Autor Thema: Bewerberlage Verwaltung?  (Read 7045 times)

WasDennNun

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #60 am: 03.09.2019 13:17 »
Sofern die Bewerberlage noch akuter wird, d.h. im Bereich von Handwerkern & Co. der Markt den Preis regelt (dann dürften die Stundensätze in der Privatwirtschaft spürbar steigen) wird der öD so richtig schmerzhaft ins Hintertreffen geraten.

Die Arbeitgeberseite hofft halt weiterhin, dass die "Wirtschaft" wieder einbricht, dass viele Firmen pleite gehen und damit viele "Arbeitslose" auf den Markt geschwemmt werden.

Das letzte Tarifergebnis war durch die Bank weg eine Lachnummer und das nächste wird nicht besser werden, wohingegen sich die Ingenieure bei der DB Netz nächstes Jahr wieder aussuchen dürfen, ob sie 4% mehr Geld wollen, 3 Stunden weniger Wochenarbeitszeit oder 6 Tage mehr Urlaub.
Die Tarifergebnisse sind im Grunde ok.
Das wo der Haken ist, ist ja das die AG seite nicht schnallt, dass sie in einige wenigen MINT/Technik/Spezialisten Bereichen einen ordentlichen Zuschlag drauflegen müsste um gute Mitarbeiter zu bekommen/halten.Befristete Zulagen, Einstellungen in Stufe 5 wären so dir Dinge die man machen könnte, wenn man wollte.

JC83

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #61 am: 03.09.2019 15:23 »
...am Starnberger See? 8)

Wieso die Frage?

Deutsche Größtstadt ;)

Kryne

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #62 am: 03.09.2019 15:35 »
Sofern die Bewerberlage noch akuter wird, d.h. im Bereich von Handwerkern & Co. der Markt den Preis regelt (dann dürften die Stundensätze in der Privatwirtschaft spürbar steigen) wird der öD so richtig schmerzhaft ins Hintertreffen geraten.

Die Arbeitgeberseite hofft halt weiterhin, dass die "Wirtschaft" wieder einbricht, dass viele Firmen pleite gehen und damit viele "Arbeitslose" auf den Markt geschwemmt werden.

Das letzte Tarifergebnis war durch die Bank weg eine Lachnummer und das nächste wird nicht besser werden, wohingegen sich die Ingenieure bei der DB Netz nächstes Jahr wieder aussuchen dürfen, ob sie 4% mehr Geld wollen, 3 Stunden weniger Wochenarbeitszeit oder 6 Tage mehr Urlaub.
Die Tarifergebnisse sind im Grunde ok.
Das wo der Haken ist, ist ja das die AG seite nicht schnallt, dass sie in einige wenigen MINT/Technik/Spezialisten Bereichen einen ordentlichen Zuschlag drauflegen müsste um gute Mitarbeiter zu bekommen/halten.Befristete Zulagen, Einstellungen in Stufe 5 wären so dir Dinge die man machen könnte, wenn man wollte.

Das Ergebnis war gemessen an den "glorreichen Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen" eher wenig berauschend finde ich. Aber gut es kommt auf die konkrete Gruppe an. 

Sowas wird natürlich nicht gemacht, denn wie fast alles passieren Dinge im ÖD (zumindest im Kommunalen Bereich) nur mit Zwang.

Ich habe noch eine Technikerzulage von 23€, glaube die gibt es inzwischen eigentlich auch nicht mehr bei Neuverträgen oder ? Das wäre eine Schraube gewesen an der man mal schön hätte drehen können. Technikerzulage zwingend für alle im technischen Bereich und rauf auf 300€.

Aber es ist einfach nicht alleine mit Geld getan. Was Heute fast mehr Wert ist, ist Freizeit. Stichwort Work / Life Balance.

Das Modell wie bei der Bahn oder auch anderen mit einer Auswahl wäre echt mal was. Aber die Verdi Pfosten wollen vermutlich lieber mal wieder einen Sockelbetrag für die unteren EGs durchdrücken.

4% mehr Geld, 6 Tage mehr Urlaub oder 3 Stunden weniger Wochenarbeitszeit und jeder kann sich aussuchen was er nimmt. Das wäre mal was.

Max

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #63 am: 03.09.2019 16:06 »
Kryne, warum eine Zulage für alle Techniker? Es gibt genügend die es für das jetzige Geld machen.
Das Volumen des Tarifabschluss war auch OK. Nur muss das Geld endlich punktueller und zielgerichteter verteilt werden! Die AGs brauchen klare Regelungen und ein entsprechendes Budget um bestimmten Beschäftigten notwendige Zulagen zu zahlen,  wo der Markt dies fordert.

Kryne

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #64 am: 03.09.2019 16:24 »
Kryne, warum eine Zulage für alle Techniker? Es gibt genügend die es für das jetzige Geld machen.
Das Volumen des Tarifabschluss war auch OK. Nur muss das Geld endlich punktueller und zielgerichteter verteilt werden! Die AGs brauchen klare Regelungen und ein entsprechendes Budget um bestimmten Beschäftigten notwendige Zulagen zu zahlen,  wo der Markt dies fordert.

Wie gesagt läuft nix ohne Zwang. Sobald man einem Gremium die Möglichkeit gibt, einem Techniker XY "keine" Zulage zu zahlen, dann wird auch keine gezahlt. Auch dann nicht wenn die Stelle 5 Jahre unbesetzt ist.

Spid

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #65 am: 03.09.2019 16:27 »
Das ist doch aber dann das Problem des AG, der nicht bereit ist, die Zulage zu zahlen.

Zuvielverdiener

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #66 am: 03.09.2019 19:48 »
Das wundert mich nicht bei der Bezahlung.

Als "Handwerker" gibt es finanziell absolut keinen Grund in den ÖD zu gehen. Bei uns sind zig. Handwerker Stellen offen, natürlich alle EG5, braucht also keinen wundern.

So, Handwerker wollen also nicht für EG 5 im ÖD arbeiten. Dabei habe ich in diesem Forum bei der Diskussion zur Tarifrunde erfahren dürfen, dass die Bezahlung unterhalb der EG 9 im Vergleich zur Privatwirtschaft (zu) gut ist, während die Spezialisten in den oberen Entgeltgruppen unterbezahlt sind.
Also für die gute Bezahlung im ÖD wollen Handwerker nicht arbeiten?

In der Diskussion zur Tarifrunde TV-L hier im Forum wurden sogar Gehaltskürzungen bis EG 6 vorgeschlagen (zum Beispiel Wegfall der Stufen 5 und 6).
Denn in den Entgeltgruppen unterhalb der EG 9 gibt es doch nur Postwagenschubser und Kontrollettis. Wenn derartige Kürzungen mal durchgesetzt werden anstelle der bösen Sockelbeträge dürften noch schwerer Handwerker für EG 5 zu finden sein.

Spid

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #67 am: 03.09.2019 20:10 »
Sozialismuskomponenten wären hingegen also inwiefern hilfreich? Bürokaufleute z.B. kommen gesamtwirtschaftlich auf eine Gehaltsspanne von 22.800€ und 36.500€, also max. etwas weniger als E5/4, RFAs liegen nochmal deutlich darunter. Ein halbwegs verständiger Mensch fordert keine Sozialismuskomponenten, sondern eine differenzierte Entgeltordnung, die den Marktwert von unterschiedlichen Berufen abbildet.

WasDennNun

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #68 am: 03.09.2019 21:16 »
Sowas wird natürlich nicht gemacht, denn wie fast alles passieren Dinge im ÖD (zumindest im Kommunalen Bereich) nur mit Zwang.
Kann nicht für Kommune sprechen, aber ich erlebe so etwas durchaus, auch wenn es hier und da ein Kampf gegen die Betonköpfe und Neider in der Personalverwaltung ist, aber wenn man die Präsis etc. der entsprechenden Häuser überzeugen kann, dann geht da doch was.
Zitat
Aber es ist einfach nicht alleine mit Geld getan. Was Heute fast mehr Wert ist, ist Freizeit. Stichwort Work / Life Balance.
Haben Funktionszeit, mehr geht nicht, danach kommt Vertrauensarbeitszeit.
Das hatte ich im WiMi Bereich im öD, aber möchte derzeit ich auch nicht mehr, Zeiterfassung hat auch seine Vorteile.
Zitat
Das Modell wie bei der Bahn oder auch anderen mit einer Auswahl wäre echt mal was. Aber die Verdi Pfosten wollen vermutlich lieber mal wieder einen Sockelbetrag für die unteren EGs durchdrücken.
Ist ja nun mal deren Klientel.
Zitat
4% mehr Geld, 6 Tage mehr Urlaub oder 3 Stunden weniger Wochenarbeitszeit und jeder kann sich aussuchen was er nimmt. Das wäre mal was.
ist das denn prozentual gleich?
Und Da kommt dann wieder die Frage nach : Warum nicht selber entsprechende Teilzeit machen, womit man diese Lohn zu Freizeit Umwandlung macht. Und ja nicht alle AGs würden einen das gewären.

WasDennNun

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« Antwort #69 am: 03.09.2019 21:20 »
Kryne, warum eine Zulage für alle Techniker? Es gibt genügend die es für das jetzige Geld machen.
Das Volumen des Tarifabschluss war auch OK. Nur muss das Geld endlich punktueller und zielgerichteter verteilt werden! Die AGs brauchen klare Regelungen und ein entsprechendes Budget um bestimmten Beschäftigten notwendige Zulagen zu zahlen,  wo der Markt dies fordert.

Wie gesagt läuft nix ohne Zwang. Sobald man einem Gremium die Möglichkeit gibt, einem Techniker XY "keine" Zulage zu zahlen, dann wird auch keine gezahlt. Auch dann nicht wenn die Stelle 5 Jahre unbesetzt ist.
Dann ist die Stelle auch nicht notwendig und es gibt keinen Druck beim AG.
Oder aber irgendwelche Deppen erledigen die Arbeit obwohl sie nicht müßten, oder aber die Qualität der Arbeit leidet darunter und keinen interessiert es.
Sieht bei mir anders aus, ich habe einen AG, der sich durchaus für die Arbeitsleistung und Qualität interessiert und dem es auch wichtig ist, dass diese stimmt und er agiert dementsprechend.

WasDennNun

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #70 am: 03.09.2019 21:27 »
Das wundert mich nicht bei der Bezahlung.

Als "Handwerker" gibt es finanziell absolut keinen Grund in den ÖD zu gehen. Bei uns sind zig. Handwerker Stellen offen, natürlich alle EG5, braucht also keinen wundern.

So, Handwerker wollen also nicht für EG 5 im ÖD arbeiten. Dabei habe ich in diesem Forum bei der Diskussion zur Tarifrunde erfahren dürfen, dass die Bezahlung unterhalb der EG 9 im Vergleich zur Privatwirtschaft (zu) gut ist, während die Spezialisten in den oberen Entgeltgruppen unterbezahlt sind.
Also für die gute Bezahlung im ÖD wollen Handwerker nicht arbeiten?
Wir haben keine Probleme die Posten bis e8 (egal welchen Bereich) zu besetzen.
Erstaunlicherweise würden diese bei der Einstellung auch eine Einstufung in der Stufe 1 akzeptieren.
Glücklicherweise wird das bei uns idR nicht mehr gemacht, da man die Erfahrung gemacht hat, das diese Leute dann unzufrieden sind nach gewisser Zeit, da sie merken es wäre mehr gegangen.
So haben wir jetzt dankbare, langfristige Bindungen zu diesen Kollegen geschaffen (und wenn die Möhre der höherwertigen Stellen im Raum hängt, die dann auch mal erreicht wird, sogar zufriedene Menschen)

heike2106

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #71 am: 04.09.2019 08:20 »
Im Bereich Grünflächen/Friedhöfe und Bauhof ist es bei uns tatsächlich sehr schwer Gärtner, Mechatroniker, Elektroniker für E5, E6 zu finden.
Oder die Leute kündigen und gehen in die Privatwirtschaft

Bürohengst

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« Antwort #72 am: 04.09.2019 13:57 »
Hatte vor ein paar Wochen ein VG beim Land, Verwaltungsstelle E9 TV-H. Arbeite derzeit bei einer KdöR, mit Anlehnung an TVöD.
Habe 10 Jahre einschlägige Berufserfahrung + Fachwirt + aktuelle Rechtskenntnisse + Kenntnisse der in der Verwaltung eingesetzten Software (SAP). Das Gespräch lief super, die Stellenzusage gab es demzufolge auch prompt, nur bei der Stufenzuordnung fing das Theater dann an: Mehr als Stufe 3 gäbe es nicht - und die Stufenlaufzeit beginnt natürlich von vorne. Dies sei tarifvertraglich für alle Neueinstellungen so geregelt, man könne da nicht drüber hinaus (mag sein, geregelt ist allerdings auch, dass im Bedarfsfall davon abgewichen werden kann).
Fazit: Ich habe die Stelle von mir aus abgesagt, da ich nicht kündigen wollte, um mich um ca. 150,- Euro im Monat zu verschlechtern.

Es kommt nicht von ungefähr, dass inzwischen auch in der öffentlichen Verwaltung Personal fehlt. Wenn sich da nicht bald was tut, dann wird das auch noch extremer werden. Die Lücke zur Privatwirtschaft ist inzwischen beachtlich.

Spid

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #73 am: 04.09.2019 14:08 »
Der Fachwirt liegt gesamtwirtschaftlich bei 34000-58000€, das liegt im Spektrum E5/2 bis E9c/6 im TVÖD. Ich sehe auch in diesem Bereich also eher keinen Nachholbedarf. Im geschilderten Fall hätte der AG tariflich problemlos bis Stufe 5 gehen können. Auch dieses Problem lag somit nicht im Tarifvertrag begründet.

WasDennNun

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Antw:Bewerberlage Verwaltung?
« Antwort #74 am: 04.09.2019 19:03 »
Mehr als Stufe 3 gäbe es nicht - und die Stufenlaufzeit beginnt natürlich von vorne. Dies sei tarifvertraglich für alle Neueinstellungen so geregelt, man könne da nicht drüber hinaus (mag sein, geregelt ist allerdings auch, dass im Bedarfsfall davon abgewichen werden kann).
Entweder wiedermal unendliche Unwissenheit, Dummheit oder Ignoranz bei den entsprechenden Mitarbeiter, oder sie wollen nicht mehr zahlen und verstecken sich hinter solchen Falschaussagen.

Zitat
Fazit: Ich habe die Stelle von mir aus abgesagt, da ich nicht kündigen wollte, um mich um ca. 150,- Euro im Monat zu verschlechtern.
Nächstes mal kannst du diesen Aussagen ja mit einer Gegenfrage ob den der Inhalt von §16 gekannt wäre. Und warum sie diese Möglichkeiten nicht nuzen wollen.
Zitat
Es kommt nicht von ungefähr, dass inzwischen auch in der öffentlichen Verwaltung Personal fehlt. Wenn sich da nicht bald was tut, dann wird das auch noch extremer werden. Die Lücke zur Privatwirtschaft ist inzwischen beachtlich.
Ja, man sollte zunächst mal befähigte Personaler einstellen, dann ginge auch mehr.