Tarifrunde 2025 - kein Geld in den Ländern

Begonnen von Zinc, 14.05.2025 09:41

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cyrix42

Ja, schon schlimm, wenn man Ende 2024 knappe 5% und Anfang 2025 noch mal 5,5% bekommt. Da muss man sich natürlich erst einmal auskotzen, dass der Durchschnitt für 2024 in der Allgemeinbevölkerung 5,16% war. Im übrigen sind die Löhne während Corona in der Allgemeinbevölkerung auch gefallen. Das willst du dann wahrscheinlich auch haben... o.O

Vollender

Man sollte jedenfalls über Reformen nachdenken. Der TK-Chef kritisiert das System der gesetzlichen Krankenversicherung als nicht nachhaltig und warnt vor einem künftigen ,,Sozialabgaben-Schock" der das Netto spürbar schmälert. In Kombination mit Steuern kann die Gesamtbelastung als zu hoch empfunden werden. Zumal auch das Ehegattensplitting zur Diskussion steht. Und die gesetzliche Rente keinen guten Ruf genießt.

troubleshooting

Zitat von: cyrix42 in 08.10.2025 16:29
Ja, schon schlimm, wenn man Ende 2024 knappe 5% und Anfang 2025 noch mal 5,5% bekommt. Da muss man sich natürlich erst einmal auskotzen, dass der Durchschnitt für 2024 in der Allgemeinbevölkerung 5,16% war. Im übrigen sind die Löhne während Corona in der Allgemeinbevölkerung auch gefallen. Das willst du dann wahrscheinlich auch haben... o.O

Ist es nicht ein wenig zu polemisch, wenn nur und aus dem Zusammenhang gerissen, die verzögerten Erhöhungen in den Raum geworfen werden?

Dazu 1. gab es zum 01.11.2024 nicht "knappe 5%", sondern pauschal 200€
2. ist mal eben die vorherige Nullrunde 2023 unter den Tisch gefallen!

Die letzte Erhöhung vor dem 01.11.2024 war zum 1.12.2022 mit 2,8%.
Wenn man dann noch weiter zurückschaut, stellt man fest, dass es bei Rechnung Herbst-Herbst zuvor auch nochmal eine Nullrunde gab, denn davor gab es im TV-L am 01.01.2021 satte 1,29%!

Was aber widerum auch nicht die ganze Wahrheit ist, denn vergessen wir nicht das damalige Einfrieren der Jahressonderzahlung auf dem Niveau 2018. Wie wenig das den damaligen und inzwischen manifestierten Preiserhöhungen über alle Lebensbereiche hinweg gerecht wurde, wissen wir alle.

Ja, es gab noch die Inflationsabmilderungsprämie, aber die wollte schon der damalige Bundeskanzler von der SPD ausdrücklich nicht als regulären Lohnbestandteil verstanden haben. Daher sehe ich sie auch nicht als  Tariferhöhung.

Das Schöne ist, der Markt regelt auch das bzw. hat es in dem von mir zu überblickenden Bereichen bereits getan. 

losTV

Hätte mal ein Frage an die Experten hier (da ich neu bin), weshalb werden die Verhandlungsrunden eigentlich immer so spät angesetzt? Dass der Tarifvertrag zum Datum X endet steht ja idR schon 1-2 Jahre vorher fest. Weshalb wird dann nicht rechtzeitig/vorzeitig verhandelt, um einen direkten Anschluss zu bieten? Klar, gilt der neue Tarifvertrag rückwirkend bzw. ab Datum des Auslaufs des vorherigen Tarifvertrags, aber weshalb Monate lang warten (lassen)? Traurigerweise führt es dann auch öfter zu Nullrunden. Können da die Verhandelnden (ala Verdi und co.) nicht irgendetwas bewirken oder finden die das in Ordnung so? Wenn ein AN seine Befristung ablaufen lassen würde und erst 1-2 Monate danach verhandelt über einen Neuvertrag würde es kein AG akzeptieren (hypothetisch, natürlich geht das nicht, da ohne Vertrag nicht entlohnt gearbeitet werden kann). Kommt mir absurd vor (aber vlt. ist das nur mein Unwissen).

Ich schaute mir die Tarifrunde 2023 an:

Laufzeit:   01.10.2023-31.10.2025
Verhandlungs- 
runden:   
1 - 26.10.
2 - 2.11./3.11.
3 - 7.-9.12.
Einigung:   09.12.2023
Erklärungsfrist:   19.01.2024

Da war zumindest die erste Runde noch vor Ablauf des gültigen Tarifvertrags. Dazu sei erwähnt, dass es ein komplettes Jahr keine Erhöhung gab (Nullrunde).
Aber in diesem Jahr sieht es schlechter aus:

Forderungsverkündung:   17.11.
Verhandlungs- 
runden:   
1 - 03.12.
2 - 15./16.01.
3 - 11./12.02.

Heißt, dass in diesem Jahr die erste Verhandlung erst dann anfängt, wo es im Jahr 2023 schon fast zum Ende der Einigung kam.

Warum ist das so? In meiner Vorstellung sollten die Verhandlungen spätestens 3 Monate vor Ablauf des aktuellen Vertrags beginnen, so dass es dann zum Abschluss (inkl. Erklärungsfrist) kommt spätestens am Tag des Ablaufs.
Die Antwort, die ich mir denken kann: Je länger die es nach hinten hinauszögern (können), umso erfreulicher für den Staat finanziell betrachtet (was meistens mit Nullrunden abgetan wird).


Faunus


Albeles

Verdi sollte sich Weselsky anschauen:

1. Forderungen vorher rausgeben
2. Erste Verhandlungsrunde gucken ob ein Angebot kommt - JA / Verhandeln
                                                                                      - NEIN / Aufstehen und Streik organisieren

3. Selbstbewusst auftreten ;-)

Wäre mal ein Anfang und ein Schritt weg von diesem Schauspiel jedes Mal. Krasse Nachtsitzung in der 3. Verhandlungsrunde und danach bestes Ergebnis aller Zeiten (same procedure as every year)

Meierheim

Zitat von: losTV in 09.10.2025 11:55
Hätte mal ein Frage an die Experten hier (da ich neu bin), weshalb werden die Verhandlungsrunden eigentlich immer so spät angesetzt? Dass der Tarifvertrag zum Datum X endet steht ja idR schon 1-2 Jahre vorher fest. Weshalb wird dann nicht rechtzeitig/vorzeitig verhandelt, um einen direkten Anschluss zu bieten? Klar, gilt der neue Tarifvertrag rückwirkend bzw. ab Datum des Auslaufs des vorherigen Tarifvertrags, aber weshalb Monate lang warten (lassen)? Traurigerweise führt es dann auch öfter zu Nullrunden. Können da die Verhandelnden (ala Verdi und co.) nicht irgendetwas bewirken oder finden die das in Ordnung so? Wenn ein AN seine Befristung ablaufen lassen würde und erst 1-2 Monate danach verhandelt über einen Neuvertrag würde es kein AG akzeptieren (hypothetisch, natürlich geht das nicht, da ohne Vertrag nicht entlohnt gearbeitet werden kann). Kommt mir absurd vor (aber vlt. ist das nur mein Unwissen).

Ich schaute mir die Tarifrunde 2023 an:

Laufzeit:   01.10.2023-31.10.2025
Verhandlungs- 
runden:   
1 - 26.10.
2 - 2.11./3.11.
3 - 7.-9.12.
Einigung:   09.12.2023
Erklärungsfrist:   19.01.2024

Da war zumindest die erste Runde noch vor Ablauf des gültigen Tarifvertrags. Dazu sei erwähnt, dass es ein komplettes Jahr keine Erhöhung gab (Nullrunde).
Aber in diesem Jahr sieht es schlechter aus:

Forderungsverkündung:   17.11.
Verhandlungs- 
runden:   
1 - 03.12.
2 - 15./16.01.
3 - 11./12.02.

Heißt, dass in diesem Jahr die erste Verhandlung erst dann anfängt, wo es im Jahr 2023 schon fast zum Ende der Einigung kam.

Warum ist das so? In meiner Vorstellung sollten die Verhandlungen spätestens 3 Monate vor Ablauf des aktuellen Vertrags beginnen, so dass es dann zum Abschluss (inkl. Erklärungsfrist) kommt spätestens am Tag des Ablaufs.
Die Antwort, die ich mir denken kann: Je länger die es nach hinten hinauszögern (können), umso erfreulicher für den Staat finanziell betrachtet (was meistens mit Nullrunden abgetan wird).
Der 26.10. liegt doch nach dem 1.10.

losTV

Zitat von: Meierheim in 09.10.2025 13:59
Der 26.10. liegt doch nach dem 1.10.

Stimmt. Entschuldigung, war zu schnell. Aber zumindest war es noch im selben Monat..... Das ist aber auch nur ein kleines Detail bei so einem langen Text.

Stefan35347

Zumindest die Forderung sollte schon nach dem Ende der Laufzeit unmittelbar gestellt werden oder evtl. kurz vorher. Das wäre einmal ein Anfang,,

Vollender

Liegt es auch daran dass mehrere Gewerkschaften an den Verhandlungen im TV-L beteiligt sind? Der ganze Prozess sollte jedenfalls optimiert werden. Mehr Weselsky wagen. Hätten wir seinerzeit auch bei der Umstellung vom BAT gebraucht. Zumal der TV-L insbesondere bei den höheren EG gut hinterher hinkt (mit JSZ).

Zinc

Zitat von: Vollender in 10.10.2025 08:09
Liegt es auch daran dass mehrere Gewerkschaften an den Verhandlungen im TV-L beteiligt sind? Der ganze Prozess sollte jedenfalls optimiert werden. Mehr Weselsky wagen. Hätten wir seinerzeit auch bei der Umstellung vom BAT gebraucht. Zumal der TV-L insbesondere bei den höheren EG gut hinterher hinkt (mit JSZ).

Es ist schlichtweg so gewollt. Vermutlich haben wir erst Anfang März ein Ergebnis, vielleicht auch ohne Rückwirkung. So spart man sich 3-5 Monate zusammen von Seiten der Arbeitgeber.

Rowhin

Zitat von: Zinc in 10.10.2025 08:19
Zitat von: Vollender in 10.10.2025 08:09
Liegt es auch daran dass mehrere Gewerkschaften an den Verhandlungen im TV-L beteiligt sind? Der ganze Prozess sollte jedenfalls optimiert werden. Mehr Weselsky wagen. Hätten wir seinerzeit auch bei der Umstellung vom BAT gebraucht. Zumal der TV-L insbesondere bei den höheren EG gut hinterher hinkt (mit JSZ).

Es ist schlichtweg so gewollt. Vermutlich haben wir erst Anfang März ein Ergebnis, vielleicht auch ohne Rückwirkung. So spart man sich 3-5 Monate zusammen von Seiten der Arbeitgeber.

Das ist die andere Seite. Ich glaube die Frage war eher in Richtung, warum lassen sich die Gewerkschaften auf das Spiel so ein und folgen dem einstudierten Tanz. Und dann sind wir wieder bei Friedenspflicht, mangelndem Organisationsgrad/Streikbereitschaft, etc.

Vollender

Gewerkschaften im öffentlichen Dienst haben andere Herausforderungen bei Tarifverhandlungen als etwa die IG Metall – vor allem wegen politischer und struktureller Rahmenbedingungen. Aber ich sehe Optimierungsbedarf und verstehe zum Beispiel nicht, warum Gewerkschaften nicht mehr mediale Präsenz und Storytelling als mächtiges Instrument nutzen. Also emotionale Geschichten aus dem Alltag von Pflegekräften, Erzieher, Hochschulen oder Verwaltungsangestellten. Das kann öffentliche Unterstützung deutlich mobilisieren. Da kommt viel zu wenig.

Zu viel Rücksichtnahme auf die AG?


Modulator

Ich verzweifle schon seit Jahren an dem taktischen Verhalten und der Kommunikation von Verdi.
So führt man doch keine Verhandlungen, wenn man aus Sicht des Gegners argumentiert.
Und immer diese elend langen Zeitspannen zwischen den Sitzungen.

Um Zeitverzögerungen der Arbeitgeber in der Wirkung zu unterbinden, müssen die neuen Verträge fortlaufend ohne Unterbrechung gültig sein. Gehaltsänderungen dementsprechend.
So spielen die Arbeitgeber nur auf Zeit. Aktuell können sie dabei nur gewinnen.

Das Schlimmste ist aber das gegenseitige Schulterklopfen von Verdi nach der Einigung, wie toll sie doch wieder verhandelt haben.
Prozentzahlen werden dann wieder ohne die Laufzeit veröffentlicht.

Kein Wunder das die laufend Miglieder verlieren.
Man fühlt sich eher verraten als vertreten.

Mario Nette

Zitat von: Zinc in 10.10.2025 08:19
Zitat von: Vollender in 10.10.2025 08:09
Liegt es auch daran dass mehrere Gewerkschaften an den Verhandlungen im TV-L beteiligt sind? Der ganze Prozess sollte jedenfalls optimiert werden. Mehr Weselsky wagen. Hätten wir seinerzeit auch bei der Umstellung vom BAT gebraucht. Zumal der TV-L insbesondere bei den höheren EG gut hinterher hinkt (mit JSZ).

Es ist schlichtweg so gewollt. Vermutlich haben wir erst Anfang März ein Ergebnis, vielleicht auch ohne Rückwirkung. So spart man sich 3-5 Monate zusammen von Seiten der Arbeitgeber.

Ich glaube das ist auch seitens der Gewerkschaften zum Teil so gewollt. Für die 3 bis 5 Monate Nullrunde wird man auf der anderen Seite einen Obolus bekommen denke ich. Also in irgendeiner Art und Weise werden diese Nullrunden-Monate definitiv ein Gewicht haben, wenn man das Gesamtpaket betrachtet und verteilt.