Autor Thema: Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung  (Read 400327 times)

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4440 am: 26.05.2020 15:51 »
Klar, die Bundespost hat ja bewiesen, wie innovative und kundenorientierte Telekommunikation funktioniert. Die breite Modellauswahl und die kaum vorhandenen bürokratischen Hürden gepaart mit einer unvergleichlichen und konkurrenzlosen - weil staatlich monopolisierten - Preisstruktur waren einfach großartig. Wer da nicht von selbst draufkommt, daß der Staat alles besser macht...

Und gerade im Bereich Telekommunikation zeigt sich, wie "toll" das läuft. Überall in ganz Deutschland rasend schnelles Internet. Keine Probleme, weil die privaten ja nicht auf Gewinn gucken und deshalb überall alles anbieten.

Verstaatlichung ist genauso mist wie völlige Freigabe des Marktes. Soziale Marktwirtschaft mit entsprechenden regulatorischen Eingriffen wäre eine Lösung. Womit wir dann auch wieder bei der Zwischenfrage wären, wo Aufgaben des Staates liegen.

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4441 am: 26.05.2020 15:53 »
Innere und äußere Sicherheit, Justiz, Staatsfinanzen, Daseinsvorsorge soweit sie nicht privatisiert werden kann.

Danke. Für welche der von mir genannten Bereiche der Daseinsvorsorge hältst du eine Privatisierung für möglich/nötig/sinnvoll?

Alle. Der Staat macht nichts besonders gut, günstig, innovativ oder effizient. Er sollte nur eintreten, wenn sich kein anderer findet und sich die unabweisbare Notwendigkeit auch unter den Rahmenbedingungen ergibt, daß die schlechtestmögliche Alternative - also staatliches Selbsthandeln - tragfähig ist.

Na dann am besten Bildung auch gleich in Privathände geben. Wieder etwas billiger und besser gemacht.
Die ach so tollen Privatisierungen haben den Bürgern ja immens viel gebracht. Naja Gefühlchen halt, wenn man davon nichts merkt.

Und das staatliche Bildungswesen wäre jetzt auch nur in welchem Punkt gut? Oder auch nur nicht schlecht? Staatliche Errungenschaften wie „Schreiben nach Gehör“ oder die Mengenlehre-Geschädigten lassen zusammen mit dem erbärmlichen Abschneiden in Vergleichstests eher ein vollkommenes Versagen vermuten. Größte Errungenschaft dürfte sein, daß deutschsprachige Schüler in Hauptschulklassen wegen des förderlichen Umfelds keine ausreichende Kompetenz in ihrer Muttersprache mehr aufweisen.

dahofa

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4442 am: 26.05.2020 15:55 »
Klar, die Bundespost hat ja bewiesen, wie innovative und kundenorientierte Telekommunikation funktioniert. Die breite Modellauswahl und die kaum vorhandenen bürokratischen Hürden gepaart mit einer unvergleichlichen und konkurrenzlosen - weil staatlich monopolisierten - Preisstruktur waren einfach großartig. Wer da nicht von selbst draufkommt, daß der Staat alles besser macht...
Ja das ist ein gutes Beispiel. Der Nachfolger "Telekom" hat ja vielen Anlegern tolle Negativ-Gewinne (auf Hochdeutsch: Verluste) gebracht. Ron Sommer und die Seinen lachen sich eins.

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4443 am: 26.05.2020 15:59 »
Klar, die Bundespost hat ja bewiesen, wie innovative und kundenorientierte Telekommunikation funktioniert. Die breite Modellauswahl und die kaum vorhandenen bürokratischen Hürden gepaart mit einer unvergleichlichen und konkurrenzlosen - weil staatlich monopolisierten - Preisstruktur waren einfach großartig. Wer da nicht von selbst draufkommt, daß der Staat alles besser macht...

Und gerade im Bereich Telekommunikation zeigt sich, wie "toll" das läuft. Überall in ganz Deutschland rasend schnelles Internet. Keine Probleme, weil die privaten ja nicht auf Gewinn gucken und deshalb überall alles anbieten.

Mal abgesehen davon, daß eben staatliche Akteure daran einen wesentlichen Anteil haben, sehe ich nicht, daß die Bundespost das besser gemacht hätte. Die hätte wahrscheinlich die Modellauswahl neben grün und grau-beige um ein blaues Modell erweitert und der 2400 baud Akkustikkoppler stände kurz vor der Zulassung - aber nur mit dem bundesposteigenen TAE-Kabel für 96.20€.

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4444 am: 26.05.2020 16:07 »
Klar, die Bundespost hat ja bewiesen, wie innovative und kundenorientierte Telekommunikation funktioniert. Die breite Modellauswahl und die kaum vorhandenen bürokratischen Hürden gepaart mit einer unvergleichlichen und konkurrenzlosen - weil staatlich monopolisierten - Preisstruktur waren einfach großartig. Wer da nicht von selbst draufkommt, daß der Staat alles besser macht...
Ja das ist ein gutes Beispiel. Der Nachfolger "Telekom" hat ja vielen Anlegern tolle Negativ-Gewinne (auf Hochdeutsch: Verluste) gebracht. Ron Sommer und die Seinen lachen sich eins.

Die Telekom ist mit zunehmender Staatsferne zu einem sehr erfolgreichen und innovativen Unternehmen geworden. Was Du ausführst, war das Handeln eines Unternehmens in zunächst alleinigem Staatsbesitz - und unterstreicht doch nur das, was ich ausführte: der Staat kann nichts besonders gut, erst recht taugt er nichts als Unternehmer.

dahofa

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4445 am: 26.05.2020 16:35 »
Da magst Du recht haben. Ich bin auch nicht dafür, dass der Staat als Unternehmer auftritt. Allerdings gibt es sowohl bei den privaten als auch im öD gute und schlechte Beispiele. Und ich bin nicht dafür, dass sich Nestle um meine Trinkwasserversorgung kümmert.
Aber warum soll dies dann der Staat machen?

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4446 am: 26.05.2020 16:42 »
Die hätte wahrscheinlich die Modellauswahl neben grün und grau-beige um ein blaues Modell erweitert
nana, da war noch das geniale grün-beige mamorierte Modell

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4447 am: 26.05.2020 16:47 »
Aber sicher sind das ausgebildete Informatiker - schlimmer noch, dass sind sogar Ausbilder, die ihren eigenen Nachwuchs züchten und ihnen nichts beibringen können.
Oha, Beileid.
Tut mir leid, aber ich habe so etwas noch in keinem Amt erlebt, aber bin auch zu selten in Kommunen unterwegs.
Dann ist es halt wirklich so, das ihr selbst für die E6 IuK Tätigkeiten nur die absolutesten Looser bekommt.

WasDennNun

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« Antwort #4448 am: 26.05.2020 16:59 »
Da magst Du recht haben. Ich bin auch nicht dafür, dass der Staat als Unternehmer auftritt. Allerdings gibt es sowohl bei den privaten als auch im öD gute und schlechte Beispiele. Und ich bin nicht dafür, dass sich Nestle um meine Trinkwasserversorgung kümmert.
Aber warum soll dies dann der Staat machen?
Komisch bei der Gasversorgung ist es doch auch so, dass es nicht der Staat macht.

Solange der Staat die Rahmenbedingungen überwacht und Monopole, Oligopole, Kartelle etc. verhindert kann der Markt es idR besser.
natürlich nur wenn der Staat auch stark gegen Lobbyismus resident ist.

Keeper83

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4449 am: 26.05.2020 17:51 »
Da magst Du recht haben. Ich bin auch nicht dafür, dass der Staat als Unternehmer auftritt. Allerdings gibt es sowohl bei den privaten als auch im öD gute und schlechte Beispiele. Und ich bin nicht dafür, dass sich Nestle um meine Trinkwasserversorgung kümmert.
Aber warum soll dies dann der Staat machen?
Komisch bei der Gasversorgung ist es doch auch so, dass es nicht der Staat macht.

Solange der Staat die Rahmenbedingungen überwacht und Monopole, Oligopole, Kartelle etc. verhindert kann der Markt es idR besser.
natürlich nur wenn der Staat auch stark gegen Lobbyismus resident ist.

Mir ging es eigentlich weniger um die Vermarktung des "Produkts" Gas, Wasser, Strom. Hier regelt der Markt das natürlich am besten. Sondern um die für die "Verteilung" dieser Produkte nötige Infrastruktur. Bei Gas, Wasser, Strom gibt es in der Regel einen Netzbetreiber der für das Netz z.B. einer oder mehrer Kommunen zuständig ist und dieses Unterhält und erweitert. Er stellt dieses Netz den verschiedensten Anbietern zur Verfügung und den Preis für das Produkt regelt der Markt. Der Netzbetreiber ist in der Regel noch die öffentliche Hand oder der Betreiber befindet sich zumindest im Besitz dieser.
Wenn jetzt jeder Strom/Gasanbieter sein eigenes Netz aufbauen möchte (wie im Moment bei der Telekommunikation zu beobachten) wird es langsam etwas eng unter der Erde. Wie löst man das?

Das gleiche gilt für das Kanalnetz. Das Schmutzwasser und die Entsorgung könnte man sicherlich am Markt "handeln", was sich dann positiv auf die Abwassergebühren auswirken könnte. Aber wer unterhält und erweitert das Kanalnetz und stellt den Betrieb sicher?

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4450 am: 26.05.2020 17:57 »
Warum sollte ein privater Akteur den Betrieb eines Netzes schlechter hinbekommen als staatliche Akteure? Zumal es ja häufig staatliche Akteure sind, die privatrechtlich tätig sind - und wir ja schon festgestellt haben, daß der Staat ein mieser Unternehmer ist.

Novus

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4451 am: 26.05.2020 19:20 »
Also ich kann aus meiner Zeit in England, wo die Wasserversorgung privatisiert ist, sagen: schlecht ist gar kein Ausdruck - Probleme mit Verunreinigungen, Druckabfälle oder Anstiege, kamen ein bis zwei mal pro Monat vor - es ging soweit, dass unser Krankenhaus eine eigene Wasseraufbereitungsanlage im Keller installierte um den Nachschub an Trinkwasser und nicht verunreinigtem Duschwasser sicher zu stellen. Privatisierung ist in solchen Dingen wohl auch mehr Glaubens- als Realitätsfrage.

EDIT: Und es war teuer, sehr teuer dieses Wasser ...

EDIT2: wenn sich jemand WIRKLICH für den Wissenschaftlichen Aspekt interessiert :D
https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/2016/01/kuerschner-pelkmann.pdf

Otto1

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #4452 am: 26.05.2020 19:27 »
Bei einem Haus muss Strom, Wasser und „Telefon“ anliegen. Warum nimmt man nicht einfach Breitband-Internet mit in die Liste auf? Die nordischen Länder machen es vor. Gerade im ländlichen Raum lohnt es sich für die Konzerne nicht, da es zu wenige Abnehmer je verlegten Kilometer Kabel gibt, jedoch profitiert der ländliche Raum davon ungemein und könnte für Junge Leute attraktiv werden. Bspw. für Menschen die 2 Tage in der Woche im Home-Office arbeiten und an 3 Tagen länger pendeln. Ein Recht auf Home-Office im öD verbrieft im Tarifvertrag würde eine Digitalisierung der Behördenabläufe erzwingen. In unserer Kommune versucht man das OZG so einzuführen, dass die Bürgerschnittstelle digital ist und dann ein Formular ausgedruckt werden kann, damit genauso wie zuvor weitergearbeitet werden kann... Zum fehlenden Willen zur Digitalisierung kommt hinzu, dass man für die Digitalisierung auch die Informatiker in den Behörden benötigt, die man wiederum nicht bezahlen möchte.

Otto1

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« Antwort #4453 am: 26.05.2020 19:31 »
Also ich kann aus meiner Zeit in England, wo die Wasserversorgung privatisiert ist, sagen: schlecht ist gar kein Ausdruck - Probleme mit Verunreinigungen, Druckabfälle oder Anstiege, kamen ein bis zwei mal pro Monat vor - es ging soweit, dass unser Krankenhaus eine eigene Wasseraufbereitungsanlage im Keller installierte um den Nachschub an Trinkwasser und nicht verunreinigtem Duschwasser sicher zu stellen. Privatisierung ist in solchen Dingen wohl auch mehr Glaubens- als Realitätsfrage.

EDIT: Und es war teuer, sehr teuer dieses Wasser ...

EDIT2: wenn sich jemand WIRKLICH für den Wissenschaftlichen Aspekt interessiert :D
https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/2016/01/kuerschner-pelkmann.pdf

Selbiges kann man aus Portugal berichten. Ein amerikanischer Investor hat für schmales Geld Teile des Wassernetzes aufgekauft. Nach 3 Monaten hat man an den Springbrunnen das Schild „Achtung kein Trinkwasser“ angebracht. Nach 6 Monaten war der Brunnen ausgeschalten und nach weiteren 6 Monaten hat man versucht die Verträge rückgängig zu machen. Keine Ahnung wie der Stand jetzt ist... jedoch gehören einige Sachen in staatliche Hand und unsere wichtigste Ressource ist das Trinkwasser. In Deutschland haben wir mit das beste Wasser in der Welt. Wer das aufs Spiel setzen will für ein bisschen Geld...

Spid

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« Antwort #4454 am: 26.05.2020 19:36 »
Und ich kann aus meiner Zeit in Serbien mit staatlicher Wasserversorgung berichten, daß es zwar günstig war, häufig aber verunreinigt - und oft genug gar nicht vorhanden. Ob die „Millenniumsziele der Vereinten Nationen für die globale Wasserversorgung“ erreicht werden, ist ebenso egal wie die Vereinten Nationen selbst - was auch eine wissenschaftliche Betrachtung obsolet macht, die aber im verlinkten Dokument ohnehin nicht stattfindet.