Tarifrunde 2025 - kein Geld in den Ländern

Begonnen von Zinc, 14.05.2025 09:41

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Garfield

Zitat von: Rowhin in 12.09.2025 07:59
Zitat von: Garfield in 12.09.2025 07:42
Wie weiter oben schon von jemand anderem angeführt, den Bildungsurlaub nehmen in der Regeln pro Betrieb/Behörde sowieso nur 1-2 Leute, meist Gewerkschafter aus dem Personalrat. Das lohnt sich nicht, denen das zu verweigern. Daher ist das eine sehr theoretische Diskussion.

Wir haben genug Feedback von Sachbearbeiterebene, dass Vorgesetzte so oft Weiterbildungen über 1-2 Tage nie genehmigen, dass wir jetzt auf Uni-Ebene 4 Weiterbildungstage pro Jahr einführen, auf die alle Mitarbeitenden Anrecht haben. Mal schauen wie das in der Umsetzung so läuft, aber die Idee ist, dass die Vorgesetzten natürlich sagen können "nicht an dem Tag, da brauch ich dich unbedingt", aber halt nicht jedes Mal.

Der Unterschied zwischen einer Fortbildung und dem Bildungsurlaub ist ja aber eigentlich, dass das eine betriebsbezogen ist und vom AG gezahlt wird und das andere reines Privatvergnügen des AN ist.
Und genau deswegen nehmen die wenigsten Bildungszeit, weil sie keine Lust haben Geld dafür auszugeben, auch wenn es extra Urlaubstage sind.

Wenn ihr nun den Bildungsurlaub für innerbetriebliche Weiterbildungen nutzt ist das vielleicht clever, aber eigentlich eine klare Zweckentfremdung.


Modulator

Was mir an Verdi nach der Einigung auf neue Verträge auf den Sa** geht, ist die Kommunikation, für seine Mitgleider z. B. tolle 5,x % erreicht zu haben.

Was immer unter den Teppich fällt, ist die Laufzeit von mindestens 24 Monaten.
Dann lesen sich die Prozente ganz anders.
Die schwache Lobby in der Öffentlichkeit tut ein übriges, dass das "faule Pack" so viel mehr Geld bekommt.
Schaut man genauer hin, ist es einfach nur ein Inflationsausgleich. Mehr nicht.

troubleshooting

Zitat von: Modulator in 12.09.2025 09:49
Was mir an Verdi nach der Einigung auf neue Verträge auf den Sa** geht, ist die Kommunikation, für seine Mitgleider z. B. tolle 5,x % erreicht zu haben.

Was immer unter den Teppich fällt, ist die Laufzeit von mindestens 24 Monaten.
Dann lesen sich die Prozente ganz anders.
Die schwache Lobby in der Öffentlichkeit tut ein übriges, dass das "faule Pack" so viel mehr Geld bekommt.
Schaut man genauer hin, ist es einfach nur ein Inflationsausgleich. Mehr nicht.

Stimmt, hinzu kommt aber, dass es in vielen Bereichen einfach nicht, nur wenig sinnig ist zu streiken, sondern die Länder auch noch freut.
Nimm die Bauverwaltungen. Wenn da gestreikt wird, passieren 2 Dinge:
1. Der AG braucht die Gehälter nicht zahlen - Jubel!
2. Die Arbeit bleibt liegen - und? Bleibt sie wegen inzwischen vorliegender absoluter Unterbesetzung eh. Da kommt es auf ein paar Wochen auch nicht mehr an. Dazu gibt es dem AG eine super Rechtfertigung gegenüber der Öffentlichkeit, warum es wie immer länger dauert... Joah, Corona, Ukraine Krieg, oh und dann hatten wir ja Streik!!! Doppelter Jubel!

Das Dumme ist, Notdienst - alles was Gefahr für Leib und Leben abwehrt - muss ja bleiben. Derzeit wird an vielen Stellen eh nur noch dies abgearbeitet, weil mehr gar nicht mehr geht.

Aber, erwarten sollten die Landesbediensteten eh nix. Der Betriebsratsvorsitzende meines letzten AGs war mal bei den Tarifverhandlungen dabei und kam völlig desillusioniert wieder, weil a) er ausdrücklich ermahnt wurde, dass er dort nichts sagen darf und auch b) hinter den Kulissen Gewerkschaftsintern absolute keine "neuen" Ideen gewünscht waren. Er ist auch nicht mehr im ÖD, von daher denke ich, es wird nichts aber auch gar nichts passieren, bevor das AG-AN-System nicht völlig zusammenbricht.
Ich verkneife mir inzwischen nicht mal mehr das Grinsen, wenn ich wieder erzählt bekomme, wir haben keine Leute. Richtig, mit dem was die AG bieten, wurden sie ja auch vergrault.

Aleksandra

Zitat von: Modulator in 12.09.2025 09:49
Schaut man genauer hin, ist es einfach nur ein Inflationsausgleich. Mehr nicht.
Wenn es das denn wenigstens wäre. Bei den letzten beiden TVÖD-Verhandlungen (nur die kenne ich, weil ich erst seit 2022 an Bord bin) wurde ein Reallohnverlust beschlossen, also unter Inflationsausgleich.
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 2,33%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,4% - Verdi 3,00%
2026/7: Inflation 2,75% - Verdi 3,99%

MoinMoin

Zitat von: Aleksandra in 12.09.2025 10:36
Zitat von: Modulator in 12.09.2025 09:49
Schaut man genauer hin, ist es einfach nur ein Inflationsausgleich. Mehr nicht.
Wenn es das denn wenigstens wäre. Bei den letzten beiden TVÖD-Verhandlungen (nur die kenne ich, weil ich erst seit 2022 an Bord bin) wurde ein Reallohnverlust beschlossen, also unter Inflationsausgleich.
Ja du hast wirklich Pech gehabt und die "fetten" Jahren nicht miterlebt, in dem Reallohngewinne vereinbart wurden (den du übrigens auch ausgezahlt bekommst. :-*

Aleksandra

Also bin ich in den ÖD zu einem all-time-high eingestiegen und muss daher jetzt mit Kursverlusten oder Stagnation leben?  :o
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 2,33%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,4% - Verdi 3,00%
2026/7: Inflation 2,75% - Verdi 3,99%

MoinMoin

Zitat von: Aleksandra in 12.09.2025 11:14
Also bin ich in den ÖD zu einem all-time-high eingestiegen und muss daher jetzt mit Kursverlusten oder Stagnation leben?  :o
noop es gab auch noch schlimmerer low times im öD
und
yipp du bist offenbar zu einer all-time-high inflation in die Arbeitswelt eingestiegen.

denn in der Zeit von 1993 bis 2012 hatte wir im öD keine Lohnentwicklung die sich dauerhaft von der Inflation abgehoben hat.
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Vollender

Zitat von: troubleshooting in 12.09.2025 10:05
Stimmt, hinzu kommt aber, dass es in vielen Bereichen einfach nicht, nur wenig sinnig ist zu streiken, sondern die Länder auch noch freut.
Nimm die Bauverwaltungen. Wenn da gestreikt wird, passieren 2 Dinge:
1. Der AG braucht die Gehälter nicht zahlen - Jubel!
2. Die Arbeit bleibt liegen - und? Bleibt sie wegen inzwischen vorliegender absoluter Unterbesetzung eh. Da kommt es auf ein paar Wochen auch nicht mehr an. Dazu gibt es dem AG eine super Rechtfertigung gegenüber der Öffentlichkeit, warum es wie immer länger dauert... Joah, Corona, Ukraine Krieg, oh und dann hatten wir ja Streik!!! Doppelter Jubel!

Und hier mache in den Gewerkschaften den konkreten Vorwurf, bei der Reform/Abschaffung des BAT einen fetten strategischen Fehler begangen zu haben. Der ÖD wurde zerstückelt und die einst gute Streikmacht zerbrochen. Ohne großen Widerstand wie mir noch in Erinnerung ist und bei damals spürbar mehr Mitgliedern wie heute. Der Widerstand war zu gering. Das war einhellige Meinung von uns Gewerkschaftlern damals.

LehrerBW

Der momentane Tarifvertrag geht noch 6 Wochen.
Ist schon bekannt wann die Forderungen für die nächste Runde veröffentlicht werden?

Arwen


cyrix42

Zitat von: LehrerBW in 14.09.2025 09:14
Der momentane Tarifvertrag geht noch 6 Wochen.

Der TV-L (als "momentane[r] Tarifvertrag) "geht" weiter; er ist unbefristet geschlossen und wurde auch von keiner der Tarif-Parteien gekündigt. Ausschließlich die die Entgelttabellen enthaltenen Anhänge wurden durch die Gewerkschaften fristgerecht gekündigt. Zu allen anderen Regelungen des Tarif-Vertrags sind sich alle Beteiligten einig, dass diese weiterhin gelten.

LehrerBW

Zitat von: cyrix42 in 14.09.2025 12:52
Zitat von: LehrerBW in 14.09.2025 09:14
Der momentane Tarifvertrag geht noch 6 Wochen.

Der TV-L (als "momentane[r] Tarifvertrag) "geht" weiter; er ist unbefristet geschlossen und wurde auch von keiner der Tarif-Parteien gekündigt. Ausschließlich die die Entgelttabellen enthaltenen Anhänge wurden durch die Gewerkschaften fristgerecht gekündigt. Zu allen anderen Regelungen des Tarif-Vertrags sind sich alle Beteiligten einig, dass diese weiterhin gelten.
Danke für die Berichtigung 👍
Kenne mich da nicht so aus 🤷‍♂️
Finde das alles schon sehr spät irgendwie...hoffentlich nicht zum Nachteil für uns.

Rowhin

Zitat von: LehrerBW in 14.09.2025 21:52

Finde das alles schon sehr spät irgendwie...hoffentlich nicht zum Nachteil für uns.

Ist es. Das ist schon so intendiert, genau wie drei Verhandlungsrunden. Gehört leider alles mittlerweile zum Spiel dazu. Nullrunden sind halt sehr praktisch für die AG Seite.

Modulator

Von frustrierten Arbeitnehmern und "innernen" Kündigung haben die noch nichts gehört?

Wenn du nichts werden kannst und dich nicht wertgeschätzt, vielleicht sogar verarscht fühlst, warum soll man sich denn engagieren und mehr tun als nötig?

Ich will hier niemanden zu irgendetwas anstiften oder auffordern aber Wertschätzung geht anders.
Wenn ich mir die Liste der Abgänge der nächsten zwei Jahre ansehe, da grauts einem.
Vor allem diese erfahrenen Leute wieder mit kompetenten Leuten zu besetzen.
If you pay peanuts, you get monkeys.

Zinc

Zitat von: Modulator in 15.09.2025 07:20
...
If you pay peanuts, you get monkeys.

Das zeigte sich bei uns schon seit den letzten Verhandlungen, viele Abgänge und gleichzeitig "eher weniger geeignetes Personal", welches nachgerückt ist. Fakt ist, die Arbeit wird dennoch irgendwie gemacht. Es wird sich früher oder später immer einer finden, der den Job für das Geld macht.