Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

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MoinMoin

Zitat von: Ingenieur007 in Gestern um 11:37Ich verstehe das man untere EG gut stellen möchte. Aber wird es nicht langsam Zeit, auch den höheren EG mal ein Zuckerle zu geben? Wir haben große Problem neue Leute zu bekommen in der Technik. Es gibt genug Stellen im TVöD und TV-V bei besserer Bezahlung. Der Abstand mit JSZ ist spürbar.
Das ist ein AG Problem und kein AN Problem.

Zitat von: Rowhin in Gestern um 12:17Es ist durchaus wichtig, auch Neueinsteigern ihre Möglichkeiten zu eröffnen. Leider passiert das an vielen Stellen nicht. Ja, es sollten mehr Leute auch im TV-L gut verhandeln. Aber ist schwierig, die Leute dahin zu bekommen, und anscheinend viel einfacher, die Leute zu beleidigen und als Verlierer abzutun, wenn sie es nicht tun. Schade.

Die Lösung kann ja auch nicht sein, dass man sagt, ja gut, wer verhandelt kriegt noch nen guten Deal, und den Rest speist man komplett ab. Beschweren darf sich keiner, weil wenn man nicht zu den Verlieren gehören will, die nach Tarifvertrag bezahlt werden, muss man halt selbst verhandeln.

Da wir bei den Neueinsteiger wissen, dass die eben nichts über die Möglichkeiten des TV-L wissen, weisen wir sie in der VG immer darauf hin, wie das so abläuft mit dem verhandeln.
Dann kann hinterher keiner sagen, dass er es nicht gewusst hat und jeder kann seine Grenzen klar kommunizieren.

Von daher ist man dann auch durchaus Konkurrenzfähig zu anderen AGs.

Rowhin

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 13:35Das ist ein AG Problem und kein AN Problem.

Man könnte jetzt natürlich argumentieren: zum AN Problem wird es, wenn ich die anderen 4 Stellen im Team nicht besetzt bekomme, und dann die Arbeit von 4 Leuten machen "muss" ;) Aber natürlich kann ich dann auch wechseln, insofern bleibt es primär ein AG Problem.

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 13:35Da wir bei den Neueinsteiger wissen, dass die eben nichts über die Möglichkeiten des TV-L wissen, weisen wir sie in der VG immer darauf hin, wie das so abläuft mit dem verhandeln.

Eben, genau so sollte es laufen. Damit kriegt man zwar immer noch "nur" die, die sich im TV-L überhaupt erst bewerben, aber trotzdem ist schon einiges gewonnen.
 

Rheini

Du wirst doch für einen Arbeitsplatz bezahlt. Warum musst Du dann vier machen ider gibt es bei euch sowenig zu tun?

Ingenieur007

Beispiel: Der TVöD Bereich VKA steht ab Mai mit JSZ bei fast 89.000 € in der EG12. Im TV-L stehen wir gegenwärtig bei etwas über 80.000 € mit JSZ. Wenn man den Anschluss nicht völlig verlieren will erschließt sich mir nicht, wie Gewerkschaften bei diesem läppischen Forderungen hier ordentlich nachziehen wollen.

Viele Bewerber machen da gleich einen Bogen um den TV-L. Weiß ich aus eigenen Gesprächen mit interessanten Kandidaten. Ist das im Sinne kleiner und mittlerer EG sowie der Gewerkschaften? Warum? Ist es wirklich nur ein AG-Problem?

Rowhin

Zitat von: Rheini in Gestern um 14:41Du wirst doch für einen Arbeitsplatz bezahlt. Warum musst Du dann vier machen ider gibt es bei euch sowenig zu tun?

Ich hatte versucht, das mit den Anführungszeichen um "muss" schon zu suggerieren...natürlich kann ich dazu nicht gezwungen werden. Aber es gibt ja genug Leute, auch im TV-L, die irgendwie intrinsisch motiviert sind, und den Laden am Laufen halten wollen. Oder sonstwie an den Arbeitsplatz gebunden sind, und sich nicht von oben, unten und von der Seite anmeckern lassen wollen, warum z.B. die Bearbeitung der Reisekosten solange dauert. Dann kann man natürlich wie gesagt gehen oder innerlich abschalten, aber das kann ja auch nicht das Ziel sein. Sowohl AN als auch AG sollten eigentlich ein Interesse an einem attraktiven TV-L haben...sollte man meinen.

Zinc

Zitat von: Ingenieur007 in Gestern um 14:48Beispiel: Der TVöD Bereich VKA steht ab Mai mit JSZ bei fast 89.000 € in der EG12. Im TV-L stehen wir gegenwärtig bei etwas über 80.000 € mit JSZ. Wenn man den Anschluss nicht völlig verlieren will erschließt sich mir nicht, wie Gewerkschaften bei diesem läppischen Forderungen hier ordentlich nachziehen wollen.

Viele Bewerber machen da gleich einen Bogen um den TV-L. Weiß ich aus eigenen Gesprächen mit interessanten Kandidaten. Ist das im Sinne kleiner und mittlerer EG sowie der Gewerkschaften? Warum? Ist es wirklich nur ein AG-Problem?

Für diejenigen interessiert sich doch keiner im TV-L, da wird es auch in Zukunft keine Annäherung geben. Schau in die Gewerkschaften und schau dir die Entscheider an.

MoinMoin

Zitat von: Ingenieur007 in Gestern um 14:48Beispiel: Der TVöD Bereich VKA steht ab Mai mit JSZ bei fast 89.000 € in der EG12. Im TV-L stehen wir gegenwärtig bei etwas über 80.000 € mit JSZ. Wenn man den Anschluss nicht völlig verlieren will erschließt sich mir nicht, wie Gewerkschaften bei diesem läppischen Forderungen hier ordentlich nachziehen wollen.
Deswegen zahlen wir, in den Fällen, die wir halten wollen, auch 91.000€ im TV-L.

ZitatViele Bewerber machen da gleich einen Bogen um den TV-L. Weiß ich aus eigenen Gesprächen mit interessanten Kandidaten. Ist das im Sinne kleiner und mittlerer EG sowie der Gewerkschaften? Warum? Ist es wirklich nur ein AG-Problem?
Nein, es ist nicht im Sinne kleiner und mittlerer EGs.
Nein, die Gewerkschaft vertritt nicht die höheren EGs, dazu sind da zu wenige von Mitglied.
Ja, es ist nur eine AG Problem.

Ingenieur007

Selbst die EG11/6 im TVöD steht ab Mai schon bei ca. 81.000 €! Wir stehen bei TV-L EG12/6 gegenwärtig bei ca. 80.000 €, das muss doch langsam zu denken geben....?

MoinMoin

Zitat von: Ingenieur007 in Gestern um 15:57Selbst die EG11/6 im TVöD steht ab Mai schon bei ca. 81.000 €! Wir stehen bei TV-L EG12/6 gegenwärtig bei ca. 80.000 €, das muss doch langsam zu denken geben....?
Ja, dass müsste der TdL langsam zum denken geben.
Darum nutzt mein AG den 16.5 und förderliche Zeiten in diesen EG Bereichen, damit wir nicht abgehängt werden.

daseinsvorsorge

[quote author=Rowhin link=msg=439421 date=

Die Lösung kann ja auch nicht sein, dass man sagt, ja gut, wer verhandelt kriegt noch nen guten Deal, und den Rest speist man komplett ab. Beschweren darf sich keiner, weil wenn man nicht zu den Verlieren gehören will, die nach Tarifvertrag bezahlt werden, muss man halt selbst verhandeln.

Unabhängig davon, was ich für mich selbst verhandle - und ich bin bspw. mit meinen persönlichen, aktuell ausgehandelten Bedingungen durchaus zufrieden - kann ich trotzdem die Tarifparteien kritisieren. Genau so kann es valide Gründe geben, selbst nicht zu verhandeln, was auch nicht heißt, dass man die Tarifparteien dann nicht kritisieren darf.
[/quote]

Jeder, der sich nicht durch Gewerkschaften vertreten lassen will, muss für sich selbst verhandeln.Das ist doch wohl die logische Konsequenz aus der negativen Koalitionsfreiheit; dieser Teil wird aber von vielen hier gerne vergessen.

Vor diesem Hintergrund sehe ich Kritik von Nichtorganisierten an den Tarifparteien als absurd an, weil man selbst alles verhandelt hat und deshalb dafür auch selbst verantwortlich hat. Selbst dann, wenn das eigene Ergebnis in vollem Umfang dem des Tarifvertrages  entspricht, was für ca. 95% der Nichtorganisierten zutrift.

Ingenieur007

16.5 haben zwei Kollegen probiert. Ergebnis: Es wurden dazu Stellenzusagen vorgelegt. Die Verwaltung wollte das umgehend mit dem Finanzministerium klären. Muss man zugute halten. Beide Kollegen haben gekündigt weil sie hingehalten wurden und gewechselt. Ministerium kam einfach nicht in Tritt.

Für mich ist das kein sehr taugliches Instrument.

MoinMoin

Zitat von: Ingenieur007 in Gestern um 18:3716.5 haben zwei Kollegen probiert. Ergebnis: Es wurden dazu Stellenzusagen vorgelegt. Die Verwaltung wollte das umgehend mit dem Finanzministerium klären. Muss man zugute halten. Beide Kollegen haben gekündigt weil sie hingehalten wurden und gewechselt. Ministerium kam einfach nicht in Tritt.

Für mich ist das kein sehr taugliches Instrument.
Das Instrument ist deswegen untauglich, weil derjenige, der es benutzt unfähig ist?
Also bei uns klappt es hervorragend mit dem 16.5, vielleicht, weil wir das Finanzministerium besser einbinden als euere Verwaltung.

MoinMoin

#237
Zitat von: daseinsvorsorge in Gestern um 17:43
Zitat von: Rowhin link=msg=439421Die Lösung kann ja auch nicht sein, dass man sagt, ja gut, wer verhandelt kriegt noch nen guten Deal, und den Rest speist man komplett ab. Beschweren darf sich keiner, weil wenn man nicht zu den Verlieren gehören will, die nach Tarifvertrag bezahlt werden, muss man halt selbst verhandeln.

Unabhängig davon, was ich für mich selbst verhandle - und ich bin bspw. mit meinen persönlichen, aktuell ausgehandelten Bedingungen durchaus zufrieden - kann ich trotzdem die Tarifparteien kritisieren. Genau so kann es valide Gründe geben, selbst nicht zu verhandeln, was auch nicht heißt, dass man die Tarifparteien dann nicht kritisieren darf.

Jeder, der sich nicht durch Gewerkschaften vertreten lassen will, muss für sich selbst verhandeln.Das ist doch wohl die logische Konsequenz aus der negativen Koalitionsfreiheit; dieser Teil wird aber von vielen hier gerne vergessen.
Das ist sonnenklar und auch der Gewerkschafter muss für sich selbst verhandeln, wenn er Zulage oder förderliche Zeiten haben will. Dieser Teil wird offenbar auch gerne vergessen
ZitatVor diesem Hintergrund sehe ich Kritik von Nichtorganisierten an den Tarifparteien als absurd an, weil man selbst alles verhandelt hat und deshalb dafür auch selbst verantwortlich hat. Selbst dann, wenn das eigene Ergebnis in vollem Umfang dem des Tarifvertrages  entspricht, was für ca. 95% der Nichtorganisierten zutrift.
Und ich sehe es als absurd an, wenn man der Meinung ist, dass man Tarifparteien nicht kritisieren darf.

Es ist absurd, wenn man sich über sein eigenes Entgelt und seinen eigenen Arbeitsvertrag erregt und dafür dritte die alleinige Schuld gibt.
Aber auch das gilt für jeden Arbeitnehmer, denn der Gewerkschaftler darf auch für sich mehr aushandeln als die Gewerkschaft geschafft hat.

Rheini

Zitat von: Rowhin in Gestern um 15:04Ich hatte versucht, das mit den Anführungszeichen um "muss" schon zu suggerieren...natürlich kann ich dazu nicht gezwungen werden. Aber es gibt ja genug Leute, auch im TV-L, die irgendwie intrinsisch motiviert sind, und den Laden am Laufen halten wollen. Oder sonstwie an den Arbeitsplatz gebunden sind, und sich nicht von oben, unten und von der Seite anmeckern lassen wollen, warum z.B. die Bearbeitung der Reisekosten solange dauert. Dann kann man natürlich wie gesagt gehen oder innerlich abschalten, aber das kann ja auch nicht das Ziel sein. Sowohl AN als auch AG sollten eigentlich ein Interesse an einem attraktiven TV-L haben...sollte man meinen.

Das hat nichts mit "abschalten" oder "innerlich kündigen" zu tun.

Aber entweder schafft man die ganze Arbeit oder man schafft sie nicht. Solange die ganze Arbeit geschafft wird, besteht kein Bedarf die Arbeitsplätze wieder zu besetzen. Oder wie agierst Du? Gehst Du heimlich am WE arbeiten?

Rowhin

Zitat von: Rheini in Gestern um 19:40Aber entweder schafft man die ganze Arbeit oder man schafft sie nicht. Solange die ganze Arbeit geschafft wird, besteht kein Bedarf die Arbeitsplätze wieder zu besetzen. Oder wie agierst Du? Gehst Du heimlich am WE arbeiten?
 

Nur für den Fall, dass das missverständlich gewesen sein sollte: das Szenario ist an meiner derzeitigen Stelle/im derzeitigen Team nicht gegeben. Ich muss auch nicht heimlich am WE arbeiten, sondern kann das ganz offiziell tun ;)

Ich kann aber von anderen Teams berichten, die auch teils Überlastungsanzeigen gestellt haben: dort wird die Arbeit nicht mehr in vollem Umfang geschafft. Man priorisiert so gut es geht, und der Rest bleibt liegen.