Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 703913 times)

thesisko

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3000 am: 06.10.2022 12:21 »


Aha.
Und dann erklärt man dem Elektriker (oder Verkäuferin, oder, oder...), die alle samt Mindestlohn, 24 Tage Urlaub, keine Gleitzeit, keine Sonderzahlungen und vielleicht noch den einen oder anderen Minijob usw. haben: "Hey, das haben wir uns verdient...!"
Ehrlich - was für eine infantile Idee.

Guten Tag
Bei allem Respekt: Du hattest scheinbar schon einen guten Morgen am Kühlschrank.

Die einzigen Beschwerden von Handwerkern öD vs pW die mir bekannt sind, sind tatsächlich "keine Gleitzeit" und u.U. nicht vergüteter Zeitaufwand für Fahrten zu den Gr0ßbaustellen.
Zwei mir bekannte Elektriker lachen mich regelmäßig aus, wenn ich die wieder mal versuche mit ner EG6 "abzuwerben". OT: "Hör auf, dann muss ich ja wieder Baustellen nebenbei machen."
Du scheinst die Realitäten am Arbeitsmarkt, dort wo "der öD" mit anderen Kräften konkurriert nicht zu kennen. Die/der Lidl-Verkäferin/Verkäufer gehört ncht dazu und würde sich über ne EG5 vermutlich noch kaputtlachen...
Völlig realitätsfremd was du da absonderst

Sorry, hatte versäumt zu erwähnen, dass die Aufzählungen tatsächlich nur für den Osten in weitreichenden Teilen gültig sind.
Ich kenne keinen einzigen (angestellten) Handwerker, der nur annähernd auf ein Einkommen einer EG6 (nicht Stufe 1) kommt.
Wie gesagt: Osten!


Bei uns Nähe Hamburg. Elektroniker Energie- und Gebäudetechnik. Junggeselle um die 19,-€ pro Stunde. Mit Erfahrung und fachlichen Spezialisierungen bis zu 30,- € pro Stunde. Dazu bekommen die fast alle ihren Transporter mit nach ause und haben smot keinerlei Fahrtkosten zur Arbeit. Das mag regional stark schwanken, aber so ist bei uns der Markt. Dazu bezahlte Überstunden, Nachbarschaftshilfen,.......

daseinsvorsorge

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3001 am: 06.10.2022 12:22 »

Das Problem ist halt: Ob Verdi verhandelt oder nicht ist erfahrungsgemäß für das Arbeitgeberangebot nicht relevant. Jede Ausbeuterfirma ohne Betriebsrat bietet Lohnerhöhungen in Höhe von Verdis "besten Ergebnisses aller Zeiten", allein aus Gründen der Mitarbeiterbindung.

Da bin ich vollumfänglich bei Ihnen. Ihre Behauptung bildet sich ja auch in der aktuellen Preesemeldung der AG ab:"VKA warnt vor zu hohen Forderungen." Das bedeutet bestimmt, dass die AG sowieso mindestens 5% - ohne jegliche Vorbedingungen - anbieten werden, um zu zeigen, wie sehr sie ihre Beschäftigten schätzen.

BAT

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3002 am: 06.10.2022 12:25 »
Verstehe nicht, wieso Verdi nicht mit der Arbeitszeit runter will. Könnten Sie doch inzwischen 100000e potentielle Mitglieder mehr haben, da die Arbeit auf mehr Schultern verteilt wird.

Bastel

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3003 am: 06.10.2022 12:27 »
Hier könnte Verdi doch jetzt mit einem Doppel-Wumms Pluspunkte sammeln! Einmalzahlung (bis zu 3000 EUR) im Januar steuerfrei für TV-L und TvÖD, in einem extra Tarifabschluss für beide Bereiche gemeinsam.

Aha.
Und dann erklärt man dem Elektriker (oder Verkäuferin, oder, oder...), die alle samt Mindestlohn, 24 Tage Urlaub, keine Gleitzeit, keine Sonderzahlungen und vielleicht noch den einen oder anderen Minijob usw. haben: "Hey, das haben wir uns verdient...!"
Ehrlich - was für eine infantile Idee.
Nicht vergessen, dass TV-L auch Lehrerinnen beinhaltet, die während Corona zu 90% das Gleiche gemacht haben wie die Kinder - nämlich Nichts!
Auch nicht vergessen, dass das Geld, was der ÖD kostet, irgendwo erwirtschaftet werden muss.
Ich hoffe ernsthaft, dass sich die Verdi zurücknimmt.

Guten Tag

Welcher Elektriker verdient bitte Mindestlohn!? Gerade technische/handwerkliche Berufe werden in der pW zum GROßEN Teil deutlich besser entlohnt als im öD. Wir finden einfach keine Leute für das gebotene.
Sicherlich gibt es Leute im öD, die im Vergleich zur PW gut bezahlt werden - aber der Fachkräftemangel in den o.g. Bereichen ist halt immens, eben weil wir zumind. mit dem Tarifentgelt nicht gegen die PW ankommen. Und alles ab E9 ist auch immer schwerer zu besetzen und benötigt gern auch mal 1 Jahr und länger, bis sich jemand findet (bzw. dazu herablässt).

Es wird keine Einmalzahlung im öD geben. Das ist Fakt. Und wenn nur als Verhandlungsmasse für die Tarifverhandlung (was keiner will, der nicht 2023/2024 in Rente geht).

Und zum Thema TV-L und Lehrer:innen ist ja wohl ein schlechter Scherz. Was da alles im Hintergrund läuft und wie der Arbeitsalltag wirklich aussieht, verkennst du. Wie wäre es mit weniger Stammtischparolen?!

Was mit aber interessieren würde: Was verstehst du denn mit dem Satz, dass sich Verdi zurückhalten sollte? Links und Rechts gibt es Tarifsteigerungen - teils gibt es mehr Lohn selbst ohne Tarifvertrag. Wenn der öD aber effizienter werden soll, benötigt es Digitalisierung und Fachkräft. Die findest du aber nicht mit der aktuellen Bezahlung. Wir kämpfen doch hier nicht nur gegen die Inflation an - wir kämpfen dagegen an, dass wir in vielen Bereichen (mind. ab E11) einfach so bescheiden bezahlen das du auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance hast.

Ja tut mir ja leid, aber ich kenne nun mal tatsächlich Elektriker, die KEINE 1.800,00 netto haben, gleichzeitig 40 Jahre Berufserfahrung und Angst vor Altersarmut.
Lehrerinnen: Das ist meine Beobachtung. Leider gibt es nur wenige (10%), die ihren Job wirklich ernst nehmen. Die (gute) Bezahlung sollte schon etwas mehr ermutigen.
Letzter Teil: Tarifsteigerungen gibt und gab es in der Vergangenheit regelmäßig. Die wenigsten Löhne in der produzierenden Wirtschaft durften in den letzten 5 Jahren derart gestiegen sein.
Zudem haben wir im ÖD zu den wenigen Glücklichen gehört, die durch Corona KEINERLEI Einbußen hatten. Im Gegenteil, sogar irgendeine dämliche Prämie gab es. Wofür?
Und jetzt? Zurückhaltung, wenigstens mal für eine Weile. Zufrieden sein, mit dem, was ist.
Ist den Meisten leider unbekannt - schade.

Gibt es hier jetzt schon bezahlte AG Trolle?

Wobei, im Osten hat man ja gelernt für die "Gemeinschaft" zu verzichten. Viel Spaß dabei.

citizen

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3004 am: 06.10.2022 12:27 »
Zitat
Und jetzt? Zurückhaltung, wenigstens mal für eine Weile. Zufrieden sein, mit dem, was ist.
Ist den Meisten leider unbekannt - schade.

Die Immobilität und das Scheitern anderer sind für mich keine Argumente für die Akzeptanz von Kaufkraftverlusten.

Davon abgesehen, ist jeder Beschäftigte im Öffentlichen Dienst gleichzeitig auch Bürger. Auch ich habe keinen Bock darauf, mir einen Urlaubstag für den Besuch im Bürgeramt einplanen zu müssen, dass 2/3. des Schulunterrichts meiner Kinder ausfallen, dass die Bearbeitung von Bauanträgen zwei Jahre dauert, dass das BAFA jegliche Fristen reißt, dass Autobahnbaustellen zehn Jahre dahindümpeln - weil einfach mittlerweile überall aufgrund der Arbeitsbedingungen ausreichendes Personal fehlt.

Volle Zustimmung, keine Frage.
Diese Zustandsbeschreibungen sind jedoch eher auf mangelnde Effektivität aufgrund fehlender Digitalisierung zurückzuführen.
Leider ist weder bei politischen Entscheidern, noch in den Verwaltungen selbst angekommen, dass Digitalisierung nicht nur Papierlosigkeit bedeutet, sondern den Umbau sämtlicher Prozesse.
Hierzu fehlt in allen Bereichen Willen, Zeit, KnowHow, gesetzl. Grundlagen.
Das hat aber eher weniger bis nichts mit mehr Bezahlung zu tun.
Das ginge auch mit (den meisten) Leuten, die bereits da sind.
Das ist zwar OffTopic, aber (wie man sieht) OZG wird scheitern (wenigstens in den nächsten 3 Jahren), Grundsteuerreform wird scheitern, genauso wie z.B. der "digitale Krankenschein".
Warum? Weil die Entscheider keinen blassen Schimmer von den Prozessen haben und gleichzeitig vollkommen beratungsresistent sind.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3005 am: 06.10.2022 12:28 »
Verstehe nicht, wieso Verdi nicht mit der Arbeitszeit runter will. Könnten Sie doch inzwischen 100000e potentielle Mitglieder mehr haben, da die Arbeit auf mehr Schultern verteilt wird.
Verdi hat auch jetzt schon viele potenzielle Mitglieder, die alle Verdi nicht wollen. Was bringt es Verdi, wenn das mehr werden?

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3006 am: 06.10.2022 12:36 »

Hierzu fehlt in allen Bereichen Willen, Zeit, KnowHow, gesetzl. Grundlagen.
Das hat aber eher weniger bis nichts mit mehr Bezahlung zu tun.
Zeit und Know How könnte (gewagte Vermutung meinerseits, crazy shit) adäquat bezahltes Personal mitbringen.


Leider ist weder bei politischen Entscheidern, noch in den Verwaltungen selbst angekommen, dass Digitalisierung nicht nur Papierlosigkeit bedeutet, sondern den Umbau sämtlicher Prozesse.

Erstmal bedarf es einer Abschaffung völlig überflüssiger Prozesse! Ein beschissener Analoger Prozess ist auch digital beschissen!

Bastel

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3007 am: 06.10.2022 12:38 »
Und deshalb werden Sie - und wie viele andere auch -als freie AN Ihren AG jetzt mal so richtig unter Druck setzen und mit erheblichen Konsequenzen drohen, wenn er Ihre Forderungen nicht erfüllt. Ach so - Sie verfügen über gar kein Droh-und Druckpotential ggü. Ihrem AG und er lacht sie - HAHAHA  ;D- aus ?

Das macht fast gar nichts; denn Sie befinden sich in guter Gesellschaft wie 95% der Nichtorgainsierten.Aus dieser Position heraus können Sie als freie AN aber ganz clever und entspannt immer noch auf das Mindestangebot Ihres AGs warten, das ja zufällig immer gleich hoch ist wie der Tarifabschluss. So übernimmt man Verantwortung als freie AN für sein Verhandlungsergebnis.

Ich hab meine Seele verkauft und mein Schicksal in die Hände des BVG gelegt. In das habe ich wesentlich mehr Vertrauen als in Verdi.


citizen

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3008 am: 06.10.2022 12:38 »


Gibt es hier jetzt schon bezahlte AG Trolle?

Wobei, im Osten hat man ja gelernt für die "Gemeinschaft" zu verzichten. Viel Spaß dabei.
[/quote]

Ja, Tschuldigung, dass ich möglicherweise nicht Ihrer Meinung bin.
Es ist ja heute leider Usus, alles mit anderen Ansichten zu verunglimpfen.
Vielleicht macht es ja doch Sinn, den Solidaritätsgedanken nicht ganz zu vergessen, um der Gesellschaft den Neid- und Geizstachel wenigstens ein wenig zu ziehen.

JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3009 am: 06.10.2022 12:40 »
Neid ist eine Todsünde, wer dazu neigt, ist charakterschwach. Es besteht kein Anlass zur "Solidarität" mit sündhaften, charakterschwachen Menschen.

Herbert Meyer

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3010 am: 06.10.2022 12:44 »
Zitat
Ja, Tschuldigung, dass ich möglicherweise nicht Ihrer Meinung bin.
Es ist ja heute leider Usus, alles mit anderen Ansichten zu verunglimpfen.
Vielleicht macht es ja doch Sinn, den Solidaritätsgedanken nicht ganz zu vergessen, um der Gesellschaft den Neid- und Geizstachel wenigstens ein wenig zu ziehen.

Der Solidaritätsgedanke besteht in einem gemeinsamen Arbeitskampf, der durchaus auch durch individuelle Verhandlungen getragen werden kann, für höhere Löhne. Der Solidaritätsgedanke besteht allerdings nicht darin, bundesweit auf höhere Löhne zu verzichten, weil die Verkäuferin in Bautzen nicht das Wissen / Mut / Elan hat, um für einen höheren Lohn einzutreten.

Kaiser80

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3011 am: 06.10.2022 12:46 »
Neid ist eine Todsünde, wer dazu neigt, ist charakterschwach.

Ach, konstruktiver Neid motiviert im Allgemeinen zu erhöhter Leistung und ist damit im Rahmen unserer marktwirtschaftlichen Gesellschaftsform von Vorteil. Alles eine Frage der Betrachtung.


JesuisSVA

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3012 am: 06.10.2022 12:51 »
Was sollte an einer Haltung, bei der jemand einem andern dessen Besitz oder Erfolg nicht gönnt und selbst haben möchte, "konstruktiv" sein? Es geht ja nicht allein darum, etwas haben zu wollen, was ein anderer hat. Es geht vielmehr darum, dem anderen das, was er hat, zu missgönnen.

citizen

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3013 am: 06.10.2022 13:01 »

Hierzu fehlt in allen Bereichen Willen, Zeit, KnowHow, gesetzl. Grundlagen.
Das hat aber eher weniger bis nichts mit mehr Bezahlung zu tun.
Zeit und Know How könnte (gewagte Vermutung meinerseits, crazy shit) adäquat bezahltes Personal mitbringen.


Leider ist weder bei politischen Entscheidern, noch in den Verwaltungen selbst angekommen, dass Digitalisierung nicht nur Papierlosigkeit bedeutet, sondern den Umbau sämtlicher Prozesse.

Erstmal bedarf es einer Abschaffung völlig überflüssiger Prozesse! Ein beschissener Analoger Prozess ist auch digital beschissen!

adäquat bezahltes Personal:
Das gibt es. Zugegebenermaßen, gerade in kleineren Häusern, jedoch meist vollkommen überlastet, weil zu wenig davon.
Prozesse:
Zu einem Umbau gehört selbstverständlich auch immer das Hinterfragen von Sinnhaftigkeiten.

Coffee86

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Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #3014 am: 06.10.2022 13:04 »
Zitat


Gibt es hier jetzt schon bezahlte AG Trolle?

Wobei, im Osten hat man ja gelernt für die "Gemeinschaft" zu verzichten. Viel Spaß dabei.

Ja, Tschuldigung, dass ich möglicherweise nicht Ihrer Meinung bin.
Es ist ja heute leider Usus, alles mit anderen Ansichten zu verunglimpfen.
Vielleicht macht es ja doch Sinn, den Solidaritätsgedanken nicht ganz zu vergessen, um der Gesellschaft den Neid- und Geizstachel wenigstens ein wenig zu ziehen.

Aber weiterhin brichst du ein strukturelles Problem auf einen Tarifvertrag, der 2,8 Mio Arbeitnehmer betrifft.

Und wo bleibt der Solidaritätsgedanke da!? Wir haben nicht nur Teamassistenzen, Buchhalter und Eletriker - sondern auch Leute die eben für Digitalisierung zuständig sind (oder sagen wir mal wir suchen sie zumindest ... ). Geh doch mal raus in die PW - Frag mal einen IT'ler ob er sich für 3,6k Brutto im Jahr anstellen lassen würde (das wird denen nämlich manchmal als Einstiegsgehalt geboten). Mit Perspektive auf 5,4-5,5k. Das ist halt ein schlechter Scherz, der sich kein PW Unternehmen trauen würde zu erzählen. Und bitte Vergleiche diese Leute nicht wieder mit einem 60 Jährigen Elektriker aus der östlichen Provinz der 1,8k Netto hat - das sind STRUKTURELLE Probleme die reines whataboutism sind.