Autor Thema: Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion  (Read 268026 times)

JahrhundertwerkTVÖD

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1170 am: 28.07.2020 15:50 »
Geschichte aus dem Leben:

Als ich vor einigen Jahren bei einer Kommunne arbeitete, gönnte der Aufsichtsratsvorsitzende (OB) den Mitarbeitern ein 14. Jahresgehalt bzw. hat er dieses im Aufsichtsrat durchgedrückt. Aber nicht den Mitarbeitern der Kommune, sondern den Mitarbeitern des städtischen Energiegrundversorgers. Kein Witz!

Das hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Da sollten die städtischen Mitarbeiter mal in sich gehen..

Es zeigt ja auch die Wertschätzung unserer Gewerkschaft wenn sie die JSZ kürzt :-)

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1171 am: 28.07.2020 15:55 »
Wessen Gewerkschaft?

Beamter13

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1172 am: 28.07.2020 17:25 »
Liebe Foristen,

ist es derzeit einem Arbeitgeber im TvöD möglich, über die entsprechende Entgeltstufe hinaus seine Mitarbeiter besser zu bezahlen?

Also Person a bekommt in EG bspw. 3.000 € Brutto und ich als Arbeitgeber möchte ihm mehr bezahlen. Ist dies statthaft?

Gibt es irgendwo eine Übersicht, welche Vorteile ein Arbeitgeber seinen Angestellten über das geregelte Maß hinaus zukommen lassen kann?

Gerade über die Nennung von RGL wäre ich dankbar.

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1173 am: 28.07.2020 17:30 »
Tarif- und arbeitsrechtlich ist eine Besserstellung gegenüber den tariflichen Regelungen nicht zu beanstanden.

Beamter13

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1174 am: 28.07.2020 17:31 »
Soe sah mein, gefährliches, Halbwissen es auch. Gibt es hierzu RGL, mit welchen man argumentieren oder sich weiter einlesen kann?

Spid

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« Antwort #1175 am: 28.07.2020 17:40 »
§4 Abs. 3 TVG

JahrhundertwerkTVÖD

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1176 am: 29.07.2020 07:58 »
Wessen Gewerkschaft?

Lass mir doch wenigstens die Illusion eine Gewerkschaft zu haben, welche sich um meine Belange kümmert.

Spid

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1177 am: 29.07.2020 08:05 »
Wenn Du Mitglied in einer Gewerkschaft bist, mag das ja so sein - wenn nicht, dann nicht, denn Gewerkschaften vertreten ausschließlich ihre Mitglieder.

Börnie

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1178 am: 29.07.2020 08:55 »
Soe sah mein, gefährliches, Halbwissen es auch. Gibt es hierzu RGL, mit welchen man argumentieren oder sich weiter einlesen kann?
Wenn der Arbeitgeber jedoch Mitglied des KAV oder TdL ist, kann er ggfls. Probleme mit dem jeweiligen Arbeitgeberverband bekommen, wenn er es damit übertreibt.
Siehe z.B. § 7 Nr. 4 Satzung der TdL: "Die Mitglieder sind verpflichtet, übertarifliche Maßnahmen - abgesehen von Einzelfällen ohne grundsätzliche Bedeutung - nur mit Ermächtigung der Mitgliederversammlung zu beschließen
und durchzuführen"
Bei einem absoluten Einzelfall dürfte es keine Probleme geben.

Otto1

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1179 am: 29.07.2020 12:41 »
https://www.welt.de/wirtschaft/article212409761/Wirtschaftshilfen-Acht-Milliarden-Euro-haengen-in-der-Verwaltung-fest.html

 8)

Vielleicht sollte man die offenen Stellen mal besetzen. :-) daran kann man nämlich im Gegensatz zu EU-Recht etwas ändern... aber egal... ::)

Juwel

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1180 am: 19.08.2020 12:28 »
Nach über einem Jahrzehnt sollte endlich wieder energisch die Wochenarbeitszeit angegangen werden.

Insbesondere im überwiegenden Interesse und der ernstlichen und solidarischen Wertschätzung Frauen gegenüber:
Wir haben nach Stand des DGBs vom 30.06.2018 4,8 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst, davon sind mit 57 % mehr als die Hälfte Frauen, mithin über 2,7 Millionen. Knapp die Hälfte aller Frauen arbeitet in Teilzeit, bei den Kommunen sogar über 55 %.
Wir sprechen also von über 1 Million Frauen, viele von ihnen in den sog. systemrelevanten Bereichen, die über Verantwortung nicht nur reden, sondern handeln. Die Verantwortung und Betreuung von Kindern und älteren Angehörigen und Mitmenschen leben und aktiv verwirklichen. Frauen, die Gehaltseinbußen spüren und regelmäßig von Beförderungen ausgenommen werden. Frauen, die nur zu deutlich das Damoklesschwert der geringeren Altersvorsorge spüren, spätestens mit dem jährlichen Kontoauszug der Rentenversicherung.
Ganz zu schweigen von den unzählbaren Frauen, die das Arbeitspensum für Betreuung und Pflege „irgendwie“ versuchen in Vollzeit zu wuppen und kräftemässig auf dem Zahnfleisch kriechen.

Allen Gleichstellungsversuchen zum Trotz hat sich so gut wie überhaupt nichts für Frauen getan. Attraktive Stellen, insbesondere im gehobenen Bereich, werden nach wie vor intern und überwiegend an männliche Kollegen vergeben, weil sie, teilweise auch bewusst, mit Vollzeit und derart vielen Anforderungs-Attributen an zb. Anwesenheit, Erreichbarkeit und Erfahrungen belegt werden, die Frauen mit beträchtlichen privaten Verpflichtungen überhaupt erst keinen Zutritt ermöglichen, und an die, was überaus zu beanstanden ist, erst gar nicht bei Besetzungsfragen gedacht wird.
Und zur öffentlichen Ausschreibung kommen dann in aller Regel die Stellen, für die sich intern niemand finden ließ. Mal abgesehen von den öffentlich auszuschreiben Bürgermeisterstellen, neu geschaffenen (Dienst-)Stellen und techn. Stellen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Seit über 10 Jahren beobachte ich die Ausschreibungen im öD im Radius von 50 km: darunter war zb. keine Führungsposition, die auch nur ansatzweise Frauen und Menschen in Teilzeit überhaupt bewusst einen Zutritt ermöglicht hätte.
Keine Rede von Rücksichtnahme auf Betreuung und Pflege, individuell mögliche Vereinbarungen, Anpassung organisatorischer Abläufe etc.
Obwohl gesellschaftlich breit geschätzt und respektiert wird, dass gerade Frauen mit erheblichen privaten Verpflichtungen allgemein echte Organisationstalente mit äußerst effizienten Arbeitsweisen sind, mit neuen Ideen und erfolgsoptimierten Lösungsorientierungen arbeiten.
Da nützt am Ende einer Ausschreibung der Satz „Bewerbungen von Frauen sind ausdrücklich erwünscht“ oder ein halbherzig hingeworfener Text, weil normativ erwünscht, „bei gleicher Leistung...Frauen bevorzugt...“ auch nichts, wenn vorher mindestens 10 abgeschriebene, uralte „war schon immer so“-orientierte Anforderungsprofile, genau das ausschließen, und zur Farce werden lassen.
Und, ja, individuelle Stundenvereinbarungen sind überall möglich. Sonst säßen wir heute noch vor 50-Stunden-Wochen und Plakaten mit „Samstags gehört Vati mir“.

Insofern würde eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit wesentlich mehr und deutlich schneller dazu beitragen, dass die überwiegende Anzahl an Beschäftigten im öffentlichen Dienst, nämlich Frauen, annähernd mehr Chancen auf Karriereaussichten und bessere Altersvorsorge hat, als alle Gleichstellungsversuche- und versprechen bisher.

Der Diskussionsansatz sollte daher die 35-Stundenwoche sein, auch nach den  positiv überwältigenden Umfrageergebnissen zur Möglichkeit der Arbeitszeitreduzierung.

Damit würde dann auch die alte allgemeine Schallgrenze von 38,5 Stunden  (1990 West) durchbrochen, die in den Jahren 2006-2008 wieder beginnend mit 39 Stunden zurückgeführt wurde.
Und darüber hinaus deutlich zur Attraktivität des öffentlichen Dienstes, insbesondere der schwer zu besetzenden Stellen, beitragen.

Mit derzeitigem Blick unter Corona-Bedingungen auf Wirtschaft und Steueraufkommen wäre eine Reduzierung auch unter Konzentration und Bündelung/Forcierung/Digitalisierung von Arbeitsprozessen ohnehin wesentlich erfolgreicher und vorteilhafter für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, realistisch gesehen.

Denn angesichts der Einbrüche in Wirtschaft und Steueraufkommen, der aktuell breit und umfangreich aufgestellten Zuschüsse für Unternehmen und Privatpersonen, den daraus resultierenden Haushaltsfehlbeträgen und Kreditaufnahmen, sowie dem voraussichtlich größtenteils wegfallenden   Solidaritätszuschlag in wenigen Monaten,  wird zu den Verhandlungen mit den ersten Quartalszahlen mit Diskussionen um eine „gesellschaftlich soziale“ Nullrunde und somit Auseinandersetzungen grob rund um einen Inflationsausgleich zu rechnen sein, und die Rate bewegte sich in den letzten Monaten von 1,4 % bis aktuell 0,9%.

Und letztlich wäre eine neue, geringere Wochenarbeitszeit auch ein wichtiges Zeichen für große Teile der Privatwirtschaft, auch dort für Millionen Frauen in Teilzeit, und auch dort wesentlich in systemrelevanten Bereichen.

Fazit: Die Verhandlungen sollten von breiter Solidarität für Menschen in Teilzeit, eben hauptsächlich Frauen, zudem meist in systemrelevanten Bereichen, getragen sein.
Es ermöglicht ihnen ad hok einen nachhaltigen Schritt in eine fairere und bessere Vergütung, bessere Karriereaussichten und Altersvorsorge und adäquate Wertschätzung - und käme insgesamt sofort und absehbar mittelfristig allen Beschäftigten im öD zu Gute, langfristig hoffentlich auch allen Erwerbstätigen.

Und optimal wäre es, wenn irgendwann überhaupt nicht mehr von „Vollzeit“ und „Teilzeit“ die Rede wäre, auch diese Begrifflichkeiten zeugen nur noch von althergebrachten und inzwischen überholten Lebensmustern, und dienten letztlich nur der arbeitsrechtlichen Bequemlichkeit.
« Last Edit: 19.08.2020 12:38 von Juwel »

Kaiser80

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Antw:Tarifrunde TVöD 2020 - Diskussion
« Antwort #1181 am: 19.08.2020 12:37 »
Betrachten wir "den" öD mal ganz primitiv als Arbeitgeber, so wage ich mal zu behaupten, dass in keinem anderen Laden so viele Frauen in mittleren oder absoluten Führungsebenen beschäftigt sind oder eine annähernd hohe Chancengleichheit herrscht, was ich ausdrücklich bergrüße! Aber das kann doch ernsthaft nicht als Argument zur Arbeitszeitreduzierung herangezugen werden.
Obdies ich auch in den Jahren immer mehr Frauen kennengelernt habe, denen es zunehmend auf den Keks geht ufgrund ihres Geschlechterstatus bevorteilt(!!) zu werden.


Spid

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« Antwort #1182 am: 19.08.2020 12:40 »
Immer dann, wenn man keine validen Argumente hat, bedient man sich sinnentleerter Worthülsen wie „Solidarität“ oder „Gerechtigkeit“. Dann noch ein bisschen Gleichstellungsgeheule und Gewimner dafür, daß der AG doch die privaten Problemchen der AN bitte zu seinen machen und müsse doch Gefühlchen doller streicheln, fertig ist das moderne Sozialismusgedöns. Freundschaft!

AndreasG

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« Antwort #1183 am: 19.08.2020 12:46 »
Ich kann der 35 Stunden Woche wenig abgewinnen.

Klar 1 Stunde pro Tag weniger ist nett.

Ein Recht auf Homeoffice wäre mir lieber.

Denn die eingesparte Pendelzeit von 2x 45 Minuten + Mittagspause von 30 Minuten wären ja schon 2 Stunden pro Tag die ich für mich gewinne.

Kostet den Arbeitgeber kaum etwas.

Pepper2012

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« Antwort #1184 am: 19.08.2020 12:49 »
MP muss trotzdem abgezogen werden.