Tarifrunde TV-L 2025 - Diskussion III

Begonnen von username, Gestern um 09:31

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daseinsvorsorge

Zitat von: MoinMoin in Heute um 19:55Die die nicht verhandeln wollen oder nicht in der Position sind zu verhandeln.
Aber wer braucht ein Tarifvertrag, der die Obergrenze dessen ist was bezahlt werden darf?
Na ja- da waren wir ja öfters. M.E sind ca. 95% gar nicht in der Position zu verhandeln, weil es den AGs völlig gleich ist, ob sie gehen. Dann bleiben nur ca. 5% wie Sie, dem der AG ein Wechsel nicht gleich ist.

Danach wäre ein überwältigende Mehrheit auf einen Tarifvertrag angewiesen- welche Einschätzung zu den Zahlen haben Sie ?

matthew1312

Zitat von: Rheini in Heute um 18:28Und vielleicht noch ein Trost für dich. Deine Generation wird ein vielfaches mehr erben, als die Generation der heutigen Rentner.
Was ist daran ein Trost? Die Erbschaften maches es nur noch schlimmer.

Die Erbschaften zementieren Vorteile von Menschen, die mit zwei Elternteilen großwerden. Nachwuchs Alleinerziehender bleibt auf der Strecke.

Richtig ist, dass sich nicht jeder Nachteil ausgleichen lässt. Aber: Die Erbschaften sind in die Immobilienwerte eingepreist.

Schon vor über 10 Jahren titelte die ZEIT, dass diese Verhältnisse dafür sorgen, dass wir einen ungewollten Gleichmacher haben. Denn: Während einige Karriere machen, sechsstellig verdienen und mit Disziplin privat Verzicht üben, merken sie beim Klassentreffen, dass ihr Beruf gemessen an dem Lebensstil des erbenden, häufig auch mal krankgeschriebenen Teilzeit-Sachbearbeiters eigentlich nur als Hobby anzusehen sein kann. Warum? Weil am Ende des Tages beide Gruppen dasselbe Vermögen haben.

Rory Sutherland hält dazu seit 2025 fest:

Der studierte Manager wohnt zur Miete, während seine Underlings in regelrechten Anwesen hausen – und damit genug FU money haben, um nötige Hierarchien auf den Kopf zu stellen.

Wir leben nicht mehr in einer Meritokratie.

MoinMoin

Zitat von: RedDearTiger in Heute um 19:26Dann wird die jüngere Generation aber auch kein Haus mehr von Ihren Eltern erben können, da der Wert dieser meist über den Freibetrag liegt. Ist auch eine Form der Enteignung. Btw. beim Bau des Hauses wurden schon massig Steuern gezahlt; das Recht da nochmal zuzugreifen erschließt sich mir irgendwie immer noch nicht (zumindest bei allem unter 10 Mio €).

Selbst genutzte Immobilien sind steuerfrei.

Und das Argument auf X wurden schon steuern bezahlt, warum darauf nochmla zugreifen ...... ist irgendwie auch seltsam

Auf mein Lohn wurden steuern bezahlt, warum muss ich darauf Steuern zahlen
Auf mein Einkauf ebenso

...

Also nein auf das Haus deiner Eltern hast DU noch nie Steuern gezahlt. Und die FB sind doch ausreichend, die müssen nicht bei 10 Mio anfangen.




Aleksandra

Zitat von: MasterNoname89 in Heute um 20:12Diese Rechnung habe ich nur aufgrund der vorherigen Posts der anderen Nutzer eingestellt. Ich sehe es wie du, in Summe spart jedoch die Arbeitgeberseite für den Zeitraum, in dem die Erhöhung noch nicht voll greift. Unterm Strich zählt am Ende jedoch das, was nachhaltig in der Tabelle steht.
Jep, und vielen Dank dafür (ernst gemeint).
Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen wie man auf die 3,1% kommt :D
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 2,33%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,4% - Verdi 3,00%
2026/7: Inflation 2,75% - Verdi 3,99%

Aleksandra

Zitat von: MoinMoin in Heute um 20:18Selbst genutzte Immobilien sind steuerfrei.

Und das Argument auf X wurden schon steuern bezahlt, warum darauf nochmla zugreifen ...... ist irgendwie auch seltsam

Auf mein Lohn wurden steuern bezahlt, warum muss ich darauf Steuern zahlen
Auf mein Einkauf ebenso

...

Also nein auf das Haus deiner Eltern hast DU noch nie Steuern gezahlt. Und die FB sind doch ausreichend, die müssen nicht bei 10 Mio anfangen.
Dazu hat Kevin Kühnert jüngst bei hart aber fair ja was passendes auf den Punkt gebracht. Im Gesetz wird nicht umsonst eindeutig von einem ErbschaftsERWERB geredet. Der Lohnerwerb wird mit bis zu 42% bzw. 45% besteuert. Aber der leistungslose Erbschaftserwerb bleibt steuerbefreit? Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.
Und absolut eklig, dass sich ausgerechnet diese "Leistung muss sich wieder lohnen" Politiker am heftigsten gegen eine vernünftige Erbschaftssteuer wehren.
Reallohnverlust seit Dienstantritt: 2,33%
2022: Inflation 6,9% - Verdi 1,8%
2023: Inflation 5,9% - Verdi 0%
2024: Inflation 2,2% - Verdi 9,03%
2025: Inflation 2,4% - Verdi 3,00%
2026/7: Inflation 2,75% - Verdi 3,99%

matthew1312

Zitat von: MoinMoin in Heute um 20:18Selbst genutzte Immobilien sind steuerfrei.

Und das Argument auf X wurden schon steuern bezahlt, warum darauf nochmla zugreifen ...... ist irgendwie auch seltsam

Auf mein Lohn wurden steuern bezahlt, warum muss ich darauf Steuern zahlen
Auf mein Einkauf ebenso

...

Also nein auf das Haus deiner Eltern hast DU noch nie Steuern gezahlt. Und die FB sind doch ausreichend, die müssen nicht bei 10 Mio anfangen.




Ich unterstütze diesen Beitrag.

Es ist nun einmal so, dass in jeder Alterskohorte kollegiale Wettbewerber leben. Wenn nun der eine – obgleich nicht vorwerfbar – den Immobilienerwerb des anderen nicht durch Können, sondern durch die Preise erhöhende Erbschaftsaussichten erschwert, gefährdet das die Kohäsion der Gesellschaft.

Oliver1976

Zitat von: NelsonMuntz in Heute um 20:07Genau da liegt ja das Problem, denn 50% der jüngeren Generation erbt: Nix! Pech gehabt, sind halt Opfer, sollen die sich eben mehr anstrengen, diese Lappen!

Ernsthaft: Wohlstand gehört erarbeitet, nicht ererbt!

(Ich werde in den kommenden Jahren auch Erbschaftssteuer zahlen müssen - und das ist völlig okay)

... Wenn man das mal intensiver ventiliert, wird man feststellen, dass die sozio-ökonomischen Schieflagen im Land NICHT an den Einkommen hängen, sondern an der ungleichen "Verteilung" von Vermögen. So kann der Beamte im mD als Alleinverdiener mit drei Kindern im ererbten Haus aus feines Leben führen, während das Ärzte-Ehepaar bei der Beantragung eines Baukredits skeptische vom Bankberater erntet. Das ist der Unterschied zwischen einer Stände- und einer Leistungsgesellschaft. Ich mag Leistung, Erbschaften (also leistungsloses Einkommen) gehört besteuert. Echt!

Sehe ich völlig anders. Ich bin völlig gegen eine Besteuerung von Werten, die schon einmal einer Besteuerung unterlagen. Auch Eigentum wurde mit versteuertem Geld finanziert und meistens durch Verzicht erwirtschaftet. Diesen Verzicht haben auch die nun Erbenden miterlebt, da sie im Regelfall Teil dieser Familie waren.

Gleiches gilt für Kapitalerträge. Der Staat sucht sich immer Mittel und Wege, wie er doch noch am schwer erwirtschafteten Vermögen einen Anteil abhaben will. Das Risiko soll man schön selbst tragen und wenn's positiv läuft wird man zur Kasse gebeten.

Bestes Beispiel die fondsgebundenen Renten, die man noch vor 2001 zur Altersvorsorge abgeschlossen hat und die angeblich steuerfrei bleiben. Ertragsmäßig vielleicht schon, aber nun hat man eingeführt, dass Krankenkassenbeiträge auf dieses Vermögen erhoben werden. Betrifft zwar dann nur die freiwillig gesetzlich Versicherten, aber es trifft eine Gruppe. Und wenn es dumm läuft, dann liegen die GKV-Beiträge nachher so hoch, dass Sie den kompletten Gewinn, den man ja derzeit noch nicht kennt, an der fondsgebundenen Rente auffressen. Und dann war es das mit der Altersvorsorge über diesen Weg.


Länderknecht

Zitat von: Aleksandra in Heute um 19:53Damit wird aber nicht die normale Altersrente bezuschusst. Dieser Zuschuss geht für versicherungsfremde Leistungen drauf. Und das sind Sozialleistungen, die der Sozialstaat als Transferleistungen ausgibt. Es gibt Quellen die sogar nahelegen (100% weiß mans nicht, weil das zu intransparent und kompliziert ist, und selbst die Ministerien das nicht mehr klar trennen können), dass dieser Zuschuss gar nicht ausreicht um diese versicherungsfremden Leistungen gegenzufinanzieren. Was konkret bedeutet: Mit unseren Rentenbeiträgen werden Sozialleistungen finanziert, die eigentlich aus Steuermitteln kommen müssten und nicht aus Beiträgen der arbeitenden Bevölkerung.
Es bedeutet auch, dass die reine Altersrente sich nach wie vor selber trägt, komplett ohne Bundeszuschuss! Was ja auch kein Wunder sein sollte, wenn man bedenkt wie mickrig die Rentenansprüche sind, die man erwirbt.

Richtig ist indes auch, dass der demographische Wandel weiter reinkickt und wir in absehbarer Zukunft wirklich dort ankommen werden, dass die normale Altersrente bezuschusst werden muss.

Zum lesenden Einstieg hier ein exemplarischer Link, den mir Google auf die Schnelle angezeigt hat:
https://www.igmetall.de/politik-und-gesellschaft/sozialpolitik/rente/warum-die-rentenkasse-eigentlich-viel-voller-ist

Aber Achtung, das ist ein echtes Rabbit hole... :D

Vielen Dank für den Link und die Info. Da werde ich mich mal einlesen. Tatsächlich wusste ich nicht, dass versicherungsfremde  Leistungen viel mehr finanzielle Mittel schlucken, als die Renten an sich. Das relativiert natürlich meine Aussagen von vorher, da sie dann die Sachlage doch etwas verkürzt darstellen.

MoinMoin

Zitat von: daseinsvorsorge in Heute um 20:13Na ja- da waren wir ja öfters. M.E sind ca. 95% gar nicht in der Position zu verhandeln, weil es den AGs völlig gleich ist, ob sie gehen. Dann bleiben nur ca. 5% wie Sie, dem der AG ein Wechsel nicht gleich ist.

Danach wäre ein überwältigende Mehrheit auf einen Tarifvertrag angewiesen- welche Einschätzung zu den Zahlen haben Sie ?
Das im TV-L 50 Prozent oberhalb der EG9 sind.
Schon ein erstaunlicher Glaube, dass davon so wenig nicht in einer Position wären zu verhandeln.

Und verhandeln heißt auch, sich einen Ag zu suchen, der gewillt ist das Entgelt zu bezahlen was man akzeptabel findet.
Das der öD AG sich seeeehr schwer tut zu verhandeln ist bekannt.
Das 95% nicht wissen, dass man verhandeln könnte erschreckend.

Von daher glaube ich , dass die Putzkraft nicht mehr verhandeln kann, weil sie zu teuer im TV ist während der spezialisierte Sachbearbeiter, der nur für den AG öD, aufgrund seiner Ausbildung arbeiten kann, ebenfalls nicht verhandeln kann.
Aber die 70 % der anderen, die könnten sich einen anderen Ag suchen.

Und oooh Wunder: In den meisten Firmen die ich kenne, da gibt es es ohne Tarif durchaus auch nichts zu verhandeln. Da gibt es auch einfach so Lohnerhöhungen.

Von daher von ihren 95% sind mE es 70% die nicht willens sind und 30% die keine Wahl haben zu verhandeln, welche Einschätzung zu den Zahlen haben Sie ?

Oliver1976

Zitat von: MoinMoin in Heute um 20:18...

Also nein auf das Haus deiner Eltern hast DU noch nie Steuern gezahlt. Und die FB sind doch ausreichend, die müssen nicht bei 10 Mio anfangen.


Ich habe aber mit Verzicht zur Finanzierung beigetragen. Es gab kein neues Fahrrad oder derartige Dinge. Studiert wurde in der Nähe und nicht auf Kosten der Eltern etc... entsprechend könnte man die Liste verlängern. Gleiches dürfen meine Kinder nun ebenfalls so durchmachen, denn ohne Verzicht funktioniert es nicht.

MasterNoname89

Zitat von: Oliver1976 in Heute um 20:28Sehe ich völlig anders. Ich bin völlig gegen eine Besteuerung von Werten, die schon einmal einer Besteuerung unterlagen. Auch Eigentum wurde mit versteuertem Geld finanziert und meistens durch Verzicht erwirtschaftet. Diesen Verzicht haben auch die nun Erbenden miterlebt, da sie im Regelfall Teil dieser Familie waren.

Gleiches gilt für Kapitalerträge. Der Staat sucht sich immer Mittel und Wege, wie er doch noch am schwer erwirtschafteten Vermögen einen Anteil abhaben will. Das Risiko soll man schön selbst tragen und wenn's positiv läuft wird man zur Kasse gebeten.

Bestes Beispiel die fondsgebundenen Renten, die man noch vor 2001 zur Altersvorsorge abgeschlossen hat und die angeblich steuerfrei bleiben. Ertragsmäßig vielleicht schon, aber nun hat man eingeführt, dass Krankenkassenbeiträge auf dieses Vermögen erhoben werden. Betrifft zwar dann nur die freiwillig gesetzlich Versicherten, aber es trifft eine Gruppe. Und wenn es dumm läuft, dann liegen die GKV-Beiträge nachher so hoch, dass Sie den kompletten Gewinn, den man ja derzeit noch nicht kennt, an der fondsgebundenen Rente auffressen. Und dann war es das mit der Altersvorsorge über diesen Weg.



Auf dieser Seite stehe ich auch. Wenn ich Eigentum anschaffe und da meine Arbeit und mein erwirtschaftetes Geld hinein investiere, warum sollten meine Kinder hierfür nochmals den Staat und alle diejenigen subventionieren, die keine Altersvorsorge betreiben.

Es ist ja schon schlimm genug, dass die Immobilie und somit das Erbe verschwindet, wenn die immens hohen Pflegebeiträge nicht aus anderen Rücklagen bedient werden können, sofern man pflegebedürftig wird. Hier greift der Staat schon extrem in das Privatvermögen ein. Jeder der in seinem Leben all sein Geld verprasst hat, der ist an diesem Punkt fein raus, da der Sozialstaat für ihn die Kosten im vollen Umfang trägt.

Oliver1976

Immerhin sind in Deutschland knapp 50 % aller MAs in tarifgebundenen Unternehmen tätig. Das waren zu Beginn der 2000er sogar mal 68 %. Die Chance bei einem Jobwechsel auf ein tarifgebundenes Unternehmen zu stoßen ist somit 50 : 50. Das hält sicherlich auch den ein oder anderen von einem Wechsel ab.

MoinMoin

Zitat von: Oliver1976 in Heute um 20:28Sehe ich völlig anders. Ich bin völlig gegen eine Besteuerung von Werten, die schon einmal einer Besteuerung unterlagen.
Also Abschaffung der Umsatzsteuer, im Handel!
Und Lohnsteuer, denn auch mein Arbeitslohn wurde vorher schon besteuert.
Nenne mir mal einen Vorgang, bei denen nicht vorher schon eine Steuer druff war?
Bei anderen
nicht bei dir

Die findest also ein Besteuerung, die auf dem Zuflussprinzip basiert falsch.





Oliver1976

Zitat von: MasterNoname89 in Heute um 20:35Es ist ja schon schlimm genug, dass die Immobilie und somit das Erbe verschwindet, wenn die immens hohen Pflegebeiträge nicht aus anderen Rücklagen bedient werden können, sofern man pflegebedürftig wird. Hier greift der Staat schon extrem in das Privatvermögen ein. Jeder der in seinem Leben all sein Geld verprasst hat, der ist an diesem Punkt fein raus, da der Sozialstaat für ihn die Kosten im vollen Umfang trägt.

Gutes Beispiel! Ein Arbeitskollege musste seine Mutter leider in ein Pflegeheim geben. Für die Kosten wurde die Wohnung der Mutter verkauft. Erlös knapp 200.000 €. Reicht gerade mal für knapp 3 Jahre in der Einrichtung. Danach wird er dann zur Kasse gebeten.

hugodehippo

Viele Halbwarhheiten....

Die Freibeträge bei der Erbschaftssteuer liegen pro Kind bei 400k. Die werden somit i.d.R. steuerfrei vererbt.
Finde ich angemessen; das darüber hinaus vererbte Vermögen wird progressiv versteuert, bei "üblichen" Vermögen hält sich die Steuerlast also in überschaubaren Rahmen.
Wird eine Immobilie vom Kind selbst genutzt fällt keine Erbschaftssteuer an.

Das Pflegeheim kostet nur im ersten Jahr unfassbar viel Geld, in den Folgejahren wird´s signifikant günstiger, nennt sich Leistungszuschlag.
Insofern kommt also auch hier die Allgemeinheit für die eigene Pflege auf. Finde ich eigentlich nett von den Mitmenschen. Wieso sollte hier Vermögen verschont werden?

Also immer mal schön die Kirche im Dorf lassen....