Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 337512 times)

Jockel

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1080 am: 22.07.2020 13:19 »
Medianentgelte in Deutschland 2019:
Wolfsburg 5.089,00 Euro
bis Görlitz 2.380,00 Euro

Wie kann eine bundesweit völlig einheitliche Entgelttabelle TVÖD VKA ohne jeglichen Bezug auf regionale Unterschiede zeit- und sachgerecht sein?
Der ÖD mit seinen 4-5 Mio Beschäftigten sorgt ein stückweit für Stabilität. Kaufkraft wovon ? Wohnort, Beschäftigungsort, Kreis, Bundesland ?... Pendler sind leidensfähig. in der Stadtverwaltung München arbeiten mit 200% Aufschlag aber in Kiefersfelden oder Tuntenhausen wohnen, wäre nicht ungewöhnlich.

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1081 am: 22.07.2020 13:26 »
Was interessiert den AG denn der Wohnort? Das ist Privatsache des AN. Ort der Leistungserbringung und der Konkurrenzsituation des AG ist der Arbeitsort.

Jockel

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1082 am: 22.07.2020 13:37 »
Regelungen, bei denen auch mal was weniger werden kann, werden die Gewerkschaften nicht machen. Kaufkraft von Wolfsburg könnte ja in 5 Jahren sinken... dann sinken die Gehälter in der Stadtverwaltung ? No way.

Spid

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« Antwort #1083 am: 22.07.2020 13:41 »
Die Gewerkschaften machen auch keine Regelungen - sie können sie mit den AG vereinbaren oder es lassen.

Schokobon

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1084 am: 22.07.2020 13:49 »
Das ist tatsächlich ein Punkt an der Regelung, der diskutiert werden müsste.
Was passiert wenn der Kaufkraftindex lokal absinkt?

Mein Modell zur Umsetzung sähe eine Aufteilung in meinetwegen 5 Stufen vor, wobei jede Stufe ein Faktor ist, mit dem das Tabellenentgelt zu multiplizieren wäre.
Stufe I: Tabellenentgelt + 0%
Stufe II: Tabellentgelt + 5%
Stufe III: Tabellenentgelt +10%
Stufe IV: Tabellenentgelt + 15%
Stufe V: Tabellenentgelt + 20%

Die Stufen wiederum bilden die offiziell erhobenen Kaufkraftindizes gleichmäßig im Verhältnis zueinander ab.
Ähnlich der lokalen Mietobergrenzen aus dem Sozialrecht.

Da müsste ein Kaufkraftindex schon gewaltig im Verhältnis zum Gesamtgefüge abfallen um in die Stufe darunter zu geraten. Falls dies geschieht werden die individuellen Entgelte gezahlt aber in der Entwicklung eingefroren bis es anhand der individuellen Stufenlaufzeit (die eigentlich abgeschafft gehört) wieder zur Kaufkraftstufe passt. Oder so ähnlich.

Zum Beispiel.

Spid

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« Antwort #1085 am: 22.07.2020 13:56 »
Was ist an einem Absinken des Kaufkraftindizes und damit an einem Absinken des Tabellenentgelts auszusetzen? Es steigt ja auch, wenn die lokale Kaufkraft steigt. Das soll ja auch nicht monatlich stattfinden, jährlich oder alle drei Jahre genügt ja völlig. Wenn man dreijährlich nimmt, kann man ja stufenweise binnen eines Jahres auf das niedrigere/höhere Entgelt absenken/anheben. Um regionale Konkurrenz abbilden zu können, sollte es eine tarifliche Öffnungsklausel geben, daß die Betriebsparteien auch die höhere Kaufkraft einer benachbarten Gebietskörperschaft vereinbaren können.

BATKFMaui

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1086 am: 22.07.2020 14:44 »
Wir haben gerade einen Kieferchirurgen im Rahmen der Quarantäne entschädigt. 30 K für 14 Tage! :D


Entgelt vor Steuer??? Oder Praxisführungskosten ??


BAT

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1087 am: 22.07.2020 15:09 »

Entgelt vor Steuer??? Oder Praxisführungskosten ??

Meines Wissens die Kosten der Praxis. Nicht das persönliche Einkommen.

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1088 am: 22.07.2020 15:17 »
Wir haben gerade einen Kieferchirurgen im Rahmen der Quarantäne entschädigt. 30 K für 14 Tage! :D

Geht doch. Da sind doch unsere Zahnarztpaare, die früher für die Pflegekosten der Eltern herangezogen wurden mit jeweils 11 K im Monat Kleinverdiener.
Meines Wissens die Kosten der Praxis. Nicht das persönliche Einkommen.
???
Und was haben dann die 30k für 14 Tage mit den 11Kim Monat zu tun?

30K 14 Tage für 1-8 Personen, die über die Praxis abgerechnet wurden und in Q waren?
Blick da nicht durch was und wie du jetzt diese beiden zahlen in einem Zusammenhang gebracht hast.
60K monatliche Personalkosten und Einkommensausfall sind ja in einer Praxis durchaus denkbar (insbesondere wo du ja die 11k als anrechenbares Einkommen anführst, da dürften für zwei Ärzte ja schon alleine 30k anfallen.....

BAT

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« Antwort #1089 am: 22.07.2020 15:28 »
Es sollte nur ein Hinweise darauf sein, wie hoch die Verdienste in Deutschland teils sind. Und dass in Bereichen in denen das Sozialamt teils Kosten vorschießt.

Zudem ist ja auch dieses Mediangehalt ziemlicher Unfug in Bezug auf eine Bewertung des Einkommens. Ich habe zumindest meine Zweifel, wenn ich sehe wieviel Einkommen wir auf dem Land bei gewöhnlichen Arbeitnehmern aus Pacht und Miete zusätzlich haben.

Sehr bescheidener Messwert für einen Vergleich.

Schlimmer noch die in unserer Lokalzeitung gestern veröffentlichte Studie, wonach vor allem Personen ab 2.500 € netto in Homeoffice gingen, die darunter nicht. Wer solch hanebüchene Wissenschaft betreibt...



« Last Edit: 22.07.2020 15:35 von BAT »

WasDennNun

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« Antwort #1090 am: 22.07.2020 16:39 »
Zudem ist ja auch dieses Mediangehalt ziemlicher Unfug in Bezug auf eine Bewertung des Einkommens. Ich habe zumindest meine Zweifel, wenn ich sehe wieviel Einkommen wir auf dem Land bei gewöhnlichen Arbeitnehmern aus Pacht und Miete zusätzlich haben.

Sehr bescheidener Messwert für einen Vergleich.
Ja und nein, Ja, weil das Einkommen ja mehr aussagt als ein Mediangehalt.
Eher nein, wenn man es als regionalen Korrekturfaktor für eine Entgelttabelle nutzen will.
Aber da wäre ja die Kaufkraft eine Alternative, oder?
Zitat
Schlimmer noch die in unserer Lokalzeitung gestern veröffentlichte Studie, wonach vor allem Personen ab 2.500 € netto in Homeoffice gingen, die darunter nicht. Wer solch hanebüchene Wissenschaft betreibt...
Was stört dich daran?
Ist halt ne Frage, was man damit aussagen sagen will, das HomeOffice fähige Jobs besser bezahlt werden?  ;D


BAT

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« Antwort #1091 am: 22.07.2020 17:30 »
Na ja, solch Aussagen sollte man über das Bruttogehalt machen.

Ich denke schon, solche Parameter verfälschen ein Auswertung und verdrehen Kausalitäten.

Wenn man davon ausgeht, daß Personen eher Home-Office machen, die Kinder zu betreuen haben, so haben diese auch meist eine höheres Netto vom Brutto als Personen, die keine Kinder haben. Mithin liegt die Ursache für mehr Home-Office nicht per sebeim Einkommen, wie es die Studie propagiert, sondern zu großen Teilen am Brutto/Netto-Verhältnis der in Frage stehenden Kohorten.

Zum Korrekturbedarf: das wäre - wenn überhaupt - ein Thema, wenn zunächst mal alle TB abseits einer "Probezeit" überhaupt das volle Gehalt bekommen (Abschaffung Stufe 2 bis 5).

Otto1

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« Antwort #1092 am: 22.07.2020 20:47 »
Was ist an einem Absinken des Kaufkraftindizes und damit an einem Absinken des Tabellenentgelts auszusetzen? Es steigt ja auch, wenn die lokale Kaufkraft steigt. Das soll ja auch nicht monatlich stattfinden, jährlich oder alle drei Jahre genügt ja völlig. Wenn man dreijährlich nimmt, kann man ja stufenweise binnen eines Jahres auf das niedrigere/höhere Entgelt absenken/anheben. Um regionale Konkurrenz abbilden zu können, sollte es eine tarifliche Öffnungsklausel geben, daß die Betriebsparteien auch die höhere Kaufkraft einer benachbarten Gebietskörperschaft vereinbaren können.

Kaufkraftorientierung ist schwachsinnig. Das Tabellenentgelt stellt eine Mindestbezahlung dar, die die Tarifparteien ausgehandelt haben. Es ist den AGs ohne weiteres möglich, wenn notwendig, Zulagen zu zahlen, höher einzustufen etc. Berlin zahlt bspw. eine Ballungsraumzulage für alle oder Stuft Lehrer einfach gleich in die letzte Stufe ein (ja ich weiß TV-L), aber warum sollten das die anderen nicht auch einfach machen. Absenkungen des Gehalts gemäß Kaufkraftindex kann es nicht geben. Oh sie verlieren nun leider ihr Haus, da Sie nicht mehr die Raten zahlen können, da letzte Woche ein großes Unternehmen den Standort nach Fernost verlagert hat... Schwachsinn.

Spid

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« Antwort #1093 am: 22.07.2020 21:14 »
Nein, ist es den kommunalen AG nicht. Das ist Dir jetzt mehrfach dargelegt worden. Das nicht zu verstehen ist schwachsinnig. Eine Kaufkraftindizierung ist es nicht, sondern führt zu einer marktgerechten Anpassung einer bundesweiten Entgelttabelle. Deren unterschiedslose Anwendung überall ist nämlich schwachsinnig. Davon ab können die TVP problemlos auch negative Entgeltentwicklungen vereinbaren. Das kommt immer wieder mal vor.

WasDennNun

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« Antwort #1094 am: 22.07.2020 22:19 »
Na ja, solch Aussagen sollte man über das Bruttogehalt machen.

Ich denke schon, solche Parameter verfälschen ein Auswertung und verdrehen Kausalitäten.

Wenn man davon ausgeht, daß Personen eher Home-Office machen, die Kinder zu betreuen haben, so haben diese auch meist eine höheres Netto vom Brutto als Personen, die keine Kinder haben. Mithin liegt die Ursache für mehr Home-Office nicht per sebeim Einkommen, wie es die Studie propagiert, sondern zu großen Teilen am Brutto/Netto-Verhältnis der in Frage stehenden Kohorten.
Nun, auch eine verdrehte Kausalität,
jetzt könnte man genauso sagen, Leute mit ner hohen Pendlerpauschale haben mehr Netto vom Brutto und drum sind sie öfters im Home Office.
Wenn die sagen: "Weil" Leute mehr Netto haben, machen die mehr Home Office, dann ist es natürlich natürlich Quark.
Wenn man die Feststellung trifft:
Leute mit mehr Netto machen mehr Home Office, dann ist das erstmal nur eine Feststellung und man kann schauen, ob es was damit zu tun hat, oder mit was anderem.
Man weiß ja auch, dass Leute mit grossen Schuhen mehr verdienen als mit kleinen Schuhen (liegt aber nicht an den Schuhe, sondern daran das sie männlich sind 8))
Zitat
Zum Korrekturbedarf: das wäre - wenn überhaupt - ein Thema, wenn zunächst mal alle TB abseits einer "Probezeit" überhaupt das volle Gehalt bekommen (Abschaffung Stufe 2 bis 5).
Finde ich absolut unabhängig voneinander, weil unterschiedliche Dinge.
Der Stufen blödsinn hat ja nichts mit der monetären regionalen Unterschieden zu tun.