Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion III

Begonnen von username, 14.02.2026 09:31

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Aleksandra

Zitat von: TVLfan in Heute um 13:20Hallo. Warum hat sich die Arbeitgeberseite erneut auf den Arbeitsvorgang gestürzt.
was ist damit gemeint?
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 2,33%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,4% - Verdi 3,00%
2026/7: Inflation 2,75% - Verdi 3,99%

IchLiebeBeamtentum

Zitat von: hugodehippo in Heute um 12:19Der öD ist nach wie vor recht attraktiv für Nichtakademiker oder auch für Akademiker mit in der pW wenig bis nicht nachgefragten Ausbildungen.

Unattraktiv für IT´ler, MINT-Menschen u.ä., wobei hier meiner Erfahrung nach das Anforderungsprofil im öD auch ein anderes als in der pW ist. Hier gilt es dann abzuwägen.

Der Öffi ist vor allem sicher. Leute, seid mal dankbar! Ich glaube nicht, dass ihr Hunger und Elend leiden müsst.

MoinMoin

Zitat von: TVLfan in Heute um 13:20Hallo. Warum hat sich die Arbeitgeberseite erneut auf den Arbeitsvorgang gestürzt. Wenn das jetzt die Taktik ist, werden wir auch in den kommenden Tarifrunden keine vernünftigen Abschlüsse erhalten.
Ich dachte eigentliche, dass mit den Urteilen zu der Eingruppierung "9a" jetzt das Thema durch ist.

Wenn nicht, haben wir wahrlich schlechte Karten. Weil dann wird das Fass wohl ja wohl immer erneut aufgemacht, oder?
Die AGs wollen halt die Arbeitsvorgänge neu tarifliche definieren.
Weil sie eben nicht einsehen, dass jemand, der 5% 9a Tätigkeiten macht und 95% 6er trotzdem 9a bekommt, weil es als ein Vorgang zu betrachten ist.
Tja, da wird es sicherlich ordentlich Bambule geben.

Oliver1976

Zitat von: IchLiebeBeamtentum in Heute um 14:00Der Öffi ist vor allem sicher. Leute, seid mal dankbar! Ich glaube nicht, dass ihr Hunger und Elend leiden müsst.
Wir entlassen regelmäßig Low-Performer oder verlängern die entsprechenden Verträge (2-Jahres-Befristung) dann nicht. Zudem haben bei uns bei 100 MA am Institut nur Teile der Verwaltung, die Professur, der verbeamtete akademische Rat und meine Person eine unbefristete Stelle. ich würde sagen, dass da "sicher" anders aussieht.

Rowhin

Zitat von: Oliver1976 in Heute um 14:19Wir entlassen regelmäßig Low-Performer oder verlängern die entsprechenden Verträge (2-Jahres-Befristung) dann nicht. Zudem haben bei uns bei 100 MA am Institut nur Teile der Verwaltung, die Professur, der verbeamtete akademische Rat und meine Person eine unbefristete Stelle. ich würde sagen, dass da "sicher" anders aussieht.

Wie bereits ein paar mal aufgekommen ist, bilden die Universitäten und sonstigen Forschungseinrichtungen der Länder hier eine große Ausnahme, was die Befristungspraxis angeht - je nach Statistik sind dort außerhalb der klassischen Verwaltung nur 5-20% des Personals entfristet.

Wenn man aber von "Ausnahme" spricht, suggeriert das oft eine kleine Zahl - dem ist aber nicht so: 2024 gab es 217.514 hauptberufliche wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an deutschen Hochschulen.

Frogger

Zitat von: Oliver1976 in Heute um 14:19Wir entlassen regelmäßig Low-Performer oder verlängern die entsprechenden Verträge (2-Jahres-Befristung) dann nicht. Zudem haben bei uns bei 100 MA am Institut nur Teile der Verwaltung, die Professur, der verbeamtete akademische Rat und meine Person eine unbefristete Stelle. ich würde sagen, dass da "sicher" anders aussieht.

Weiß jemand, wie viele wussenschaftlichen Mitarbeiter aus Haushaltsmittel regelmäßig bezahlt werden? Viele sind doch projektbezogen befristet eingestellt und diese Projekte wiederum sind extern durch Auftraggeber, also Drittmittel finanziert.

Von daher ist da eigentlich eine riesen Verzerrung bei den hohen EGs dieser Gruppe, da das eigentlichen keine direkten Haushaltsmittel/Steuergelder sind und nur durchlaufende Posten.

Rowhin

Zitat von: Frogger in Heute um 14:38Weiß jemand, wie viele wussenschaftlichen Mitarbeiter aus Haushaltsmittel regelmäßig bezahlt werden? Viele sind doch projektbezogen befristet eingestellt und diese Projekte wiederum sind extern durch Auftraggeber, also Drittmittel finanziert.

2022 waren es im Mittel landesweit 41% Drittmittelfinanzierte (Quelle, Link auf PDF, S. 24f.).

Aber hier sind große Teile der Projekte nicht aus der Industrie finanziert, sondern aus Bundesmitteln (BMFTR, DFG, etc.) oder EU-Mitteln. (Wahrscheinlich den meisten hier klar, nur hab ich die Verwirrung im Dialog schon öfter erlebt.)

Maggus

Zitat von: Ingenieur007 in Heute um 11:22Der TV‑L konkurriert faktisch mit dem TVöD, und zwar besonders in den Berufsgruppen, in denen der Arbeitsmarkt eng ist – Ingenieurwesen, IT, Medizin, spezialisierte Verwaltung. Dass der TVöD in meiner Entgeltgruppe ab Mai rund 6.000 € voraus ist, ist kein Detail, sondern ein strukturelles Problem. Und genau deshalb eine Standort- und Wettbewerbsfrage. 

Zur Entwicklung TVöD bzw. TV-L:
Der TVöD trat nach langen Verhandlungen zum 01.10.2005 in Kraft.
Während Bund und Kommunen das Einigungspapier unterschrieben, lehnten die Länder das Ergebnis ab und traten aus dem Verbund aus. Dies geschah, um ein eigenes, kostengünstigeres Tarifrecht durchzusetzen!

AG: Ziel erreicht. Und wenn die Länder-Arbeitgeber weiterhin kostengünstiger bleiben wollen, werden sie keinesfalls die Gehaltstabelle und/oder Arbeitszeiten mit dem TVöD synchronisieren.


Oliver1976

Zitat von: Frogger in Heute um 14:38Weiß jemand, wie viele wussenschaftlichen Mitarbeiter aus Haushaltsmittel regelmäßig bezahlt werden? Viele sind doch projektbezogen befristet eingestellt und diese Projekte wiederum sind extern durch Auftraggeber, also Drittmittel finanziert.

Von daher ist da eigentlich eine riesen Verzerrung bei den hohen EGs dieser Gruppe, da das eigentlichen keine direkten Haushaltsmittel/Steuergelder sind und nur durchlaufende Posten.

Zudem kommt hinzu, dass häufig nicht nur auf das eine Projekt mit Laufzeit X eingestellt wird, sondern immer auf 2 Jahre, denn ansonsten würde man gar keine Bewerbungen auf diese offenen Stellen mehr erhalten. Entsprechend ist jede MA-Finanzierung eine Mischkalkulation aus Dritt- und Haushaltsmitteln.

Frogger

Zitat von: Rowhin in Heute um 14:432022 waren es im Mittel landesweit 41% Drittmittelfinanzierte (Quelle, Link auf PDF, S. 24f.).

Aber hier sind große Teile der Projekte nicht aus der Industrie finanziert, sondern aus Bundesmitteln (BMFTR, DFG, etc.) oder EU-Mitteln. (Wahrscheinlich den meisten hier klar, nur hab ich die Verwirrung im Dialog schon öfter erlebt.)
Danke, aufschlussreich. Der Bund zahlt also indirekt dann viele Gehälter dieser Berufsgruppe und der Landestopf wird dadurch stark entlastet.
Linke Tasche, rechte Tasche...

TVLfan

Zitat von: MoinMoin in Heute um 14:07Die AGs wollen halt die Arbeitsvorgänge neu tarifliche definieren.
Weil sie eben nicht einsehen, dass jemand, der 5% 9a Tätigkeiten macht und 95% 6er trotzdem 9a bekommt, weil es als ein Vorgang zu betrachten ist.
Tja, da wird es sicherlich ordentlich Bambule geben.

Davon kann man ausgehen. Solange es da keine endgültige Klärung gibt, brauchen wir auch keine weiteren Tarifverhandlungen. Da stellen sich die Arbeitgeber auch beim nächsten Mal quer. Leidtragende sind halt die Gruppen (IT, Gruppenleiter etc.) für die es durchaus Möglichkeiten gegeben hätte.


Warnstreik

Zitat von: Maggus in Heute um 15:03Zur Entwicklung TVöD bzw. TV-L:
Der TVöD trat nach langen Verhandlungen zum 01.10.2005 in Kraft.
Während Bund und Kommunen das Einigungspapier unterschrieben, lehnten die Länder das Ergebnis ab und traten aus dem Verbund aus. Dies geschah, um ein eigenes, kostengünstigeres Tarifrecht durchzusetzen!

AG: Ziel erreicht. Und wenn die Länder-Arbeitgeber weiterhin kostengünstiger bleiben wollen, werden sie keinesfalls die Gehaltstabelle und/oder Arbeitszeiten mit dem TVöD synchronisieren.



Das ist auch das, wo ich mir manchmal frage, wie es um den Realitätssinn einiger bestellt ist. Was glaubt man, wie so eine Verhandlung aussieht? Hart bleiben bringt mehr? Verdi würde ja nicht genug fordern? Verdi bricht ein?
Es ist reine Abwägung, welches Maß an Forderung der Gegenüber gerade noch so durchwinkt, weil es einfacher/günstiger ist als sich zu streiten. Was passiert denn, wenn die Forderungen so hoch sind und steiff aufrecht erhalten werden, dass der AG vom Tisch aufsteht und geht? Was dann?

Ein Weselsky bei der GDL konnte das tun, auch die Piloten haben ganz gut Power. Die Arbeitnehmer im TV-L leider so schon wenig und bei der Organsation ungefähr nix. Der Dressel lacht sich doch schlapp...   (macht er natürlich nicht, eben weil er auch ein Interesse hat alles miteinander und in Frieden zu regeln) Würde man es ohne Druckmittel überreitzen, dann passiert das eben genau so.

MoinMoin

Zitat von: Frogger in Heute um 15:21Danke, aufschlussreich. Der Bund zahlt also indirekt dann viele Gehälter dieser Berufsgruppe und der Landestopf wird dadurch stark entlastet.
Linke Tasche, rechte Tasche...

Und die EU
Also im Kern kann man sagen, dass die Forschungsinstituten, die so ~30-40% Landesmittel haben, ihre Lohnkosten für die WiMi komplett aus Drittmittel bezahlen und der Unterbau aus den Landesmittel kommen.

idealisiert gesagt.

Auch kenne ich FIs, die dazu gezwungen wurden, von ihren Haustarifen zum TV-x zu wechseln.

Aleksandra

Zitat von: IchLiebeBeamtentum in Heute um 14:00Der Öffi ist vor allem sicher. Leute, seid mal dankbar! Ich glaube nicht, dass ihr Hunger und Elend leiden müsst.
Ich bin tatsächlich auch voll zufrieden. Die Arbeitsbedingungen sind top (Home Office etc), Arbeitsplatzsicherheit auf sehr hohem Niveau, das Beschäftigungsfeld ist interessant, Kollegen alle super OK, die Bezahlung ist im oberen Perzentil (TVÖD 12) und Betriebsrente gibt es auch noch und wird komplett vom AG übernommen.
Ich wüsste nicht wo ich realistischerweise noch was zu meckern haben sollte.

Einzige Ausnahmen sind halt die Tarifverhandlungen. Wenn ich da wie in den letzten Jahren Reallohnverluste hinnehmen muss, dann nehme ich das wahr und bin nicht begeistert. Denn dann wird ja der bestehende status quo aktiv verschlechtert. Ändert aber nichts daran, dass das Gesamtpaket weiterhin top bleibt. Und zumindest bei der letzten TVÖD Tarifrunde ging es durch die Anpassung der JSZ auch wieder bergauf (im Sinne von: der Reallohnverlust wurde reduziert). Dass dies (JSZ) bei den Kollegen im TVL nicht realisiert werden konnte ist da natürlich sehr schade. Und wäre ich im TVL, dann wäre ich deswegen auch maximal angepisst, weil die 5,9% auf 27 Monate den vorangegangenen Reallohnverlust eben nicht so stark reduzieren wie es der Abschluss im TVÖD tat.

Reallohnverlust seit Dienstantritt: 2,33%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,4% - Verdi 3,00%
2026/7: Inflation 2,75% - Verdi 3,99%