Tarifrunde TVöD 2025 - Diskussion II

Begonnen von Admin, 17.02.2025 21:39

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UNameIT

Zitat von: cyrix42 in 02.03.2025 02:02
Du kannst nachvollziehen, dass man in erster Linie will, dass der Nachbar, dem man es missgönnt, sich nicht das Brötchen leisten kann, anstatt, dass man irgendein sinnvolles Argument anbringt, warum man selbst mehr erhalten sollte?!

Spannend...

Selbst bei den Beamten wird verstanden, das ein Einheitsgehalt unfair wäre, den man muss "ihm nach seinem Dienstrang, nach der mit seinem Amt verbundenen Verantwortung " bezahlen.

Ganz einfach Gehalt richtet sich nach Qualifikationen, Verantwortung und Bedarf.  Warum? Weil Qualifikation Geld und Zeit kostet, Verantwortung kostet Leistungsbereitschaft und Sorgfalt.

Schau dir die Verantwortung eines ungelernten Paketeinpakers an -schlimmstenfalls bekommt ein Kunde das falsche Produkt. Bei einem Friseur gibt es für wie Sand am Meer und was ist das schlimmste? Die Frisur sieht kacke aus . Wie ist das bei einer Pflegefachkraft ? Da hängen Leben von ab. Und jetzt stellst du dich hin und siehst diese Verantwortung nicht als relevant an?

Wieso sollte irgendjemand weiter seinen anspruchsvollen Job machen, wenn es irgendwann ein Einheitsgehalt gibt. Siehe fehlende Führungskräfte im TVöD

xirot

Zitat von: cyrix42 in 01.03.2025 19:03

Vielleicht sinnvolle Argumente auspacken, warum deine Tätigkeit besser bezahlt werden sollte? Z.B., damit der Job attraktiver wird, weil mehr Pflegekräfte benötigt werden.


Was ist das für einen Schwachsinn. Erst Mindestlohn erhöhen und dann argumentierst du, dass man die Lohnabstände wieder einführt - nämlich mit den gleichen Argumenten warum auch jetzt diese Abstände existieren und durch den 12€ Mindestlohn schon angegriffen wurden. Muhahahaha.

xirot

Zitat von: cyrix42 in 02.03.2025 02:02
Du kannst nachvollziehen, dass man in erster Linie will, dass der Nachbar, dem man es missgönnt, sich nicht das Brötchen leisten kann, anstatt, dass man irgendein sinnvolles Argument anbringt, warum man selbst mehr erhalten sollte?!

Spannend...

Du unterstellst Blödsinn. Wie soll sich dein komischer nicht qualifizierter Nachbar ein Brötchen beim Bäcker leisten können wenn Brötchenverkäufer immer höhere Mindestlöhne erhalten sollen? Ein mal mit Profis hier schreiben - echt mal! Vielleicht ist dein Minderleister auch zufrieden mit dem Aldibrötchen. Es meckert ja auch keiner, dass 12€ Jobber kein Haus kaufen können oder am ADW Urlaub machen können. Das Brötchenbeispiel wurde dem Habecht übrigens schön von einem Bäcker im Rahmen der Wahlkampfsendungen vorgerechnet.

xirot


cyrix42

Das "Argument" war: Mindestlohn steigt --> Ich will mehr. Und das ist Blödsinn, weil die Wertigkeit der eigenen Arbeit nicht davon abhängt, was irgendwer anderes bekommt. Oder wie ist der Zusammenhang zwischen dem, was du erwirtschaftest, und dem, was für ein gesellschaftliches Minimum für eine Erwerbstätigkeit angesehen wird? Wenn es da einem gibt, dann bekommst du wohl Mindestlohn...

xirot

Zitat von: cyrix42 in 02.03.2025 09:19
Das "Argument" war: Mindestlohn steigt --> Ich will mehr. Und das ist Blödsinn, weil die Wertigkeit der eigenen Arbeit nicht davon abhängt, was irgendwer anderes bekommt. Oder wie ist der Zusammenhang zwischen dem, was du erwirtschaftest, und dem, was für ein gesellschaftliches Minimum für eine Erwerbstätigkeit angesehen wird? Wenn es da einem gibt, dann bekommst du wohl Mindestlohn...

Nö. Das Argument war, dass Arbeit entsprechend Qualifikation und Leistung unterschiedlich entlohnt wird.

Zitat von: cyrix42 in 02.03.2025 09:19
Und das ist Blödsinn

Was nur deine Behauptung ist.

Zitat von: cyrix42 in 02.03.2025 09:19
die Wertigkeit der eigenen Arbeit nicht davon abhängt, was irgendwer anderes bekommt.

Stimmt. Warum sollte also dann der Mindestlohn steigen nur weil andere mehr verdienen und dadurch teurere dinge kaufen können?

Zitat von: cyrix42 in 02.03.2025 09:19
Oder wie ist der Zusammenhang zwischen dem, was du erwirtschaftest, und dem, was für ein gesellschaftliches Minimum für eine Erwerbstätigkeit angesehen wird?

Es gibt keinen Zusammenhang.

2strong

Zitat von: cyrix42 in 02.03.2025 09:19
Oder wie ist der Zusammenhang zwischen dem, was du erwirtschaftest, und dem, was für ein gesellschaftliches Minimum für eine Erwerbstätigkeit angesehen wird?
Zum einen inflationieren die Lohnkosten in bestimmten Segmenten durch die kräftige Anhebung des Mindestlohns um den Faktor 5 der allgemeinen Lohninflation. Die erhöhten Herstellungskosten müssen aber auch von denjenigen getragen werden, die selbst nur Lohninflation auf allgemeinem Niveau erfahren.
Zum anderen - und gewichtiger - wird gering qualifizierte Arbeit dadurch zunehmend teurer. Im Zweifel wird sie dadurch nicht mehr angeboten. Und dadurch verlören alle.

Im Übrigen sehe ich auch nicht, weshalb ein Mindestlohn langfristig (also inkl. von ihm ableitbarer Altersversorgung) existenzsichernd sein sollte. Niemand ist gezwungen, ein Berufsleben lang Mindestlohn zu beziehen. Es steht offen, sich zu qualifizieren und durch Positionswechsel höhere Löhne zu erzielen oder auch sich selbstständig zu machen.

MoinMoin

Zitat von: cyrix42 in 02.03.2025 09:19
Das "Argument" war: Mindestlohn steigt --> Ich will mehr. Und das ist Blödsinn, weil die Wertigkeit der eigenen Arbeit nicht davon abhängt, was irgendwer anderes bekommt. Oder wie ist der Zusammenhang zwischen dem, was du erwirtschaftest, und dem, was für ein gesellschaftliches Minimum für eine Erwerbstätigkeit angesehen wird? Wenn es da einem gibt, dann bekommst du wohl Mindestlohn...
Der Zusammenhang wurde mehrfach beschrieben.
Die Wertigkeit einer Tätigkeit steht niemals für sich alleine, steht immer im Zusammenhang mit anderen Tätigkeiten.

Und natürlich ist es absolut kein Blödsinn, wenn man feststellt, dass wenn der Mindestlohn steigt, was ein Indiz dafür ist, dass die eigenen Entlohnung nicht mehr so viel Wert ist und man deswegen mehr Lohn fordert.
Man fordert nicht mehr Geld, weil der andere mehr Geld bekommt, sondern man fordert mehr Geld, weil festgestellt wurde, dass das gesellschaftliches Minimum für eine Erwerbstätigkeit gestiegen ist und somit meine eigene Arbeit weniger "Wert" ist.

Wenn man 50% seines Gehaltes für eben dieses Minimum aufbringt und 50% (oder meinetwegen einen Nominellen Betrag 1000€) "zur freien Verfügung hat".
Und man dann ein objektives Kriterium anbringt, nämlich die Steigerung des Mindestlohnes, dann kann man damit feststellen, dass man nur noch 40% (bzw 800€) zur freien Verfügung hat, die Bezahlung also in der "Wertigkeit" gesunken ist, dann ist es durchaus absolut kein Blödsinn, wenn man fordert:
Ich will mehr Geld, damit ich wieder 1000€ für mich haben.


MoinMoin

Zitat von: 2strong in 02.03.2025 10:09Zum anderen - und gewichtiger - wird gering qualifizierte Arbeit dadurch zunehmend teurer. Im Zweifel wird sie dadurch nicht mehr angeboten. Und dadurch verlören alle.
Nein, sie gehen nicht verloren, sondern siee gehen woanders hin, weil sie es nicht mehr Wert sind, gemacht zu werden, weil man sie nicht bezahlen will.

Zitat
Im Übrigen sehe ich auch nicht, weshalb ein Mindestlohn langfristig (also inkl. von ihm ableitbarer Altersversorgung) existenzsichernd sein sollte. Niemand ist gezwungen, ein Berufsleben lang Mindestlohn zu beziehen. Es steht offen, sich zu qualifizieren und durch Positionswechsel höhere Löhne zu erzielen oder auch sich selbstständig zu machen.
Natürlich, aber wenn man der Meinung ist, das es ok ist, dass Arbeit zu einen Preis angeboten wird, der es einen nicht erlaubt, davon zu existieren und man um zu überleben 60h die Woche dauerhaft arbeiten muss oder von Almosen abhängig ist (Tafel, Bürgergeld, ...), dann kann man so argumentieren.

Bleib halt die Frage, wie hoch der Mindestlohn sein muss, damit man damit über die Runden kommt und nicht von Almosen abhängig ist (als Single).

Und wenn ich 206h im Monat arbeiten kann (48h Woche), dann habe ich mit 12€ schon 2472€ Bruttolohn erreichen, das sollte reichen.

Ramirez

Zitat von: Gifty in 28.02.2025 10:37
Zitat von: KlammeKassen in 28.02.2025 09:05

Der Staat lebt das gerade wieder perfekt vor......
CDU fragt nach NGO Finanzierung und Grüne, Linke und SPD empören sich.... was zur Hölle
Ist doch vollkommen legitim zu fragen, was mit Steuergeldern passiert; insbesondere wenn sich diese noch politisch einmischen....

Naja sich mit "Omas gegen Rechts" anlegen, weil man die Demonstrationen nicht gut fand... ist halt auch ein bisschen beleidigte Leberwurst spielen.

Mal abgesehen davon, dass die CDU stetig in Korruptionsskandalen auftritt - ein bisschen "wild" dann bei anderen aufräumen zu wollen, aber selber nicht ganz sauber zu sein. Wobei sie es gerne zeigen dürfen, sich gebessert zu haben.

Böse Verniedlichung.
Es geht um massive Korruption im Milliardenbereich. Die demokratiefeindliche Bekämpfung der demokratischen Opposition durch Steuergelder ist ein Riesenskandal. In einem funktionierenden Rechtsstaat würde es nun Anklagen hageln.

yogiii

Zitat von: 2strong in 02.03.2025 10:09
...
Im Übrigen sehe ich auch nicht, weshalb ein Mindestlohn langfristig (also inkl. von ihm ableitbarer Altersversorgung) existenzsichernd sein sollte. Niemand ist gezwungen, ein Berufsleben lang Mindestlohn zu beziehen. Es steht offen, sich zu qualifizieren und durch Positionswechsel höhere Löhne zu erzielen oder auch sich selbstständig zu machen.

Gehen wir mal zurück in die Zeit vor dem Mindestlohn:
Was passiert, wenn eine Person Vollzeit arbeitet (40h/Woche) und der Lohn trotzdem unterhalb der Existenzsicherung liegen würde (da kein Mindestlohn vorhanden). Die Person würde aufstockend Bürgergeld bekommen.

=> Der Staat (und somit die Steuerzahler) würden also anteilig die Lohnkosten von Unternehmen tragen, welche Personen im Niedriglohn beschäftigen.

Allein aus dem Grund sollte der Staat sowie wir Steuerzahler daran interessiert sein, dass eine vollzeitbeschäftigte Person von ihrem Einkommen existenzsichert leben kann.

Aber das sind wieder diese Debatten wo wir alle nach unten treten...

Eukalyptus

Zitat von: yogiii in 02.03.2025 19:26
..
Gehen wir mal zurück in die Zeit vor dem Mindestlohn:
Was passiert, wenn eine Person Vollzeit arbeitet (40h/Woche) und der Lohn trotzdem unterhalb der Existenzsicherung liegen würde (da kein Mindestlohn vorhanden). Die Person würde aufstockend Bürgergeld bekommen.

=> Der Staat (und somit die Steuerzahler) würden also anteilig die Lohnkosten von Unternehmen tragen, welche Personen im Niedriglohn beschäftigen.

Allein aus dem Grund sollte der Staat sowie wir Steuerzahler daran interessiert sein, dass eine vollzeitbeschäftigte Person von ihrem Einkommen existenzsichert leben kann.

Aber das sind wieder diese Debatten wo wir alle nach unten treten...

Die These dass [alle] Arbeitnehmer die unter dem [damals nicht existierenden] Mindestlohnniveau liegen aufstockend Sozialleistungen [tatsächlich] bekommen! würden, ist eine These. Die These mag sogar zu einem gewissen Grad zutreffend sein - den Sachverhalt aber als gegeben hinzustellen und damit den Mindestlohn begründen zu wollen, trägt argumentativ nicht.

Aus meiner persönlichen Erfahrung (und damit keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit erhebend) heraus: Nach Einführung des Mindestlohnes sind die gering bezahlten Stellen die ich kannte gleich oder bei der nächsten Mindestlohnerhöhung weggefallen. Dann gab es eben diese Leistungen im Servicesektor nicht mehr für die Kunden, basta. Die Stelleninhaber (die übrigens kein Hartz IV aufstockend bezogen) wurden gleich oder perspektivisch arbeitslos.

Zu guter Letzt: Das "Argument" "nach unten treten" ist nichts anderes als der moralisch verbrämte Satz: "Das dürft ihr nicht sagen!!". Wenn die eigenen Argumente nicht tragen, muss man halt zu Gefühlen greifen...

xirot

Zitat von: yogiii in 02.03.2025 19:26
Zitat von: 2strong in 02.03.2025 10:09
...
Im Übrigen sehe ich auch nicht, weshalb ein Mindestlohn langfristig (also inkl. von ihm ableitbarer Altersversorgung) existenzsichernd sein sollte. Niemand ist gezwungen, ein Berufsleben lang Mindestlohn zu beziehen. Es steht offen, sich zu qualifizieren und durch Positionswechsel höhere Löhne zu erzielen oder auch sich selbstständig zu machen.

Gehen wir mal zurück in die Zeit vor dem Mindestlohn:
Was passiert, wenn eine Person Vollzeit arbeitet (40h/Woche) und der Lohn trotzdem unterhalb der Existenzsicherung liegen würde (da kein Mindestlohn vorhanden). Die Person würde aufstockend Bürgergeld bekommen.

=> Der Staat (und somit die Steuerzahler) würden also anteilig die Lohnkosten von Unternehmen tragen, welche Personen im Niedriglohn beschäftigen.

Allein aus dem Grund sollte der Staat sowie wir Steuerzahler daran interessiert sein, dass eine vollzeitbeschäftigte Person von ihrem Einkommen existenzsichert leben kann.

Aber das sind wieder diese Debatten wo wir alle nach unten treten...

Meine Frau hätte damals weder Aufstockung noch harz4 bekommen. Davon ab hast du das Problem angesprochen. Der Staat macht einzigartig auf der Welt die Schattulle auf. Das ist vielleicht ok bei Massenarbeitslosigkeit aber nicht bei Fachkräftemangel in so gut wie allen Ebenen.

Die Mindestlohn Erhöhungen dienen nur der indirekten Rentenkürzung für fachkräfte durch den ansteigenden Durchschnittsverdienst was zu weniger Punkte pro Jahr führt.

2strong

Zitat von: MoinMoin in 02.03.2025 10:35
Zitat von: 2strong in 02.03.2025 10:09Zum anderen - und gewichtiger - wird gering qualifizierte Arbeit dadurch zunehmend teurer. Im Zweifel wird sie dadurch nicht mehr angeboten. Und dadurch verlören alle.
Nein, sie gehen nicht verloren, sondern siee gehen woanders hin, weil sie es nicht mehr Wert sind, gemacht zu werden, weil man sie nicht bezahlen will.
Im Gegensatz zu Dir verschreibe ich mich nicht in jedem dritten Wort. In meiner Aussage geht also nichts "verloren", sondern bei zu hohem Mindestlohn werden Arbeitsplätze für Geringqualifizierte nur noch in geringerem Umfang angeboten, so dass der Arbeitgeber daran nichts verdienen kann, der Arbeitnehmer nichts verdienen kann und der Staat im Zweifel zusätzliche Sozialtransfers leisten muss - alle "verlören".


2strong

Zitat von: MoinMoin in 02.03.2025 10:35
Zitat von: 2strong in 02.03.2025 10:09
Im Übrigen sehe ich auch nicht, weshalb ein Mindestlohn langfristig (also inkl. von ihm ableitbarer Altersversorgung) existenzsichernd sein sollte. Niemand ist gezwungen, ein Berufsleben lang Mindestlohn zu beziehen. Es steht offen, sich zu qualifizieren und durch Positionswechsel höhere Löhne zu erzielen oder auch sich selbstständig zu machen.
Natürlich, aber wenn man der Meinung ist, das es ok ist, dass Arbeit zu einen Preis angeboten wird, der es einen nicht erlaubt, davon zu existieren und man um zu überleben 60h die Woche dauerhaft arbeiten muss oder von Almosen abhängig ist (Tafel, Bürgergeld, ...), dann kann man so argumentieren.

Bleib halt die Frage, wie hoch der Mindestlohn sein muss, damit man damit über die Runden kommt und nicht von Almosen abhängig ist (als Single).

Und wenn ich 206h im Monat arbeiten kann (48h Woche), dann habe ich mit 12€ schon 2472€ Bruttolohn erreichen, das sollte reichen.
Wenn man mit dem Geld den Lebensunterhalt nicht bestreiten kann, hat man grundsätzlich die Möglichkeit, sich etwas Besseres zu suchen. Wenn das nicht erfolgreich ist, besteht in der Regel die Möglichkeit von ergänzendem Sozialtransfer. Es ist jedenfalls nicht nachvollziehbar, weshalb es besser sein sollte, sich den gesamten Lebensunterhalt von Dritten bezahlen zu lassen, als nur den unbedingt notwendigen Anteil.