Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 370919 times)

jans

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4440 am: 02.11.2020 00:49 »
Ach herrje: jetzt hab ich Euch Spid und Spot irgendwie durcheinandergebracht ...

@SpotJ: ... Dein Eindruck stimmt aus meiner Sicht nicht: Es gibt unterschiedliche Bezahlungsniveaus in verschiedenen Branchen. Vermutlich ist der ÖD nicht am untersten Ende (Handel und Gastro ist bestimmt nochmal schlechter).
Eine Besonderheit ist sicher, dass viele Leitungskräfte - anders als in "der Wirtschaft" im Tarifbereich angesiedelt sind. Oft (zumindest, wenn sie im unmittelbaren ÖD sind) haben sie aber auch nicht die letztendliche (haftungsrechtliche) "Verantwortung", wie in der Wirtschaft, insbesondere wie bei Klein- und Mittelbetrieben. Die letztendliche Verantwortung tragen oft vorgesetzte (Wahl-)beamte, oder die Kommunen selbst.
Dafür bietet der ÖD für Leute aus dem Studium (ab 9b) aber auch andere Vorteile (Arbeitsbedingungen) ... Und mir scheint, die Stellen können im Großen und ganzen noch ordentlich besetzt werden, die Bezahlung ist also zunächst marktgerecht.

Ein Sockelbeitrag führt aus meiner Sicht nicht dazu, dass die unteren Gruppen besser und die oberen schlechter gestellt sind. Es ist nicht naturgegeben, dass sich die Tabelle immer weiter prozentual (auseinander) bewegen muss. Kämpfen wir drum , dass es es unten mehr gibt, dann gibts auch oben mehr ...

@Spid: Wenn Du nicht nach TVÖD bezahlt wirst, was ist denn dann - Interesse(???)- Deine Intention, diese Tarifeinigung so zu diskutieren. Ist's Dir insgesamt zu viel (also teuer, für Dich als ... Steuerzahler?)?

SpotJ

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4441 am: 02.11.2020 00:55 »

Ein Sockelbeitrag führt aus meiner Sicht nicht dazu, dass die unteren Gruppen besser und die oberen schlechter gestellt sind. Es ist nicht naturgegeben, dass sich die Tabelle immer weiter prozentual (auseinander) bewegen muss. Kämpfen wir drum , dass es es unten mehr gibt, dann gibts auch oben mehr ...

Die Tabelle würde prozentual auch nicht weiter auseinander gehen, wenn es für alle eine prozentuale Erhöhung gäbe. Prozentual würde es gleich bleiben. Aber im Umkehrschluss gehen die Entgeltgruppen prozentual immer weiter zueinander durch Sockelbeträge.
Dann kommen weitere symbolische Aberkennung von Leistungen durch zB Einmalzahlungen nur bis EG8. Weniger JSZ für höhergruppierte (zumindest prozentual).

jans

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« Antwort #4442 am: 02.11.2020 01:10 »
Das wollte ich doch damit sagen: dass durch rein prozentuale Erhöhungen, die Tabelle - natürlich - in absoluten Zahlen sich immer weiter auseinander bewegt. Meine Frage ist: Muss das sein? Wieso?

JSZ: Absolut bekommen die höheren Gruppen immer noch mehr JSZ als die unteren. Trotzdem gebe ich Dir natürlich recht, dass solche Spielchen wirklich nicht im Sinne einer Gemeinschaft sind. Immer wieder neue Stellschrauben erfinden, damit ja niemand den realen Wert der Tariferhöhung nachvollziehen kann. Prozente aufaddieren über Jahre ... ich  bins auch leid. Ich glaub halt nur: Ohne Gewerkschaft wär das nicht besser, sondern noch schlechter ... Und das darf kein Kampf zwischen den Entgelgruppen werden, sondern gemeinsam für eine bessere Bezahlung (Ich wäre ja schon mit einer transparenten Darstellung der Tariferhöhung als erstem Schritt zufrieden)

SpotJ

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4443 am: 02.11.2020 01:23 »
Das wollte ich doch damit sagen: dass durch rein prozentuale Erhöhungen, die Tabelle - natürlich - in absoluten Zahlen sich immer weiter auseinander bewegt. Meine Frage ist: Muss das sein? Wieso?
Weil die Inflation als wichtiger Anlass für regelmäßige Tarifverhandlungen auch prozentual läuft. Außerdem gibts bei höheren Gehältern durch den progressiven Steuersatz auch nochmal mehr Abgaben.

Aber ich bin ebenfalls bei dir was diese ganze Ausspielerei betrifft. Wir sitzen alle im selben Boot.

jans

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« Antwort #4444 am: 02.11.2020 01:31 »
... nur zur Vollständigkeit, (ich weiß je nach Situation oben wie unten, schwierig):

Die Inflation trifft unten härter als oben. Statistisch (!) ist irgendwann das Grund-Versorgungslevel erreicht und irgendwann beginnt das Sparen.

Es gibt eine Beitragsbemessunggrenze, ab der der SV Beitrag prozentual für Besserverdienende sinkt!

Sozialarbeiter

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4445 am: 02.11.2020 01:38 »
[...] Kämpfen wir drum , dass es es unten mehr gibt, dann gibts auch oben mehr [...]
Das bezweifle ich leider ein wenig. Ein Beispiel aus dem TVL:
Die Hierarchie im Sozial und Erziehungsdienst (sehr vereinfacht dargestellt) hinsichtlich der Vergütung verläuft in etwa so. Kinderpfleger/SPA < Erzieher < Erzieher schwierige Aufgaben < Sozialpädagogen < Sozialpädagogen schwierige Aufgaben < Leitungskräfte

Ein  Erzieher mit schwierigen Aufgaben war nach alter EGO vorher bei E9a eingruppiert.
E 9a   2997.21   3227.32   3276.44   3374.65   3781.78   3895.24
Als Sozialpädagoge im Hamburger Jugendamt wurde ich nach E10 vergütet.
E 10   3367.04   3612.23   3880.76   4151.27   4665.96   4805.94
In der Endstufe gab es eine Spreizung von immernoch ca 900€.

Mit der neuen EGO wurden die Erzieher mächtig aufgewertet und ein Erzieher mit schwierigen Aufgaben findet sich bei S8b wieder.
S 8b   2893.45   3168.29   3420.82   3788.16   4132.54   4396.57
Der Sozialpädagoge im Hamburger Jugendamt wird aktuell nach E14 vergütet.
S 14   3368.38   3653.36   3946.38   4244.45   4574.04   4804.73
Die Spreizung halbiert sich auf noch etwa 400€.

Die Attraktivität sich fortzubilden und sich beruflich weiterzuentwickeln nimmt meiner Meinung nach ab, wenn die daraus folgenden Potentiale bei der Gehaltsentwicklung so sehr abnehmen.
Ich gönne das meinen Erzieherkollegen absolut! Allerdings hätte ich mir gewünscht, gleichwertig aufgewertet zu werden.

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #4446 am: 02.11.2020 03:08 »
@Spid: Wenn Du nicht nach TVÖD bezahlt wirst, was ist denn dann - Interesse(???)- Deine Intention, diese Tarifeinigung so zu diskutieren. Ist's Dir insgesamt zu viel (also teuer, für Dich als ... Steuerzahler?)?

Interesse an einem funktionsfähigen öD, der kein Geld darin versenkt, die bestbezahlten Spülhilfen, Gemüseputzer und Postwagenschubser zu haben, sondern konkurrenzfähige Gehälter in den Bereichen zahlt, die wirklich etwas bewegen.

Spid

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« Antwort #4447 am: 02.11.2020 03:13 »
... nur zur Vollständigkeit, (ich weiß je nach Situation oben wie unten, schwierig):

Die Inflation trifft unten härter als oben. Statistisch (!) ist irgendwann das Grund-Versorgungslevel erreicht und irgendwann beginnt das Sparen.

Es gibt eine Beitragsbemessunggrenze, ab der der SV Beitrag prozentual für Besserverdienende sinkt!

Die Inflation entwertet Einkommen jedoch gleichermaßen. Beträgt sie 5%, ist eine Tariferhöhung von 50€ für jemanden, mit 1000€ Einkommen ein gleichbleibendes Einkommen, für jemanden mit 3000€ Einkommen ein Reallohnverlust. Mit einer Steigerung von je 5% hingegen bliebe alles gleich.

Bastel

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« Antwort #4448 am: 02.11.2020 07:41 »

Die Inflation trifft unten härter als oben. Statistisch (!) ist irgendwann das Grund-Versorgungslevel erreicht und irgendwann beginnt das Sparen.


Erreicht man dieses Level mit einem ÖD Gehalt überhaupt? Für den geplanten Porsche braucht’s noch ein paar Erhöhungen und der hat bestimmteren höhere Inflation als 1,4%.

WasDennNun

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« Antwort #4449 am: 02.11.2020 08:45 »

Die Inflation trifft unten härter als oben. Statistisch (!) ist irgendwann das Grund-Versorgungslevel erreicht und irgendwann beginnt das Sparen.


Erreicht man dieses Level mit einem ÖD Gehalt überhaupt? Für den geplanten Porsche braucht’s noch ein paar Erhöhungen und der hat bestimmteren höhere Inflation als 1,4%.
Ich habe dieses Level am Tag 1 erreicht, war tatsächlich im öD.
Die Jahre dazwischen in der pW haben natürlich die Anhäufung des Geldes beschleunigt.

Kryne

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« Antwort #4450 am: 02.11.2020 09:20 »
@Kryne: Ich kenne jetzt Deine vorherigen Beiträge nicht, aber das Tarifabschlüsse nicht vom Himmel fallen ist Dir hoffentlich schon klar?

Ich persönlich fühle mich von Verdi aber nicht vertreten. Ich finde es also gut, wenn Verdi geschwächt wird.

Verdi verhandelt in erster Linie für die unteren EGs (bis EG8). Ich habe den Eindruck, dass Verdi für die EG 9a bis EG 15 am liebsten eine Nullrunde hätte, um das Geld "unten" zu verteilen.


Spid

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« Antwort #4451 am: 02.11.2020 09:26 »
Das hat ja mit Gefühlen nichts zu tun, Verdi vertritt nur die eigenen Mitglieder, für alles andere besteht schlicht kein Mandat.

Wdd3

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« Antwort #4452 am: 02.11.2020 09:32 »

JSZ: Absolut bekommen die höheren Gruppen immer noch mehr JSZ als die unteren.

Natürlich bekommen die oberen EG´s absolut ein höheres Gehalt als die unteren. Wenn das nicht so währe gäbe es ein Einheitsgehalt. Einheitsrente, bedingungsloses Grundeinkommen, Einheitsmiete etc...

Der Kritikpunkt ist doch das Verdi die Schere schließen will evtl. um oben genanntes zu erreichen. Dafür will ich keinen Beitrag leisten.

Yasper

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« Antwort #4453 am: 02.11.2020 09:34 »
Das hat ja mit Gefühlen nichts zu tun, Verdi vertritt nur die eigenen Mitglieder, für alles andere besteht schlicht kein Mandat.

Verdi vertritt wohl eher die Mehrheit seiner Mitglieder.

Spid

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« Antwort #4454 am: 02.11.2020 09:41 »
Das hingegen ist ein Gefühlchen. Verdi hat das Vertretungsmandat für alle ihre Mitglieder.