Irgendein Laberthread über AfD und Co.

Begonnen von SonicBoom, 05.05.2026 12:06

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MoinMoin

Zitat von: Hugo Stieglitz in Gestern um 16:06Aber die Tatsache, dass viele ehemalige Kolonien sich ganz unterschiedlich entwickeln, dass der Islam schon auch eine Rolle spielt.
Meinst du jetzt die Golfregion?

Scherz? beiseite.
Religion spielte in der Entwicklung von Gesellschaften immer ne Rolle. Ob die Religionen (oder konkret eine spezifische islamische Strömung, da es ja nicht den Islam gibt) für die unterschiedliche Entwicklung der ehemaligen Kolonien eine maßgebliche Rolle spielten ist eine interessante Frage.

Warnstreik

Zitat von: MoinMoin in Gestern um 15:32Muss man in einer Institution sein um Christ zu sein?Dank Kant wissen wir es besser, oder?

Es ging in dem zitierten Post - und da ging es um die Folgen vom Mitgliederschwund, deshalb frug ich. Man muss aber auch kein Christ sein um Nächstenliebe zu leben. Und es gibt auch genug Christen, die das sekbst nicht tun.

Warnstreik

Zitat von: Hugo Stieglitz in Gestern um 16:06Ich würde große Fragezeichen an die Aussage heften, dass der Krieg im Iran religiös motiviert sei. Die offizielle Begründung für den Krieg liegt in der Vermeidung, dass der Iran Atomwaffen bekommt

Um Kriege ging es ja nur in zweiter Linie - es ging um die Machtergreifung autokratischer Regime.


Zitat von: Hugo Stieglitz in Gestern um 16:06Das ist mir zu plakativ. Der Westen ist doch nicht der Beherrscher der Welt und war es auch nicht in der Zeit des kalten Kriegs, da gab es mindestens zwei. Der Westen ist allerdings dafür verantwortlich ein auf Regeln basierendes System aufgebaut zu haben, an dem jeder teilhaben kann, der bereit ist die Regeln einzuhalten. Das ist historisch einmalig. Das läuft mitnichten perfekt aber in historischen Maßstäben schon sehr gut. Leider wickelt Trump das gerade ab.
Es gibt keinen monokausalen Grund, die Ursache liegt in vielen unterschiedlichen Sachverhalten begründet. Aber die Tatsache, dass viele ehemalige Kolonien sich ganz unterschiedlich entwickeln, gibt mir einen Hinweis, dass der Islam schon auch eine Rolle spielt.

Historisch hat der Westen (wie auch der Warschauer Pakt) in der nachkolonialen Zeit massiv Länder absichtlich destabilisiert um sie gefügig zu machen und dem Gegner zu schaden. Die Systeme in Afghanistan, dem Iran, aber auch die Hamas und der IS sind durch westliche aktive Einflussnahme erst entstanden. Auch die Russen waren nicht ganz unschuldig - am Ende sind die ganzen Länder aber Opfer fremder Großmächte geworden,die irgendwann ihrerseits mit Gewalt ihre eigenen Fehler wieder auszubügeln versuchten.

Petar T.

#423
Wobei sich da auch ein genauerer Blick lohnt.

Von Afghanistan wird gerne das Bild eines liberalen und modernen Staates gezeichnet, der auf einen Schlag radikal verändert wurde. Wir alle haben die Bilder aus den 70ern von Frauen in Miniröcken vor Augen. In Wirklichkeit war das Land nicht annähern so säkular, wie es dargestellt wird. Diese Beispiele stehen für eine kleine Blase, in der sich urbane Eliten bewegten. Tatsächlich blieb die tiefe islamische und tribale Prägung immer dominant, der Großteil des Landes blieb extrem konservativ, religiös und patriarchal. Die angestoßenen Reformen stießen schon vor dem sowjetischen Einmarsch auf heftigen Widerstand der Mullahs und Stammesführer.
Die Islamisierung erfolge über einen sehr langen Zeitraum schon ab dem 7. Jahrhundert. Der Islam hat dort eine über tausendjährige Geschichte. Wirklich ernstzunehmende antireligiöse Experimente begannen erst mit der kommunistischen Revolution 1978 und wurden unter heftigstem Widerstand als Angriff auf den Islam wahrgenommen.

Der Islam war und ist in diesem Land tief verwurzelt. Interessant auch eine Erhebung des Pew Research Centers aus 2013.  Gerne mal in die verschiedenen Kapitel reinschauen, sehr interessant.
Dort gaben 99% der befragten Muslime in Afghanistan (und bei einem Anteil von 99,9% auch gleichzeitig der Bevölkerung) an, die Scharia als offizielles Gesetzt des Landes zu befürworten. Zur Einordnung muss allerdings bemerkt werden, dass die Befragung zur Zeit der internationalen Militärpräsenz im Land erfolgte. Sehr hoch ist auch der Anteil an Menschen, der nur eine einzige Interpretation der Scharia anerkennt und eine Geltung nicht nur für die Muslime, sondern für alle Menschen fordert.


Petar T.


Hugo Stieglitz

Zitat von: Warnstreik in Gestern um 22:04Historisch hat der Westen (wie auch der Warschauer Pakt) in der nachkolonialen Zeit massiv Länder absichtlich destabilisiert um sie gefügig zu machen und dem Gegner zu schaden. Die Systeme in Afghanistan, dem Iran, aber auch die Hamas und der IS sind durch westliche aktive Einflussnahme erst entstanden. Auch die Russen waren nicht ganz unschuldig - am Ende sind die ganzen Länder aber Opfer fremder Großmächte geworden,die irgendwann ihrerseits mit Gewalt ihre eigenen Fehler wieder auszubügeln versuchten.
Zunächst gibt es eine Vielzahl überwiegend muslimischer Länder, die weit überwiegend und das zum Teil seit Jahrhunderten, autokratisch regiert werden. Auf der anderen Seite gibt es Länder die ebenfalls koloniale Erfahrungen gemacht haben und sich ganz anders entwickeln. Es gibt auch Länder wie Saudi Arabien ohne koloniale Erfahrungen, die auch autokratisch sind. In Südamerika gab es gleichfalls Einmischungen aus dem Westen und eine koloniale Geschichte, auch hier zeichnet sich ganz anderes Bild in puncto Freiheit. Die Fixierung auf westliche Einflussnahme als monokausale Ursache für die bedauerliche Situation der Menschen im nahen und fernen Osten geht nicht auf. Da stellt sich die Frage, was haben diese Länder gemein und was nicht. Ein Tipp: Die Art der Religionsausübung.
Darüber hinaus ist das ein extrem paternalistischer Blick auf diese Länder, die anscheinend erfahrenes Unrecht auf immerdar als Rechtfertigung heranziehen müssen nichts zustande zu bringen.

Petar T.

Wenn man sich die Befragung genauer ansieht, liefert einerseits gewichtige Argumente für die von mir unterstellte Inkompatibilität der Lebensweisen, zeigt andererseits aber auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern und Regionen.

Jeweils bezogen auf die Muslime im Land

Scharia als offizielles Recht des Landes
Afghanistan 99% | Irak 91% | Türkei 12%

Religiöse Gerichte für Familienrechtsangelegenheiten
Afghanistan 78% | Irak 73% | Türkei 14%

Scharia auch für Nicht-Moslems
Afghanistan 67% | Irak 38% | Türkei 43%

Körperliche Züchtigung als Strafe
Afghanistan 81% | Irak 56% | Türkei 35%

Steinigung für Ehebruch
Afghanistan 85% | Irak 58% | Türkei 29%

Todesstrafe für Abkehr vom Islam
Afghanistan 79% | Irak 42% | Türkei 17%

Lieber starker Führer als Demokratie
Afghanistan 51% | Irak 42% | Türkei 27%

Starker pol. Einfluss für religiöse Führer
Afghanistan 53% | Irak 24% | Türkei 11%

Selbstmordanschläge können zur Verteidigung des Islam gerechtfertigt sein
Afghanistan 39% | Irak 7%  | Türkei 15%

Scheidung moralisch falsch
Afghanistan 31% | Irak 26% | Türkei 14%

Polygamie moralisch vertretbar
Afghanistan 31% | Irak 26% | Türkei 14%

Dürfen Frauen selbst über Verschleierung entscheiden
Afghanistan 30% | Irak 45% | Türkei 90%

Sollten Frauen das Recht auf Scheidung haben
Afghanistan --% | Irak 14% | Türkei 85%

Sollten Söhne und Töchter die gleichen Rechte haben
Afghanistan 30% | Irak 22% | Türkei 88%

Andere zum Islam zu konvertieren ist eine Pflicht
Afghanistan 96% | Irak 66% | Türkei 39%

Mögen westliche Musik, Filme und TV
Afghanistan 25% | Irak 40% | Türkei 49%

Schadet westliche Unterhaltung moralisch

Afghanistan 66% | Irak 75% | Türkei 50%