Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 703943 times)

Leonhardt

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2595 am: 28.09.2022 09:46 »
Die letzten Sonderzahlungen waren doch auch nicht gestaffelt.


Welche Sonderzahlungen meinst du hier?
(Die Jahressonderzahlung ist nach wie vor nach EG gestaffelt und die Corona-Sonderzahlung 2020 war es auch.)


Kryne

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2597 am: 28.09.2022 09:56 »

....Mathematik ist scheinbar für Viele immer wieder eine Herausforderung. Ich bin für die 3.000 Euro Sonderzahlung, sie ist abgabenfrei - unter normalen Umständen müsste man je nach Einzelfall um die 5.000 - 6.000 Euro brutto verdienen, um 3.000 Euro netto zu erzielen. Wie kann man dieses Geschenk ablehnen - es ist quasi "leichtes Geld", welches zusätzlich gezahlt werden kann. Natürlich darf man auf lange Sicht auch die Entwicklung der Tabellenentgelte nicht ausser Acht lassen. Wenn wir uns auf bisherige Tarifverhandlungen besinnen und mal ganz ehrlich an die Sache rangehen, waren die Abschlüsse in der Vergangenheit um die 5 Prozent vergleichsweise mittelmäßig und unter Berücksichtigung der Preisentwicklung kaum mit großen Reallohnsteigerungen verbunden. Warum soll das in 2023 anders sein? Von mehr als 8 Prozent gehe ich nicht aus...das wäre gemessen an der bisherigen Entwicklung schon ein richtiger Spitzenwert. Warum verteufelt ihr die mögliche Einmalzahlung, die wir noch ZUSAETZLICH bekommen können? Oder glaubt hier wirklich jemand von Entgelterhöhungen um die 15 - 20 Prozent, so dass wir auf die 3.000 Euro verzichten können? Eine weitere Möglichkeit wäre noch eine Arbeitszeitverkürzung - aber da sehe ich bei dem Arbeitskräftemangel kaum Chancen.

Sorry, aber mit dieser Aussage fällst du für mich in die 75% der "doofen" mit rein.

Geschenk ? GESCHENK !? Glaubst du das ernsthaft ? Wach doch mal auf bitte.


"Wenn" es eine Einmalzahlung gibt, dann kommt die nicht "on top", sondern dafür muss von den Forderungen etwas anderes gemindert oder gar ganz gestrichen werden.

Diese Einmalzahlung ist Verhandlungsmasse. Sonst nichts.

Wenn eine Einmalzahlung kommt, fällt die % Erhöhung dafür niedriger aus. Willst du das nicht begreifen oder begreifst du das tatsächlich nicht ? Bitte sag es mir, damit ich solche Leute wie dich vielleicht mal besser verstehen kann.

Rabauke

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2598 am: 28.09.2022 10:44 »
Also eine Ungleichbehandlung, bzw. Angleichung zwischen höheren und geringeren Entgeltgruppen besteht durch diese Zahlen natürlich nicht zwangsläufig. Im Gegenteil, würden alle Gruppen bspw. 3% erhalten, würde die Schere allmählich auseinander driften. 3% von 6k sind mehr als 3% von 3k Euro. Es ist also langfristig gar nicht anders möglich, als den unteren Gruppen mehr Prozente zu geben.

Hallo zusammen,

Mein "Einlauftipp":

1. Sonderzahlung (einmal) bis EG 5 = 3.000 Euro , bis EG 8 = 2.400 Euro, bis EG 12 = 1.600 Euro, darüber = 800 Euro
ab 01.06.2023 = gestaffelt bis EG 5 = + 5,5 % - bis EG 8 = +4,2 %, bis EG 12 = + 3,9 %,  darüber 3,5 %
ab 01.01.2024 = einheitlich +3,6 % - 20 Monate Laufzeit

keine Ahnung, was du mit "Einlauftipp" meinst, aber die Staffelung der Erhöhungen kotzen einen regelrecht an!
Warum müssen die "kleineren EG´s" denn immer mehr % bekommen bzw. mehr Einmalzahlung?
Irgendwann sind da noch 50€ Unterschied zwischen E5 und E10...

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2599 am: 28.09.2022 10:45 »
Diese Einmalzahlung ist Verhandlungsmasse. Sonst nichts.
Nur wenn ver.di es zulässt  8) :P
Wenn ver.di klipp und klar und wiederholend öffentlich kommuniziert: Ob, wann, wie und warum und in welcher höhe ein AG im öD eine Einmalzahlung macht, ist alleinig sein Bier, wir verhandeln nur tarifliches.
End Diskussion....


Aber so wird es bei ver.di nicht laufen, die werden sich für die Einmalzahlung feiern lassen.

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2600 am: 28.09.2022 10:51 »
Also eine Ungleichbehandlung, bzw. Angleichung zwischen höheren und geringeren Entgeltgruppen besteht durch diese Zahlen natürlich nicht zwangsläufig. Im Gegenteil, würden alle Gruppen bspw. 3% erhalten, würde die Schere allmählich auseinander driften. 3% von 6k sind mehr als 3% von 3k Euro.
Nein, die Schere läuft nicht auseinander, sie bleibt prozentual gleich.
Und warum sollten die unteren einen Reallohnausgleich bekommen und die oberen auf Reallohn verzichten, was ja der Fall wäre, wenn man eine Lohnerhöhung nicht prozentual machen würde.
Theoretisch müssten die oberen wg. Steuerprogression sogar prozentual mehr Erhöhung bekommen, damit sie auf die gleiche Nettoerhöhung (und damit auf die gleichen Reallohnsteigerung) kommen.
Aber diese Opfer dürfen sie gerne bringen, denn es ist ja ein Steuerproblem und kein Lohnproblem.

Herbert Meyer

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2601 am: 28.09.2022 10:54 »

....Mathematik ist scheinbar für Viele immer wieder eine Herausforderung. Ich bin für die 3.000 Euro Sonderzahlung, sie ist abgabenfrei - unter normalen Umständen müsste man je nach Einzelfall um die 5.000 - 6.000 Euro brutto verdienen, um 3.000 Euro netto zu erzielen. Wie kann man dieses Geschenk ablehnen - es ist quasi "leichtes Geld", welches zusätzlich gezahlt werden kann. Natürlich darf man auf lange Sicht auch die Entwicklung der Tabellenentgelte nicht ausser Acht lassen. Wenn wir uns auf bisherige Tarifverhandlungen besinnen und mal ganz ehrlich an die Sache rangehen, waren die Abschlüsse in der Vergangenheit um die 5 Prozent vergleichsweise mittelmäßig und unter Berücksichtigung der Preisentwicklung kaum mit großen Reallohnsteigerungen verbunden. Warum soll das in 2023 anders sein? Von mehr als 8 Prozent gehe ich nicht aus...das wäre gemessen an der bisherigen Entwicklung schon ein richtiger Spitzenwert. Warum verteufelt ihr die mögliche Einmalzahlung, die wir noch ZUSAETZLICH bekommen können? Oder glaubt hier wirklich jemand von Entgelterhöhungen um die 15 - 20 Prozent, so dass wir auf die 3.000 Euro verzichten können? Eine weitere Möglichkeit wäre noch eine Arbeitszeitverkürzung - aber da sehe ich bei dem Arbeitskräftemangel kaum Chancen.

Sorry, aber mit dieser Aussage fällst du für mich in die 75% der "doofen" mit rein.

Geschenk ? GESCHENK !? Glaubst du das ernsthaft ? Wach doch mal auf bitte.


"Wenn" es eine Einmalzahlung gibt, dann kommt die nicht "on top", sondern dafür muss von den Forderungen etwas anderes gemindert oder gar ganz gestrichen werden.

Diese Einmalzahlung ist Verhandlungsmasse. Sonst nichts.

Wenn eine Einmalzahlung kommt, fällt die % Erhöhung dafür niedriger aus. Willst du das nicht begreifen oder begreifst du das tatsächlich nicht ? Bitte sag es mir, damit ich solche Leute wie dich vielleicht mal besser verstehen kann.

Also ich habe jetzt innerhalb weniger Sekunden mit Grundschul-Mathematik errechnet: Wenn die steuerfreien 3.000 € Inflationsprämie mit - sagen wir mal - einer 3 Prozent geringeren Tabellen-Entgelterhöhung "erkauft" werden, dann habe ich bereits nach 3 Jahren einen finanziellen Schaden. Wenn ich jetzt noch Mathematik einer weiterführenden Schule bemühe und Zinseszinseffekte oder Rentenpunkte einbeziehe, reduzieren sich die 3 Jahre erneut. Lasst euch doch von Scholz und ver.di bitte nicht für dumm verkaufen.

Mal ganz abgesehen davon, dass es trotz der rechnerischen Arbeitgeberfreundlichkeit niemals 3.000 Euro werden. Wahrscheinlicher ist, dass ver.di 3 Prozent Erhöhung für 1.500 Euro Einmalzahlung oder weniger verscherbelt.
« Last Edit: 28.09.2022 11:01 von Herbert Meyer »

Blablublu

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2602 am: 28.09.2022 11:23 »
Wenn es Herrn Scholz so wichtig ist soll er doch die Einmalzahlung für den Bund anweisen, fernab von Tarifverhandlungen, so wie es andere Arbeitgeber auch machen. Das wäre eine echte Entlastung.

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2603 am: 28.09.2022 11:33 »
Diese Einmalzahlung ist Verhandlungsmasse. Sonst nichts.
Nur wenn ver.di es zulässt  8) :P
Wenn ver.di klipp und klar und wiederholend öffentlich kommuniziert: Ob, wann, wie und warum und in welcher höhe ein AG im öD eine Einmalzahlung macht, ist alleinig sein Bier, wir verhandeln nur tarifliches.
End Diskussion....


Aber so wird es bei ver.di nicht laufen, die werden sich für die Einmalzahlung feiern lassen.
Ich mag es, dass du nach der Ouverture unmittelbar zum Grand Finale kommst :)

Queen of Spades

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2604 am: 28.09.2022 11:44 »

Meiner Meinung nach sind die Gehälter bis einschließlich Entgeltgruppe 10 durchaus angemessen. Ab Entgeltgruppe 11 wird allerdings leider tatsächlich deutlich zu niedrig bezahlt, was bekanntermaßen dazu führt, dass die Ingenieur- und Führungskräftestellen nicht besetzt werden können - hier besteht eindeutig Handlungsbedarf!

Ich würde eher eine Orgaprüfung in Betracht ziehen und mal schauen, welche Stellen aktuell mit EG8 vergütet sind, aber eigentlich EG 11 sein sollten und welche Stellen mit EG11 vergütet sind, aber Aufgabe für EG5 beinhalten. Es ist ja leider oft so, dass Stellen geschaffen werden, um Mitarbeiter "loszuwerden".

Grundsätzlich stimme ich dir aber zu.

Matti101

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2605 am: 28.09.2022 12:02 »
Die letzten Sonderzahlungen waren doch auch nicht gestaffelt.
Muss Verdi ja auch gar nicht machen, denn wenn man so eine Sonderzahlung in absoluten Zahlen ausgibt, dann profitieren die unteren EGs ja ganz von selbst überproportional davon.

Wenn also alle 2000 Euro Sonderzahlung kriegen, dürfte Verdi zufrieden sein, denn für jemanden in E6 Stufe 3 bedeutet das in der Regel einen kompletten Monatslohn dazu zu erhalten während der E13er nur 60% eines Monatslohns erhält.

Für Verdi sind diese Sonderzahlungsregeln also ohnehin geschickt. Hier kann man staffeln ohne es so zu nennen. Bin schon gespannt, wann sie drauf kommen das bei der Jahressonderzahlung auch so zu machen. Dann bekommen alle eine einheitliche Zahlung anstatt der krummen Prozentzahlen, die im Prinzip das Selbe bewirken.

...die Coronaprämie Ende 2020 war auch gestaffelt 400 - 600 Euro. Eine Staffelung von Prämienzahlungen finde ich ok. Was allerdings großer Mist von Verdi ist, sind die Mindesterhöhungen in den unteren Entgeltgruppen, was ja passiert, wenn sie z. B. "+ 3 Prozent, mindestens 80 Euro" fordern. Dann wird das ganze Gefüge der Entgelttabelle verzogen. Da falle ich jedes Mal vom guten Glauben ab. Klar müssen auch die unteren Entgeltgruppen ihre Existenzen sichern, aber nicht zu Lasten einer Entgelttabelle, sondern durch Sozialleistungen, die für alle gleichermassen da sind: z. B. Wohngeld, Kindergeldzuschlag, Grundsicherung. Und von mir aus können auch Einmalzahlungen wie die Coronaprämie oder 3.000 Euro aus dem Entlastungspaket gestaffelt werden.   

Matti101

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2606 am: 28.09.2022 12:11 »
....habe gerade meine Abrechnung für September angeschaut. 300 Euro Energiepauschale, davon 106 Euro "Steuer aus sonstigen Bezügen", somit 194 Euro mehr netto. Ich nehme es gern mit...nur frage ich mich immer, wenn viele Menschen den vierfachen Gasabschlag zahlen (z. B. von 200 Euro auf 800 Euro jeden Monat, was stellt dann eine Einmalzahlung netto 194 Euro dar???? Das ist doch wie, wenn ich einem Elefanten eine halbe Gurkenscheibe vor den Rüssel lege... Er wird weiter hungrig bleiben.

BAT

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2607 am: 28.09.2022 12:14 »
Sie soll den Elefanten ja nicht satt machen, sondern zeigen "wir tun was".

Wichtiger wäre es jedoch das Tor zur saftigen Wiese nebenan zu öffnen und den dortigen Wärter in Schach zu halten.  ;)

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2608 am: 28.09.2022 13:04 »
....habe gerade meine Abrechnung für September angeschaut. 300 Euro Energiepauschale, davon 106 Euro "Steuer aus sonstigen Bezügen", somit 194 Euro mehr netto. Ich nehme es gern mit...nur frage ich mich immer, wenn viele Menschen den vierfachen Gasabschlag zahlen (z. B. von 200 Euro auf 800 Euro jeden Monat, was stellt dann eine Einmalzahlung netto 194 Euro dar????
Klar müssen auch die unteren Entgeltgruppen ihre Existenzen sichern, z. B. durch Sozialleistungen, die für alle gleichermassen da sind: z. B. Wohngeld, Kindergeldzuschlag, Grundsicherung. Und von mir aus können auch Einmalzahlungen wie die Coronaprämie oder 3.000 Euro aus dem Entlastungspaket gestaffelt werden. Wär so mein Vorschlag ;) 

MoJuThAn

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2609 am: 28.09.2022 14:01 »
....habe gerade meine Abrechnung für September angeschaut. 300 Euro Energiepauschale, davon 106 Euro "Steuer aus sonstigen Bezügen", somit 194 Euro mehr netto. Ich nehme es gern mit...nur frage ich mich immer, wenn viele Menschen den vierfachen Gasabschlag zahlen (z. B. von 200 Euro auf 800 Euro jeden Monat, was stellt dann eine Einmalzahlung netto 194 Euro dar???? Das ist doch wie, wenn ich einem Elefanten eine halbe Gurkenscheibe vor den Rüssel lege... Er wird weiter hungrig bleiben.

Das ist schon meckern auf hohem Niveau, oder? Bei Steuerklasse 1 liegst du bei ca. 4600 Euro Brutto um auf Netto 194 Euro Energiepauschale (106 Euro Steuern) zu kommen.