@Durgi
Wie hoch schätzt du die Wahrscheinlichkeit ein, dass da am Ende auch etwas Ehrliches rauskommt (bei Bund und Ländern)?
Höher als 5%?
Mhmm....das ist super komplex, da fehlt mir in anderen Ressorts der Einblick. Ich formuliere vorsichtig mal nur in meinem Fachbereich und versuch' dir das ein wenig aufzubauen.
das Berliner Urteil betrifft nicht den Bund. Die Entscheidung aus Karlsruhe verpflichtet ausschliesslich das Land Berlin, sein Landesbesoldungsrecht bis 2027 zu korrigieren.
Das hat keine unmittelbare Rechtswirkung fuer das Bundesbesoldungsrecht.
Der Bund wurde in diesem Verfahren weder geprueft noch verurteilt.
Der Bund ist bisher juristisch nicht adressiert...Ein Gericht hat das BBesG bislang nicht fuer verfassungswidrig erklaert. Weder das BVerfG noch das Bundesverwaltungsgericht haben dem Bund eine Frist gesetzt oder eine Reform angeordnet. Der Bund steht daher
formal noch vor der Situation, die Berlin bereits hinter sich hat. (plenty of Verzoegerungsoptionen...

)
Die mediale Aufmerksamkeit aendert nur den Druck, nicht die Rechtslage. Die breite Berichterstattung in SPIEGEL, FAZ, SZ usw. erhoeht zwar den politischen Erklaerungsdruck, aber sie ersetzt keine gerichtliche Anordnung und keinen Haushaltsbeschluss.
Mit Medienkonzert und oeffentlicher Sichtbarkeit liegt die Chance einer wirklich ehrlichen, verfassungskonformen Loesung beim Bund nun ahS bei etwa 10–15% (falls dir eine Zahl wichtig ist und ich jetzt mal meine Erfahrung nach mehr als einem Vierteljahrhundert Systemling einstreuen darf)
Mehr ist es nich... ohne expliziten Richterspruch gegen das Bundesrecht bleibt der politische Anreiz zur Offenheit minimal.
Sollte mich Klingbeil, bzw. seine Sts in der naechsten Zeit ueberraschen, veraendere ich liebend gerne die Zahl

Es wird erst dann ehrlich, wenn einer dieser drei Faktoren zuschlaegt:
1. Ein Gericht zwingt den Bund direkt zur Reform
2. Eine Massenklagewelle droht
3. Ein Minister oder Fraktionsvorstand erkennt, dass „ehrliche Reparatur“ politisch weniger schaedlich ist
als jahrelange Verfassungswidrigkeit.
Aktuell ist Punkt 3 der einzige dynamische Faktor – und genau deswegen steigt die Wahrscheinlichkeit leicht, aber nicht dramatisch.