Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion II

Begonnen von Rowhin, 16.01.2026 17:02

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Mig82

Zitat von: tv-landschaft in Gestern um 19:54Ich frage mich was das bedeuten soll. Wenn man auf 39h geht, würde Schleswig-Holstein 18 min länger arbeiten. Also alle auf 38h:42min oder weniger runter?

Wahrscheinlich eher alle einheitlich auf 39 oder sogar 39,5 Stunden pro Woche.  :-X

tv-landschaft

Zitat von: Mig82 in Gestern um 19:59Wahrscheinlich eher alle einheitlich auf 39 oder sogar 39,5 Stunden pro Woche.  :-X

oder alle auf 40h hoch ::)

HamburgerJung

die feste Stundenzahl ist doch sowieso eigentlich der grösste käse. Arbeit muss gemacht werden, wenn ich grad nichts hab, chill ich mir einen und wenn viel los ist, dann mache ich auch mal was wenn ich nicht eingestochen bin. aber das ist sicher sehr kontrovers.

cyrix42

Unwahrscheinlich, dass man die Arbeitszeit antasten würde. Viel mehr dürfte es eher um solche Dinge wie Kündigungsschutz gehen, die wahrscheinlich eh keinem wehtun... (Wer wird denn im öD schon nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit gekündigt, wenn es nicht gerade ums Klauen goldener Löffel o.Ä. geht?)

Mig82

Zitat von: tv-landschaft in Gestern um 20:01oder alle auf 40h hoch ::)

Und das ganze dann mit einer ggf. ,,höheren" prozentualen Steigerung der Löhne als bisher geäußert verbinden und so ein Entgegenkommen zeigen  :o

NelsonMuntz

Zitat von: MasterNoname89 in Gestern um 19:26ja und nein. Die Inflation, vor allem in den letzten Jahren, trifft insbesondere kleinere und mittlere Einkommen viel stärker als höhere Einkommen, da diese durch die erheblichen Steigerung beim Grundbedarf viel stärker belastet werden. Rechenbeispiel: Anton (E5) verdient 2000 € Netto. Berta (E12) verdient 4000 € netto.

Beide haben eine 4 köpfige Familie und beide müssen im Monat durchschnittlich 5 mal einkaufen. Der Warenkorb war je Einkauf vor der Inflation 120 € teuer. Durch die Inflation hat sich das Ganze auf 150 € gesteigert -> macht 150 € Mehrkosten für die selben Waren im Monat. Durch eine Tariferhöhung von 5 % erhält Anton 100 € mehr und hat damit noch nicht einmal die Preissteigerung für die Lebensmittel rein. ...

Nö!

Du unterstellst in Deiner Modellrechnung, dass Anton und Berta die exakt gleichen Warenkörbe haben. Das ist aber nicht so: Die Lebensmittel sind vielleicht teurer (Bio-Metzgerei statt abgepacktes Hack aus dem Discounter), die Wohnung ist größer (mit entsprechenden Kosten für die Heizung), und die Pneus für das Auto kosten auch etwas mehr (am Ende hat der Anton gar kein Auto?).

Berta und Anton müssen also unterschiedliche Warenkörbe finanzieren und brauchen bei einer Inflation eben auch relativ gleiche Kompensationen im Rahmen von Tariferhöhungen.

... Man kann natürlich der Meinung sein, dass die Berta (die für ihre E12 vielleicht sogar ein Studium hat absolvieren müssen) gar kein Anrecht auf einen höheren Lebensstil hat, nur weil sie mit höherer Qualifikation komplexere Aufgaben lösen und ein erhebliches Mehr an Verantwortung tragen muss. Nur geht man dann das Risiko ein, dass die Berta die Füße hochlegt und sagt: Wenn ich wie eine E5 bezahlt werde, dann leiste ich auch nicht mehr. Wäre sicher verständlich, oder?


Faunus

Zitat von: NelsonMuntz in Gestern um 20:41... Man kann natürlich der Meinung sein, dass die Berta (die für ihre E12 vielleicht sogar ein Studium hat absolvieren müssen) gar kein Anrecht auf einen höheren Lebensstil hat, nur weil sie mit höherer Qualifikation komplexere Aufgaben lösen und ein erhebliches Mehr an Verantwortung tragen muss. Nur geht man dann das Risiko ein, dass die Berta die Füße hochlegt und sagt: Wenn ich wie eine E5 bezahlt werde, dann leiste ich auch nicht mehr. Wäre sicher verständlich, oder?


Du hast mitbekommen, dass vor ein paar Tagen zum allerersten Mal seit Gründung der Bundesrepublik mehr Akademiker als AN aus Ausbildungsberufen arbeitslos waren.
Und Du weißt auch, wie der Markt funktioniert: Überangebot und der Preis geht runter.

Übrigens dauert eine Ausbildung und ein Meisterfortbildung genauso lang, wie ein Bachelorstudium, das inzw. bis zum Abwinken verschult wurde, damit möglichst viele das Studium schaffen können.
Und beim Staat Verantwortung... je weiter oben man ist, desto weniger Konsequenzen haben Fehlentscheidungen (die Ausreden sind z.T. richtig kreativ und Enden bestenfalls in der hochbezahlten Sackgasse) oder anders, je geringer die EG, desto schneller werden Fehler/Unfähigkeit ein Kündigungsgrund.
E12 geht zum Anwalt und klagt, E5 kommt in der Regel im Traum nicht auf so eine Idee.

cyrix42

Zitat von: NelsonMuntz in Gestern um 20:41... Man kann natürlich der Meinung sein, dass die Berta (die für ihre E12 vielleicht sogar ein Studium hat absolvieren müssen) gar kein Anrecht auf einen höheren Lebensstil hat, nur weil sie mit höherer Qualifikation komplexere Aufgaben lösen und ein erhebliches Mehr an Verantwortung tragen muss.

Richtig, das sind alles keine sinnvollen Argumente, mit denen du in der Privatwirtschaft mehr Geld erhalten würdest. Das ist alles nur Standesdünkel... Du müsstest eher erklären, dass du für das Unternehmen entsprechend mehr Gewinn erwirtschaftest. Da der öffentliche Dienst nicht gewinnorientiert ist, kannst du dies hier nicht direkt umsetzen; aber wie in der Privatwirtschaft kannst du auch deinen Marktwert durch Vergleich mit der Konkurrenz herausbekommen: Wenn du bei einem anderen Arbeitgeber mehr erhalten würdest, dann kannst du deinen derzeitigen Arbeitgeber fragen, ob er bereit ist, entsprechend mehr für dich zu bezahlen, oder ob er der Meinung ist, einen billigeren Ersatz für dich zu finden, der deine Arbeit immernoch ausreichend gut erledigt.

Aber weder die Ausbildung noch die Verantwortung an sich rechtfertigen per se eine höhere Bezahlung.

ZitatNur geht man dann das Risiko ein, dass die Berta die Füße hochlegt und sagt: Wenn ich wie eine E5 bezahlt werde, dann leiste ich auch nicht mehr. Wäre sicher verständlich, oder?

Nö, wäre es nicht. Für die meisten Menschen ist ihre Arbeitstätigkeit eine Form der Selbstverwirklichung. Man darf annehmen, dass die meisten Leute, die studiert haben, mit einfachen, repetetiven Tätigkeiten nicht glücklich werden und sich dann eher eine andere Beschäftigung suchen würden.

Tulpenzeit

Zitat von: mpai in Gestern um 21:00Ich bin für Anton.

Kannst Du mal mit deinem nervigen Getrolle aufhören?

NelsonMuntz

Halten wir also fest: Prozentuale Entgelterhöhungen sind unsozial und sollten grundsätzlich durch Festbeträge ersetzt werden (ist ja nur fair, weil Warenkörbe sich nicht unterscheiden). Da der öD Leistung nicht belohnt und Verantwortung final auch nur ein Witz zu sein scheint, brauchen wir hier auch gar keine wirklich kompetenten Arbeitnehmer. Vielleicht sollten diese sich auch eher in der pW wertschöpfend zeigen?

Bin jetzt überzeugt, eine gute Idee. Werde kommende Woche die PA anweisen, meine Bezüge wieder auf das tarifliche Minimum zu setzen. Wo kann ich meine Trillerpfeife erhalten? 8)

Nerostar

Zitat von: Tulpenzeit in Gestern um 21:22Kannst Du mal mit deinem nervigen Getrolle aufhören?

Solche Trolle haben wir doch immer zu den Verhandlungen .. sind wahrscheinlich nicht mal Beschäftigte des öD.

Die verschwinden von allein wieder wenn man sie ignoriert.

Faunus

Zitat von: cyrix42 in Gestern um 21:05Richtig, das sind alles keine sinnvollen Argumente, mit denen du in der Privatwirtschaft mehr Geld erhalten würdest. Das ist alles nur Standesdünkel...

Aber weder die Ausbildung noch die Verantwortung an sich rechtfertigen per se eine höhere Bezahlung..

Das trifft den Nagel auf den Kopf.

MasterNoname89

Zitat von: NelsonMuntz in Gestern um 20:41Nö!

Du unterstellst in Deiner Modellrechnung, dass Anton und Berta die exakt gleichen Warenkörbe haben. Das ist aber nicht so: Die Lebensmittel sind vielleicht teurer (Bio-Metzgerei statt abgepacktes Hack aus dem Discounter), die Wohnung ist größer (mit entsprechenden Kosten für die Heizung), und die Pneus für das Auto kosten auch etwas mehr (am Ende hat der Anton gar kein Auto?).

Berta und Anton müssen also unterschiedliche Warenkörbe finanzieren und brauchen bei einer Inflation eben auch relativ gleiche Kompensationen im Rahmen von Tariferhöhungen.

... Man kann natürlich der Meinung sein, dass die Berta (die für ihre E12 vielleicht sogar ein Studium hat absolvieren müssen) gar kein Anrecht auf einen höheren Lebensstil hat, nur weil sie mit höherer Qualifikation komplexere Aufgaben lösen und ein erhebliches Mehr an Verantwortung tragen muss. Nur geht man dann das Risiko ein, dass die Berta die Füße hochlegt und sagt: Wenn ich wie eine E5 bezahlt werde, dann leiste ich auch nicht mehr. Wäre sicher verständlich, oder?



Warum schließt du aus der der EG darauf, dass Berta sich automatisch hochwertiger ernährt? Ebenso muss auch sie nicht in einer größeren Wohnung wohnen, nur weil sie ein höheres Einkommen hat. Und weil sie schon immer ein schlechter Autofahrer war, reicht ihr ein Fiat 500 weil er so übersichtlich ist und in jede Parklücke passt. Die Reifen dafür -> geschenkt!

Und Anton hat sehr wohl ein Auto, denn wegen seines geringeren Einkommens ist er mit seiner vierköpfigen Familie darauf angewiesen, dass er auf dem Land wohnt wo die Miete noch bezahlbar ist. Um von dort zur Arbeit zu kommen, MUSS er ein Auto haben, denn die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht bis zum Arbeitsplatz, erst recht nicht zu den Zeiten wo er arbeiten muss.

Es sind so viele Eventualitäten, die niemanden miteinander vergleichbar machen.

Aber nur weil Berta studiert hat, hat sie nicht automatisch mehr geleistet als Anton, der neben seiner Ausbildung auch noch mehrere Zusatzqualifikationen erlangt hat. Die erkennt aber der TV-L nicht als relevant für eine Höhergruppierung an. Anton ist aber in seinem Bereich ein sehr pfiffiger und fleißiger Angestellter der auch mal die eine oder andere Verbesserung anregt.

Übrigens hat Berta auf ihrem Posten auch nicht wirklich mehr Verantwortung zu tragen. Sie delegiert einfach die Arbeiten an Caesar, Dora und Emil, die auch in niedrigen EG angestellt sind. Die Lorbeeren für die guten Ergebnisse holt sie sich dann bei Friedrich ab, der die Leitung für den gesamten Bereich inne hat. Wenn doch mal was schief geht, hat sie dann ja schnell den Schuldigen gefunden, dem sie das dann in die Schuhe schiebt.

-> das soll nicht auf sämtliche Führungskräfte bezogen sein, allerdings kommt auch genau das im öD hin und wieder vor.

oeffiHansel

Zitat von: Faunus in Gestern um 21:35Das trifft den Nagel auf den Kopf.

Also in meinem Umfeld ist diese Aussage Quatsch. Ich kenne zumindest keine E8/E9 TA, die aufgrund ihrer Ausbildung eigenständig an Forschungprojekten arbeitet kann. Aber vielleicht arbeite ich an einem sonderbaren Institut.... Oder man braucht doch eine spezielle Ausbildung/Studium, um in der Lage zu sein dies zu tun.

Faunus

Zitat von: NelsonMuntz in Gestern um 21:23Halten wir also fest: Prozentuale Entgelterhöhungen sind unsozial und sollten grundsätzlich durch Festbeträge ersetzt werden (ist ja nur fair, weil Warenkörbe sich nicht unterscheiden). Da der öD Leistung nicht belohnt und Verantwortung final auch nur ein Witz zu sein scheint, brauchen wir hier auch gar keine wirklich kompetenten Arbeitnehmer. Vielleicht sollten diese sich auch eher in der pW wertschöpfend zeigen?

Es geht nicht um unsozial, sondern um Wertigkeit von Arbeit. Leistung wird vom ÖD-AG nur in Ausnahmefällen unter Zwang bezahlt und ist an sich kein Kriterium für eine EG, aber die "höherwertigen Tätigkeiten" können Menschen sich aneignen. Was schätzt Du wieviele Nicht-Akademiker in E12 über Sonstige Beschäftigte in den Ländern eingruppiert sind?