Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

MoinMoin

Zitat von: Shaelmar in Gestern um 16:23Das darf doch sehr bezweifelt werden. Die technologie gibt es jetzt seit 5 Jahren, das einzige was es bisher gebracht hat sind fake Videos. Inhaltlich, gerade im rechtlichen Arbeitsbereich, sind die Ergebnisse absolut unbrauchbar. Gleichzeitig machen die Unternehmen damit Milliarden Verluste, man darf also annehmen dass es die LLMs in der Form in 10-15 jahren nicht mehr geben wird. Von echter KI sind wir vermutlich weiter entfernt als wir es 2020 noch waren.
Nö, da zum einen die LLMs mit eurer Rechtsmaterie offensichtlich noch nicht trainiert wurde und ihr das prompten nicht gelernt habt.
Wo ich bei dir bin, dass es noch einiges an Zeit dauert, bis da was raus kommt, was man unbesehen mit ruhigen gewissen raus geben kann.
Aber die Arbeitsentlastung sind bei uns schon deutlichst zu spüren.

Ach ja und genau genommen, gab es die technologie schon zu meinen Studienzeiten in den Neunzigern, aber das ist nur ein fun fakt.


Zinc

Zitat von: ignaz in Gestern um 16:05Zu den ganzen Stufen - gerade die "Leistungsstufen", das Wort suggeriert ja "Leistung".

Kennt irgendjemand einen einzigen Fall/Mitarbeiter, der nach seiner Stufenlaufzeit von 15 Jahren nicht in der Stufe 6 gelandet ist? Härtefälle, Dauerkranke, Höhergruppierte die Zeitverlust erlitten usw. nehmen wir mal aus.

Von daher ist der Begriff "Leistung" völliger Unsinn.



Mit der Überleitung vom allgemeinen TV-L in den speziellen TV-L S wurden am 1. Januar 2020 diverse Arbeitnehmer zurückgestuft. Das hat man zwar zur letzten Verhandlung rückgängig gemacht, jedoch nicht rückwirkend. Also hier gibt es einige, die seit über 15 Jahren arbeiten und noch nicht in der Stufe 6 sind.

ignaz

Zitat von: Zinc in Gestern um 17:05Mit der Überleitung vom allgemeinen TV-L in den speziellen TV-L S wurden am 1. Januar 2020 diverse Arbeitnehmer zurückgestuft. Das hat man zwar zur letzten Verhandlung rückgängig gemacht, jedoch nicht rückwirkend. Also hier gibt es einige, die seit über 15 Jahren arbeiten und noch nicht in der Stufe 6 sind.

TVL-S scheint da eine Einzigartigkeit erlebt zu haben...

Stufenverkürzungen erlebe ich regelmäßig im Umkreis, da das immer als einzige Maßnahme verstanden wird, wo die Behörde viele Ermessenspielraum hat, um Mitarbeiter zu halten.

Hier liegt ja schon der Irrsinn - Ich bin 13 Jahre dabei und beantrage den Aufstieg in die Stufe 6, weil ich mich mit 13 Jahren Zugehörigkeit schon so "Erfahren" oder "Leistungsfähig" fühle, wie als wenn ich 15 Jahre dabei bin?

Der super leistungsfähige Mitarbeiter auf Erfahrungsstufe 3 darf dann 3 Jahre warten, damit er endlich die erste "Leistungsstufe (4)" erhält und er "leistet" dann 4 weitere Jahre so viel, so dass er die Stufe 5 endlich durch "Leistung" verdient hat?

Das ganze System kommt doch aus der Beamtenecke, wo Stufenlaufzeiten eingesetzt werden.


DiVO

Zitat von: Shaelmar in Gestern um 16:23Das darf doch sehr bezweifelt werden. Die technologie gibt es jetzt seit 5 Jahren, das einzige was es bisher gebracht hat sind fake Videos. Inhaltlich, gerade im rechtlichen Arbeitsbereich, sind die Ergebnisse absolut unbrauchbar. Gleichzeitig machen die Unternehmen damit Milliarden Verluste, man darf also annehmen dass es die LLMs in der Form in 10-15 jahren nicht mehr geben wird. Von echter KI sind wir vermutlich weiter entfernt als wir es 2020 noch waren.
Steile These - mit der Einstellung wird das sicherlich was mit der Digitalisierung und Effizienzsteigerung im öD.

Hast du dich einmal aktiv mit den momentanen Einsatzmöglichkeiten der aktuellen LLM-Modelle und KI im Allgemeinen auseinandergesetzt?

Wir lassen inzwischen bei Sitzungen Copilot aufnehmen uns anschließend aus dem Transkript das Protokoll erstellen. Qualität ist sehr gut und dauert inkl. QS nur noch 30 Minuten. Vorher mehrere Stunden plus die Zeit für die Mitschrift.
Das ist nur ein Beispiel für Arbeitserleichterung.

Rowhin

Zitat von: DiVO in Gestern um 19:49Wir lassen inzwischen bei Sitzungen Copilot aufnehmen uns anschließend aus dem Transkript das Protokoll erstellen. Qualität ist sehr gut und dauert inkl. QS nur noch 30 Minuten. Vorher mehrere Stunden plus die Zeit für die Mitschrift.
Das ist nur ein Beispiel für Arbeitserleichterung.

+1, spart uns im Team ebenfalls sehr viel Zeit.

Genau wie eine ganze Reihe andere Funktionen und Einsatzmöglichkeiten. Würde sagen, verglichen mit vor drei Jahren spare ich mir so 8-10 Stunden an Arbeit die Woche. Und das sind vor allem nervige Arbeiten, die Zeit für viel mehr strategische Arbeit bei uns freimachen. Sowas wie einen ersten Aufschlag für ein Konzept erstellen, mit dem wir dann weiterarbeiten können. Reports zusammenfassen, braucht danach nur noch minimale Nachkorrektur. Übersetzungen, ebenfalls mit nur minimaler Nachkorrektur. Folien erstellen aus einem Konzept. Bildgenerierung generell. Informationen zusammensuchen aus Mails und der Dokumentenablage.

Auf ein sechsköpfiges Team hochgerechnet sind die eingesparten Stunden Einiges. Aber man muss sich halt damit auseinandersetzen.

Wir experimentieren jetzt auch stark mit Agenten. Da ist noch extrem Potenzial.

DiVO

Zitat von: Rowhin in Gestern um 20:12+1, spart uns im Team ebenfalls sehr viel Zeit.

Genau wie eine ganze Reihe andere Funktionen und Einsatzmöglichkeiten. Würde sagen, verglichen mit vor drei Jahren spare ich mir so 8-10 Stunden an Arbeit die Woche. Und das sind vor allem nervige Arbeiten, die Zeit für viel mehr strategische Arbeit bei uns freimachen. Sowas wie einen ersten Aufschlag für ein Konzept erstellen, mit dem wir dann weiterarbeiten können. Reports zusammenfassen, braucht danach nur noch minimale Nachkorrektur. Übersetzungen, ebenfalls mit nur minimaler Nachkorrektur. Folien erstellen aus einem Konzept. Bildgenerierung generell. Informationen zusammensuchen aus Mails und der Dokumentenablage.

Auf ein sechsköpfiges Team hochgerechnet sind die eingesparten Stunden Einiges. Aber man muss sich halt damit auseinandersetzen.

Wir experimentieren jetzt auch stark mit Agenten. Da ist noch extrem Potenzial.
Oft sind es die Kleinigkeiten, die sich summieren. Wir haben vor einigen Jahren bereits eine Elektronische Personalakte eingeführt sowie eine spezielle Software, die die Ergebnisse der Payroll anhand bestimmter Kriterien prüft und nur noch bestimmte Fälle dem Menschen zur finalen Prüfung vorlegt.

Beides keine Raketenwissenschaft, auf 40.000 Abrechnungsfälle hochgerechnet kommt aber einiges zusammen.

MoinMoin

Zitat von: DiVO in Gestern um 19:49Steile These - mit der Einstellung wird das sicherlich was mit der Digitalisierung und Effizienzsteigerung im öD.

Hast du dich einmal aktiv mit den momentanen Einsatzmöglichkeiten der aktuellen LLM-Modelle und KI im Allgemeinen auseinandergesetzt?

Wir lassen inzwischen bei Sitzungen Copilot aufnehmen uns anschließend aus dem Transkript das Protokoll erstellen. Qualität ist sehr gut und dauert inkl. QS nur noch 30 Minuten. Vorher mehrere Stunden plus die Zeit für die Mitschrift.
Das ist nur ein Beispiel für Arbeitserleichterung.
Ach das würden wir auch gerne, aber diese blöder Datenschutz, denn bei uns dürfen solche Gespräche nicht rausgeführt werden.  :o  :o  :o  :o

Ach gut, dass wir unseren eigenen lokalen Copilot benutzen können...und...der lernt sogar dazu, wenn wir ihm hinterher das korrigierte Transkript geben.

Also wer mal eine Textvorlage, Datenanalyse, .... mit der "neuen" Technologie gemacht hat, der versteht, dass dieses Werkzeug ziemlich viele Menschensarbeit beschleunigt und einige ersetzt.
Wer braucht auf dem Bau noch nen Zupfleger, jetzt gibt es Kräne.....Teufelszeug

Und echte KI ist doch nicht das Thema, ausser bei den Verkäufern.

QS werden wir noch lange, wenn nicht immer, brauchen denn sonst guckt sich in 10 Jahren die KI von der anderen KI ihren Unsinn ab.
Shit in, Shit out... aber das ist nur meine akademische Sicht der Dinge.

sebbo83

Zitat von: BTSV1 in Gestern um 12:45Da man annehmen kann, dass in den nächsten 10-15 Jahren sehr viele Arbeitsplätze durch die KI wegfallen werden, wäre auch endlich mal wieder ein Modell für Altersteilzeit zwingend erforderlich.

Zitat von: Shaelmar in Gestern um 16:23Das darf doch sehr bezweifelt werden. Die technologie gibt es jetzt seit 5 Jahren, das einzige was es bisher gebracht hat sind fake Videos. Inhaltlich, gerade im rechtlichen Arbeitsbereich, sind die Ergebnisse absolut unbrauchbar. Gleichzeitig machen die Unternehmen damit Milliarden Verluste, man darf also annehmen dass es die LLMs in der Form in 10-15 jahren nicht mehr geben wird. Von echter KI sind wir vermutlich weiter entfernt als wir es 2020 noch waren.
Beide Argumente sind nicht richtig.
1) KI hilft uns bei der "Arbeitsbeschleunigung" - vor allem im Sinne, schneller was zu finden oder eine Idee vorzuformulieren. Gerade im Bereich "Abwägungen" ist KI eine Hilfe. Auch im Bereich Vorsortierung inhaltlich gleicher Stellungnahme - gerade bei Massenverfahren ein super Werkzeug. Das ersetzt keine Mitarbeiter, vielmehr kommt man mit einem bestehenden Team etwas schneller voran - als die üblichen 2 Jahre. Man ist mit der Arbeit also etwas schneller fertig und kann mit dem nächsten Verfahren etwas ehr beginnen. KI beschleunigt also Arbeitsprozesse mit selben Anzahl von Menschen. Ersetzen tut sie gar niemanden.
2) Wenn man KI richtig nutzen kann - kommen auch gute Sachen bei raus. Ich muss sagen, die Lab-Funktion bei Perplexity ist schon ganz brauchbar und Quellen lassen sich auch nachvollziehen. Der ganze Fake-Kram kommt ja mehr aus dem privaten Spaßbereich. Da kann er auch gerne zur Belustigung sein. Wenn man aber der Meinung ist, dass nichts bei rauskommt, hat man "KI richtig einsetzen" noch nicht gelernt.

Aleksandra

Das erste Angebot der TVL AG sieht doch gar nicht mal sooo schlecht aus. Erhöhung "leicht über der Inflation" ist ja schon mal ein guter Startpunkt. Und bitte nicht falsch verstehen. Natürlich ist das zu wenig, insbesondere weil man mit Inflation sicher die prognostizierte Inflation meint, die aktuell recht niedrig ist. Und nicht die vergangene Inflation, die vielen einen hohen Reallohnverlust beschert haben.
Aber: Wenn ich die Verhandlungen mit denen des TVÖD vergleiche, dann sieht das einfach deutlich entspannter aus. Beim TVÖD gab es in den ersten Runden überhaupt kein Angebot seitens der AG. Stattdessen hat man nur von (ostdeutschen) Kommunen gehört, mehr als 0% über 2-3 Jahre sei keinesfalls vorstellbar. Da ist das Zeichen der TVL AG schon etwas optimistischer zu werten.

Von daher sehe ich insgesamt gute Chancen, dass man im TVL ähnliche Prozente erwirkt wie im vergangenen TVÖD Abschluss. Es bleibt aber weiterhin spannend wie man mit dem Thema JSZ umgehen wird.
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 2,33%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,4% - Verdi 3,00%
2026/7: Inflation 2,75% - Verdi 3,99%

Rowhin

Streeeeeeng genommen (ja ich weiß, aber manchmal kommt der Paragraphenreiter in mir durch, auch ganz ohne Jurastudium) hat die TdL kein Angebot vorgelegt, sondern lediglich "Eckpunkte für einen Ewartungskorridor" definiert.

Ansonsten wünschte ich, ich könnte deinen Optimismus teilen, aber vielleicht werden wir ja alle positiv überrascht :D

Draxelhuber

Moinsen, also mein Ewartungskorridor definiert sich so:

1) Mindestens TV-öD tabellenwirksame Erhöhungen, keinesfalls mit längerer Laufzeit als der TV-öD Abschluss aus 04/25.
2) Um später sagen zu können, man hat erfolgreich das TV-öD Ergebnis übernommen, dürfen dann u.a. insbesondere die JSZ und Wechsel-/Schichtzulagen nicht vergessen werden.
Die TVöD Schichtzulage von 40 auf 100,- € ist spürbar.
Eine TV-L Schichtzulage geplant von 40,- auf 60,- sind genau ein Rollo "halb & halb" im Monat (11,- € netto mehr).
Solch ein 20,- € Bruttoupgrade wäre mir persönlich echt zu peinlich, sowas überhaupt (als Erfolg) zu verkünden.
3) Von Umwandlungsmöglichkeiten anteiliger JSZ->Freizeit, mehr Urlaubsstage etc. noch gar nicht gesprochen.

Es bleibt spannend...





Aleksandra

Mein Tipp: 6% auf 27 Monate
Keine Anpassung der JSZ (bei Verdi ohnehin keine Prio und im TVL werden die AG da auch kein Interesse dran haben)
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 2,33%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,4% - Verdi 3,00%
2026/7: Inflation 2,75% - Verdi 3,99%

dregonfleischer

Zitat von: Draxelhuber in Heute um 17:11Moinsen, also mein Ewartungskorridor definiert sich so:

1) Mindestens TV-öD tabellenwirksame Erhöhungen, keinesfalls mit längerer Laufzeit als der TV-öD Abschluss aus 04/25.
2) Um später sagen zu können, man hat erfolgreich das TV-öD Ergebnis übernommen, dürfen dann u.a. insbesondere die JSZ und Wechsel-/Schichtzulagen nicht vergessen werden.
Die TVöD Schichtzulage von 40 auf 100,- € ist spürbar.
Eine TV-L Schichtzulage geplant von 40,- auf 60,- sind genau ein Rollo "halb & halb" im Monat (11,- € netto mehr).
Solch ein 20,- € Bruttoupgrade wäre mir persönlich echt zu peinlich, sowas überhaupt (als Erfolg) zu verkünden.
3) Von Umwandlungsmöglichkeiten anteiliger JSZ->Freizeit, mehr Urlaubsstage etc. noch gar nicht gesprochen.

Es bleibt spannend...

das mit dem umwandeln wird sicher lich nicht kommen wozu auch





Muschebubu

Nun, ich bin wirklich gespannt, was als Ergebnis rauskommt und ob die Arbeitgeberseite ihren Beschäftigten vollends vor den Kopf stoßen will. Ich glaube zwar nicht an das Märchen, es sei kein Geld da. Wenn es aber stimmt, dass für Beamte wenigstens 3.000 Euro (aktuelle Presseberichte) schon in der niedrigsten Besoldungsgruppe als rechtskonforme Anpassung notwendig werden, dann wird wirklich spannend, was man meint, sein TB als Opfer abzuverlangen. Dem Grunde nach hat beides in einer Verhandlungen nicht zu suchen, nur hindert es die Arbeitgeberseite nicht, dies regelmäßig so zu sehen und teile der Gewerkschaften ja auch.

ExponentialFud