Autor Thema: Erstattung von Rentenbeiträgen – Auswirkungen auf die Pension?  (Read 1300 times)

Melkweg

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Hallo zusammen,

kurz zu meinem Fall:
   •   ca. 1,5 Jahre als Tarifbeschäftigter im öD, danach Verbeamtung, seit 2022 Beamter auf Lebenszeit.
   •   Die Zeit als TB wurde mir für die Probezeit (BaL) angerechnet.
   •   Nun überlege ich, ob ich mir meine Rentenbeiträge erstatten lasse (Formular V0900).

Frage: Kann ich mir die Beiträge auszahlen lassen und die 1,5 Jahre trotzdem als ruhegehaltfähige Dienstzeit anrechnen lassen?

Hypothesen:
   1.   Erstattung und Anrechnung schließen sich aus (Zeit „verbraucht“).
   2.   Erstattung hat keine Auswirkung, weil § 10 BeamtVG nur auf die dienstrechtliche Bedeutung abstellt – ein Doppelvorteil entsteht erst bei Rentenbezug.
   3.   Es hängt davon ab, ob die Versorgungsstelle die Zeiten schon verbindlich festgestellt hat.

Meine Einschätzung: Am plausibelsten erscheint mir Variante 2: Beitragserstattung möglich, ohne Verlust der Anrechnung – weil ich ja keine Rente beziehen werde.

Hat jemand praktische Erfahrungen, wie die Versorgungsstellen damit umgehen?

shimanu

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Nr. 1 ist korrekt. VG

Asperatus

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Wurden vor den 1,5 Jahren als TB bereits Beiträge gezahlt? Wenn weniger als 5 Jahre Beiträge gezahlt wurde, ist die Wartezeit nicht erfüllt. Man hat keinen Anspruch auf eine gesetzliche Rente. Dann kann man sich die Beträge auszahlen lassen. Dies ist für die Pension unschädlich. Allerdings sollte man sich absolut sicher sein, dass man sein Beamtenverhältnis nicht mehr aufgeben möchte, denn alle Zeiten verfallen unumkehrbar (auch evtl. beitragsfreie anrechenbare Zeiten).

Bei dem Zusammentreffen von Rente mit Pension kommt es nicht darauf an, für welche Zeiten diese gewährt wird. So kann für die 1,5 Jahre als Tarifbeschäftigter (sofern man die Wartezeit durch vorherige rentenversicherungspflichtige Beschäftigungszeiten erfüllt) sowohl Rente als auch Pension bekommen. Sollte man jedoch betragsmäßig über den Höchstbetrag der Pension kommen, wird die Pension anteilig um die Höhe der Rente gekürzt.

Beispiel: 5 Jahre Tarifbeschäftigter, danach 35 Jahre Beamter, alles Vollzeit (insg. 40 Jahre). Ruhegehaltsfähige Dienstzeit max. 40 Jahre erreicht, Tarifbeschäftigtenzeit ist ruhegehaltsfähig. Wartezeit in der gesetzlichen Rentenversicherung erreicht. Anspruch Pension 71,75 % der letzten Bezüge, als Beispiel 3000 Euro. Rentenanspruch 500 Euro. Pension wird im 500 Euro gekürzt. In Summe hat erhält man immer noch 3000 Euro, nur von zwei Stellen.

Würde man jetzt beispielsweise 10 Jahre als Beamter auf 50 Prozent gehen, hätte man nur eine ruhegehaltsfähige Dienstzeit von 35 Jahre (5 + 25 + 10 * 0,5), für die Höchstgrenze zur Anrechnung der Rente gelten aber die 40 Jahre. Die Rentenzahlen füllen die Lücke. Es findet keine Anrechnung ("Ruhensregelung") statt.

gio

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Richtig lesen hilft :)

Umlauf

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... In Summe hat erhält man immer noch 3000 Euro, nur von zwei Stellen.


Wichtige Ergänzung:
Die bestehender Anspruch auf die gesetzliche Rente muss auch beantragt werden. Diese geht immer vor.
Wer sich denkt, das ist mit zu viel Arbeit, dann wird die Pension trotzdem gekürzt.

Eukaryot

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Die Zukunft der Sozialsysteme muss von der Demografie her gedacht werden. Eine stabile Bevölkerungsentwicklung ohne Zuwanderung wäre in einem Industriestaat nur bei einer Geburtenrate von etwa 2,1 Kindern je Frau gewährleistet. Das westliche Industrieland mit der höchsten Geburtenrate ist Frankreich mit rund 1,8 Kindern. Diese Rate reicht – kombiniert mit jährlich 200.000 bis 300.000 Zuwanderern und einer optimalen Anpassung der Systeme (z. B. Pflege- und nachbarschaftsorientierte Seniorenbetreuung auf kommunaler Ebene nach japanischem Vorbild sowie konsequente Digitalisierung) – nach gängigen Modellen gerade noch aus. Neuere, auf KI-gestützten Prognosen beruhende Modelle gehen davon aus, dass Sozialsysteme auch noch bei 1,6 bis 1,45 Kindern pro Frau und rund 150.000 jährlichen Zuwanderern stabilisiert werden können.

Deutschlands Geburtenrate liegt jedoch lediglich bei etwa 1,35 Kindern pro Frau. Damit ist der Sozialstaat bei moderater Zuwanderung selbst mit radikalster Digitalisierung langfristig nicht zu retten. Je stärker politische Kräfte Zuwanderung begrenzen wollen, desto höher müsste die Geburtenrate ausfallen, um die Systeme zu stabilisieren.

Es braucht daher Offenheit für neue Ideen, da alle postindustriellen Gesellschaften langfristig schrumpfen werden. Dies stellt ein historisch einmaliges Phänomen dar, das es in dieser Form in der Menschheitsgeschichte bislang nicht gegeben hat. Machen wor uns nichts vor. So viel Realismus muss sein. Dazu kommt, dass postindustrielle Gesellschaften mit veralteter Infrastruktur und überalterter Bevölkerung naturgemäß deutlich weniger innovationsfreudig und innovationsfähig sind.

Mit 1,35 Kindern pro Frau schrumpfen wir zum Trost aber immer noch langsamer als Südkorea mit 0,75.

Ihr könnt mir gerne widesprechen. Als ich letztens auf diesen Gedanken kam, wurde ich pessimistisch.

Alexander79

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Die Zukunft der Sozialsysteme muss von der Demografie her gedacht werden. Eine stabile Bevölkerungsentwicklung ohne Zuwanderung wäre in einem Industriestaat nur bei einer Geburtenrate von etwa 2,1 Kindern je Frau gewährleistet. Das westliche Industrieland mit der höchsten Geburtenrate ist Frankreich mit rund 1,8 Kindern. Diese Rate reicht – kombiniert mit jährlich 200.000 bis 300.000 Zuwanderern und einer optimalen Anpassung der Systeme (z. B. Pflege- und nachbarschaftsorientierte Seniorenbetreuung auf kommunaler Ebene nach japanischem Vorbild sowie konsequente Digitalisierung) – nach gängigen Modellen gerade noch aus. Neuere, auf KI-gestützten Prognosen beruhende Modelle gehen davon aus, dass Sozialsysteme auch noch bei 1,6 bis 1,45 Kindern pro Frau und rund 150.000 jährlichen Zuwanderern stabilisiert werden können.

Deutschlands Geburtenrate liegt jedoch lediglich bei etwa 1,35 Kindern pro Frau. Damit ist der Sozialstaat bei moderater Zuwanderung selbst mit radikalster Digitalisierung langfristig nicht zu retten. Je stärker politische Kräfte Zuwanderung begrenzen wollen, desto höher müsste die Geburtenrate ausfallen, um die Systeme zu stabilisieren.

Es braucht daher Offenheit für neue Ideen, da alle postindustriellen Gesellschaften langfristig schrumpfen werden. Dies stellt ein historisch einmaliges Phänomen dar, das es in dieser Form in der Menschheitsgeschichte bislang nicht gegeben hat. Machen wor uns nichts vor. So viel Realismus muss sein. Dazu kommt, dass postindustrielle Gesellschaften mit veralteter Infrastruktur und überalterter Bevölkerung naturgemäß deutlich weniger innovationsfreudig und innovationsfähig sind.

Mit 1,35 Kindern pro Frau schrumpfen wir zum Trost aber immer noch langsamer als Südkorea mit 0,75.

Ihr könnt mir gerne widesprechen. Als ich letztens auf diesen Gedanken kam, wurde ich pessimistisch.

Was hat das mit dem Thema zu tun?

Aber ich mache dich jetzt noch pessimistischer.
Grundsätzlich hast du recht, wir haben aber streng genommen keine Zuwanderung, sondern nur Flüchtlinge.
Diese Flüchtlinge können trotz das viele einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, ihre Lebenshaltungskosten nicht decken.
Daraus folgt das viele auch in der Rente auf zusätzliche Leistungen der Grundsicherung angewiesen sein werden.

Dadurch werden diese Flüchtlinge (nicht Zuwanderer) unsere Sozialkassen eher zusätzlich belasten, als das sie diese entlasten werden.

clarion

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Die meisten Flüchtlinge sind junge Leute, wenn sie 40 Jahre Vollzeit zum Mindestlohn arbeiten, sind die doch im Alter nicht auf Grundsicherung angewiesen.

Alexander79

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Die meisten Flüchtlinge sind junge Leute, wenn sie 40 Jahre Vollzeit zum Mindestlohn arbeiten, sind die doch im Alter nicht auf Grundsicherung angewiesen.

Ahja ...
Zitat:"Los geht es mit der Berechnung der Rente bei Mindestlohn 12,82€ nach 40 0der 45 Jahren Arbeit.

    Monatsrente nach 40 Jahren
        12,82€ x 8 x 5 x 4,32 = Monatseinkommen Brutto = 2.215€
        Jahreseinkommen 2.215€ x 12 = 26.580€
        Entgeltpunkte pro Jahr
            26.580€ ./. 50.493€ = 0,5264
            0,5264 EP x 40 Jahre = 21,0560 EP
            Monatsrente = 21,0560 x 39,32€ = 827,92€ Monatsrente Brutto
            Nettorente Auszahlbetrag = 827,92€ abzzgl. 12% KV und Pflege = 728,57€

Nach 40 Jahren Arbeit im Mindestlohn erhalten betroffene Rentner 728,57€ monatlich ausgezahlt. Eine Monatsrente die Altersarmut bedeutet."
https://rentenbescheid24.de/unfassbare-zahlen-soviel-rente-kriegt-man-mit-mindestlohn/#google_vignette

Also willst du mir erzählen 730€ ist eine Rente oberhalb der Grundsicherung?
Sprich man 730€ reichen zum Leben inklusive Miete, Strom etc?

InternetistNeuland

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Die meisten Flüchtlinge sind junge Leute, wenn sie 40 Jahre Vollzeit zum Mindestlohn arbeiten, sind die doch im Alter nicht auf Grundsicherung angewiesen.

In München erhält man 890 € Kaltmiete + 50 € Heizkosten + 563 € Grundsicherung.

Man müsste also ein Rente von 1503 € Netto haben um NICHT in der Grundsicherung zu landen.

Knecht

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Wie sind eigentlich die Chancen, dass die seltsame Dauer von 5 Jahren (über der ich knapp liege und meine Beiträge somit nicht erstatten lassen kann) irgendwann aufgehoben wird?

Alexander79

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Wie sind eigentlich die Chancen, dass die seltsame Dauer von 5 Jahren (über der ich knapp liege und meine Beiträge somit nicht erstatten lassen kann) irgendwann aufgehoben wird?
0,0%.
Ich liege leider auch drüber.
Bis zu einem gewissen Grad ist es auch nicht schädlich neben der Pension eine Rente zu beziehen.
Offiziell darfst du zwar nicht über 71,75 bekommen, aber durch den Zuschuss die die Rentenversicherung zu deiner PKV zahlt, erhälst du dann trotzdem über 71,75%.

InternetistNeuland

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Freiwillige Beiträge in die GRV gelten als private Altersvorsorge.

Sollte man also 3 Jahre Angestellter gewesen sein und 2 Jahre freiwillig einzahlen um auf die 5 Jahre zu kommen, so können die Leistungen aus den freiwilligen Beiträgen nicht angerechnet werden auf die Pension.

Knecht

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Wie sind eigentlich die Chancen, dass die seltsame Dauer von 5 Jahren (über der ich knapp liege und meine Beiträge somit nicht erstatten lassen kann) irgendwann aufgehoben wird?
0,0%.
Ich liege leider auch drüber.
Bis zu einem gewissen Grad ist es auch nicht schädlich neben der Pension eine Rente zu beziehen.
Offiziell darfst du zwar nicht über 71,75 bekommen, aber durch den Zuschuss die die Rentenversicherung zu deiner PKV zahlt, erhälst du dann trotzdem über 71,75%.

Interessant - noch nie von gehört. Was genau ist das für ein Zuschuss?

Umlauf

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Wie sind eigentlich die Chancen, dass die seltsame Dauer von 5 Jahren (über der ich knapp liege und meine Beiträge somit nicht erstatten lassen kann) irgendwann aufgehoben wird?
0,0%.
Ich liege leider auch drüber.
Bis zu einem gewissen Grad ist es auch nicht schädlich neben der Pension eine Rente zu beziehen.
Offiziell darfst du zwar nicht über 71,75 bekommen, aber durch den Zuschuss die die Rentenversicherung zu deiner PKV zahlt, erhälst du dann trotzdem über 71,75%.

Interessant - noch nie von gehört. Was genau ist das für ein Zuschuss?

Würde mich jetzt auch interessieren. Bei den Vorträgen der GZD hieß immer, dass es über die 71,75% nicht hinaus geht.