Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 370901 times)

Jacky88

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4155 am: 27.10.2020 14:04 »
Es ist ja in diesem Thread im Grunde schon alles gesagt worden.

Aus Sicht einer AK mit EG13 muss mich allerdings schon sehr über den Tarifabschluss und die zuletzt sozialistische Ansichtsweise der Verdi und der MA der unteren Gehaltgruppen wundern.

Je nach Größe der Institution und dem Aufgabenzuschnitt sind die im Durchschnitt weiter oben angesiedelten Gehaltgruppen mit maßgeblich mehr Verantwortung und komplexeren Aufgabenzuschnitten verbunden.

In meinem Team arbeiten 12 MA in den Gehaltsgruppen zwischen EG9a - EG12. Was hierbei auffällt: Verdi ist anscheinend nicht in der Lage Gehaltsunterschiede zwischen einigen EG abzulesen. Ansonsten würde man erkennen, dass in Stufe 6 zwischen der EG12 und EG13 weniger als 25€ im Monat liegen. Da ich ehrlicherweise nicht von Dummheit ausgehe, scheint Verdi die Gehaltsgruppe EG13 (und generell alles größergleich 13) ziemlich scheissegal zu sein. Ich könnte mich auf eine SB-Stelle abordnen lassen und würde meine Verantwortung als TL für einen komplexen Fachbereich mit 12 Menschen und einem Jahresbudget mit 2-stelligem Millionenumfang abgeben - für 15,-€ weniger netto im Monat. Klingt verführerisch oder?

Da viele der MA in EG12 (historische) Zulagen erhalten, verdienen "junge" FK (einschl. mir) i.d.R. deutlich weniger als älteren SB in EG12 oder sogar EG11. Im übrigen sind diese älteren MA meistens die MA die die meisten Unzfriedenheit mit den Tarifverträgen äußern. Interessanterweise sind die TL-Stellen bei uns alle in EG13 eingruppiert, während sich die SB-Stellen stellenweise und immer häufiger an EG12 orientieren. Das Ergebnis ist, dass wir kein Personal für Führungsstellen mehr finden. Für 25€ Brutto / Monat will niemand diese Aufgabe übernehmen.

Aber sei es drum. Da die Interessen der Stellen um EG13 und aufwärts durch die Verdi augenscheinlich nicht vertreten werden, bin ich schlussendlich aus der Gewerkschaft ausgetreten.

Die Verdi hat in den letzten Jahren alles daran gesetzt, die Gehaltshirachie abzuflachen. Dadurch verringern sich sowohl die Anreize sich über Leistung für eine FP zu qualifizieren als auch die Anreize sich aus der freien Wirtschaft auf eine FP im ÖD zu bewerben.

Wir haben im ÖD einen Fachkräftemangel. Dieser Fachkräftemangel ist erfahrungsgemäß in den oberen Gehaltskategorien noch maßgeblicher als in den unteren. EG6-Stellen im Rathaus, im Bürgerbüro und in der KFZ-Zulassung kann ich problemlos besetzen. EG12/EG13 Stellen als teamleitender IT-Sicherheitsingenieur oder Bauingenieur nicht.
Diese Probleme sind AG Probleme, nicht die der Gewerkschaften. Ganz einfach.

Das die Gewerkschaften die Senkung der Jahressonderzuzahlung ab EG13 angenommen und faktisch EG12 und EG13 angeglichen haben, ist ein AG-Problem? Da werden wir uns sicherlich nie einig werden.

Novus

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4156 am: 27.10.2020 14:06 »
Vergessen:

In Bezug auf die Coronazulage schauen Sie sich doch mal bitte die Zusammensetzung z.B. der kommunalen Krisenstäbe an. Da ist alles > EG12 unterwegs. Amtsleitungen, Verwaltungsvorstände, Fachbereichsleiter, etc. Diese Kräfte haben in den letzten Monaten auch maßgeblich mit den Laden am Laufen gehalten und teilweise bis tief in die Nacht gearbeitet.

Warum sollte also ein SB in EG6 im zwischenzeitlich geschlossenen Bürgerbüro oder KFZ-Zulassungsstelle eine höhere Zulage erhalten?

Also hier bei "uns" waren die EG12 aufwärts im Homeoffice und haben von dort die unteren EG´s -welche im Feldeinsatz waren, also wirklich gearbeitet haben- von dort aus angewiesen. Krisenstabssitzungen mit Bewirtung ausgenommen, da war Anwesenheitspflicht.

Ah und dann hat der HVB noch erklärt für ihn gelte das BGB in Krisenzeiten nicht, wem das nicht gefalle der könne ja klagen.

Zitat
Vielleicht sollte sich der "Durchschnitt" auch nicht unbedingt an der Universität einfinden?

Da wird das Pferd von der falschen Seite aufgezäumt.

Beispiel: Bauordnungsbehörde. Da brauchst du Bautechniker und Bauingenieure. Bauingenieure erhalten E10, Bautechniker E9 (a oder b). Bautechniker gibt es immer weniger - da wird idR gleich ein Bachelorstudium Bauingenieurwesen begonnen.
Wenn die Studienplätze derart verknappt werden, dass nur noch eine "Bildungselite" ein Studium aufnehmen kann, gibt es am Markt viel weniger Bauingenieure, und die werden zusätzlich noch als Elite erzogen. Meinst du von denen übernimmt jemand die Aufgaben in der Behörde?
Die Stellen lassen sich auch nicht mit Verwaltungsfachleuten aus dem EG8-Bereich auffüllen.
Selbst bei der angeblichen "Marktschwemme" von Hochschulabsolventen besteht im Bausektor ein Defizit in dem Bereich.

Es führt also kein Weg an einer marktorientierten Entlohnung von Fachkräften (in diesem Fall auch Akademikern) vorbei - das kann man drehen und wenden wie man möchte.

Eine klarere Abgrenzung der Eingruppierung wäre ein Anfang. Je nach Bundesland und Kommune arbeiten Bauingenieure von E9c bis E12 im gleichen Aufgabenbereich - allem Anschein nach Gutdünken des jeweiligen Arbeitgebers. Liegen die Kommunen nah beieinander entsteht allein aufgrund dieses Gehaltsgefälles eine Konkurrenzsituation.
Ich arbeite im Ruhrgebiet - es macht keinen Unterschied in welche Himmelsrichtung ich mit dem Auto nun 20 Minuten fahre - ich erreiche immer andere Kommunen die gleiche Stellen schlicht unterschiedlich bezahlen und jeder beruft sich auf seine Auslegungshoheit der Eingruppierung.



Ich stimme zu, dass wir eine mehr marktorientierte Entlohnung von Fachkräften im ÖD brauchen.
Ich bezweifle aber, dass der Mangel an Vermessungstechnikern (Hier 3 Stellen unbesetzt) so zu lösen ist, denn es gibt schlicht niemanden der den Job mehr machen will, weil sie alle studieren rennen.
Wiedereinführung der verpflichtenden Schulempfehlungen und abschaffen des Wiederholens am Gymnasium wären da schöne Möglichkeiten, und natürlich die Einführung eines standartisierten Abiturs auch in Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen und nicht dieser Hessenmüll oder Rheinschienenproporz.

alfaromeofahrer

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« Antwort #4157 am: 27.10.2020 14:23 »

Also hier bei "uns" waren die EG12 aufwärts im Homeoffice und haben von dort die unteren EG´s -welche im Feldeinsatz waren, also wirklich gearbeitet haben- von dort aus angewiesen. Krisenstabssitzungen mit Bewirtung ausgenommen, da war Anwesenheitspflicht.


Die Unterstellung, man arbeite nur "richtig", wenn man "draußen im Feld" eingesetzt wird, ist schon sehr unverschämt und pauschalisierend, weil damit einhergeht, dass alle, die einen Bürojob bekleiden und damit grundsätzlich zum Home Office befähigt wären, nicht arbeiten würden.


...sie alle studieren rennen.


Man "rennt" nicht studieren, man schreibt sich dafür ein.

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4158 am: 27.10.2020 14:28 »
3500 Brutto! Ich kenne bildungsferne Familien mit vier Kindern, welche über 3000 Netto H4 erhalten und zusätzlich ....

Ich bin ja gerne Kritiker unseres Sozialsystems und der Bemessung der Beträge, aber bitte rechne mir das mal vor anhand der üblichen Leistungssätze. Wenn du das hin bekommst, höre ich ( dank meiner Kinder) sofort auf zu arbeiten.

Na, dann kannst du die Kündigung schonmal fertig machen.
Regelkatalog ca. 2050€ + Miete und Heizkosten. Da bist du bei ca. 3000€.
Naja, h4 wohl nicht in der Höhe, da geht das Kindergeld ja von ab.  8)
Aber Netto dürften sie wohl 3000€ zur Verfügung haben.

MrRossi

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4159 am: 27.10.2020 14:29 »
Es ist ja in diesem Thread im Grunde schon alles gesagt worden.

Aus Sicht einer AK mit EG13 muss mich allerdings schon sehr über den Tarifabschluss und die zuletzt sozialistische Ansichtsweise der Verdi und der MA der unteren Gehaltgruppen wundern.

Je nach Größe der Institution und dem Aufgabenzuschnitt sind die im Durchschnitt weiter oben angesiedelten Gehaltgruppen mit maßgeblich mehr Verantwortung und komplexeren Aufgabenzuschnitten verbunden.

In meinem Team arbeiten 12 MA in den Gehaltsgruppen zwischen EG9a - EG12. Was hierbei auffällt: Verdi ist anscheinend nicht in der Lage Gehaltsunterschiede zwischen einigen EG abzulesen. Ansonsten würde man erkennen, dass in Stufe 6 zwischen der EG12 und EG13 weniger als 25€ im Monat liegen. Da ich ehrlicherweise nicht von Dummheit ausgehe, scheint Verdi die Gehaltsgruppe EG13 (und generell alles größergleich 13) ziemlich scheissegal zu sein. Ich könnte mich auf eine SB-Stelle abordnen lassen und würde meine Verantwortung als TL für einen komplexen Fachbereich mit 12 Menschen und einem Jahresbudget mit 2-stelligem Millionenumfang abgeben - für 15,-€ weniger netto im Monat. Klingt verführerisch oder?

Da viele der MA in EG12 (historische) Zulagen erhalten, verdienen "junge" FK (einschl. mir) i.d.R. deutlich weniger als älteren SB in EG12 oder sogar EG11. Im übrigen sind diese älteren MA meistens die MA die die meisten Unzfriedenheit mit den Tarifverträgen äußern. Interessanterweise sind die TL-Stellen bei uns alle in EG13 eingruppiert, während sich die SB-Stellen stellenweise und immer häufiger an EG12 orientieren. Das Ergebnis ist, dass wir kein Personal für Führungsstellen mehr finden. Für 25€ Brutto / Monat will niemand diese Aufgabe übernehmen.

Aber sei es drum. Da die Interessen der Stellen um EG13 und aufwärts durch die Verdi augenscheinlich nicht vertreten werden, bin ich schlussendlich aus der Gewerkschaft ausgetreten.

Die Verdi hat in den letzten Jahren alles daran gesetzt, die Gehaltshirachie abzuflachen. Dadurch verringern sich sowohl die Anreize sich über Leistung für eine FP zu qualifizieren als auch die Anreize sich aus der freien Wirtschaft auf eine FP im ÖD zu bewerben.

Wir haben im ÖD einen Fachkräftemangel. Dieser Fachkräftemangel ist erfahrungsgemäß in den oberen Gehaltskategorien noch maßgeblicher als in den unteren. EG6-Stellen im Rathaus, im Bürgerbüro und in der KFZ-Zulassung kann ich problemlos besetzen. EG12/EG13 Stellen als teamleitender IT-Sicherheitsingenieur oder Bauingenieur nicht.
Diese Probleme sind AG Probleme, nicht die der Gewerkschaften. Ganz einfach.

Das die Gewerkschaften die Senkung der Jahressonderzuzahlung ab EG13 angenommen und faktisch EG12 und EG13 angeglichen haben, ist ein AG-Problem? Da werden wir uns sicherlich nie einig werden.
Ja, genau. Da Verdi augenscheinlich nicht die EG12/13 vertritt, weil kein Klientel, ist es denen doch egal wie der AG künftig solche Stellen besetzt bekommt weil der Kuchen von unten nach oben verteilt wird und die Stellen unattraktiv werden.
Da kann Herr Mägde doch sagen was er will, wenn er mehr Geld benötigt, muss man auch mal Gebühren erhöhen. Macht die Privatwirtschaft doch auch.... Hat er ja auch 2018 angedroht, gemerkt habe ich bisher nichts davon. Also...so what.

Jacky88

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« Antwort #4160 am: 27.10.2020 14:37 »
Zitat
Also hier bei "uns" waren die EG12 aufwärts im Homeoffice und haben von dort die unteren EG´s -welche im Feldeinsatz waren, also wirklich gearbeitet haben- von dort aus angewiesen. Krisenstabssitzungen mit Bewirtung ausgenommen, da war Anwesenheitspflicht.

Bei uns lief das diffenzierter. Zunächst haben die SB in den 2er Büros 100% Telearbeit bei der BF gefordert. Als dann eine alternierende Telearbeitsregelung eingeführt wurde, bei dem jeweils 1 Person im HomeOffice ist und eine im Büro, wurde gemeckert, dass die Freitag und Montage ungleich vergeben wurden. Dann wurde gemeckert, dass bei dringend notwendigen Außendienstterminen eine Anwesenheit nicht möglich ist, da Handwerkertermine im Eigenheim terminiert wurden(!). Dann wurde gemeckert, dass keine FFP3-MAsken zur Verfügung gestellt werden, sondern einfache medizinische Masken. Dann wurde gemeckert, dass die BF keine klare Strategie fährt (wie auch?). Dann wurde gemeckert, dass wieder Anwenheitspflicht ist. Jetzt gehen alle wieder ins HomeOffice und jetzt wird gemeckert, dass einige Tage im HomeOffice nicht möglich sind und die BF darauf Rücksicht nehmen soll.

Und in der ganzen Zeit hat der Krisenstab mit > 15 Personen 2 mal die Woche in Persona(!) auch nach 18:00 Uhr getagt und auch weit nach 22:00 Uhr Informationen bereitgestellt. Da hat komischerweise keiner gemeckert.

BausD

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« Antwort #4161 am: 27.10.2020 14:39 »
Vergessen:

In Bezug auf die Coronazulage schauen Sie sich doch mal bitte die Zusammensetzung z.B. der kommunalen Krisenstäbe an. Da ist alles > EG12 unterwegs. Amtsleitungen, Verwaltungsvorstände, Fachbereichsleiter, etc. Diese Kräfte haben in den letzten Monaten auch maßgeblich mit den Laden am Laufen gehalten und teilweise bis tief in die Nacht gearbeitet.

Warum sollte also ein SB in EG6 im zwischenzeitlich geschlossenen Bürgerbüro oder KFZ-Zulassungsstelle eine höhere Zulage erhalten?

Also unser Bürgerbüro hatte während Corona nicht geschlossen, im Gegenteil. Es war mehr denn je zu tun, da alles digitalisiert wurde und wir die Corona-Hotline noch nebenbei geschmissen haben  ;) natürlich nicht von Zuhause sondern vom Büro aus! Bei uns sind es aber auch Eg9a Stellen.... vielleicht deshalb  ::)

während alle ab eg10/eg11 schön seit März im Home Office saßen... und aktuell immer noch 3x die Woche...

AndreasG

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« Antwort #4162 am: 27.10.2020 14:42 »
Wiedereinführung der verpflichtenden Schulempfehlungen und abschaffen des Wiederholens am Gymnasium wären da schöne Möglichkeiten, und natürlich die Einführung eines standartisierten Abiturs auch in Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen und nicht dieser Hessenmüll oder Rheinschienenproporz.

Super. Wir sterben also nicht an Krebs wenn wir uns vorher erschießen...

Wir brauchen nunmal auch viele Akademiker. Statt die Lehrberufe attraktiver zu machen die Zahl der Studienabgänger zu begrenzen hilft rein garnichts.

Wir haben 2020. Dann studieren die Leute eben an einer Fernhochschule. Notfalls im Ausland. Auch ohne Abi als beruflich Qualifizierte.

Damit gewinnen wir genau was?


Angebot und Nachfrage. Wenn die Berufe niemand machen will dann stimmt schlicht das Angebot nicht.
Für Geld gibt es Zucker. Für mehr Geld sogar bunten Zucker.

Wenn sich keiner Bewirbt und keiner in den Beruf will dann ist schlicht das Angebot schlecht.

In die Lebensplanung von Menschen einzugreifen weil man marktwirtschaftliche Spielregeln nicht akzeptieren möchte finde ich ziemlich daneben.

Jacky88

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« Antwort #4163 am: 27.10.2020 14:45 »
Vergessen:

In Bezug auf die Coronazulage schauen Sie sich doch mal bitte die Zusammensetzung z.B. der kommunalen Krisenstäbe an. Da ist alles > EG12 unterwegs. Amtsleitungen, Verwaltungsvorstände, Fachbereichsleiter, etc. Diese Kräfte haben in den letzten Monaten auch maßgeblich mit den Laden am Laufen gehalten und teilweise bis tief in die Nacht gearbeitet.

Warum sollte also ein SB in EG6 im zwischenzeitlich geschlossenen Bürgerbüro oder KFZ-Zulassungsstelle eine höhere Zulage erhalten?

Also unser Bürgerbüro hatte während Corona nicht geschlossen, im Gegenteil. Es war mehr denn je zu tun, da alles digitalisiert wurde und wir die Corona-Hotline noch nebenbei geschmissen haben  ;) natürlich nicht von Zuhause sondern vom Büro aus! Bei uns sind es aber auch Eg9a Stellen.... vielleicht deshalb  ::)

während alle ab eg10/eg11 schön seit März im Home Office saßen... und aktuell immer noch 3x die Woche...

Interessant. Bei uns waren die EG10/EG11/EG12 Stellen im HomeOffice um das Bürgeramt zu digitalisieren. Damit die E9a-Stellen nicht mehr ausschließlich im Bürgeramt arbeiten müssen.... vielleicht deshalb  ::)

Und die EG13 Stelle saß auch zuhause und musste das Projekt aufsetzen, abstimmen, leiten und nebenbei die Mitabeiter im HomeOffice koordinieren und führen. Und natürlich gegenüber den Vorgesetzten, Amtsleitungen und Dezernenten Rede und Antwort stehen.

Homeoffice und hohe Besoldung ist nicht zwangsläufig mit Faulheit gleichzusetzen.

Padre

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4164 am: 27.10.2020 14:47 »

Warum sollte es weniger Postgedöns geben wenn die Entgelte steigen? Mehr Scheinselbständige wie bei dpd oder Hermes?

Wenn die eigenen Mitarbeiter für diese einfachen Tätigkeiten weit über dem marktgerechten Preis bezahlt werden müssen, ist die einzig richtige wirtschaftliche Entscheidung keine eigenen Mitarbeiter mehr dafür einzusetzen.
Man kann die Leistung extern günstiger einkaufen, da die Dienstleister nicht an meinen Tarif gebunden sind und damit viel geringere Löhne zahlen.
Wieviele Reinigungskräfte sind denn heute noch direkt bei den Kommunen angestellt?

Gleichzeitig steigt bei zu hohen Kosten natürlich der Druck strukturelle Änderungen vorzunehmen und auch gegebenenfalls zu automatisieren/digitalisieren. Dann braucht man nicht mehr mehrere Postwagenschieber, sondern es reichen zwei Personen, die die Papiereingänge scannen. Die Technik kostet zwar auch Geld, aber wenn das Personal so teuer ist, rechnet sich das schnell wieder.

Ist in meinen Augen aber eine Milchmädchenrechnung: Ein Beispiel aus unserem Hause: Wir haben auf Anraten de Finanzministeriums 2017 auf einen externen Dienstleister zur Gebäudereinigung umgestellt. Dies wird ausgeschrieben. Der erste genommene Anbieter putzte nicht ordentlich, daraufhin wurde er gekündigt und es wurde 3 Wochen GAR NICHT gereinigt.
Dies übernahmen dann wir, wohlgemert in einem Gebäude mir mehr als 60 Diensträumen, Fluren, 12 Toiletten und 8 Konferenzräumen. Noch dazu Denkmalgeschützt mit Dielenböden ... also viel Aufwand hoch bezahlter Kräfte die derzeit was anderes hätten tun können wie Kaffee trinken oder Donuts essen)

Nr. 2 verlor den Gebäudeschlüssel nach 6 Wochen, die Schließanlage musste ausgetauscht werden (endlich das Digitale System juhu) und vom Gebäudereiniger bekamen wir nichts weil: Insolvent.

Nr. 3 reinigt jetzt durchgehend Nachts - hier wird gegen mehrere Gesetze verstoßen - wir mahnen an, aber dann kommt halt keiner mehr.

März 2020 - die Firma wurde übernommen und verlangt jetzt fast das doppelte für die gleiche Arbeit, diesmal aber mit Mindestlohn und ausschließlich polnischen Kräften damit wir mit ihnen nicht mehr sprechen können...
Dann sprach die Chefin ein Machtwort (hehehehe)
Jetzt putzen wieder die eigenen Kräfte aus dem Nachbarhaus - dafür nur alle 2 Tage.
Wo haben wir da bitte gespart?

Man kann die Lebensdauer eines Gebäudes verlängern, wenn man sich um das Gebäude kümmert. Dazu gehört auch eine richtige und ordentliche Reinigung von Böden, Sanitäreinrichtung und Fenster. Gerne werden Reinigungsintervalle gestreckt. Bei unzureichender Pflege von Fenster (z. B. Holz) verkürzt sich die Lebensdauer um knapp 50 %. Witterungseinflüsse wie Abgas (Rus), Feinstaub, Pollen und Insektensekret lassen Fensterrahmen regelrecht im Zeitraffer verfaulen. Ich Putze meine Fenster zwei Mal im Jahr selber. Weil ich seit Jahren keinen Fensterputzer mehr gesehen habe. Angeblich wurde das aus dem Leistungskatalog gestrichen und wird nun individuell bei Bedarf ausgeschrieben. Bei Bedarf heißt, wenn sich genug Mitarbeiter beschweren.

Kleine Anmerkung: Billigste externe Dienstleister nehmen meist zu "scharfe" Reinigungsmittel in den Sanitäreinrichtungen, sodass das Chrom der Wasserhähne zerstört wird und die Toilettenbrillen regelrecht "stumpf" werden. Mehre male im Jahr kommt ein "externer" Dienstleister und tauscht kaputte Wasserhähne aus. Wahnsinn.

Tja, so hat man heute gespart und zahlt morgen doppelt.

Eigene Putzfrauen? Sind seit Jahren im Gespräch wird es wohl jedoch niemehr geben.

BausD

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« Antwort #4165 am: 27.10.2020 15:02 »
Vergessen:

In Bezug auf die Coronazulage schauen Sie sich doch mal bitte die Zusammensetzung z.B. der kommunalen Krisenstäbe an. Da ist alles > EG12 unterwegs. Amtsleitungen, Verwaltungsvorstände, Fachbereichsleiter, etc. Diese Kräfte haben in den letzten Monaten auch maßgeblich mit den Laden am Laufen gehalten und teilweise bis tief in die Nacht gearbeitet.

Warum sollte also ein SB in EG6 im zwischenzeitlich geschlossenen Bürgerbüro oder KFZ-Zulassungsstelle eine höhere Zulage erhalten?

Also unser Bürgerbüro hatte während Corona nicht geschlossen, im Gegenteil. Es war mehr denn je zu tun, da alles digitalisiert wurde und wir die Corona-Hotline noch nebenbei geschmissen haben  ;) natürlich nicht von Zuhause sondern vom Büro aus! Bei uns sind es aber auch Eg9a Stellen.... vielleicht deshalb  ::)

während alle ab eg10/eg11 schön seit März im Home Office saßen... und aktuell immer noch 3x die Woche...

Interessant. Bei uns waren die EG10/EG11/EG12 Stellen im HomeOffice um das Bürgeramt zu digitalisieren. Damit die E9a-Stellen nicht mehr ausschließlich im Bürgeramt arbeiten müssen.... vielleicht deshalb  ::)

Und die EG13 Stelle saß auch zuhause und musste das Projekt aufsetzen, abstimmen, leiten und nebenbei die Mitabeiter im HomeOffice koordinieren und führen. Und natürlich gegenüber den Vorgesetzten, Amtsleitungen und Dezernenten Rede und Antwort stehen.

Homeoffice und hohe Besoldung ist nicht zwangsläufig mit Faulheit gleichzusetzen.

Das sollte jetzt kein Angriff sein. Digitalisierung heisst bei meinem Fall auch lediglich, dass wir es per Email bearbeiten (ausdrucken und abheften) durften :-)

Für eigenständige Programme oder IT o. Ä. hat unsere Kommune kein Geld.

Novus

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« Antwort #4166 am: 27.10.2020 15:10 »
Wiedereinführung der verpflichtenden Schulempfehlungen und abschaffen des Wiederholens am Gymnasium wären da schöne Möglichkeiten, und natürlich die Einführung eines standartisierten Abiturs auch in Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen und nicht dieser Hessenmüll oder Rheinschienenproporz.

Super. Wir sterben also nicht an Krebs wenn wir uns vorher erschießen...

Wir brauchen nunmal auch viele Akademiker. Statt die Lehrberufe attraktiver zu machen die Zahl der Studienabgänger zu begrenzen hilft rein garnichts.

Wir haben 2020. Dann studieren die Leute eben an einer Fernhochschule. Notfalls im Ausland. Auch ohne Abi als beruflich Qualifizierte.

Damit gewinnen wir genau was?


Angebot und Nachfrage. Wenn die Berufe niemand machen will dann stimmt schlicht das Angebot nicht.
Für Geld gibt es Zucker. Für mehr Geld sogar bunten Zucker.

Wenn sich keiner Bewirbt und keiner in den Beruf will dann ist schlicht das Angebot schlecht.

In die Lebensplanung von Menschen einzugreifen weil man marktwirtschaftliche Spielregeln nicht akzeptieren möchte finde ich ziemlich daneben.

Welche marktwirtschaftliche Spielregel gilt denn für einen 100% vom Steuerzahler gezahlten Genderstudiengang?
Oder die tausende BWL`er die plötzlich im Einzelhandel arbeiten? Unsere Verkäuferin beim Bäcker hat einen Bachelor in Ägyptologie (kein Witz).

Wir haben (oder schaffen es gerade ab, wie du möchtest) ein Schulsystem das auf Differenzierung ausgelegt ist. Und dann inkludieren wir diejenigen welche es nicht schaffen mehr und mehr. Lenrförderung, Nachhilfe, Sommerschule, Wiederholung, mündliche Leistungen stärken, Lese- Rechtschreibschwächen ausgleichen etc. etc.
Das führt nur einer Sache: Mehr Studenten, die dann am Ende weniger verdienen.
Und vor allem führt es zu Studenten die schon im ersten Semester verzweifeln, Depressionen entwickeln, der Gesellschaft die Schuld geben und dann nach 7 Jahren oder länger mit nichts am Ende der "Leiter" angekommen sind. 12 Jahre FH, aber nix gelernt.

In vielen Berufen kann gut Geld verdient werden, aber die Leute glauben sie seien was besseres wenn sie studieren und dann versagen sie persönlich oder erzählen wie vieeeeeeel sie aaaaarbeiten und leeeeeernen mussten um ihren Abschluss zu erreichen.

Vielleicht wäre ein ordentlicher Beruf besser gewesen, für alle Beteiligten, in diesen Fällen. Sonst kommt noch der Burnout für alle.

Novus

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« Antwort #4167 am: 27.10.2020 15:14 »

Die Unterstellung, man arbeite nur "richtig", wenn man "draußen im Feld" eingesetzt wird, ist schon sehr unverschämt und pauschalisierend, weil damit einhergeht, dass alle, die einen Bürojob bekleiden und damit grundsätzlich zum Home Office befähigt wären, nicht arbeiten würden.


...sie alle studieren rennen.


Man "rennt" nicht studieren, man schreibt sich dafür ein.

Ich habe solches nicht unterstellt, ich stellte nur fest wie es "hier" war. Und während aus mir unerfindlichen Gründen die Sachbearbeiter der Landesbehörde gegenüber erst freigestellt und dann im Homeoffice waren musste ich meine wissenschaftlichen Honorarkräfte entlassen. Und dann durfte ich die häfte meiner Abteilung dem Gesundheitsamt überweisen :)
Der "Anweiser" davon war in 5 Wochen als Risikogruppe nicht einmal anwesend und täglich nur 2 Stunden zu Sprechen.

Das war andernorts sicher anders oder "besser". Nur meine Momentaufnahme

AndreasG

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« Antwort #4168 am: 27.10.2020 15:15 »
Die Fälle mag es durchaus geben.

Dafür aber mal direkt den großen Hammer rausholen und alle "zu ihrem Glück zwingen"?

Nee sorry das hat für mich mit einer freiheitlichen Gesellschaft nichts zu tun.

Wer Gendergedöns studieren will soll das machen - darf dann aber nicht weinen wenn man auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt ist.

Genau so haben Arbeitgeber - völlig egal ob fW oder öD - die Klappe zu halten wenn sie für ihr Angebot niemanden bekommen.

Ist das Angebot nämlich gut genug ziehen die Leute aus Tausend km Entfernung um. Europa machts möglich.

Aber niemand zieht einen Umzug in Betracht für ein schlechtes Angebot.

Spid

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« Antwort #4169 am: 27.10.2020 15:17 »
Kostendeckende Studiengebühren würden schon dafür sorgen, daß diejenigen studieren, die die Aussicht haben, anschließend ihren Studienkredit zurückzahlen zu können.