Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion

Begonnen von Admin, 06.06.2020 20:50

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shenja

Des Wegen schrieb ich ja, dass es wohl eher Landes- und Bundesbehörden sind. Aber vielleicht mache ich mich mal bei meiner Kommune mit über 2.000 Mitarbeitern (also gar nicht so klein) schlauch was unsere Itler so alles machen. Interessant ist es ja.
Ich hoffe halt immer den großen Sprung in die Digitalisierung. Aber wir haben so mache Mitarbeiter die trauen z. B. Excel nicht über den weg und rechnen nur mit der Rechenmaschine und schreiben alles in Word. Für die ist die digitale Akte der blanke Albtraum.
Wir haben ja jetzt die elektronische Stempelkarte eingeführt. Ein Drama sag ich Euch. Die kommen damit kaum klar. Aber endlich hört die stempelei auf dem Papier auf.

Otto1

Zitat von: heike2106 in 16.09.2020 13:31
Zitat von: shenja in 16.09.2020 12:52
Mal ne blöde Frage, was machen Eure Itler denn überhaupt in der Verwaltung? Ich sehe unsere nie und telefonisch erreichen kann man die auch nicht. Unsere Software wird über Rechenzentren eingekauft. Bei Problemen bei laufenden Programmen muss ich selber ne Lösung finden. Wir haben zusätzlich noch ADV Koordinatoren die noch weniger Ahnung haben oder besser darin sind die Arbeit von sich wegzuschieben.

Ich seh unsere auch eher beim Drucker reparieren oder wenn mal ein neuer Kopierer mit Emailadressen eingerichtet werden soll.
Ansonsten etwas Fehlersuche, wenn die Programme mal wieder spinnen und Daten fehlen. Aber ich behaupte einfach mal, das dort kein Masterstudium benötigt wird.
Mein Bruder ist hingegen Softwareentwickler in der fW. Das wäre dem hier von den Aufgaben an sich schon viel zu langweilig und unterfordernd.

Das sind keine Tätigkeiten, denen ein Informatiker nachgeht.

Spid

Hat auch niemand behauptet.

signs4

#2343
Ich finde es interessant, dass die meisten hier die Forderungen des VKA besser finden als die der Verdi :D

Ich übrigend Digitalisierungbeauftragter und gehöre somit zu dem Kreis der IT der sehr begehrt ist.
Ich habe tatsächlich schon Jobangebote erhalten, bei denen mir das 3fache Gehalt geboten wurde. Warum ich das nicht angenommen habe? Ich bin ein gebranntes Kind und habe schon sehr schlechte Erfahrungen in der fW gemacht. Ich weiß was ich am ÖD habe, aber die Stellen bei uns lassen sich ansonsten wirklich nicht leicht besetzen und die einzige Lösung die mein AG dafür hat ist immer wieder neu Ausschreiben.
Eine ehemalige Chefin von mir hat mal gesagt: Wir suchen Leute die von der freien Wirtschaft ausgebrannt sind.

Spid

Ich sehe Digitalisierungsbeauftragte eher als Symptom des Problems und nicht als dessen Lösung.

signs4


Platten

Zitat von: shenja in 16.09.2020 12:52
Mal ne blöde Frage, was machen Eure Itler denn überhaupt in der Verwaltung?

Rationalisierung aller möglichen Arbeitsprozesse durch Technisierung/Digitalisierung.

Ich habe meinem AG die letzten Jahre Stellen im zweistelligen Bereich "eingespart". Zwar nicht die feine Art das so zu sagen, aber so läuft Digitalisierung nun mal. Fressen oder gefressen werden.

Otto1

Zitat von: Spid in 16.09.2020 17:49
Ich sehe Digitalisierungsbeauftragte eher als Symptom des Problems und nicht als dessen Lösung.

Ja, vor allem bei dem Satzbau.

Spid

Zitat von: signs4 in 16.09.2020 18:28
Danke für die Blumen :D

Das hat ja nichts mit Dir zu tun. Die bloße Existenz der Position eines Digitalisierungsbeauftragten ist aber deutlich sichtbares Symptom des eigentlichen Problems. Ein massiver, umfassender Wandel in Organisation und Arbeitskultur ist eine Führungsaufgabe. Sonst kommt dabei nur ,,Wir sind jetzt digital! Sie können unsere Formulare jetzt von der sog. Website ,herunterladen'." bei rum. Wenn Henry Ford oder Friedrich Harkort Automatisierungsbeauftragte gehabt hätten, anstatt das zur Chefsache zu machen, es in der Unternehmenskultur zu verankern und sowohl Strukturen als auch Personal, das dem im Wege stand, beseitigt hätten, würde heute keiner mehr einen von beiden kennen. Entweder man digitalisiert seine Prozesse und Dienstleistungen und schlägt das tote Holz weg oder man macht einfach wieder das mit den Fähnchen. Ersteres funktioniert aber nur mit Führern, nicht mit Beauftragten.

Weiteres Symptom des Problems ist der TV Digitalisierung, der nach Verlautbarung der TVP nicht etwa dazu dienen soll, daß die Beschäftigten bestmöglich von der Digitalisierung profitieren oder wenigstens möglichst daran teilhaben, sondern der die Beschäftigten vor und bei der Digitalisierung ,,schützen" soll. Das wäre so, als hätte die G.L. Kayser Spedition 1912 einen Tarifvertrag vereinbart, der die Beschäftigten vor dem Lastkraftwagen schützen sollte.

Spid

Zitat von: Otto1 in 16.09.2020 19:35
Zitat von: Spid in 16.09.2020 17:49
Ich sehe Digitalisierungsbeauftragte eher als Symptom des Problems und nicht als dessen Lösung.

Ja, vor allem bei dem Satzbau.

Der Satzbau ist völlig korrekt.

signs4

Zitat von: Spid in 16.09.2020 19:37
Zitat von: signs4 in 16.09.2020 18:28
Danke für die Blumen :D

Das hat ja nichts mit Dir zu tun. Die bloße Existenz der Position eines Digitalisierungsbeauftragten ist aber deutlich sichtbares Symptom des eigentlichen Problems. Ein massiver, umfassender Wandel in Organisation und Arbeitskultur ist eine Führungsaufgabe. Sonst kommt dabei nur ,,Wir sind jetzt digital! Sie können unsere Formulare jetzt von der sog. Website ,herunterladen'." bei rum. Wenn Henry Ford oder Friedrich Harkort Automatisierungsbeauftragte gehabt hätten, anstatt das zur Chefsache zu machen, es in der Unternehmenskultur zu verankern und sowohl Strukturen als auch Personal, das dem im Wege stand, beseitigt hätten, würde heute keiner mehr einen von beiden kennen. Entweder man digitalisiert seine Prozesse und Dienstleistungen und schlägt das tote Holz weg oder man macht einfach wieder das mit den Fähnchen. Ersteres funktioniert aber nur mit Führern, nicht mit Beauftragten.

Weiteres Symptom des Problems ist der TV Digitalisierung, der nach Verlautbarung der TVP nicht etwa dazu dienen soll, daß die Beschäftigten bestmöglich von der Digitalisierung profitieren oder wenigstens möglichst daran teilhaben, sondern der die Beschäftigten vor und bei der Digitalisierung ,,schützen" soll. Das wäre so, als hätte die G.L. Kayser Spedition 1912 einen Tarifvertrag vereinbart, der die Beschäftigten vor dem Lastkraftwagen schützen sollte.

Vielleicht ist das bei euch so, aber ich habe an mich ganz sicher nicht den Anspruch alles in ausfüllbaren Formularen darzustellen. Wenn dann muss der gesamte Prozess digitalisiert werden. Damit meine ich nicht den Mitarbeiter zu ersetzen, sondern muss bei einer Antragsstellung bis zum Ergebnis des Antrags alles digital sein ohne Medienbruch.

Spid

Und damit zeigst Du das Problem mehr als deutlich auf. Du hast einen Anspruch an Dich selbst und wenn ein Prozeß digitalisiert werden soll, ist es dieser Anspruch an Dich selbst, daß es ,,richtig" gemacht wird. Das ist das Denken eines Beauftragten. Ich habe einen Anspruch an die Organisation, entscheide, daß Prozesse digitalisiert werden, dabei ist es selbstverständlich, daß es ,,richtig" gemacht wird. Wenn dabei Mitarbeiter über die Klinge springen, ist das gut so, denn sie standen dem Ziel im Weg. Wer nicht zur neuen Arbeitskultur und Organisation paßt, wird passend gemacht oder geht. Wo Beauftragte auf Widerstände stoßen, zerschlage ich diese. Wenn Ressourcen fehlen, sorge ich dafür, daß sie zur Verfügung stehen. Genau deshalb hatten die genannten Industriepioniere keine Beauftragten für etwas, was so erheblich für die Organisation war, sondern machten es zur Chefsache. Deshalb waren sie erfolgreich, ihrer Zeit voraus und bleiben in Erinnerung. Es geht ja nicht um irgend so einen Mist wie das Gleichstellungsgedöns.

Meteor

Zitat von: signs4 in 16.09.2020 20:06
Zitat von: Spid in 16.09.2020 19:37
Zitat von: signs4 in 16.09.2020 18:28
Danke für die Blumen :D

Das hat ja nichts mit Dir zu tun. Die bloße Existenz der Position eines Digitalisierungsbeauftragten ist aber deutlich sichtbares Symptom des eigentlichen Problems. Ein massiver, umfassender Wandel in Organisation und Arbeitskultur ist eine Führungsaufgabe. Sonst kommt dabei nur ,,Wir sind jetzt digital! Sie können unsere Formulare jetzt von der sog. Website ,herunterladen'." bei rum. Wenn Henry Ford oder Friedrich Harkort Automatisierungsbeauftragte gehabt hätten, anstatt das zur Chefsache zu machen, es in der Unternehmenskultur zu verankern und sowohl Strukturen als auch Personal, das dem im Wege stand, beseitigt hätten, würde heute keiner mehr einen von beiden kennen. Entweder man digitalisiert seine Prozesse und Dienstleistungen und schlägt das tote Holz weg oder man macht einfach wieder das mit den Fähnchen. Ersteres funktioniert aber nur mit Führern, nicht mit Beauftragten.

Weiteres Symptom des Problems ist der TV Digitalisierung, der nach Verlautbarung der TVP nicht etwa dazu dienen soll, daß die Beschäftigten bestmöglich von der Digitalisierung profitieren oder wenigstens möglichst daran teilhaben, sondern der die Beschäftigten vor und bei der Digitalisierung ,,schützen" soll. Das wäre so, als hätte die G.L. Kayser Spedition 1912 einen Tarifvertrag vereinbart, der die Beschäftigten vor dem Lastkraftwagen schützen sollte.

Vielleicht ist das bei euch so, aber ich habe an mich ganz sicher nicht den Anspruch alles in ausfüllbaren Formularen darzustellen. Wenn dann muss der gesamte Prozess digitalisiert werden. Damit meine ich nicht den Mitarbeiter zu ersetzen, sondern muss bei einer Antragsstellung bis zum Ergebnis des Antrags alles digital sein ohne Medienbruch.

Mit heutigen Workflow- und OCR-, ICR- und IWR-Methoden wäre es auch schon heute denkbar, zahlreiche Verwaltungsakte vollständig automatisiert zu bearbeiten und nur spezielle Sachverhalte an einen menschlichen Sachbearbeiter zu übergeben.  Die Realität sieht aber so aus, dass viele IT-Leute im ÖD nicht einmal wissen was Workflow oder OCR bedeuten.

Spid

Es ist nicht nur denkbar, es ist auch machbar. Man muß es nur wollen und rigoros umsetzen.

signs4

Spid ich verstehe deine Einwände, auch ich kämpfe oft gegen erhebliche Widerstände innerhalb der Verwaltung, welche die Digitalisierung aussitzen wollen oder sagen "das haben wir schon immer so gemacht". Es vergeht kein Tag an dem ich nicht darüber fluche. Problem aber an den meisten Verwaltungen ist das auf Chefpositionen meist Politiker oder Beamte sitzen, welche nicht gerade die Modernste Weltanschauung haben. Meist bremsen diese sogar selbst die Digitalisierung und verfassen sich nur damit, weil sie es vom Gesetz her müssen (OZG z.B.).
Workflow, OCR nutzen wir, unser aktueller Spass ist Civento.