Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 370925 times)

Bastel

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4095 am: 27.10.2020 09:40 »
Die freuen sich über Ihre 50€ und die sinkenden Preise bei TV und Smartphone.
Die meisten können nicht einmal richtig Prozentrechnen, meinst du, die können etwas mit dem Begriff Reallohnverlust anfangen?

Ihr habt so widerliche Ansichten. Manche würden dies schon als asozial bezeichnen.

Als wenn man niedrige Entgeltgruppe automatisch mit niedrige Intelligenz gleichsetzen kann. Für die Person, die Mitarbeiter als Postwagenschupser diffamiert, hoffe ich, dass ihm kein gesundheitlicher Schicksalsschlag mit verbundener EM-Rente in eine solche Lage bringt, einen Job in der Entgeltgruppe 2 anzunehmen. Es regen sich hier Leute auf, dass die Politiker und Behördenleiter den Bezug zur Basis verlieren und selbst seid ihr keinen Cent besser. Sich selber aufgeilen, indem man alle unter einem diskreditiert.

Die meisten haben aber keinen gesundheitlichen Schicksalsschlag hinter sich. Das ist noch einmal eine ganz andere Nummer. Zudem bezog ich mich in meinen Posts steht’s auf die netten Menschen in FB. Du kannst dir ja gerne mal ein Bild davon machen, wie dort über die „höheren“ EGs geschrieben wird.

Grape Soda

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4096 am: 27.10.2020 09:43 »
ich weiß nicht was ihr alle habt und immer auf Verdi rumhackt.
Das nicht alles perfekt läuft im ÖD und Verdi immer zu viel fordert als sie dann bekommen ist ja ein alter Hut.
Am Beispiel von mir:
Im Jahr 2007 wurde ich als Gruppenleiterhelfer in einer Werkstatt für Behinderte eingestellt. Damals E5/2. das waren ca 1875 Euro. Ich bin dann nach ca 18 Monaten zum Gruppenleiter aufgestiegen und wurde E6/2 bezahlt.
Dann kamen irgendwann die S-Tabellen und jetzt bin ich in der S7/5 mit 3508 Euro, immer noch als Gruppenleiter.
Ich bin mir sicher ohne die Verdi, wenn ich das selber verhandeln müsste, währe ich nicht so weit gekommen. Luft nach oben ist noch, aber so schlimm wie es immer dargestellt wird, finde ich das nicht.
Deswegen bin ich in Verdi und werde auch drinbleiben.
nix desto trotz gefällt mir das Verhandlungsergebnis nicht, und ich werde es ablehnen, wenn ich befragt werde.

Sie erhalten das Einstiegsgehalt eines Bauingenieurs im öffentlichen Dienst. Haltens sie das für gerechtfertigt? Zur Erinnerung: der Bauingenieur hat mindestens 12 Jahre die Schulbank gedrückt und ein schweres naturwissenschaftliches Studium hinter sich. Sollte der Bauingenieur nicht ein bisschen mehr in der Tasche haben?

Hat er ja, wenige Jahre später, also nein sollte er nicht.
Und über dieses "schwere Naturwissenschaftliche Studium" kann ich nur lachen, 1950 ist lange her... - vor allem 12 Jahre Gymnasium im vorraus... die beste und einfachste Zeit des Lebens, ein Privileg sondersgleichen und dafür soll besser bezahlt werden?
Zu meiner Studienzeit zur Jahrtausendwende waren in Bauing Durchfallquoten von studienbegleitenden Klausuren von 70-90% obligatorisch. Dazu 30h SWS Vorlesungen, d.h. 5 Scheine und Tutorien nochmal 10h. Also ein Vollzeitjob, wollte man das Diplom in 9 Semestern haben.
Keine Ahnung, was 5 Jahre nach den Krieg so gefordert wurde. Da sind Sie mir einen Schritt voraus.

Tatsache ist auch: Wenn Bauings Mist bauen, entsteht nicht nur hoher Sachschaden, im schlimmsten Fall sterben Menschen. Und zwar Big Time. Das unterscheidet sie in keinster Weise von Menschen in sozialen Berufen.

Wenn Sie Bauingenieure so abwerten, vielleicht möchten Sie den Studiengang nebenbei absolvieren? Evenutell gibt es noch alte Bänder vom Telekolleg oder so.

Kaiser80

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4097 am: 27.10.2020 09:46 »
Man kann die Leistung extern günstiger einkaufen, da die Dienstleister nicht an meinen Tarif gebunden sind und damit viel geringere Löhne zahlen.
Wieviele Reinigungskräfte sind denn heute noch direkt bei den Kommunen angestellt?
Unsere HVB und wir als Personalrat wollen sogar die Reinigungskräfte "zurückholen". Als Stärkungspaktkommune (fast) nicht zu realisieren.

Otto1

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4098 am: 27.10.2020 09:47 »
Zitat
Sie erhalten das Einstiegsgehalt eines Bauingenieurs im öffentlichen Dienst. Haltens sie das für gerechtfertigt? Zur Erinnerung: der Bauingenieur hat mindestens 12 Jahre die Schulbank gedrückt und ein schweres naturwissenschaftliches Studium hinter sich. Sollte der Bauingenieur nicht ein bisschen mehr in der Tasche haben?

Der Bauingenieur soll sich erstmal 13 Jahre bewähren und dann reden wir weiter. 3500 für einen Berufsanfänger ist ok. Wieviel hat er denn nach 13 Dienstjahren.

Inwiefern wäre Seniorität ein Leistungsmerkmal? Davon ab, ich wäre nach meinem Studium für den Gegenwert von 3500€ nicht einmal morgens aufgestanden, geschweige denn hätte ich dafür gearbeitet.

Hartzer? :D

Also nach 6 Semestern (Bauingenieur) an der FH sind 3500€ Einstiegsgehalt durchaus annehmbar... nein?

Offensichtlich nicht, da sich keiner bewirbt. Markt üblich sind mittlerweile eher 4500€ und dann kann es ganz schnell und weit nach oben gehen. Denken Sie ein Bauingenieur mit Leitungstätigkeit und 20 Jahre Berufserfahrung würde sich wie im öffentlichen Dienst mit rund 65-70k € inklusive Jahressonderzahlung abspeisen lassen?  Der Markt ist einfach leer gefegt. Junge Absolventen können es sich aussuchen was sie machen. Das gilt für alle Mangelberufe. Versuchen Sie doch mal einen Informatiker einzustellen der eine Hochschule gesehen hat, für 3500 €.

Novus

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4099 am: 27.10.2020 09:48 »

Warum sollte es weniger Postgedöns geben wenn die Entgelte steigen? Mehr Scheinselbständige wie bei dpd oder Hermes?

Wenn die eigenen Mitarbeiter für diese einfachen Tätigkeiten weit über dem marktgerechten Preis bezahlt werden müssen, ist die einzig richtige wirtschaftliche Entscheidung keine eigenen Mitarbeiter mehr dafür einzusetzen.
Man kann die Leistung extern günstiger einkaufen, da die Dienstleister nicht an meinen Tarif gebunden sind und damit viel geringere Löhne zahlen.
Wieviele Reinigungskräfte sind denn heute noch direkt bei den Kommunen angestellt?

Gleichzeitig steigt bei zu hohen Kosten natürlich der Druck strukturelle Änderungen vorzunehmen und auch gegebenenfalls zu automatisieren/digitalisieren. Dann braucht man nicht mehr mehrere Postwagenschieber, sondern es reichen zwei Personen, die die Papiereingänge scannen. Die Technik kostet zwar auch Geld, aber wenn das Personal so teuer ist, rechnet sich das schnell wieder.

Ist in meinen Augen aber eine Milchmädchenrechnung: Ein Beispiel aus unserem Hause: Wir haben auf Anraten de Finanzministeriums 2017 auf einen externen Dienstleister zur Gebäudereinigung umgestellt. Dies wird ausgeschrieben. Der erste genommene Anbieter putzte nicht ordentlich, daraufhin wurde er gekündigt und es wurde 3 Wochen GAR NICHT gereinigt.
Dies übernahmen dann wir, wohlgemert in einem Gebäude mir mehr als 60 Diensträumen, Fluren, 12 Toiletten und 8 Konferenzräumen. Noch dazu Denkmalgeschützt mit Dielenböden ... also viel Aufwand hoch bezahlter Kräfte die derzeit was anderes hätten tun können wie Kaffee trinken oder Donuts essen)

Nr. 2 verlor den Gebäudeschlüssel nach 6 Wochen, die Schließanlage musste ausgetauscht werden (endlich das Digitale System juhu) und vom Gebäudereiniger bekamen wir nichts weil: Insolvent.

Nr. 3 reinigt jetzt durchgehend Nachts - hier wird gegen mehrere Gesetze verstoßen - wir mahnen an, aber dann kommt halt keiner mehr.

März 2020 - die Firma wurde übernommen und verlangt jetzt fast das doppelte für die gleiche Arbeit, diesmal aber mit Mindestlohn und ausschließlich polnischen Kräften damit wir mit ihnen nicht mehr sprechen können...
Dann sprach die Chefin ein Machtwort (hehehehe)
Jetzt putzen wieder die eigenen Kräfte aus dem Nachbarhaus - dafür nur alle 2 Tage.
Wo haben wir da bitte gespart?
« Last Edit: 27.10.2020 10:03 von Novus »

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4100 am: 27.10.2020 09:52 »
Ich habe die verlinkten Studien u.ä. doch hier im Forum auseinandergenommen.

Du weißt schon, was ein Postwagenschubser tut?


Nein, du hast erklärt bei gegebener Zeit darüber zu "schauen" und dann nicht weiter reagiert.

Das ist eine wahrheitswidrige Behauptung:


Die Studien zum Sozialgedöns:

https://www.bagwfbm.de/page/sroi_allgemein

http://doku.iab.de/kurzber/2017/kb0217.pdf

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_Zwischen_Bildung_und_Betreuung.pdf

So, ich habe mich nunmehr damit auseinandergesetzt. Keine hat die von Dir behauptete Aussage.

Die Studie der BAG WfbM führt im wesentlichen aus, daß ein Teil der Fördermittel für WfbM und die dort versozialgedönsten Menschen über Steuern und Abgaben wieder in die öffentlichen Haushalte zurückfließe und WfbM somit weniger teuer seien als anderes Sozialgedöns. Zudem stützt die Studie meine Ausführungen dazu, daß bei größerem Betrachtungswinkel (in der Studie Perspektive 4) Sozialgedöns zu noch mehr Sozialgedöns und mehr Sozialgedöns-Jobs führt - die man sich ohne Sozialgedöns allesamt sparen könnte.

Der zweite Link führt nicht zu einer Studie, sondern zu einem Kurzbericht über eine Modellrechnung - deren Annahmen nicht nur den Rechnungen anderer Wirtschaftsforschungsinstitute (z.B. ifo) widerspricht, sondern bereits durch neuere Forschung (bspw. des IAW widerlegt wurden - und sich nur zu einem kleinen Teil auf Sozialgedöns bezieht.

Die Bertelsmannstudie befaßt sich überhaupt nicht mit Sozialgedöns, sondern mit Kinderbetreuung und deren wirtschaftlichen Effekten, in erster Linie also der Aktivierung von erwerbsfähigen Menschen für den Arbeitsmarkt durch Entlastung bei der Aufzucht ihres Nachwuchses.

Zitat
Was tun denn Postwagenschubser bei euch?

Wir haben überhaupt keine. Bei benachbarten Behörden schieben diese einen Schubwagen durch die Gegend und verteilen daraus Post - so wie Michael J. Fox als Brantley Foster in „Das Geheimnis meines Erfolges“.

Zitat
Und für mich waren 1996 4.360 DM  absolut ausreichend, nach 13 Jahren Schulbank und 18 Semestern an der Uni.

OH und ich hatte auch ein "sehr schweres naturwissenschaftliches Studium" :D

Ansprüche sind halt unterschiedlich.


Novus

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« Antwort #4101 am: 27.10.2020 09:55 »
Zu meiner Studienzeit zur Jahrtausendwende waren in Bauing Durchfallquoten von studienbegleitenden Klausuren von 70-90% obligatorisch. Dazu 30h SWS Vorlesungen, d.h. 5 Scheine und Tutorien nochmal 10h. Also ein Vollzeitjob, wollte man das Diplom in 9 Semestern haben.
Keine Ahnung, was 5 Jahre nach den Krieg so gefordert wurde. Da sind Sie mir einen Schritt voraus.

Tatsache ist auch: Wenn Bauings Mist bauen, entsteht nicht nur hoher Sachschaden, im schlimmsten Fall sterben Menschen. Und zwar Big Time. Das unterscheidet sie in keinster Weise von Menschen in sozialen Berufen.

Wenn Sie Bauingenieure so abwerten, vielleicht möchten Sie den Studiengang nebenbei absolvieren? Evenutell gibt es noch alte Bänder vom Telekolleg oder so.

Ich möchte niemanden abwerten, aber die Regelstudienzeit für Bauingenieure FH liegt bei 6-7 Semestern. Und da sind auch die Meisten. 70-80% fallen nicht durch, sondern wechseln den Studiengang bzw. brechen ab, zumindest hier in BW. Laut meiner Statistik fallen 20% durch, meist in Mathematik - was glaube ich mehr an den miserablen Gymnasien liegt, weniger am Studienfach selbst.

Mich stört die Aufrechnung: Ingenieur>*.*

Wer einem Magister/Master Abschluss von der Uni erarbeitet hat - keine Frage, aber ein "einfacher" Bachelorabschluss ist kein Hexenwerk - egal welcher Art (ok Ufologie nehm ich aus)
« Last Edit: 27.10.2020 10:03 von Novus »

Novus

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« Antwort #4102 am: 27.10.2020 10:01 »
Das ist eine wahrheitswidrige Behauptung:

Ansprüche sind halt unterschiedlich.

Ja stimmt, ich war wohl immer schon etwas Anspruchsloser :)

Dann entschuldige ich mich für diese Behauptung und nehme sie zurück - ich hatte diese Antwort schlicht nicht gelesen.
Dennoch muss ich darauf bestehen, dass meine Annahme Sozialgedöns könne sich lohnen der Warhheit entspricht und sich dafür Anhaltspunkte aus den von mir angegebennen Quellen ableiten lassen. Für mich gehört Kinderbetreuung auch zum Sozialgedöns.

Spid

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« Antwort #4103 am: 27.10.2020 10:03 »
Für mich nicht, für die TVP offenkundig auch nicht, weshalb es ja Sozial- und Erziehungsgedöns... ääh, dienst heißt.

SpotJ

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« Antwort #4104 am: 27.10.2020 10:05 »
Zu meiner Studienzeit zur Jahrtausendwende waren in Bauing Durchfallquoten von studienbegleitenden Klausuren von 70-90% obligatorisch. Dazu 30h SWS Vorlesungen, d.h. 5 Scheine und Tutorien nochmal 10h. Also ein Vollzeitjob, wollte man das Diplom in 9 Semestern haben.
Keine Ahnung, was 5 Jahre nach den Krieg so gefordert wurde. Da sind Sie mir einen Schritt voraus.

Tatsache ist auch: Wenn Bauings Mist bauen, entsteht nicht nur hoher Sachschaden, im schlimmsten Fall sterben Menschen. Und zwar Big Time. Das unterscheidet sie in keinster Weise von Menschen in sozialen Berufen.

Wenn Sie Bauingenieure so abwerten, vielleicht möchten Sie den Studiengang nebenbei absolvieren? Evenutell gibt es noch alte Bänder vom Telekolleg oder so.

Ich möchte niemanden abwerten, aber die Regelstudienzeit für Bauingenieure FH liegt bei 6-7 Semestern. Und da sind auch die Meisten. 70-80% fallen nicht durch, sondern wechseln den Studiengang bzw. brechen ab, zumindest hier in BW. Laut meiner Statistik fallen 20% durch, meist in Mathematik - was glaube ich mehr an den miserablen Gymnasien liegt, weniger am Studienfach selbst.

Mich stört die Aufrechnung: Ingenieur>*.*

Wer einem Magiser/Master Abschluss von der Uni erarbeitet hat - keine Frage, aber ein "einfacher" Bachelorabschluss ist kein Hexenwerk - egal welcher Art (ok Ufologie nehm ich aus)

Ist eigentlich quatsch. Im Ingenieursstudium sind die knallharten Fächer im Bachelor.  Der Master war dagegen eine entspannte Ergänzung. Und mein Studium ist erst 7 Jahre her und ich erinnere mich sehr gut daran, hart dafür gearbeitet zu haben, während meine Freunde in Berufsausbildung quasi jedes Wochenende feiern gingen.

Finde übrigens auch solche Aussagen wie Postwagenschubser etc. total unangebracht. Wieso sollen wir uns gegenseitig bekriegen?
Aber irgendwann, wenn die unteren Entgeltgruppen durch dauernde Mindestbetragserhöhungen bei den Akademikern angekommen sind, braucht sich auch keiner mehr wundern, wieso es keinen Fortschritt in Infrastruktur und Co gibt.

Otto1

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« Antwort #4105 am: 27.10.2020 10:08 »
Zu meiner Studienzeit zur Jahrtausendwende waren in Bauing Durchfallquoten von studienbegleitenden Klausuren von 70-90% obligatorisch. Dazu 30h SWS Vorlesungen, d.h. 5 Scheine und Tutorien nochmal 10h. Also ein Vollzeitjob, wollte man das Diplom in 9 Semestern haben.
Keine Ahnung, was 5 Jahre nach den Krieg so gefordert wurde. Da sind Sie mir einen Schritt voraus.

Tatsache ist auch: Wenn Bauings Mist bauen, entsteht nicht nur hoher Sachschaden, im schlimmsten Fall sterben Menschen. Und zwar Big Time. Das unterscheidet sie in keinster Weise von Menschen in sozialen Berufen.

Wenn Sie Bauingenieure so abwerten, vielleicht möchten Sie den Studiengang nebenbei absolvieren? Evenutell gibt es noch alte Bänder vom Telekolleg oder so.

Ich möchte niemanden abwerten, aber die Regelstudienzeit für Bauingenieure FH liegt bei 6-7 Semestern. Und da sind auch die Meisten. 70-80% fallen nicht durch, sondern wechseln den Studiengang bzw. brechen ab, zumindest hier in BW. Laut meiner Statistik fallen 20% durch, meist in Mathematik - was glaube ich mehr an den miserablen Gymnasien liegt, weniger am Studienfach selbst.

Mich stört die Aufrechnung: Ingenieur>*.*

Wer einem Magiser/Master Abschluss von der Uni erarbeitet hat - keine Frage, aber ein "einfacher" Bachelorabschluss ist kein Hexenwerk - egal welcher Art (ok Ufologie nehm ich aus)

Es geht um die Situation am Markt. Das Personal ist heißbegehrt. Im öD und in der fW. Der öD ist aber nicht konkurrenzfähig.

Gleiches gilt für Informatiker. Da schaffen noch viel weniger das Studium und die fW zahlt noch höhere Löhne. Wie soll den Digitalisierung in die deutsche Verwaltung kommen? Der Bund schafft es ja noch nicht mal seine IT zu konsolidieren. Dort wurden schon wieder hunderte Millionen an „Berater“ verbrannt.

Novus

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« Antwort #4106 am: 27.10.2020 10:08 »
@SpotJ Das hängt doch nun sehr von der individuellen Merk- und Leistungsfähigkeit ab.

@Otto1 Was ist eigentlich falsch an Fachinformatikern? Wir haben 2 im Hause und ich bin durchweg zufrieden.

AndreasG

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« Antwort #4107 am: 27.10.2020 10:10 »
Der öD existiert nunmal nicht im Luftleeren Raum und für niedrig qualifizierte Tätigkeiten bis zu 200% von dem zu zahlen was in der fW für vergleichbare Tätigkeiten geboten wird ist genau so panne wie für hochqualifizierte Tätigkeiten 50% von dem zu zahlen was in der fW üblich ist.

Nachbarkommune versucht seit 2 Monaten einen Fachinformatiker mit mindestens 5 Jahren Berufserfahrung zu bekommen. Soll als Admin eingesetzt werden aber auch Berufserfahrung als PHP Entwickler mitbringen.
Vorgesehen EG ist E6 bis E7...

Die gleiche Kommune sucht auch Sachbearbeiter im Ordnungsamt für E8...


Novus

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« Antwort #4108 am: 27.10.2020 10:12 »
Ja, ne, dafür kommt keiner... E6? Bei uns sind die FI´s E9, aber wir sind auch TV-L....

kleri

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« Antwort #4109 am: 27.10.2020 10:12 »

Warum sollte es weniger Postgedöns geben wenn die Entgelte steigen? Mehr Scheinselbständige wie bei dpd oder Hermes?

Wenn die eigenen Mitarbeiter für diese einfachen Tätigkeiten weit über dem marktgerechten Preis bezahlt werden müssen, ist die einzig richtige wirtschaftliche Entscheidung keine eigenen Mitarbeiter mehr dafür einzusetzen.
Man kann die Leistung extern günstiger einkaufen, da die Dienstleister nicht an meinen Tarif gebunden sind und damit viel geringere Löhne zahlen.
Wieviele Reinigungskräfte sind denn heute noch direkt bei den Kommunen angestellt?

Gleichzeitig steigt bei zu hohen Kosten natürlich der Druck strukturelle Änderungen vorzunehmen und auch gegebenenfalls zu automatisieren/digitalisieren. Dann braucht man nicht mehr mehrere Postwagenschieber, sondern es reichen zwei Personen, die die Papiereingänge scannen. Die Technik kostet zwar auch Geld, aber wenn das Personal so teuer ist, rechnet sich das schnell wieder.

Ist in meinen Augen aber eine Milchmädchenrechnung: Ein Beispiel aus unserem Hause: Wir haben auf Anraten de Finanzministeriums 2017 auf einen externen Dienstleister zur Gebäudereinigung umgestellt. Dies wird ausgeschrieben. Der erste genommene Anbieter putzte nicht ordentlich, daraufhin wurde er gekündigt und es wurde 3 Wochen GAR NICHT gereinigt.
Dies übernahmen dann wir, wohlgemert in einem Gebäude mir mehr als 60 Diensträumen, Fluren, 12 Toiletten und 8 Konferenzräumen. Noch dazu Denkmalgeschützt mit Dielenböden ... also viel Aufwand hoch bezahlter Kräfte die derzeit was anderes hätten tun können wie Kaffee trinken oder Donuts essen)

Nr. 2 verlor den Gebäudeschlüssel nach 6 Wochen, die Schließanlage musste ausgetauscht werden (endlich das Digitale System juhu) und vom Gebäudereiniger bekamen wir nichts weil: Insolvent.

Nr. 3 reinigt jetzt durchgehend Nachts - hier wird gegen mehrere Gesetze verstoßen - wir mahnen an, aber dann kommt halt keiner mehr.

März 2020 - die Firma wurde übernommen und verlangt jetzt fast das doppelte für die gleiche Arbeit, diesmal aber mit Mindestlohn und ausschließlich polnischen Kräften damit wir mit ihnen nicht mehr sprechen können...
Dann sprach die Chefin ein Machtwort (hehehehe)
Jetzt putzen wieder die eigenen Kräfte aus dem Nachbarhaus - dafür nur alle 2 Tage.
Wo haben wir da bitte gespart?

Da hat wohl jemand ordentlich bei der Gestaltung der Vertragsbedingungen und der Ausschreibung geschlampt. Diese Erfahrung lässt sich nicht auf das Gros der vergebenen Reinigungsdienstleistungen übertragen.