Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

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IchLiebeBeamtentum

Öffentliche Medien zerreißen Verdis Forderungen. Wie kann man sich das erklären?

daseinsvorsorge

Zitat von: Warnstreik in Gestern um 13:00...

Wenn man etwas hätte lernen können, dann folgendes: Kein Einlassen mehr auf Tariflaufzeiten deutlich über einem Jahr. Die Verhandlungen sollten zumindest informell starten bevor der Vertrag ausläuft UND es muss immer eine rückwirkende Zahlung gefordert werden. Dann passiert es nämlich nicht, dass man ohne die Chance auf Neuverhandlung in eine Hochinflationsphase läuft wie im Jahr 2022.



1.) Weder die AGs noch die Gewerkschaften wollen Tarifverträge für nur ein Jahr. Dem stehen auch nicht die Forderungen derGewerkschaften entgegen, die sich stets auf 12 Monate beziehen.

2.) Die AGs verhandeln im ÖD nie vor Ablauf der Entgeltvereinbarung.

3.) Die neue Entgeltvereinbarung beginnt immer einenTag nach Ablauf der alten. Ab welchem Monat es zu mehr Gehalt kommt, ist Verhandlungssache.

IchLiebeBeamtentum

Genau. Und vorher wird noch mediale Hetze betrieben.

DiVO

Zitat von: IchLiebeBeamtentum in Gestern um 19:43Öffentliche Medien zerreißen Verdis Forderungen. Wie kann man sich das erklären?

Clickbait und höhere Aufmerksamkeit bei den Lesern/Zuschauern durch Wut, Neid und Unverständnis. Höhere Click- bzw. Zuschauerzahlen bedeuten mehr Werbeeinnahmen, daher erstrebenswert für Medienunternehmen.
Und bei diesem Thema sind die Klickzahlen eben gut planbar.

Beispiel zur Veranschaulichung:
Eine Zeitung postet auf ihrem SocialMedia-Account zwei Artikel. Welcher Artikel erhält mehr Klicks und Reaktionen wie Daumen-Hoch oder Textantworten?

1. Artikel: Kita erhält Erweiterungsbau
2. Artikel: Kita-Beschäftigte streiken und fordern mehr Gehalt - Eltern müssen sich zwei Tage selbst um Kinder kümmern

Rowhin

Zitat von: DiVO in Heute um 07:39Beispiel zur Veranschaulichung:
Eine Zeitung postet auf ihrem SocialMedia-Account zwei Artikel. Welcher Artikel erhält mehr Klicks und Reaktionen wie Daumen-Hoch oder Textantworten?

1. Artikel: Kita erhält Erweiterungsbau
2. Artikel: Kita-Beschäftigte streiken und fordern mehr Gehalt - Eltern müssen sich zwei Tage selbst um Kinder kümmern

Ließe sich sogar noch reduzieren, denke ich:

1. Artikel: Kita-Beschäftigte streiken und fordern mehr Gehalt
2. Artikel: Kita-Beschäftigte streiken und fordern mehr Gehalt - Eltern müssen sich zwei Tage selbst um Kinder kümmern

Oder

1. Artikel Kita-Beschäftigte fordern faire Bezahlung
2. Artikel: Kita-Beschäftigte streiken und fordern mehr Gehalt - Eltern müssen sich zwei Tage selbst um Kinder kümmern

etc. pp.

A oder B

Zitat von: oeffiHansel in 18.01.2026 18:37Ich hatte heute mal etwas Zeit und Lust die Gehalts-, Renten-, Durchschnittslöhne und Löhne im TV-L und TVöD von 2015 bis 2025 zusammenzutragen, alle Öffi-Gehälter bezogen auf die auf Gruppe 13 Stufe 5.

https://drive.google.com/file/d/17gZDoVIUG5RL1D7d1cD5YvviZPQ8NE2h/view?usp=sharing
...
Zusammenfassend läßt sich festhalten, dass sich die Gehälter in dieser Gehaltsgruppe/Stufe gerade so die Inflation ausgeglichen haben, vergleicht man das mit dem Mindestlohn, der Rente oder dem Durchschnittslohn, so stellt man sich wohl kaum die Frage, wo die finanzielle Wertschätzung hingeht. Aber ein warmes Klatschen ist ja auch was.
...

Beim TVöD und TV-L müsste man aber noch die Erhöhung der Gehälter durch die vielen Stufenaufstiege dazuzählen.
Als Berufseinsteiger hat man ab E9b in 10 Jahren eine zusätzliche Steigerung von über 30%.
Klar ist man irgendwann in der Endstufe, aber bis dahin hat man eine überinflationäre Erhöhung.

Rowhin

Zitat von: A oder B in Heute um 08:05Beim TVöD und TV-L müsste man aber noch die Erhöhung der Gehälter durch die vielen Stufenaufstiege dazuzählen.
Als Berufseinsteiger hat man ab E9b in 10 Jahren eine zusätzliche Steigerung von über 30%.

Manche hier würden eher sagen, als Berufseinsteiger wird einem 10 Jahre lang das volle Gehalt vorenthalten. Und das Ganze nur auf die Perspektive der Berufseinsteiger zu reduzieren, finde ich auch unpassend.

Warnstreik

Zitat von: daseinsvorsorge in Gestern um 20:011.) Weder die AGs noch die Gewerkschaften wollen Tarifverträge für nur ein Jahr. Dem stehen auch nicht die Forderungen derGewerkschaften entgegen, die sich stets auf 12 Monate beziehen.

2.) Die AGs verhandeln im ÖD nie vor Ablauf der Entgeltvereinbarung.

3.) Die neue Entgeltvereinbarung beginnt immer einenTag nach Ablauf der alten. Ab welchem Monat es zu mehr Gehalt kommt, ist Verhandlungssache.

Das weiß ich alles :-)    Und ich bin der Meinung das muss sich ändern. Dadurch, dass man immer erst spät anfängt, sich die Verhandlungen ziehen wie Gummi und man so gut wie immer eine Nullrunde für die ersten Monate hat, gilt der vorherige Tarifvertrag oft sogar 3 oder mehr Jahre. Früher war aber alles stabiler - da konnte man das tun. Derzeit ist die Welt so kurzlebig mit direkten Folgen für uns alle - daher ist es für die Arbeitnehmer doof nicht reagieren zu können.



A oder B

Zitat von: Rowhin in Heute um 08:34Manche hier würden eher sagen, als Berufseinsteiger wird einem 10 Jahre lang das volle Gehalt vorenthalten. Und das Ganze nur auf die Perspektive der Berufseinsteiger zu reduzieren, finde ich auch unpassend.

Ist halt die Frage, ob man sich sein Gehalt nach der Endstufe aussucht (die in vielen Fällen noch gar nicht feststeht) oder nach dem umgehend bzw. in den nächsten beiden Jahren absehbaren erzielbaren Gehalt.

Im Endeffekt ist es eben so, dass man im öffentlichen Dienst in seiner ersten Arbeitshälfte deutlich höhere Gehaltssteigerungen "genießt", als in der zweiten. Generell müssen diese Erhöhungen aber berücksichtigt werden - schließlich werden sie auch beim Durchschnittseinkommen insgesamt berücksichtigt.

Rowhin

Zitat von: A oder B in Heute um 08:53Ist halt die Frage, ob man sich sein Gehalt nach der Endstufe aussucht (die in vielen Fällen noch gar nicht feststeht) oder nach dem umgehend bzw. in den nächsten beiden Jahren absehbaren erzielbaren Gehalt.

Auch letzteres ist aber nur für Berufseinsteiger die Stufe 1. Quereinsteiger, die gerade in meinem Bereich die Mehrheit der Neueinstellungen ausmachen, kommen normalerweise in Stufe 3 oder höher. Da gibt es dann nicht mehr die "vielen" Stufenaufstiege.

Ob man jetzt in der Gesamtbetrachtung mit Stufe 5 als Durchschnitt rechnen sollte, naja. Aber mit Stufe 1 würde ich definitiv auch nicht rechnen. So oder so: Stufenaufstiege und generelle Entgelterhöhungen durch Tarifverhandlungen in der Betrachtung ineinander zu werfen halte ich für irreführend.

A oder B

Aber der Vergleich der reinen Tariferhöhung mit der Erhöhung des Durchschnittslohns ist eben ein Vergleich von Apfel und Birne - zumindest für einen nicht gerade kleinen Teil der Berufstätigen (alle die unter 15 Jahre Berufserfahrung haben bzw. deren Vorerfahrung beim Wechsel in den öffentlichen Dienst nicht vollständig anerkannt wurden).
Ob man dann eine 5-, 10- oder gar 35-prozentige Erhöhung draufrechnen könnte, ist natürlich einzelfallabhängig - aber diese zusätzlichen Erhöhungen sind in der heutigen Zeit (mit mehreren Berufswechseln) definitiv keine Ausnahme.

oeffiHansel

Zitat von: A oder B in Heute um 08:05Beim TVöD und TV-L müsste man aber noch die Erhöhung der Gehälter durch die vielen Stufenaufstiege dazuzählen.
Als Berufseinsteiger hat man ab E9b in 10 Jahren eine zusätzliche Steigerung von über 30%.
Klar ist man irgendwann in der Endstufe, aber bis dahin hat man eine überinflationäre Erhöhung.

Sorry, der Argumentation kann ich persönlich nicht folgen. Das Stufensystem wird ja mit "Erfahrung" begründet.
Wenn Du die Stufenentwicklung in die zeitliche Gehalts-Entwicklung einbeziehst, wäre die logische Konsequenz dann aber letztlich auch nur, dass ein gleicherfahrener Angestellter im Jahr 2015 in der 13.5 mehr Reallohn hatte, als der äquivalent Angestellte heute. Oder ist da meine Logik im Buffer Overflow...

Deine Argumentation wäre daher rein auf die persönliche bezogen und nicht auf die allgemeine Entwicklung im TV-L.

Und auch das Stufensystem, von dem ich selbst profitiert habe, überzeugt mich nicht, weil es letztlich zumindest aus meiner Sicht wieder eine leistungsunabhängige Sparmaßnahme darstellt, die der Lohnreduktion dient und zur Gehaltserhöhung durch Absitzen führt.


ohjeee

Zitat von: oeffiHansel in Heute um 10:23Sorry, der Argumentation kann ich persönlich nicht folgen. Das Stufensystem wird ja mit "Erfahrung" begründet.
Wenn Du die Stufenentwicklung in die zeitliche Gehalts-Entwicklung einbeziehst, wäre die logische Konsequenz dann aber letztlich auch nur, dass ein gleicherfahrener Angestellter im Jahr 2015 in der 13.5 mehr Reallohn hatte, als der äquivalent Angestellte heute. Oder ist da meine Logik im Buffer Overflow...

Deine Argumentation wäre daher rein auf die persönliche bezogen und nicht auf die allgemeine Entwicklung im TV-L.

Und auch das Stufensystem, von dem ich selbst profitiert habe, überzeugt mich nicht, weil es letztlich zumindest aus meiner Sicht wieder eine leistungsunabhängige Sparmaßnahme darstellt, die der Lohnreduktion dient und zur Gehaltserhöhung durch Absitzen führt.


weil das Argument "einbehaltenes Gehalt" ja regelmäßig kommt: ist das in der freien Wirtschaft nicht auch so? Es gibt ein Einstiegsgehalt und nach 1-2 Jahren frägt man mal eine Gehaltserhöhung an und dann eben alle paar Jahre wieder und begründet diese mit Erfahrung etc, unabhängig von "tariflichen"/inflationsgetriebenen Gehaltsverhandlungen...

Warnstreik

Zitat von: ohjeee in Heute um 11:23weil das Argument "einbehaltenes Gehalt" ja regelmäßig kommt: ist das in der freien Wirtschaft nicht auch so? Es gibt ein Einstiegsgehalt und nach 1-2 Jahren frägt man mal eine Gehaltserhöhung an und dann eben alle paar Jahre wieder und begründet diese mit Erfahrung etc, unabhängig von "tariflichen"/inflationsgetriebenen Gehaltsverhandlungen...

Früher hieß das "Entwicklung des ANs" :-)   Moderne Tarifverträge haben ziemlich durch die Bank weg keine "Erfahrungsstufen" mehr, weils eben auch Quark ist. Dafür sind die verschiedenen Gruppen weiter unterteilt und man sortiert die AN in die Gruppe ihrer Tätigkeit. Manchmal gibt es noch eine Unterteilung in zwei, selten auch in drei Stufen, wobei die Normalstufe schnell erreicht wird. Das was du meinst sind dann Boni oder außertarifliche Zuschläge - hier kann man gute leute belohnen wenn man denn will.

Faunus

Zitat von: oeffiHansel in Heute um 10:23Und auch das Stufensystem, von dem ich selbst profitiert habe, überzeugt mich nicht, weil es letztlich zumindest aus meiner Sicht wieder eine leistungsunabhängige Sparmaßnahme darstellt, die der Lohnreduktion dient und zur Gehaltserhöhung durch Absitzen führt.


Ich "unke" mal: so ab dem Jahre 2036 dürfte dieses Stufensystem dann langsam Geschichte werden und die Tarifabschlüsse wieder besser werden - gerade für die mittleren und oberen EGs.