Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 370923 times)

Novus

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4140 am: 27.10.2020 12:37 »
Regelleistung und Miete ! Wenn Sie 1820 Euro UND Warmmiete ( und zusätzliche Vergütungen) als tiefste Armut erleben, wie würden Sie dann TB unter EG11 erleben?

E8 - Stufe 4 mit 4 Kindern = 2062€ + 900€ Kindergeld

Und der Partner darf auch arbeiten? Außerdem fallen einem Kinder nicht durch die Loterie zu :)

Oh, Wohngeldberechtigt würde ich ihn auch nennen.

Baukindergeld nicht vergessen, Coronakindergeld blub :D

Schokobon

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« Antwort #4141 am: 27.10.2020 12:41 »
Falls der Partner nicht arbeitet wäre der Alleinverdiener wohl in Lst. Kl. III und dann wären es Netto 2.364,- Euro

Wie dem auch sei...ich denke RisikoNRW wird doch lieber weiter arbeiten

Novus

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« Antwort #4142 am: 27.10.2020 12:41 »
Bestimmt :D

Philipp

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4143 am: 27.10.2020 13:00 »
Zitat
Vielleicht sollte sich der "Durchschnitt" auch nicht unbedingt an der Universität einfinden?

Da wird das Pferd von der falschen Seite aufgezäumt.

Beispiel: Bauordnungsbehörde. Da brauchst du Bautechniker und Bauingenieure. Bauingenieure erhalten E10, Bautechniker E9 (a oder b). Bautechniker gibt es immer weniger - da wird idR gleich ein Bachelorstudium Bauingenieurwesen begonnen.
Wenn die Studienplätze derart verknappt werden, dass nur noch eine "Bildungselite" ein Studium aufnehmen kann, gibt es am Markt viel weniger Bauingenieure, und die werden zusätzlich noch als Elite erzogen. Meinst du von denen übernimmt jemand die Aufgaben in der Behörde?
Die Stellen lassen sich auch nicht mit Verwaltungsfachleuten aus dem EG8-Bereich auffüllen.
Selbst bei der angeblichen "Marktschwemme" von Hochschulabsolventen besteht im Bausektor ein Defizit in dem Bereich.

Es führt also kein Weg an einer marktorientierten Entlohnung von Fachkräften (in diesem Fall auch Akademikern) vorbei - das kann man drehen und wenden wie man möchte.

Eine klarere Abgrenzung der Eingruppierung wäre ein Anfang. Je nach Bundesland und Kommune arbeiten Bauingenieure von E9c bis E12 im gleichen Aufgabenbereich - allem Anschein nach Gutdünken des jeweiligen Arbeitgebers. Liegen die Kommunen nah beieinander entsteht allein aufgrund dieses Gehaltsgefälles eine Konkurrenzsituation.
Ich arbeite im Ruhrgebiet - es macht keinen Unterschied in welche Himmelsrichtung ich mit dem Auto nun 20 Minuten fahre - ich erreiche immer andere Kommunen die gleiche Stellen schlicht unterschiedlich bezahlen und jeder beruft sich auf seine Auslegungshoheit der Eingruppierung.

Grape Soda

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« Antwort #4144 am: 27.10.2020 13:00 »
Ich muss ehrlich zugeben, dass auch ich in meiner Einschätzung falsch lag, hätte dem Horstl in dieser Tarifrunde mehr zugetraut...

Der Horstl ist beschäftigt sich schützend wie Aufschnitt aufs Brot über die Polizei zu werfen. Der kann sich mit solchen Nickeligkeiten wie Techniker-Mangel im öD nicht kümmern. Das sind doch Peanuts.
Nun ja, die Verbesserungen in der vergangenen Tarifrunde in den oberen EG waren zumindest mal nicht Ver.di oder Bsirske Anliegen sonden Horstls...

Und trotzdem herrscht Fachkräftemangel. Bzw. wie schon in mehreren Beiträgen hier genannt, scheuen sich Mitarbeiter (Personal-)Verantwortung für ein paar EG mehr zu übernehmen, die eben auch nur ein paar lasche Hunderter mehr wert sind und in keinem Aufwand stehen.
Hat wohl nicht gereicht und wird jetzt bis 2023 ausgesetzt. Bis dahin ist Horstl in wohlverdienter Pension (hoffentlich).

Eventuell ist ein Bundesminister der 40+ Jahre nicht mehr in einer kommunalen Verwaltung tätig war, auch nicht der ganz große Wurf um Mängel zu erkennen. Wer mal erlebt hat, wie Leute aus dem Personalamt sich über Bauausschreibungen beugen oder Bauhofmitarbeiter versuchen "Das Rentenprogramm" flott zu bekommen, fragt sich schon eher, ob das die Art von Arbeitsteilung im Sinne der Bestenauslese ist.

Spid

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« Antwort #4145 am: 27.10.2020 13:06 »
Warum wird denn so ein Unterschied zwischen S8b und S9 gemacht?... hat da jemand nicht aufgepasst?
Entgelt S8b = S9
Coronasonderzahlung S8b = 600€  S9 = 400€
Jahressonderzahlung S8b = 84,51%   S9 = 79,51%

Läuft doch etwas schief:-(

Es wird bei der Corona-Sonderzahlung kein Unterschied gemacht. TB, die nicht in eine Entgeltgruppe der Anlage A eingruppiert sind, haben nach derzeitigem Stand keinen Anspruch - ganz gleich, ob sie in S8b oder S9 sind.

Britta2

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« Antwort #4146 am: 27.10.2020 13:12 »
Stimmt, bei der Corona-Sonderzahlung wird kein Unterschied gemacht.
Warum aber wird schon wieder zwischen West und Ost ein Unterschied bei der Erhöhung der Jahressonderzahlung gemacht? West steigt in 2021, Ost erreicht die % erst in 2023.
Wobei die % an sich auch niedrigeres Netto sind. Wieder Menschen 2. Klasse (die auf Knien dafür danken müssen).

Spid

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« Antwort #4147 am: 27.10.2020 13:19 »
Dafür wird doch die Arbeitszeit in Ost reduziert.

heike2106

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« Antwort #4148 am: 27.10.2020 13:39 »
Dafür wird doch die Arbeitszeit in Ost reduziert.


Du sagst das so, als würde das irgendeinen Sinn ergeben...  :P

Klar man will die Ost-Kommunen jetzt nicht doppelt belasten, da auch die Angleichung an die JSZ West noch läuft. Aber warum die Arbeitszeit erst ab 2022 gesenkt wird, leuchtet mir nicht ein.

Jacky88

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« Antwort #4149 am: 27.10.2020 13:39 »
Es ist ja in diesem Thread im Grunde schon alles gesagt worden.

Aus Sicht einer AK mit EG13 muss mich allerdings schon sehr über den Tarifabschluss und die zuletzt sozialistische Ansichtsweise der Verdi und der MA der unteren Gehaltgruppen wundern.

Je nach Größe der Institution und dem Aufgabenzuschnitt sind die im Durchschnitt weiter oben angesiedelten Gehaltgruppen mit maßgeblich mehr Verantwortung und komplexeren Aufgabenzuschnitten verbunden.

In meinem Team arbeiten 12 MA in den Gehaltsgruppen zwischen EG9a - EG12. Was hierbei auffällt: Verdi ist anscheinend nicht in der Lage Gehaltsunterschiede zwischen einigen EG abzulesen. Ansonsten würde man erkennen, dass in Stufe 6 zwischen der EG12 und EG13 weniger als 25€ im Monat liegen. Da ich ehrlicherweise nicht von Dummheit ausgehe, scheint Verdi die Gehaltsgruppe EG13 (und generell alles größergleich 13) ziemlich scheissegal zu sein. Ich könnte mich auf eine SB-Stelle abordnen lassen und würde meine Verantwortung als TL für einen komplexen Fachbereich mit 12 Menschen und einem Jahresbudget mit 2-stelligem Millionenumfang abgeben - für 15,-€ weniger netto im Monat. Klingt verführerisch oder?

Da viele der MA in EG12 (historische) Zulagen erhalten, verdienen "junge" FK (einschl. mir) i.d.R. deutlich weniger als älteren SB in EG12 oder sogar EG11. Im übrigen sind diese älteren MA meistens die MA die die meisten Unzfriedenheit mit den Tarifverträgen äußern. Interessanterweise sind die TL-Stellen bei uns alle in EG13 eingruppiert, während sich die SB-Stellen stellenweise und immer häufiger an EG12 orientieren. Das Ergebnis ist, dass wir kein Personal für Führungsstellen mehr finden. Für 25€ Brutto / Monat will niemand diese Aufgabe übernehmen.

Aber sei es drum. Da die Interessen der Stellen um EG13 und aufwärts durch die Verdi augenscheinlich nicht vertreten werden, bin ich schlussendlich aus der Gewerkschaft ausgetreten.

Die Verdi hat in den letzten Jahren alles daran gesetzt, die Gehaltshirachie abzuflachen. Dadurch verringern sich sowohl die Anreize sich über Leistung für eine FP zu qualifizieren als auch die Anreize sich aus der freien Wirtschaft auf eine FP im ÖD zu bewerben.

Wir haben im ÖD einen Fachkräftemangel. Dieser Fachkräftemangel ist erfahrungsgemäß in den oberen Gehaltskategorien noch maßgeblicher als in den unteren. EG6-Stellen im Rathaus, im Bürgerbüro und in der KFZ-Zulassung kann ich problemlos besetzen. EG12/EG13 Stellen als teamleitender IT-Sicherheitsingenieur oder Bauingenieur nicht.

Bastel

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« Antwort #4150 am: 27.10.2020 13:44 »
Für Verdi beginnen „höhere“ EGs bei 9a, spätestens bei 9b.

Jacky88

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« Antwort #4151 am: 27.10.2020 13:53 »
Vergessen:

In Bezug auf die Coronazulage schauen Sie sich doch mal bitte die Zusammensetzung z.B. der kommunalen Krisenstäbe an. Da ist alles > EG12 unterwegs. Amtsleitungen, Verwaltungsvorstände, Fachbereichsleiter, etc. Diese Kräfte haben in den letzten Monaten auch maßgeblich mit den Laden am Laufen gehalten und teilweise bis tief in die Nacht gearbeitet.

Warum sollte also ein SB in EG6 im zwischenzeitlich geschlossenen Bürgerbüro oder KFZ-Zulassungsstelle eine höhere Zulage erhalten?

Spid

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« Antwort #4152 am: 27.10.2020 13:55 »
Die einmalige Corona-Sonderzahlung soll keine besonderen Härten ausgleichen, sie ist eine besondere Härte, weil sie die eigentlich zum 01.09.20 - also unmittelbar nach Ende der gekündigten Entgelttabellen - ansonsten üblicherweise anstehende Erhöhung der Entgelttabellen ersetzt und die Tabellenentgelte erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt erhöht werden.

MrRossi

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« Antwort #4153 am: 27.10.2020 13:57 »
Es ist ja in diesem Thread im Grunde schon alles gesagt worden.

Aus Sicht einer AK mit EG13 muss mich allerdings schon sehr über den Tarifabschluss und die zuletzt sozialistische Ansichtsweise der Verdi und der MA der unteren Gehaltgruppen wundern.

Je nach Größe der Institution und dem Aufgabenzuschnitt sind die im Durchschnitt weiter oben angesiedelten Gehaltgruppen mit maßgeblich mehr Verantwortung und komplexeren Aufgabenzuschnitten verbunden.

In meinem Team arbeiten 12 MA in den Gehaltsgruppen zwischen EG9a - EG12. Was hierbei auffällt: Verdi ist anscheinend nicht in der Lage Gehaltsunterschiede zwischen einigen EG abzulesen. Ansonsten würde man erkennen, dass in Stufe 6 zwischen der EG12 und EG13 weniger als 25€ im Monat liegen. Da ich ehrlicherweise nicht von Dummheit ausgehe, scheint Verdi die Gehaltsgruppe EG13 (und generell alles größergleich 13) ziemlich scheissegal zu sein. Ich könnte mich auf eine SB-Stelle abordnen lassen und würde meine Verantwortung als TL für einen komplexen Fachbereich mit 12 Menschen und einem Jahresbudget mit 2-stelligem Millionenumfang abgeben - für 15,-€ weniger netto im Monat. Klingt verführerisch oder?

Da viele der MA in EG12 (historische) Zulagen erhalten, verdienen "junge" FK (einschl. mir) i.d.R. deutlich weniger als älteren SB in EG12 oder sogar EG11. Im übrigen sind diese älteren MA meistens die MA die die meisten Unzfriedenheit mit den Tarifverträgen äußern. Interessanterweise sind die TL-Stellen bei uns alle in EG13 eingruppiert, während sich die SB-Stellen stellenweise und immer häufiger an EG12 orientieren. Das Ergebnis ist, dass wir kein Personal für Führungsstellen mehr finden. Für 25€ Brutto / Monat will niemand diese Aufgabe übernehmen.

Aber sei es drum. Da die Interessen der Stellen um EG13 und aufwärts durch die Verdi augenscheinlich nicht vertreten werden, bin ich schlussendlich aus der Gewerkschaft ausgetreten.

Die Verdi hat in den letzten Jahren alles daran gesetzt, die Gehaltshirachie abzuflachen. Dadurch verringern sich sowohl die Anreize sich über Leistung für eine FP zu qualifizieren als auch die Anreize sich aus der freien Wirtschaft auf eine FP im ÖD zu bewerben.

Wir haben im ÖD einen Fachkräftemangel. Dieser Fachkräftemangel ist erfahrungsgemäß in den oberen Gehaltskategorien noch maßgeblicher als in den unteren. EG6-Stellen im Rathaus, im Bürgerbüro und in der KFZ-Zulassung kann ich problemlos besetzen. EG12/EG13 Stellen als teamleitender IT-Sicherheitsingenieur oder Bauingenieur nicht.
Diese Probleme sind AG Probleme, nicht die der Gewerkschaften. Ganz einfach.

Jacky88

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« Antwort #4154 am: 27.10.2020 14:01 »
Die einmalige Corona-Sonderzahlung soll keine besonderen Härten ausgleichen, sie ist eine besondere Härte, weil sie die eigentlich zum 01.09.20 - also unmittelbar nach Ende der gekündigten Entgelttabellen - ansonsten üblicherweise anstehende Erhöhung der Entgelttabellen ersetzt und die Tabellenentgelte erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt erhöht werden.

Exakt. Letztendlich eine intelligente Verhandlunsführung und ein klares Eingeständnis von Verdi.

- Verdi kann behaupten, sie habe eine Coronaprämie herausgehandelt.
- Die kommunalen Arbeitgeberverbände können behaupten, dass sie die "Leistung der MA im ÖD anerkennt" und zahlen eine Prämie.

Und finanziert wird das durch einen verspäteten Beginn des neuen Tarifvertrages. Beide können sich brüsten, die kommunalen Arbeitgeberverbände haben aber den Punkt gewonnen.