17 »
Dann ist ja offensichtlich ein reines AG-Problem , wenn die Fach-und Führungskräfte mit den EGs>9a nicht "marktgerecht" bezahlt werden können- so what ??

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #1649 am: 04.08.2022 11:19 »
Und es ist ein reines Gewerkschaftsproblem, wenn die große Zahl an jederzeit austauschbaren Arbeitnehmern etwas vom Kuchen abhaben möchten? Und deshalb sollten die Arbeitgeber hier nichts aushandeln, sondern durch die Gewerkschaften gekündigte Entgeltabellen einfach nachwirken lassen?