Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 708582 times)

veeam

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2895 am: 05.10.2022 09:45 »
In manchen Ländern gibt es sogar einen gesetzlichen Indexlohn. (Belgien und Luxemburg z.B.). Dort muss der Lohn per Gesetz an die Inflation angepasst werden.
Und dann wäre es noch schlechter die letzten Jahre gewesen.

Beispiel:
Verbraucherpreisindex 2015=100
2021 : 110,1
Aktuell 118,8 (boing!)
Lohnsteigerung (EG6)
2015: 2804,29   -> 100
2021: 3271   -> 116,6
2022: 3362,77  ->  119,9
Netto:
2015 1745.84
2022 2131,59 -> 122,1
Fazit (auch wenn man es nicht wahrhaben will) Reallohnverluste bezogen auf 2015 fangen erst an, wenn eine Inflation von 12% im Raume steht, oder habe ich mich verrechnet?

Was nicht heißen soll, dass eine diesjährige Erhöhung von 8% nicht trotzdem gerechtfertigt wäre  8)

Warum rechnest Du nicht noch weiter zurück? Dann können wir alle Reallohngewinne seit Einführung des TVÖD gegenrechnen und würden sogar mit zwei Jahren Nullrunde zufrieden sein müssen  :)

Die tatsächlichen Lohnsteigerungen, inflationsbereinigt, sind doch nicht als Puffer gedacht um in der Zukunft liegende schlechte Abschlüsse zu kompensieren.

JahrhundertwerkTVÖD

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2896 am: 05.10.2022 09:48 »
Die Probleme wurden mehrfach angesprochen. Geändert wird nichts.

Bsirske und Verdi wollten unbedingt das JahrhundertwerkTVÖD durchbringen, auf Kosten massiver Verschlechterungen.

In der Schule würden man sagen "sitzen, 6". Eine absolut miserable Leistung zu Lasten ihrer Mitglieder und aller AN.
Danach noch die Frechheit zu besitzen und dies als Jahrhundertwerk zu verkaufen.

Es müssen wieder marktgerechte Vergütungen geschaffen werden und jeder, absolut jeder sollte marktgerecht bezahlt werden.

Keine Einmalzahlungen
Keine unterschiedliche JSZ
JSZ 100%
Keine Kürzungen in der Altersvorsorge
Deutlichere Unterschiede in den Gruppen
Leistung soll sich auch lohnen
Reduzierung der Erfahrungsstufen
Deutliche Anpassung an marktgerechte Vergütungen, auch wie oben beschrieben

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2897 am: 05.10.2022 10:02 »
Also bei uns werden auch keine Ingenieure mehr gefunden. Sie kommen zwar zu einem Vorstellungsgespräch aber wenn dann beim Lohn eben nichts möglich ist mit Zulagen etc hören wir nur Absagen.

Bei zwei meiner Freunden haben die privaten Arbeitgeber neben den Lohnerhöhungen im Februar/März einfach so jetzt im Oktober das Gehalt um 3-4% erhöht. Eben um die Fachkräfte zu halten.

Ich kann es nur wiederholen. Bei meiner Frau gab es in der Firma, die mittlerweile von einem chinesischen Heuschrecken-Investor verwaltet wird, zusätzlich zu den individuellen Gehaltsverhandlungen nochmal 6 % kollektiv oben drauf. Ohne Betriebsrat. Ohne monatelanges Ping-Pong zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebervertretung. Ohne Verhandlungen bis tief in die Nacht. Ohne feierliches Schulterklopfen und der anschließenden Verkündung des "besten Ergebnisses" seit Menschengedenken.

Das kann ich bestätigen, bei meiner Gattin gab es ne grosse Tüte on Top plus 5%, ebenfalls Chinalastig, keine Gewerkschaft und ohne Diskussion (und das seit 20 Jahren)
individuelle ausgehandelte extra prozente davon ausgenommen

Rumo1895

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2898 am: 05.10.2022 10:15 »
Was wir damit haben ?

Inflation bedeutet Lohnverlust. Ich mache die gleiche Arbeit für weniger Lohn.

Wenn ich mir vorher vom Lohn 1000 Brote kaufen konnte und es jetzt nur noch für 800 reicht, dann muss das für meinen Arbeitgeber ein Grund sein meinen Lohn so anzupassen, dass ich mir wieder 1000 Brote davon kaufen kann, denn ich mache ja die gleiche Arbeit wie vorher auch. Warum sollte die jetzt weniger wert sein ?

Woher kommt die - ahistorische - Annahme das es immer besser werden müssen, zumindest aber nicht schlechter werden dürfe? Ist das ein nicht-kodifiziertes Ewigkeitsrecht?

Schauen wir mal wohin sich die wirtschaftliche Situation hin entwickelt, vielleicht ist demnächst Dankbarkeit angesagt dass es überhaupt noch für "800 Brote" reicht...

WasDennNun

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2899 am: 05.10.2022 10:17 »
In manchen Ländern gibt es sogar einen gesetzlichen Indexlohn. (Belgien und Luxemburg z.B.). Dort muss der Lohn per Gesetz an die Inflation angepasst werden.
Und dann wäre es noch schlechter die letzten Jahre gewesen.

Beispiel:
Verbraucherpreisindex 2015=100
2021 : 110,1
Aktuell 118,8 (boing!)
Lohnsteigerung (EG6)
2015: 2804,29   -> 100
2021: 3271   -> 116,6
2022: 3362,77  ->  119,9
Netto:
2015 1745.84
2022 2131,59 -> 122,1
Fazit (auch wenn man es nicht wahrhaben will) Reallohnverluste bezogen auf 2015 fangen erst an, wenn eine Inflation von 12% im Raume steht, oder habe ich mich verrechnet?

Was nicht heißen soll, dass eine diesjährige Erhöhung von 8% nicht trotzdem gerechtfertigt wäre  8)

Warum rechnest Du nicht noch weiter zurück? Dann können wir alle Reallohngewinne seit Einführung des TVÖD gegenrechnen und würden sogar mit zwei Jahren Nullrunde zufrieden sein müssen  :)
Weil 2015 als Indexjahr halt bequemer war.
Aber weil du es bist:
2006 - 2022
Verbrauchpreisindex 1,36
Bruttolohnsteigerung 1,47
Bei einer 17% Inflation von 2021-2022 haben wir dann wohl gegenüber 2006 einen Reallohnerverlust.

Zitat
Die tatsächlichen Lohnsteigerungen, inflationsbereinigt, sind doch nicht als Puffer gedacht um in der Zukunft liegende schlechte Abschlüsse zu kompensieren.
Natürlich nicht.
Wer aber mit der Inflation argumentiert als Grund für Lohnsteigerung, der muss diese auch als Grund für weniger Lohnsteigerung akzeptieren.
Oder wer über aktuell drohende Reallohnverluste (zurecht) klagt, der muss auch wissen, dass wir mäßige Reallohnsteigerungen hatten, die jetzt wieder aufgefressen werden und man in seinem "Wohlstand" auf den Level von 2006 zurück gebombt wird.

Coffee86

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2900 am: 05.10.2022 10:36 »
In manchen Ländern gibt es sogar einen gesetzlichen Indexlohn. (Belgien und Luxemburg z.B.). Dort muss der Lohn per Gesetz an die Inflation angepasst werden.
Und dann wäre es noch schlechter die letzten Jahre gewesen.

Beispiel:
Verbraucherpreisindex 2015=100
2021 : 110,1
Aktuell 118,8 (boing!)
Lohnsteigerung (EG6)
2015: 2804,29   -> 100
2021: 3271   -> 116,6
2022: 3362,77  ->  119,9
Netto:
2015 1745.84
2022 2131,59 -> 122,1
Fazit (auch wenn man es nicht wahrhaben will) Reallohnverluste bezogen auf 2015 fangen erst an, wenn eine Inflation von 12% im Raume steht, oder habe ich mich verrechnet?

Was nicht heißen soll, dass eine diesjährige Erhöhung von 8% nicht trotzdem gerechtfertigt wäre  8)

Wobei ich mich bei deinem Beispiel frage, wieso du den TV-L nimmst, mit der Tabelle die erst ab dem 01.12.2022 (und wohlbemerkt BIS 30.09.2023) gültig ist und bereits in den Lohnverhandlungen ein Jahr VORAUS ist!?

Wenn es hier um die Kommune geht muss man halt auch die zugrundeliegenden Zahlen betrachten:
EG 6 2015: 2.851,47
EG 6 2022: 3.314,71 --> 116,24%

Und dann sind wir schon bei einem Reallohnverlust. Und das in einer der Entgeltgruppen, welche in den letzten Jahren immer am Besten bei den Verhandlungen weggekommen sind durch den Mindestbetrag.

Auch frage ich mich - wenn wir doch inflationsbereinigt so gut weggekommen sind - warum rennt man den Personalabteilungen nicht regelrecht die Türen ein!? Wir wissen doch leider alle, dass der öD gerade ab EG9 nicht mehr mit der PW mithalten kann. Was bringen mir inflationsbereinigt wenige Prozentpunkt PLUS - wenn ich dennoch in der PW besser bezahlt werde? Wir haben doch nicht nur ein Inflationsproblem, sondern auch ein Konkurrenzproblem.

Britta2

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2901 am: 05.10.2022 10:52 »
Wie war das neulich?  Dank ansteigender Inflation sprudelt seit Monaten viel mehr Geld in die Kassen der Kommunen. Die jammern weiter ...

DiVO

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2902 am: 05.10.2022 11:37 »
Inflation bedeutet Lohnverlust. Ich mache die gleiche Arbeit für weniger Lohn.

Wenn ich mir vorher vom Lohn 1000 Brote kaufen konnte und es jetzt nur noch für 800 reicht, dann muss das für meinen Arbeitgeber ein Grund sein meinen Lohn so anzupassen, dass ich mir wieder 1000 Brote davon kaufen kann, denn ich mache ja die gleiche Arbeit wie vorher auch. Warum sollte die jetzt weniger wert sein ?

Und warum genau ist das das Problem deines Arbeitgebers? Ich geh doch auch nich zu meinem Arbeitgeber und sage:
"Hey Boss, ich habe jetzt geheiratet und wir haben ein Kind bekommen. Gib mir gefälligst mehr Geld, damit ich wieder über die Runden komme und jeder von usn 800 Brot zur Verfügung hat."
"Hey Boss, ich habe jetzt eine größere Wohnung, die mehr als die alte kostet. Gib mir gefälligst mehr Geld, damit ich wieder über die Runden komme."
"Hey Boss, ich habe mir ein neues Auto auf Pump gekauft. Gib mir gefälligst mehr Geld, damit ich wieder über die Runden komme und die Raten zahlen kann."

Das sind schlicht und ergreifend deine Privatprobleme, die mit deinem Arbeitgeber mal null komma null zu tun haben. Ich bin auch überrascht mit welcher Selbstverständlichkeit hier mehr Gehalt erwartet wird jedes Jahr, so als ob einem das per Gesetz zustünde.

Ich war in einem früheren Leben vier Jahre bei einem inhabergeführten Mittelständler mit 120 Mitarbeitern. Während dieser Zeit gab es für mich exakt eine Gehaltserhöhung um 5,0 % und das wars. In dem Betrieb musste jeder sein Gehalt selbst verhandeln und wenn die Gegenseite nicht mehr zahlen wollte, musste man das entweder akzeptieren oder künigen und sich woanders was besseres suchen.

Wenn du mit deinem Gehalt und dessen Entwicklung nicht zufrieden bist, dann such dir einen anderen Arbeitgeber und verhandel ein Gehalt, das dein Vorstellungen entspricht. Ich habe in den sieben Jahren seit ich von diesem Mittelständler weg bin meinen Stundenlohn verdoppelt plus weitere Benefits.

Dir steht der gleiche Weg frei. Aber so viel sei gesagt: Entwicklung findet immer außerhalb der Komfortzone statt.

Floki

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2903 am: 05.10.2022 11:47 »
Das Zitat ist aber nicht von mir  ;)

Babbe1986

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2904 am: 05.10.2022 11:49 »
Wie war das neulich?  Dank ansteigender Inflation sprudelt seit Monaten viel mehr Geld in die Kassen der Kommunen. Die jammern weiter ...

Ich schließe mich an!

Babbe1986

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2905 am: 05.10.2022 11:53 »
Das Zitat ist aber nicht von mir  ;)

Doch, gebe es zu! :)
« Last Edit: 05.10.2022 12:00 von Babbe1986 »

Kryne

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2906 am: 05.10.2022 11:53 »
Was wir damit haben ?

Inflation bedeutet Lohnverlust. Ich mache die gleiche Arbeit für weniger Lohn.

Wenn ich mir vorher vom Lohn 1000 Brote kaufen konnte und es jetzt nur noch für 800 reicht, dann muss das für meinen Arbeitgeber ein Grund sein meinen Lohn so anzupassen, dass ich mir wieder 1000 Brote davon kaufen kann, denn ich mache ja die gleiche Arbeit wie vorher auch. Warum sollte die jetzt weniger wert sein ?

Woher kommt die - ahistorische - Annahme das es immer besser werden müssen, zumindest aber nicht schlechter werden dürfe? Ist das ein nicht-kodifiziertes Ewigkeitsrecht?

Schauen wir mal wohin sich die wirtschaftliche Situation hin entwickelt, vielleicht ist demnächst Dankbarkeit angesagt dass es überhaupt noch für "800 Brote" reicht...

Woher kommt die Annahme, dass es schlechter werden dürfe ?

Ich habe mit meinem AG einen Vertrag geschlossen die Arbeiten XY zu verrichten und dafür in Form von Geld in Höhe von AB entlohnt zu werden.

Wenn nun dieses Geld AB seinen Wert verliert, ich aber weiterhin die gleichen Arbeiten XY verrichte, dann gerät das ganze in Schieflage.


Die Arbeitgeberseite kann natürlich sagen, dass ihr das egal ist, was ja auch vielerorts so praktiziert wird. Ist ja deren gutes Recht und daraus müsste jeder AN halt seine eigenen Konsequenzen ziehen. Ob es schlechter werden "darf" ist halt Entscheidung der AN, ob diese bereit sind die gleichen Arbeiten für weniger Entlohnung auszuführen.

Ich wäre auch damit zufrieden auf eine 30 Stunden Woche zu gehen fürs gleiche Geld.


Kryne

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2907 am: 05.10.2022 11:58 »



Und warum genau ist das das Problem deines Arbeitgebers? Ich geh doch auch nich zu meinem Arbeitgeber und sage:
"Hey Boss, ich habe jetzt geheiratet und wir haben ein Kind bekommen. Gib mir gefälligst mehr Geld, damit ich wieder über die Runden komme und jeder von usn 800 Brot zur Verfügung hat."
"Hey Boss, ich habe jetzt eine größere Wohnung, die mehr als die alte kostet. Gib mir gefälligst mehr Geld, damit ich wieder über die Runden komme."
"Hey Boss, ich habe mir ein neues Auto auf Pump gekauft. Gib mir gefälligst mehr Geld, damit ich wieder über die Runden komme und die Raten zahlen kann."

Das sind schlicht und ergreifend deine Privatprobleme, die mit deinem Arbeitgeber mal null komma null zu tun haben. Ich bin auch überrascht mit welcher Selbstverständlichkeit hier mehr Gehalt erwartet wird jedes Jahr, so als ob einem das per Gesetz zustünde.

Ich war in einem früheren Leben vier Jahre bei einem inhabergeführten Mittelständler mit 120 Mitarbeitern. Während dieser Zeit gab es für mich exakt eine Gehaltserhöhung um 5,0 % und das wars. In dem Betrieb musste jeder sein Gehalt selbst verhandeln und wenn die Gegenseite nicht mehr zahlen wollte, musste man das entweder akzeptieren oder künigen und sich woanders was besseres suchen.

Wenn du mit deinem Gehalt und dessen Entwicklung nicht zufrieden bist, dann such dir einen anderen Arbeitgeber und verhandel ein Gehalt, das dein Vorstellungen entspricht. Ich habe in den sieben Jahren seit ich von diesem Mittelständler weg bin meinen Stundenlohn verdoppelt plus weitere Benefits.

Dir steht der gleiche Weg frei. Aber so viel sei gesagt: Entwicklung findet immer außerhalb der Komfortzone statt.

Richtig zitieren sollte auch gelernt sein. Ist aber ein anderes Thema.

Natürlich ist es ein Problem des Arbeitgebers, weil meine geleistete Arbeit in der Theorie gleichwertig bleibt, aber das Geld was ich dafür bekomme immer weniger wert ist.

Meine geleistete Arbeit wird also entwertet.

Dein Beispiel mit Heirat etc. ist völlig Fehl am Platz und hat absolut 0 mit dem Thema Inflation zutun.

Aber wenn ich mir manche Kommentare hier anschaue, wundert mich eigentlich nichts mehr. Wirtschaftliche Zusammenhänge scheint hier kaum einer zu verstehen.

Jeder 2. fängt an von persönlichen Ausgabensituationen zu sprechen die mit dieser ganzen Thematik nichts zutun haben.

Der eine sagt es gibt keine Inflation, weil er statt teurer Paprika jetzt günstige Steckrüben kauft und der andere vergleicht die Geldentwertung mit Änderungen im persönlichen Familienumfeld. Es wird immer lustiger hier :D

DiVO

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2908 am: 05.10.2022 12:08 »
Was wir damit haben ?

Inflation bedeutet Lohnverlust. Ich mache die gleiche Arbeit für weniger Lohn.

Wenn ich mir vorher vom Lohn 1000 Brote kaufen konnte und es jetzt nur noch für 800 reicht, dann muss das für meinen Arbeitgeber ein Grund sein meinen Lohn so anzupassen, dass ich mir wieder 1000 Brote davon kaufen kann, denn ich mache ja die gleiche Arbeit wie vorher auch. Warum sollte die jetzt weniger wert sein ?

Woher kommt die - ahistorische - Annahme das es immer besser werden müssen, zumindest aber nicht schlechter werden dürfe? Ist das ein nicht-kodifiziertes Ewigkeitsrecht?

Schauen wir mal wohin sich die wirtschaftliche Situation hin entwickelt, vielleicht ist demnächst Dankbarkeit angesagt dass es überhaupt noch für "800 Brote" reicht...

Woher kommt die Annahme, dass es schlechter werden dürfe ?

Ich habe mit meinem AG einen Vertrag geschlossen die Arbeiten XY zu verrichten und dafür in Form von Geld in Höhe von AB entlohnt zu werden.

Wenn nun dieses Geld AB seinen Wert verliert, ich aber weiterhin die gleichen Arbeiten XY verrichte, dann gerät das ganze in Schieflage.

Das bedeutet also, dass der Arbeitgeber von dir in Zeiten von Deflation (z.B. 2009 und 2015) mehr Leistung fordern durfte, weil dein Gehalt mehr wert war? Ansonsten wäre das Ganze ja in Schieflage geraten.

Du hast mit deinem Arbeitgeber einen Vertrag mit Nominallohn und nicht mit Reallohn vereinbart. Und aus genau diesem Grund ist es dein persönliches Problem, wenn du von deinem Nominallohn weniger einkaufen kannst als vorher.

teclis22

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #2909 am: 05.10.2022 12:16 »
Es gab nie eine Deflation in 2009 und 2015.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4917/umfrage/inflationsrate-in-deutschland-seit-1948/
Geld wurde seit 1987 stetig durch inflation abgewertet

Nachtrag: und selbst die Deflation von 1986, hat nicht ausgereichte die Inflation von 1985 zu kompeniseren. Somit total wurscht.