Bundesalimentationsgesetz

Begonnen von Admin, 15.04.2026 14:03

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Rheini

Ich habe in den letzten Jahren immer bei verschiedensten Sachen seitens der Politik hören müssen, dass moralisch zwar der Unmut nachvollziehbar ist, aber es halt Gesetze gibt und es so ist. Ich werfe mal die Verschonungsprüfung in den Raum, Cum Ex, Dieselgate, Erhöhung des Bürgergeldes, Aufstockerzahlungen usw. usw.

Nur wenn es um meine Bezüge geht höre ich öfters den Satz das es zwar Recht ist, aber moralisch gesehen ich doch verstehen muss, das es gerade nicht geht.

Nein Patrick, nein .....

PolareuD

Zitat von: Sputnik1978 in Gestern um 15:03Grundsätzlich ist diese Thematik ja eine juristische - aber glaubt jemand im Ernst, dass es bei der aktuellen Haushaltslage/Wirtschaftslage unabhängig von juristischen Argumenten irgendeine politische Initiative dafür geben wird, Beamten monatliche Besoldungserhöhungen im vierstelligen Bereich zuzubilligen. Das wäre politischer Selbstmord. Offen gestanden war ich überrascht, dass der Entwurf aus April bezogen auf die Grundbesoldung vergleichsweise großzügig daherkam. Da wird es im weiteren Verfahren - zumindest ab A11 - eher weniger als mehr.

Wenn du das 1,84xMÄE für den Landkreis München zu Grunde legst, ist man erst in der Besoldungsgruppe A15 oberhalb der Prekariatsschwelle angekommen.
Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.), röm. Redner u. Schriftsteller:
,,Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!"

Pumpe14

Also, ich habe nen Bekannten, der ist Anwalt für Verwaltungsrecht, sein Spezialgebiet ist zwar nicht Besoldung, aber er rät mir zu folgendem Vorgehen.

Ich muss vorweg schieben, dass ich erst seit 2 Jahren Widerspruch eingelegt habe. Nachdem ein mögliches Gesetz in Kraft ist, welches verfassungsrechtlich zumindest zweifelhaft ist, aber auf Grund dessen der Gesetzgeber die unteralimentierung der letzten Jahre als korrigiert erklärt, soll ich Antrag auf verfassungskonforme Besoldung für den gesamten Zeitraum ab 2021 stellen. Dieser wird dann per Bescheid abgelehnt - und gegen diesen Bescheid könnten dann Rechtsmittel eingelegt werden.

Er hält die Chance, dass ein Gericht die Klage auch für die vorherigen Jahre zulässt für 70/30 zu meinen Gunsten ,da der Umstand, dass die Bezüge mutmaßlich nicht verfassungsgemäß korrigiert wurden, erst mit dem neuen Gesetz ersichtlich ist.


Foxtrott

Ein Antrag auf verfassungskonforme Besoldung. Ich kann das alles nicht mehr.

NvB

Zitat von: Foxtrott in Gestern um 18:28Ein Antrag auf verfassungskonforme Besoldung. Ich kann das alles nicht mehr.

Der liegt neben dem Antrag auf Menschenwürdiges Leben und Recht auf Selbstbestimmung.

Zealord

Zitat von: Foxtrott in Gestern um 18:28Ein Antrag auf verfassungskonforme Besoldung. Ich kann das alles nicht mehr.
Glücklicherweise ist das völlig unnötig, da man schlicht und ergreifend einfach so Widerspruch gegen seine Besoldung einlegen kann, wie es jetzt ja auch schon praktiziert wird. Die dazugehörige Begründung erweitert man einfach um den Nachzahlungstatbestand, soweit der für ein Haushaltsjahr aktiv wird.

Pumpe14

Zitat von: NvB in Gestern um 18:34Der liegt neben dem Antrag auf Menschenwürdiges Leben und Recht auf Selbstbestimmung.

Es geht um einen möglichen Verfahrenswege, um nen Fuß in die Tür zu kriegen die eigentlich zu ist für Personen ohne Widerspruch.

OnkelU

Zitat von: Pumpe14 in Gestern um 20:47Es geht um einen möglichen Verfahrenswege, um nen Fuß in die Tür zu kriegen die eigentlich zu ist für Personen ohne Widerspruch.

Das ist Unfug. Zeolord kennt den richtigen Weg... Widerspruch einlegen, nicht Antrag stellen. Dein Bekannter scheint ein toller Experte zu sein ;)

Knecht

Zitat von: OnkelU in Gestern um 21:00Das ist Unfug. Zeolord kennt den richtigen Weg... Widerspruch einlegen, nicht Antrag stellen. Dein Bekannter scheint ein toller Experte zu sein ;)

Und vorsorglich bis zum St. Nimmerleinstag und gültig für alle aktuellen und zukünftigen verfassungswidrigen Gesetzte.

So einfach kann es sein sich Ansprüche zu sichern, die man dann nie erhält. Ein Hoch auf den Rechtsstaat .

nobbse

Zitat von Dobrint diese Woche im TV auf die Frage ob seine Grenzpolitik denn der Verfassung noch gerecht wird:
,,Vielleicht ist es auch einfach nur der Fehler der Politik wenn man glaubt, dass man immer Gerichtsentscheidungen vorweg denken oder abwarten könnte. Wir müssen Entscheidungen treffen wenn sie notwendig sind. Ausreden gibt es genug!"
Oweia, ein Hinweis auf das GG ist eine Ausrede? Na da wissen wir ja wo es lang geht. NvB hat diesen ,,Politiker-Sprech" ja auf Seite 84 treffend in ,,Normalo-Deutsch" übersetzt.

Swen, treffender Beitrag. Aber ob das alle verstehen? Ist ja auch kaum verständlich, dass dem Tiger schon im Babyalter, auch vom GG, die Zähne gezogen wurden. Aber... man hat die Krallen vergessen, die hat er nämlich noch.
Ich bin bereits über 50 Jahre Gewerkschaftsmitglied, und werde es auch bleiben, obwohl ich mich auch oft ärgern muss. Aber eine Arbeitwelt ohne den Einfluss der Gewerkschaften? Ein Blick in die Geschichte zur Industrialisierung reicht um das nicht zu wollen.

SwenTanortsch

Zitat von: nobbse in Gestern um 22:00Zitat von Dobrint diese Woche im TV auf die Frage ob seine Grenzpolitik denn der Verfassung noch gerecht wird:
,,Vielleicht ist es auch einfach nur der Fehler der Politik wenn man glaubt, dass man immer Gerichtsentscheidungen vorweg denken oder abwarten könnte. Wir müssen Entscheidungen treffen wenn sie notwendig sind. Ausreden gibt es genug!"
Oweia, ein Hinweis auf das GG ist eine Ausrede? Na da wissen wir ja wo es lang geht. NvB hat diesen ,,Politiker-Sprech" ja auf Seite 84 treffend in ,,Normalo-Deutsch" übersetzt.

Swen, treffender Beitrag. Aber ob das alle verstehen? Ist ja auch kaum verständlich, dass dem Tiger schon im Babyalter, auch vom GG, die Zähne gezogen wurden. Aber... man hat die Krallen vergessen, die hat er nämlich noch.
Ich bin bereits über 50 Jahre Gewerkschaftsmitglied, und werde es auch bleiben, obwohl ich mich auch oft ärgern muss. Aber eine Arbeitwelt ohne den Einfluss der Gewerkschaften? Ein Blick in die Geschichte zur Industrialisierung reicht um das nicht zu wollen.


So ist es, nobbse: Es gibt - bei aller Unterschiedlichkeit zwischen den einzelnen Fachgewerkschaften - genug, über dass man sich auch bei ihnen ärgern darf und wiederkehrend auch ärgern muss. Aber letztlich ist es zum einen so, wie Du es schreibst: Ohne das gewerkschaftliche Gegengewicht sieht die Sachlage i.d.R. selten besser aus. Dazu braucht man sich nur die Sachlage in den insbesondere Dienstleistungssektoren anschauen, in denen es keine Tarifvereinbarungen gibt.

Darüber hinaus macht sich zum anderen ein nicht geringer Teil derer, die wiederkehrend die Gewerkschaften als Teil des Problems betrachten, nicht klar, dass der größte Teil gewerkschaftlicher Arbeit im Rahmen des öffentlichen Diensts ehrenamtlich geschieht, und zwar nicht selten bis in die Funktionärsebene.

Und schließlich machen sich die meisten Kolleginnen und Kollegen, die noch nie die Arbeit der Verbände von innen gesehen haben, nicht klar, wie kleinteilig insbesondere hier die innere Arbeit abgestimmt werden muss. Das gilt sowohl für den DGB mit den acht Fachgewerkschaften unter seinem Dach mitsamt den neun Bezirken und 55 Regionen sowie 350 Kreis- und Stadtverbänden als auch für den dbb mitsamt den 41 Mitgliedsgewerkschaften, die hinsichtlich der Bundesleitung und Landesbünden ebenfalls allesamt unter einen Hut zu bringen sind. Gewerkschaftsarbeit und darin noch vielmehr Verbandsarbeit ist dabei regelmäßig klein- bis kleinstteilig, sodass auch Gewerkschaften und Verbände noch regelmäßig viel mehr dasselbe sind, was auch Parteien sind: nämlich Kompromissmaschinen, die dabei - je kontroverser ein Thema in und zwischen ihnen ist - zur Gemeinsamkeit wiederkehrend nur im Formelkompromiss zu bewegen sind. All das wirst Du nach über 50 Jahren Gewerkschaftsmitgliedschaft zur Genüge kennen.

Ich erinnere darüber hinaus alle anderen nur daran, wie kontrovers hier allein schon die Diskussion einer verhältnismäßig kleinen Zahl an Beteiligten in den letzten Tagen verlaufen ist, ob man nun den Spatz in der Hand oder die Taube auf'm Dach wählen sollte - und diese Diskussion ist dabei weitgehend "nur" über die grobe Linie geführt worden, ist also weitgehend noch gänzlich unbelastet von wirklich harter Kompromissfindung im Detail gewesen ist, von der insbesondere am Ende die Verbandsarbeit geprägt ist, die also wiederkehrend erheblich widerstreitende Interessen unter einen Hut bringen muss, die dann nicht selten in einem Formelkompromiss enden.

All das wird hier im Forum regelmäßig ausgeblendet, was zur Folge haben muss, dass der berechtigte Frust und Ärger, die Enttäuschung und Wut sowie nicht zuletzt auch wiederkehrend die Verzweiflung über die besoldungsrechtliche Situation in Bund und Ländern in nicht minder nachvollziehbaren Frust und Ärger, Enttäuschung und Wut sowie nicht zuletzt auch wiederkehrende Verzweiflung sowohl über Einzelgewerkschaften als auch über die Verbände mündet, dem man allerdings nur begegnen kann, indem man sich in ihnen engagiert, was wiederkehrend nicht minder genauso frustrierend ist, als wenn man es sein lässt. Nur tatsächlich ändern sowohl in Gewerkschaften und Verbänden als auch im Besoldungsrecht wird sich noch weniger, je weniger Kolleginnen und Kollegen sich gewerkschaftlich organisieren und sich gewerkschaftlich organisiert zur Wehr setzen, was wie gesagt weit überwiegend im Ehrenamt geschieht.

Gewerkschaftsarbeit wie auch Personalratsarbeit ist am Ende anstrengend, zeitaufwändig, wiederkehrend kleinteilig und nervenaufreibend, um nicht zu sagen: häufig frustrierend. Allerdings würde die Sachlage sowohl für Tarifbeschäftigte als auch für die Beamtenschaft noch einmal erheblich bescheidener aussehen, als sie es schon heute ist, wenn es sie nicht geben würde. Denn wer Durchregieren kann, weil er auf wenig oder gar keinen Widerstand trifft, tut das in der Regel auch. Wer hingegen gewerkschaftlich arbeitet, kann am Ende jedoch vieles über vor allem eines lernen, nämlich wie viel Aufwand, also Kraft und Zeit, es kostet und wie gering wiederkehrend der Ertrag ist in Anbetracht einer Gegenseite, die de facto regelmäßig über einen erheblich größeren Apparat verfügt, deutlich stärkere Machtmittel zur Hand hat und wiederkehrend einen Informationsvorsprung besitzt, der fast nie einzuholen ist. Darüber hinaus dürfte man egal, auf welcher der beiden Seiten man sich befindet, in beiden Sphären regelmäßig nur noch in einem noch mehr lernen: nämlich im Menschlichen, Allzumenschlichen.

netzguru

Zitat von: SwenTanortsch in Gestern um 23:19Darüber hinaus dürfte man egal, auf welcher der beiden Seiten man sich befindet, in beiden Sphären regelmäßig nur noch in einem noch mehr lernen: nämlich im Menschlichen, Allzumenschlichen.

Hier kann ich dir nur zustimmen,

Was schlimmer ist sind die Ebenen darunter, die Versuchen DA usw. nochmals um zudeuten oder anzuwenden wie sie es sichen Denken ohne eine Nachfrage was gemeint ist.

SwenTanortsch

Zitat von: netzguru in Gestern um 23:52Hier kann ich dir nur zustimmen,

Was schlimmer ist sind die Ebenen darunter, die Versuchen DA usw. nochmals um zudeuten oder anzuwenden wie sie es sichen Denken ohne eine Nachfrage was gemeint ist.


Auch deshalb habe ich vom Menschlichen, Allzumenschlichen gesprochen. Denn insbesondere in den mittleren und unteren Funktionärsebenen ist das Wissen über komplexe nicht zuletzt rechtliche Regelungen und deren Folge vielfach nur gering, was insbesondere daher rührt, dass die Kolleginnen und Kollegen ihre Gewerkschaftsarbeit hier vielfach ehren- und nicht hauptamtlich leisten, man also das, was man gerne von ihnen erwarten will, nicht erwarten kann, nämlich hochdifferenzierte Kenntnisse in einer von komplexen Problemen nur so strotzenden Welt. Das kann man negativ sehen, aber lässt sich allenfalls verhältnismäßig geringfügig ändern. Es ist also menschlich, allzu menschlich, wenn sich Funktionäre eher lieber keine Blöße geben und nicht nachzufragen, sofern sie sachlich unsicher sind - denn auch ehrenamtliche Funktionäre sind in der Regel gewählt und wollen wiedergewählt werden, sodass sie wissen, dass sie nicht zu häufig sagen oder zeigen können, "da kenne ich mich nicht aus", oder: "das zu ändern, liegt nicht in meiner Macht"; was auf der anderen Seite auch bedeutet, dass der einzelne Funktionär, sofern er sich auskennt, aber weiß, dass es nicht in seiner Macht liegt, Positionen in einem Großthema wie der Besoldung in seiner Fachgewerkschaft zu ändern - genau deshalb habe ich gestern an die Diskussion der letzten Tage erinnert; nicht anders, ob der Größe von Gewerkschaften vielfach nur noch einmal erheblich komplexer werden dort Sachlagen betrachtet -, dann also ggf. lieber eher nichts sagen und nicht reagieren wird, als zu häufig in eine Diskussion zu geraten, die zukünftig seine Wiederwahlchancen ggf. nicht verbessern werden. Auch hier also: Menschliches, Allzumenschliches.

Das entsprechende Verhalten kann man kritisieren und muss das im Einzelnen auch - zugleich wird man es aber durch eine Kritik von außen nicht ändern, sondern nur, indem man sich in einer Gewerkschaft engagiert. Und dann wird man sich mit einiger Wahrscheinlichkeit recht schnell in Verhalten wiedererkennen, das man von außen leichter kritisiert, als wenn man selbst vor der entsprechenden Wahl der Handlungsoptionen steht.

Gewerkschaftsarbeit ist mühsam und - wie schon geschrieben - klein- bis kleinstteilig und kann aus den gestern geschriebenen Bedingungen - der in der Regel sehr viel größere Apparat der Gegenseite, deren gewaltig größere Machtmittel und deren ewiger Informationsvorsprung - vielfach nur reaktiv sein und ist darüber hinaus ebenfalls von dem typisch strukturellen Problem einer hochdifferenzierten postmodernen Dienstleistungsgesellschaft geprägt: regelmäßig viel zu wenig (personelle) Ressourcen zur hinreichenden Problembewältigung und also viel zu häufig viel zu große Überlastung im Einzelnen, was ebenfalls eher häufiger als selten dazu führt, dass man die eigentlich anzugehenden Probleme lieber häufiger als selten liegenlässt. Auch hier also: Menschliches, Allzumenschliches.

Wer sich in dem, was ich schreibe, nicht wiedererkennt, und wem es nicht so geht, sollte sich insbesondere eingeladen sehen, ehrenamtlich in Gewerkschaftsarbeit einzusteigen. Denn entweder wäre er oder sie recht recht stressresistent oder hätte zeitliche und kräftemäßige Ressourcen, die dort sicherlich gut gebraucht werden könnten.

Rheini

Ich denke man muss wie häufig, unterscheiden.

Ich sehe in den Gewerkschaften gerade in den unteren und mittleren Ebenen oft Leute, die diese Tätigkeiten mit Herzblut und Leidenschaft ausführen.

Je weiter man nach oben schaut, möchte ich das der Leitungsebene nicht absprechen. Allerdings wird es dann häufig durch Politik, Diplomatie usw. so inzwischen abgehoben, dass spätestens ab da für mich die Nachvollziehbarkeit aufhört.

Ohne Gewerkschaften (wie auch mit sinnvoller Politik), wird es nicht besser, sondern schlechter. Ich behaupte aber, dass es mit guten Gewerkschaften (und besserer Politik), insgesamt es allen besser geht.

Damit meine ich ausdrücklich nicht, dass mehr Wohltaten verteilt werden sollen, sondern das aus meiner Sicht manche Balance aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Ich vergleiche die derzeitige Zeit mit der Bankenkrise 2008. Die Händler und Bänker wussten nachweislich das das System bald kollabiert. Anstat es zu reformieren haben alle noch mehr Kohle rausgezogen und gebetet, dass der nächste Boni noch gezahlt wird.

Julianx1

 ;D Nein Bitte!!........ Können wir jetzt gehen!?