Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 432381 times)

Heskey

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2550 am: 27.09.2022 05:36 »
Das Problem ist doch, dass sich das nicht klären lässt.

Es wird keine Auswahlmöglichkeiten zwischen z. B. Steigerung um 12% ohne Einmalzahlung oder 8% mit 3000€ Einmalzahlung geben. Es wird auch nicht heißen „wir haben uns für oder gegen die Sonderzahlung entschieden, deshalb gibt es 4% mehr / weniger an Erhöhung des Tabellenentgelts“. Es wird also ohnehin unklar bleiben, ob und ggf. wieviel eine Einmalzahlung an prozentualer Erhöhung kostet. Aus meiner Sicht ist eine Einmalzahlung aber Teil der Verhandlungsmaße und hat somit vermutlich auch Auswirkungen auf die prozentuale Erhöhung (mindestens gedanklich also indirekt).

Jede Seite wird ihre Ansicht entsprechend „verkaufen“. Verdi wird es als zusätzliches Plus zu der prozentualen Erhöhung verkaufen (ohne Auswirkungen auf die prozentuale Erhöhung). Die AG Vertreter als maximal mögliches Ergebnis in der aktuellen Lage (also um weniger prozentuale Erhöhung geben zu müssen). Beim schreiben fällt mir auf, dass selbst die gewählten Formulierungen nicht direkt darauf schließen lassen, ob die Einmalzahlungen eine prozentuale Erhöhung gekostet hat. Vielleicht verhandeln sie auch welche Formulierung genutzt werden dürfen, damit beide Seiten möglichst gut da stehen. Wie hier, argumentiert jede*r für seine Position, aber auflösen lässt es sich leider nicht.

Da ich auch skeptisch gegenüber der Einmalzahlung bin, hätte ich fast gesagt das Ei hat uns Herr Scholz ins Nest gelegt… Aber Verdi ist die letzten Jahre auch alleine darauf gekommen.

Eine Einmalzahlung ist wohl gut für beide Seiten, da es entsprechend der zu vertretenden Interessen argumentiert werden kann.

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2551 am: 27.09.2022 07:07 »

....Mathematik ist scheinbar für Viele immer wieder eine Herausforderung. "blubb"... Warum verteufelt ihr die mögliche Einmalzahlung, die wir noch ZUSAETZLICH bekommen können?
Ob das für den ein oder anderen eine Herausfordrung darstellt mag dahingestellt sein, ich fürchte das auch. Mathematik ist hier nicht das Problem, sondern den Akteuren zuhören, (zwischen den Zeilen) lesen, vergangenes Revuee passieren kassen und dann erkennt man schnell... Das Problem ist: Es gibt sie nicht zusätzlich! Nie und nimmer. Nur stattdessen.

DANN kommt Mathematik ins Spiel, für den/die eine/n wird es sich ggf lohnen (kurze Restarbeitszeit) eine Einmalzahlung anstatt einer dauerhaften Entgelttabellenerhöhung zu bekommen.
Nur mal ganz simple Annahme/Beispiel: Es gibt die vollen 3.000, 0%Tabellenerhöhung, TV 2 Jahre Laufzeit. Abzüge 40%, Entgelt nach 9a S4, dass dürfte guter Durchschnitt sein.

3.000€/12 Monate = 250€
Steuer/SV abzüge: 40% = 250 :60 * 100= 416€/Brutto
Das entspricht bei einer EG 9a S4 incl JSZ ziemlich genau 10% des durchschnittlichen mtl. Entgeltes.

Bei einer Laufzeit von 2 Jahren 5%. Dann setzt bei neuen Verhandlungen der (nennen wir es mal so) "Zinseszins Effekt" ein. Die Zahlen kannst du jetzt beliebig verändern ist schon klar. Aber es ist doch deutlich, dass ein mehr an % nahezu immer dieser Einmalzahlung vorzuziehen ist!

Coffee86

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2552 am: 27.09.2022 07:53 »
Glaubt Ihr Ernsthaft Ihr bekommt die Einmalzahlung ONTOP? Hahahahaha kann ich da nur sagen. Ihr bekommt gar nix. Dafür verzichtet Ihr auf 5 % Tabellenerhöhung und bekommt dafür nur 3 % Erhöhung mit 3000 Euro Einmalzahlung. Und wie wollt Ihr 2024 Euern Einkauf, Miete und Rechnungen bezahlen? Die sind 2024 dann 30 % höher als 2022 und Euer Gehalt 3 % gestiegen. Aber es gab ja die tolle Einmslzahlung, die leider weg ist. Leute wacht auf, es wird auch keine Deflation kommen. In der jetzigen Tarifrunde gilt es. Wenn sich die Gewerkschaften und ihre Mitglieder mit Einmalzahlungen abspeissen lassen, können wir auch direkt zusperren.

Wer sagt denn, dass die Einmalzahlung zwingend zu Lasten der Tabellenentgelte geht. in 2020 hatten wir die üblichen Steigerungen um die 3 - 4 Prozent - die Coronasonderzahlung kam dann noch extra, wenn auch nur 400 Euro. Im TVL ist diese mit um die 1.300 Euro sogar noch höher gewesen. Jetzt haben wir eine größere Krise als nur Corona, wir reden nicht mehr nur von Infektion und Impfen, sondern von Inflation, Rezession und drohenden Existenznöten - warum sollten dann 8 Prozent und 3.000 Euro keine vernünftige Basis sein. Aber die 3.000 Euro wegzulassen und stattdessen noch höhere Entgelte um die 15 Prozent zu fordern - da sehe ich wenig Chancen. Das ist gegenüber anderen Berufsgruppen, wie z. B. die meisten Verkäuferinnen, die schon viele Jahre um die 2.000 Euro brutto festsitzen, schwer vermittelbar. Die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst sind ja auch wegweisend für andere Tarifverhandlungen. So könnten die 3.000 Euro auch als Vorbildfunktion herhalten und eine Entgelterhöhung um die 8 Prozent würde sich an der Inflation orientieren. Das wäre aus meiner Sicht ein Spitzenergebnis.... :).

Und bevor nun wieder das Gemeckere losgeht - schön fände ich, wenn mal jemand schreibt, was aus seiner Sicht möglich ist und nicht nur meckert, was alles nicht geht. Gerade von denjenigen, welche die 3.000 Euro so verteufeln, würde mich mal ein vernünftiger Vorschlag interessieren....

Dann schau aber auch, wie die 1.300€ im TV-L zustande kamen. Diese gab es nur für 14(!) Monate Nullrunde und ann läppische 2,8%. Diese "gönnerhaften" Sonderzahlungen die keinerlei Effekt auf das Tabellenentgelt haben, sind doch ein Segen für die öff. Arbeitgeber. Die Meute ist beruhigt weil viele eben nur den "großen Batzen Geld" sehen (der wohlbemerkt nicht wirklich groß ist wenn man sich die Preisentwicklungen anschaut) und vergessen, dass man damit für die Zukunft schlechter gestellt ist.

Ich würde lieber jedes Promille mehr an Tabellenentgelt nehmen - klar wenn man kurz vor der Rente steht sind die 3.000€ unter Umständen besser. Aber im Großen und Ganzen bringen diese kurzsichtigen Obolusse nur dem Arbeitgeber etwas.

Aber Verdi wird genau darauf anspringen - eben weil es sich super gegenüber den Mitgliedern verkauft, speziell in den unteren EGs. Und da sind wir bei dem Thema - natürlich lassen sich zweistellige prozentuale Erhöhungen gegenüber einer Verkäuferin schlecht verkaufen ( :o ) - das Problem liegt aber an Verdi die seit einer gefühlten Ewigkeit nur für die unteren EGs verhandeln. Diese verdienen oftmals schon überproportional gut. Aber schau mal in die höheren EGs. Es ist unglaublich schwierig fähiges Personal zu finden - da wäre ein guter Tarifabschluss (auch als Signalwirkung) Gold-Wert. Mit 3.000€ und 3% lockst du niemanden mehr vor dem Ofen vor.

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2553 am: 27.09.2022 08:04 »
Mir kommt das Grauen, wenn ich bei Verdi auf Facebook lese, dass die Einmalzahlung in der Tarifverhandlungen zur Entlastung der Beschäftigten drin haben wollen.

Gerade für die jüngeren Beschäftigten ein Schlag in die Fresse.
Wir wissen alle was das bedeutet:
Weniger Prozente, 2022 Nullrunde

Den ganzen Boomern, die kurz vor der Rente stehen, denen gönne ich die Einmalzahlung. Die haben ihre Rente sicher, und die Prozente bringen nicht mehr so viel.
Ich muss noch 30+ Jahre, ich will keine Einmalzahlung!

Ich könnte schreien, wenn ich die Kommentare lese, die das forcieren.

75% der Leute sind halt einfach "doof".

Wenn ich diese Kommentare lese, würd ich die gerne schnappen und mal richtig durchrütteln.

Das sind dann auch die Pfeiffen, die dann die 3000€ nehmen sich davon nen neuen Fernseher mit Soundanlage kaufen und im nächsten Monat nix mehr von übrig haben.

Ganz davon ab, dass es never 3000€ für alle geben würde, selbst bei 3 Jahren Nullrunde würde es das niemals geben :D

....Mathematik ist scheinbar für Viele immer wieder eine Herausforderung. Ich bin für die 3.000 Euro Sonderzahlung, sie ist abgabenfrei - unter normalen Umständen müsste man je nach Einzelfall um die 5.000 - 6.000 Euro brutto verdienen, um 3.000 Euro netto zu erzielen. Wie kann man dieses Geschenk ablehnen - es ist quasi "leichtes Geld", welches zusätzlich gezahlt werden kann. Natürlich darf man auf lange Sicht auch die Entwicklung der Tabellenentgelte nicht ausser Acht lassen. Wenn wir uns auf bisherige Tarifverhandlungen besinnen und mal ganz ehrlich an die Sache rangehen, waren die Abschlüsse in der Vergangenheit um die 5 Prozent vergleichsweise mittelmäßig und unter Berücksichtigung der Preisentwicklung kaum mit großen Reallohnsteigerungen verbunden. Warum soll das in 2023 anders sein? Von mehr als 8 Prozent gehe ich nicht aus...das wäre gemessen an der bisherigen Entwicklung schon ein richtiger Spitzenwert. Warum verteufelt ihr die mögliche Einmalzahlung, die wir noch ZUSAETZLICH bekommen können? Oder glaubt hier wirklich jemand von Entgelterhöhungen um die 15 - 20 Prozent, so dass wir auf die 3.000 Euro verzichten können? Eine weitere Möglichkeit wäre noch eine Arbeitszeitverkürzung - aber da sehe ich bei dem Arbeitskräftemangel kaum Chancen.
Wenn du die Wahl hast:
Einmalzahlung in Höhe von 3000€ (Netto)
oder
5% reguläre Lohnerhöhung.

Was wählst du?

DiVO

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2554 am: 27.09.2022 08:19 »
Mir kommt das Grauen, wenn ich bei Verdi auf Facebook lese, dass die Einmalzahlung in der Tarifverhandlungen zur Entlastung der Beschäftigten drin haben wollen.

Gerade für die jüngeren Beschäftigten ein Schlag in die Fresse.
Wir wissen alle was das bedeutet:
Weniger Prozente, 2022 Nullrunde

Den ganzen Boomern, die kurz vor der Rente stehen, denen gönne ich die Einmalzahlung. Die haben ihre Rente sicher, und die Prozente bringen nicht mehr so viel.
Ich muss noch 30+ Jahre, ich will keine Einmalzahlung!

Ich könnte schreien, wenn ich die Kommentare lese, die das forcieren.

75% der Leute sind halt einfach "doof".

Wenn ich diese Kommentare lese, würd ich die gerne schnappen und mal richtig durchrütteln.

Das sind dann auch die Pfeiffen, die dann die 3000€ nehmen sich davon nen neuen Fernseher mit Soundanlage kaufen und im nächsten Monat nix mehr von übrig haben.

Ganz davon ab, dass es never 3000€ für alle geben würde, selbst bei 3 Jahren Nullrunde würde es das niemals geben :D

....Mathematik ist scheinbar für Viele immer wieder eine Herausforderung. Ich bin für die 3.000 Euro Sonderzahlung, sie ist abgabenfrei - unter normalen Umständen müsste man je nach Einzelfall um die 5.000 - 6.000 Euro brutto verdienen, um 3.000 Euro netto zu erzielen. Wie kann man dieses Geschenk ablehnen - es ist quasi "leichtes Geld", welches zusätzlich gezahlt werden kann. Natürlich darf man auf lange Sicht auch die Entwicklung der Tabellenentgelte nicht ausser Acht lassen. Wenn wir uns auf bisherige Tarifverhandlungen besinnen und mal ganz ehrlich an die Sache rangehen, waren die Abschlüsse in der Vergangenheit um die 5 Prozent vergleichsweise mittelmäßig und unter Berücksichtigung der Preisentwicklung kaum mit großen Reallohnsteigerungen verbunden. Warum soll das in 2023 anders sein? Von mehr als 8 Prozent gehe ich nicht aus...das wäre gemessen an der bisherigen Entwicklung schon ein richtiger Spitzenwert. Warum verteufelt ihr die mögliche Einmalzahlung, die wir noch ZUSAETZLICH bekommen können? Oder glaubt hier wirklich jemand von Entgelterhöhungen um die 15 - 20 Prozent, so dass wir auf die 3.000 Euro verzichten können? Eine weitere Möglichkeit wäre noch eine Arbeitszeitverkürzung - aber da sehe ich bei dem Arbeitskräftemangel kaum Chancen.
Wenn du die Wahl hast:
Einmalzahlung in Höhe von 3000€ (Netto)
oder
5% reguläre Lohnerhöhung.

Was wählst du?
Tatsächlich die 5 %.

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2555 am: 27.09.2022 08:28 »
Und bevor nun wieder das Gemeckere losgeht - schön fände ich, wenn mal jemand schreibt, was aus seiner Sicht möglich ist und nicht nur meckert, was alles nicht geht. Gerade von denjenigen, welche die 3.000 Euro so verteufeln, würde mich mal ein vernünftiger Vorschlag interessieren....
Ein Verbot das ver.di in irgendeiner Form das Word Energiepauschale oder Einmalzahlung im Zusammenhang von Tarifgedöns in den Mund nimmt.

Sich vehement so positioniert, dass sie sagen:
Energiepauschale geht uns nichts an, da es eine freiwillige Leistung des AGs ist.
Wenn er sie auszahlt, dann darf er sich dafür feiern, obwohl: Das der Staat da mit gutem Beispiel, bei seinen eigenen Forderungen an die Wirtschaft, vorangeht sollte eine Selbstverständlichkeit sein.
Wenn er sie nicht auszahlt, dann ist ver.di auch nicht Schuld (auch wenn es genug deppen gibt, die denen dann die Schuld geben würden!) und kann auf die gemeinen AGs im öD hacken, die anders als die pW halt dem Worten Scholze nicht folgen.


Alles andere ist verarsche und Augenwischerei auf die durch die Blindheit der Leute viele Reinfallen.

Aleksandra

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2556 am: 27.09.2022 09:34 »
Ich hatte das ja mal im Groben für mich durchgerechnet. IIRC bräuchte ich für einen break even ca. eine Einmalzahlung von 40.000 EUR netto um eine 1% nicht erhaltene Lohnerhöhung zu kompensieren.

Man darf nicht vergessen, dass sich der "negative Zinseszinseffekt" der entgangenen Lohnerhöhung durch geringere Einzahlungen in die Rentenkasse bis zum letzten Atemzug fortschreibt.

TVWaldschrat

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2557 am: 27.09.2022 10:22 »
Verstehe gar nicht woher dieses Image-Problem kommt; und warum kaum ein AG im öD was dagegen unternehmen möchte... ach ja "Das haben wir schon immer so gemacht" und "Das kann ich nicht auch noch leisten"

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitsmarkt-stuttgart-oeffentlicher-dienst-umwirbt-junge-leute-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-220926-99-898471

Mit vernünftigen Zulagen, Benefits, modernen Bewerbungsverfahren und freundlichem Betriebsklima ist's schon getan. Und Tarifentgelte, die keinen vom Arbeitgeber erfolgreich verhandelten Reallohnverlust bedeuten.

Für's freundliche Betriebsklima kann der Tarifvertrag nichts, da müssen die Amtssesselpupser der Boomer-Generation erstmal in Rente. (Keine Verallgemeinerung, ich meine wirklich nur die, die alles blockieren)
« Last Edit: 27.09.2022 10:30 von TVWaldschrat »

InVinoVeritas

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2558 am: 27.09.2022 10:30 »
Es heißt ja auch Staatsdiener.. ich wüsste nicht, dass Diener je zu den Besserverdienern gehört haben. Die können sich über Kost und Logie für ihre Dienste freuen - Ironie aus...

Es ist schon ein Drama. In zwei Wochen wissen wir die Forderungen der Gewerkschaften. Ich bin schon gespannt.

Majon

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2559 am: 27.09.2022 10:35 »
Wer als Single mit 3.000 € Netto nicht in der Lage ist, mindestens 500 € monatlich zu sparen, macht definitiv etwas falsch!

...blubb...

Vielen Dank, dass wir anhand deiner nahezu wissenschaftlichen Abhandlung nun erkannt haben, dass ein Single mit >=EG9aS6, der nicht mindestens 500€ p.M. zurucklegen kann "definitiv" etwas falsch macht.

Oder ist das doch eher anekdotisch?

Ich wollte damit nur ausdrücken, dass man zu Zweit mit 2.700 Netto ganz entspannt 700 € - 800 € monatlich sparen kann, und deshalb ein Single mit 3.000 € Netto wohl erst recht mindestens 500 € pro Monat bei Seite legen können sollte!

Herbert Meyer

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2560 am: 27.09.2022 10:43 »
Ich hatte das ja mal im Groben für mich durchgerechnet. IIRC bräuchte ich für einen break even ca. eine Einmalzahlung von 40.000 EUR netto um eine 1% nicht erhaltene Lohnerhöhung zu kompensieren.

Man darf nicht vergessen, dass sich der "negative Zinseszinseffekt" der entgangenen Lohnerhöhung durch geringere Einzahlungen in die Rentenkasse bis zum letzten Atemzug fortschreibt.

Solche Rechnungen stellen aber leider viel zu wenige Leute an. In unserem Bereich des Tarifvertrags gab es z. B. statt einer Corona-Bonuszahlung eine "kleine" außerreguläre Erhöhung der Tabellenentgelte. Ein riesiges Gezeter und großer Unmut in der Belegschaft! Dabei kommt der Break-even - bei lediglich 3 Prozent angenommener regulärer Erhöhung p. a. - in den meisten Entgeltgruppen nach knapp 4 Jahren (den Rentenaspekt dabei sogar ausgeklammert). Und dann wird im Zweifel noch Jahrzehnte gegenüber den Bereichen, die stattdessen eine Einmalzahlung erhalten haben - profitiert. Der Flurfunk lautet aber "Wir haben ja keinen Corona-Bonus erhalten". Solche Stimmungen nehmen sich ver.di und Konsorten natürlich auch zu Herzen.

Beamtenmichel

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2561 am: 27.09.2022 10:48 »
Wer als Single mit 3.000 € Netto nicht in der Lage ist, mindestens 500 € monatlich zu sparen, macht definitiv etwas falsch!

...blubb...

Vielen Dank, dass wir anhand deiner nahezu wissenschaftlichen Abhandlung nun erkannt haben, dass ein Single mit >=EG9aS6, der nicht mindestens 500€ p.M. zurucklegen kann "definitiv" etwas falsch macht.

Oder ist das doch eher anekdotisch?

Ich wollte damit nur ausdrücken, dass man zu Zweit mit 2.700 Netto ganz entspannt 700 € - 800 € monatlich sparen kann, und deshalb ein Single mit 3.000 € Netto wohl erst recht mindestens 500 € pro Monat bei Seite legen können sollte!

HAHA!! Zu zweit mit 2.700 Netto ganz entspannt 700 - 800 € monatlich sparen. In welcher Welt lebst du denn? Vielleicht in Frankfurt (Oder) ab nicht in Ballungszentren wo mittlerweile eine durchschnittliche 3 Zimmer Wohnung bereits weit über 1200 warm kostet.

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2562 am: 27.09.2022 11:31 »
Wer als Single mit 3.000 € Netto nicht in der Lage ist, mindestens 500 € monatlich zu sparen, macht definitiv etwas falsch!

...blubb...

Vielen Dank, dass wir anhand deiner nahezu wissenschaftlichen Abhandlung nun erkannt haben, dass ein Single mit >=EG9aS6, der nicht mindestens 500€ p.M. zurucklegen kann "definitiv" etwas falsch macht.

Oder ist das doch eher anekdotisch?

Ich wollte damit nur ausdrücken, dass man zu Zweit mit 2.700 Netto ganz entspannt 700 € - 800 € monatlich sparen kann, und deshalb ein Single mit 3.000 € Netto wohl erst recht mindestens 500 € pro Monat bei Seite legen können sollte!
Ok, also anekdotisch

Sozialarbeiter

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2563 am: 27.09.2022 11:45 »
Also was ich immer wieder aus Ver.di Kreisen mitbekomme ist, dass Ver.di Funktionäre und ehrenamtlich engagierte Ver.di Mitglieder durch die Bank weg Einmalzahlungen ablehnen und es in Meetings/Konferenzen viel Erklärungsarbeit benötigt und Ressourcen frisst den Teilnehmenden und Mitgliedern zu erklären warum jede tabellenwirksame Prozenterhöhung einer Einmalzahlung vorzuziehen ist.

Philipp

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2564 am: 27.09.2022 11:48 »
Ich wäre durchaus dafür, die 3000€ Prämie in die Verhandlungsmasse aufzunehmen.
Die letzte Laufzeit war doch so lang und die Erhöhungen so gering, da kann man die 3000€ gerne nachträglich als Kompensation für die miserablen Abschlüsse der Vergangenheit heranziehen.
Das würde der verdi wieder etwas Glaubwürdigkeit verschaffen ("Wir vertreten die Arbeitnehmer" usw..")

Außerdem sollte man nicht außer Acht lassen: Mit einem Anstieg der Tarifgehälter bleibt auch wieder mehr für Verdi übrig (die sicher genauso gestiegene Kosten haben). Von einer Einmalzahlung bekommen die genau gar nichts ab.

Trotzdem fände ich gesamtökonomisch das Signal fatal, wenn man mit Erhöhungen von 10% anfängt oder "Inflationsausgleich" ins Spiel bringt.
Wir sind am Anfang einer Inflationsspirale - viele Kosten sind gestiegen, weil man Preise mit der Begründung "Ist halt Inflation - alles wird teurer" erhöht. Wenn jetzt die Löhne auch noch an der Spirale mit drehen, geht es weiter. Dann gibt's keinen Boden mehr im Fass.
Das einzige was aktuell wirklich teuer geworden ist, ist Gas.

Sobald der Strompreis entkoppelt wurde (man die bescheuerte Merit Order mal aus dem Weg geräumt hat), normalisiert sich wieder einiges. Dann werden auch die stromintensiv hergestellten Güter wieder günstiger.

Eine Deflation werden wir nicht haben, aber die Preise werden sich wieder entspannen.