Autor Thema: Tarifverhandlungen und die Inflation  (Read 489267 times)

JesuisSVA

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1,594
  • Karma: +322/-598
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4155 am: 21.11.2022 13:32 »
Mal angenommen, die AG hätten einen Sahnetag und würden uns 15 Prozent für ein Jahr und eine Einmalzahlung in Höhe von 3000 € geben, entgegen aller bisherigen Forderungen:

Werden im Umkehrschluss die fünf Kaffeekränzchen pro Tag aufgehoben oder zumindest reduziert, weil ja diesmal fürstlich erhöht worden ist? Oder werden die Mittagspausen wirklich dann jeden Tag nach 30 Minuten beendet? Oder wird durchgehend gearbeitet ohne einen Blick auf die privaten Mails, die Bildseite oder auf den Kicktipp zu richten? Oder wird im Homeoffice dem Briefträger nicht mehr die Tür geöffnet, gekocht, geduscht, geschlafen, ferngesehen?

Oder wie kommen hier manche drauf, dass sie ihren Einsatz runterfahren werden, weil vielleicht nur 5 Prozent verhandelt worden sind? Noch weniger Einsatz/Arbeit/Elan und der ÖD geht noch weiter den Bach hinunter als ohnehin schon!

PS: Natürlich werden gleich fünf Leute erklären, dass sie sowas nie machen und dass das Vorurteile sind. Nein, teilweise.

Ich leiste vertragsgerecht Arbeit mittlerer Art und Güte und stehe dem Arbeitgeber die vereinbarte Arbeitszeit zur Verfügung. Aber die High-Performer-Zeiten, in denen bei jedem Zusatzprojekt "hier!" geschrien wurde und ich per Überstunden versucht habe, die Ressourcenprobleme meines Arbeitgebers zu mildern, sind vorbei. Zumindest bis es dem Arbeitgeber gelingt, entsprechende Anreize zu setzen. Und der unkreativste Weg wäre es nun mal, bei der nächsten Tarifverhandlung Wertschätzung durch einen vollen Inflationsausgleich auszudrücken. Aber es wird wieder auf ein Pfennigfuchsen hinauslaufen und in den Stellenanzeigen werden auch weiterhin die 6,65 Euro Vermögenswirksame Leistungen unter "Benefits" an erster Stelle stehen.

Wenn es ein nicht eingruppierungsrelevantes "Zusatzprojekt" ist, kann der Arbeitgeber das ja auch einfach im Rahmen seines Direktionsrechts anordnen. Die Nachfrage, ob jemand eine Präferenz dafür hat, ist also eine reine Nettigkeit des Arbeitgebers. Ebenso ist es mit Überstunden. Das sind ja vom Arbeitgeber angeordnete Arbeitsstunden, die nicht ausgeglichen worden sind. Und zumindest Vollzeitbeschäftigte sind ja bei betrieblicher Notwendigkeit tariflich zur Ableistung verpflichtet, was es ja ebenso ins Ermessen des Arbeitgebers und nicht des Arbeitnehmers stellt.

Britta2

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 413
  • Karma: +45/-813
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4156 am: 21.11.2022 16:36 »
Die Mschinerei Agitation un Propaganda starten bereits - gegen den ÖD.
Vor paar Minuten TV n-tv:   "VERDIfordert für die Beschäftigten er Post 15 Prozent mehr --- was erstmal nicht schlimm ist, denn in der Vergangenheit waren die Abschlüsse am Ende immer um die Hälfte der ursprünglichen Forderungen - aber falls der Abschluss dieses Mal ausnahmsweise höher oder gar mehr als 8% wäre, dann wäre das seeeeeeeeehr (langsam und mit Betonung ausgesprochen!) schlecht".
Dann wissen wir ja, was an dramatischer Berichterstattung spätestens ab januar zu erwarten sein wird - auf sämtlichen "unabhängigen neutralen" Medien im ganzen Land ...

Organisator

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4,170
  • Karma: +383/-944
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4157 am: 21.11.2022 16:42 »
Die Mschinerei Agitation un Propaganda starten bereits - gegen den ÖD.
Vor paar Minuten TV n-tv:   "VERDIfordert für die Beschäftigten er Post 15 Prozent mehr --- was erstmal nicht schlimm ist, denn in der Vergangenheit waren die Abschlüsse am Ende immer um die Hälfte der ursprünglichen Forderungen - aber falls der Abschluss dieses Mal ausnahmsweise höher oder gar mehr als 8% wäre, dann wäre das seeeeeeeeehr (langsam und mit Betonung ausgesprochen!) schlecht".
Dann wissen wir ja, was an dramatischer Berichterstattung spätestens ab januar zu erwarten sein wird - auf sämtlichen "unabhängigen neutralen" Medien im ganzen Land ...

Inwiefern ist n-tv denn ein unabhängiges neutrales Medium?

Verwaltungsbetriebswirt

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 57
  • Karma: +5/-11
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4158 am: 21.11.2022 16:58 »

... Aber es wird wieder auf ein Pfennigfuchsen hinauslaufen und in den Stellenanzeigen werden auch weiterhin die 6,65 Euro Vermögenswirksame Leistungen unter "Benefits" an erster Stelle stehen.

Und Jobrad :)

WasDennNun

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 9,469
  • Karma: +621/-5455
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4159 am: 21.11.2022 17:08 »
Die Mschinerei Agitation  ...
Apropro:
Auch dafür gibt es längst Urteile von Amtsgerichten - zu Gunsten von An!
Wann lieferst du die Gerichtsurteile nach, damit wir sie für uns verwenden können?

Matti101

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 136
  • Karma: +17/-97
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4160 am: 21.11.2022 18:22 »
...wenn sich finanziell nichts tut, können wir nur unser Engagement herunterfahren, z. B. habe ich in der Verwaltung nebenher tschechisch-deutsch übersetzt, wenn es gebraucht wurde. Das ist freiwillig und nicht Vertragsbestandteil. Zudem bin ich freiwillig in einer Fach AG Wohnungsnotfallhilfe / Schuldnerberatung. Auch das ist vertrraglich für mich nicht verpflichtend. Ich werde nicht mehr daran teilnehmen. Bei uns gibt es auch Rufbereitschaften auf freiwilliger Basis, war ich selbst zwar nie dabei - aber Kollegen haben schon angekündigt, dies aufzugeben. In einem vorgenannten Beitrag hatte ein Lehrer berichtet, dass er nebenher noch eine Schülerband betreut und sich dazu bekannt, dass er das aufgeben wird. Finde ich super....

....und so hat bestimmt jeder seine Nischen, wo er / sie als Beschäftigter etwas herunterfahren kann, ohne vertragsbrüchig zu werden.

Und im positiven Umkehrschluss möchte ich auch sagen, dass ich gern bereit bin, mein Engagement bei akzeptabler Bezahlung / mindestens Inflationsausgleich wieder hochzufahren und bei meiner Arbeit über den Tellerrand hinaus zu blicken.

JesuisSVA

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1,594
  • Karma: +322/-598
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4161 am: 21.11.2022 18:33 »
Sofern „freiwillig“ nicht bedeutet, dass Du das in Deiner Freizeit getan hast, sehe ich nichts, was den Arbeitgeber daran hinderte, es im Rahmen seines Direktionsrechts anzuweisen, es sei denn, es wäre eingruppierungsrelevant. Das gleiche gilt für Rufbereitschaften, die der Arbeitgeber einseitig anweisen kann, wenn sich keine „Freiwilligen“ finden. Die Beschäftigten sind ja tariflich dazu verpflichtet.

WasDennNun

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 9,469
  • Karma: +621/-5455
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4162 am: 21.11.2022 18:40 »
Hauptsache das traumatisiert die Leute nicht so sehr, dass ihr Arbeitsleistung dadurch sinkt.

JesuisSVA

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1,594
  • Karma: +322/-598
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4163 am: 21.11.2022 18:44 »
Wer durch die rechtmäßige Ausübung des Direktionsrechts traumatisiert wird, ist für den ersten Arbeitsmarkt ungeeignet.

Matti101

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 136
  • Karma: +17/-97
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4164 am: 21.11.2022 18:49 »
....mit der AU ist es eine grenzwertige Sache, wobei letztendlich der Arzt die Verantwortung für Diagnose und Attest übernimmt. Insofern sehe ich in der AU kein betrügerisches Verhalten. Zudem hat ja der Arbeitgeber bei Zweifeln die Möglichkeit der amtsärztlichen Überprüfung. In meinen 20 Jahren in der Verwaltung habe ich eine Überprüfung der AU noch nie erlebt. Wer den Schein abgegeben hat, ist zu Hause geblieben und damit Pasta.

Auch beim Thema Kinderpflege - springt eben in Zukunft nicht mehr die Oma ein, damit Mama und Papa in der Verwaltung arbeiten gehen können, sondern Mama oder Papa bleiben mit dem regulären Kinderpflegeschein beim Kind zu Hause, immerhin 20 Tage im Jahr.

Matti101

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 136
  • Karma: +17/-97
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4165 am: 21.11.2022 18:55 »
....keiner kann mich im Rahmen des Direktionsrechts anweisen, meine privat erworbenen tschechischen Sprachkenntnisse einzubringen. Sprachmittlertätigkeiten sind nicht Bestandteil meines Arbeitsvertrages bzw. meiner Stellenbeschreibung.

BAT

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3,081
  • Karma: +220/-1550
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4166 am: 21.11.2022 18:56 »
Meine Bildungsurlaub habe ich letztes Mal 1999 genommen. ;)

JesuisSVA

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1,594
  • Karma: +322/-598
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4167 am: 21.11.2022 18:59 »
....mit der AU ist es eine grenzwertige Sache, wobei letztendlich der Arzt die Verantwortung für Diagnose und Attest übernimmt. Insofern sehe ich in der AU kein betrügerisches Verhalten. Zudem hat ja der Arbeitgeber bei Zweifeln die Möglichkeit der amtsärztlichen Überprüfung. In meinen 20 Jahren in der Verwaltung habe ich eine Überprüfung der AU noch nie erlebt. Wer den Schein abgegeben hat, ist zu Hause geblieben und damit Pasta.

Auch beim Thema Kinderpflege - springt eben in Zukunft nicht mehr die Oma ein, damit Mama und Papa in der Verwaltung arbeiten gehen können, sondern Mama oder Papa bleiben mit dem regulären Kinderpflegeschein beim Kind zu Hause, immerhin 20 Tage im Jahr.
Wenn es sowas wie einen „regulären Kinderpflegeschein“ gäbe, wäre das bestimmt toll. Gibt es aber nicht. Und sofern damit Die unbezahlte Freistellung mit Anspruch auf Kinderkrankengeld gemeint ist, so ist die ja unbezahlt und wirkt sich sogar noch positiv auf den Haushalt des Arbeitgebers aus.

Die Vorlage einer Bescheinigung über eine Arbeitsunfähigkeit ohne Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit mit der Absicht, für seine Abwesenheit Entgeltfortzahlung zu erschleichen, ist Betrug.

JesuisSVA

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1,594
  • Karma: +322/-598
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4168 am: 21.11.2022 19:00 »
....keiner kann mich im Rahmen des Direktionsrechts anweisen, meine privat erworbenen tschechischen Sprachkenntnisse einzubringen. Sprachmittlertätigkeiten sind nicht Bestandteil meines Arbeitsvertrages bzw. meiner Stellenbeschreibung.

Na klar kann der Arbeitgeber das. Wie Du nützliche Fertigkeiten erworben hast, ist dafür völlig irrelevant.

Matti101

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 136
  • Karma: +17/-97
Antw:Tarifverhandlungen und die Inflation
« Antwort #4169 am: 21.11.2022 19:04 »
....keiner kann mich im Rahmen des Direktionsrechts anweisen, meine privat erworbenen tschechischen Sprachkenntnisse einzubringen. Sprachmittlertätigkeiten sind nicht Bestandteil meines Arbeitsvertrages bzw. meiner Stellenbeschreibung.

Na klar kann der Arbeitgeber das. Wie Du nützliche Fertigkeiten erworben hast, ist dafür völlig irrelevant.

...träum weiter  ;D ;D ;D