[Allg] Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (2 BvL 4/18)

Begonnen von SwenTanortsch, 28.07.2020 14:39

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lotsch

Zitat von: PushPull in 18.01.2025 11:37
Zitat von: ThSchm in 18.01.2025 11:19
Man merkt ja schon am Gendern, wie deine Welt aussiehst, aber diese sozialistischen Weltansichten leisten hier keinen Mehrwert zum Thema!

Interessant: Gendern und Sozialismus – wer kenn diesen Zusammenhang nicht? DDR, UDSSR, China, Nordkorea, ... Länder vor allem für eines bekannt: das Gendern. War das Gendern in dem Zusammenhang förderlich für den Erhalt des Sozialismus oder förderlich für den Fall des DDR-Regimes?

Na gut, ich spare mir weitere Ausführungen dazu, welchen Mehrwert Du hier und an anderer Stelle leistest. Ich hoffe, der ist in deiner Behörde größer. Gut, dass Du Beamt*in bist. Nicht, dass Du sonst noch in die Grundsicherung rutschtest.

Über das Gendern mache ich mich, wie die meisten Bürger, nur noch lustig. Ich finde es besonders witzig, wenn sich manche so verbissen dafür einsetzen.

Manchmal überhört man ja diese minikleine Sprechpause und dann kommen schon kuriose Sätze heraus:
5 % aller Soldatinnen sind Frauen.

Ansonsten glotzen die Genderer immer, wenn man das Gendern besonders bei negativ besetzten Wörtern anwendet. Das mögen sie gar nicht. Z.B. Mörder_innen, Vergewaltiger_innen, usw.

PushPull

Zitat von: lotsch in 18.01.2025 12:04
Natürlich ist die Grundsicherung durch das Existenzminimum vom BVerfG festgelegt und eher zu niedrig als zu hoch. Worüber man diskutieren kann, ist die  (teilweise) Aberkennung, wenn man arbeitsfähig ist und nicht arbeiten will, und man muss sich bewusst sein, dass der ganze Sozailstaat von der Wirtschaft erwirtschaftet werden muss. Es kann nur soviel verteilt werden, wie erwirtschaftet wird.

Dieses Instrument gibt es seit der Hartz IV Reform, es wurde angewendet, die Fälle sind erwiesenermaßen verschwindend gering, insbesondere wenn man sich den tatsächlichen volkswirtschaftlichen Schaden anschaut (und ihn mit bspw. Steuerhinterziehung vergleicht) und in weiten Teilen ist dieses Sanktionsinstrument eben auch verfassungswidrig. Da bleibt der Spielraum, insbesondere nach deinem ersten Satz, einfach sehr klein bis nicht existent.

Zitat von: lotsch in 18.01.2025 12:11
Über das Gendern mache ich mich, wie die meisten Bürger, nur noch lustig. Ich finde es besonders witzig, wenn sich manche so verbissen dafür einsetzen.

Manchmal überhört man ja diese minikleine Sprechpause und dann kommen schon kuriose Sätze heraus:
5 % aller Soldatinnen sind Frauen.

Ansonsten glotzen die Genderer immer, wenn man das Gendern besonders bei negativ besetzten Wörtern anwendet. Das mögen sie gar nicht. Z.B. Mörder_innen, Vergewaltiger_innen, usw.

Auch hier ist der Gehalt des Beitrags außerordentlich gering. Eine kurze Anregung von mir wäre, da dieses Forum ja manchmal wirkt, wie eine alte Amtsstube, in der es noch nach Zigarettenrauch riecht: ab und zu mal den Perspektivwechsel versuchen, insbesondere raus aus der eigenen Altersklasse und der eigenen Bubble, in der man sich häufig ausschließlich Bestätigung sucht. Es heißt ja "lebenslanges Lernen" und "wer rastet, rostet" (eben auch mental), bevor man sich irgendwann doch mal wundert, dass man nur noch der peinliche Opa/die peinliche Oma ist, der/die aus gutem Grund nur noch an Weihnachten geduldet und sonst ignoriert wird.

Mit deinem eigenen Hinweis auf Probleme mit dem Hören näherst Du dich diesem Status ja vielleicht schon schneller, als Dir lieb ist. Aber auch hierfür gibt es jetzt schon Lösungen, für die man sich auch mit Ende 50 nicht schämen muss.

Versuch

Zitat von: ThSchm in 18.01.2025 11:19
Zitat von: PushPull in 18.01.2025 11:06
Zitat von: lotsch in 18.01.2025 10:35
Es •••
r ••• Ich würde mich (nicht deshalb, aber wenn wir wie bei der dringend notwendigen Reduktion des Autoverkehrs in Innenstädten mit Fußgänger*innen und Radfahrer*innen auch teils konträre Haltungen zusammenbringen müssen) freuen, wenn wir als Gesellschaft verbal mehr nach oben stechen, statt nach unten treten würden.

Man merkt ja schon am Gendern, wie deine Welt aussiehst, aber diese sozialistischen Weltansichten leisten hier keinen Mehrwert zum Thema!
Was für ein dummer Kommentar.

bebolus

Zitat von: lotsch in 18.01.2025 12:11
Zitat von: PushPull in 18.01.2025 11:37
Zitat von: ThSchm in 18.01.2025 11:19
Man merkt ja schon am Gendern, wie deine Welt aussiehst, aber diese sozialistischen Weltansichten leisten hier keinen Mehrwert zum Thema!

Interessant: Gendern und Sozialismus – wer kenn diesen Zusammenhang nicht? DDR, UDSSR, China, Nordkorea, ... Länder vor allem für eines bekannt: das Gendern. War das Gendern in dem Zusammenhang förderlich für den Erhalt des Sozialismus oder förderlich für den Fall des DDR-Regimes?

Na gut, ich spare mir weitere Ausführungen dazu, welchen Mehrwert Du hier und an anderer Stelle leistest. Ich hoffe, der ist in deiner Behörde größer. Gut, dass Du Beamt*in bist. Nicht, dass Du sonst noch in die Grundsicherung rutschtest.

Über das Gendern mache ich mich, wie die meisten Bürger, nur noch lustig. Ich finde es besonders witzig, wenn sich manche so verbissen dafür einsetzen.

Ich bin mir sicher, das eine oder andere Forenmitglied:ohneglied teilt Deine Meinung dahingehend nicht..

ursus


AltStrG
@Swen:

Kannst du mal bitte in zwei Sätzen zusammenfassen, wie die aktuellen Chancen für die Berliner Verfahren stehen und was "wir" realistisch zu erwarten haben?

,,Erwartbar" sind n. m. persönlichen E. noch mehr gravierende Klarstellungen durch die Pilotentscheidungen des BVerfG. Auf mehreren Hundert Seiten wird in diesem Forum (,,lediglich / nahezu ausschließlich") über die ,,Mindestalimentation" diskutiert. Diese stellt (,,jedoch nur") das Fundament hin zu einer ,,amtsangemessenen Besoldung" dar. Bis zu einer ,,tatsächlich funktionsgerechten" Alimentation insbesondere bei der längerfristigen ,,Wahrnehmung höherwertiger Aufgaben" jedoch, ebenso hin zu einer ,,tatsächlich qualitätssichernden" Alimentation ist es noch ein weiter Weg.  Außerdem sind die Alimentationsansprüche einer Beamt*in laut ständiger Rechtsprechung von BVerwG und BVerfG durch die Besoldungsgesetzgeber ,,unmittelbar / jeweils gegenwärtig, so verstanden sofort, grundsätzlich bereits im jeweils laufenden Haushalts- und Kalenderjahr" anzupassen. Hierbei sind die Prozeduralisierungs-, Gestaltungs-, Handlungs-, dezidierten und konkreten Dokumentations- und Nachbesserungspflichten ,,unmittelbar / unverzüglich, tatsächlich und aufgrund von jeweils gegenwärtig realitätsgerechten und tragfähigen Tatsachengrundlagen", für das entsprechende Kalenderjahr zu erfüllen. Schließlich stellen die Alimentationsansprüche einer Beamt*in ihre jeweiligen Individualansprüche dar bezüglich derer lediglich das BVerfG eine ,,Normverwerfungskompetenz" besitzt. Hiernach schließen sich Aussetzungen aus und jede berechtigte Klage muss / müsste dem BVerfG ,,unmittelbar" mittels Vorlagebeschluss vorgelegt werden. Die Realität ist jedoch besoldungsgesetzgeberübergreifend und ,,konzertiert" eine andere. Zu all diesen Punkten soll(ten) die erwartete(n) Pilotentscheidung(en) eine umfassende Antwort beinhalten. Auch die saarländischen Vorlagebeschlüsse mit den Az.: 2 BvL 11/ 18, 2 BvL 12/ 18 und 2 BvL 14/ 18 sind im 4. Quartal 2024 durch die Präsidentin des 2. Senats des BVerfG ,,zugeteilt" und den Beteiligten ist die Möglichkeit einer Stellungnahme erteilt worden. Ich wage daher zu prophezeien, dass die Verfahren aus Bremen, Berlin, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und dem Saarland (nahezu) gleichzeitig im ersten Halbjahr 2025 durch das BVerfG entschieden werden.






bebolus

Ich verstehe es auch den ganzen Tag nicht, warum ein Beamt*:erin keine umgehende Bescheidung verlangen kann..

Wenn ich gegen meinen Vermieter oder sonst wen klagen möchte, kann der:die:das ja auch nicht einfach sagen: Nee, das stelle ich ruhend, weil sowas ähnliches gerade anhängig ist.

AltStrG

Zitat von: SwenTanortsch in 18.01.2025 09:32
Mich nach einer Antwort in zwei Sätzen zu fragen, heißt offensichtlich keine zu erwarten, AltStrG. Aber ernsthaft:

Der langen Rede kurzer Sinn (man könnte die zwei Sätze noch um einen dritten oder vierten erweitern): Es dürfte innerhalb der nun mit einiger Wahrscheinlichkeit begonnenen Beratung einigen Redebedarf gehen, was mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu führen könnte, dass die Beratung durchaus eine gewisse Zeit beanspruchen könnte. Denn ebenfalls könnte nun zunehmend auch - spätestens nach der Streikentscheidung des EGMR - die europäische Dimension mit in das Feld hineinspielen, ebenso könnte eine spezifische Reaktion auf den sich nun abzeichnenden Rechtsprechungswandel des Bundesverwaltungsgerichts erfolgen. Die Liste ließe sich also noch verlängern.

Top! Danke! :)

AltStrG

Zitat von: ursus in 18.01.2025 14:56

AltStrG
@Swen:

Kannst du mal bitte in zwei Sätzen zusammenfassen, wie die aktuellen Chancen für die Berliner Verfahren stehen und was "wir" realistisch zu erwarten haben?

,,Erwartbar" sind n. m. persönlichen E. noch mehr gravierende Klarstellungen durch die Pilotentscheidungen des BVerfG. Auf mehreren Hundert Seiten wird in diesem Forum (,,lediglich / nahezu ausschließlich") über die ,,Mindestalimentation" diskutiert. Diese stellt (,,jedoch nur") das Fundament hin zu einer ,,amtsangemessenen Besoldung" dar. Bis zu einer ,,tatsächlich funktionsgerechten" Alimentation insbesondere bei der längerfristigen ,,Wahrnehmung höherwertiger Aufgaben" jedoch, ebenso hin zu einer ,,tatsächlich qualitätssichernden" Alimentation ist es noch ein weiter Weg.  Außerdem sind die Alimentationsansprüche einer Beamt*in laut ständiger Rechtsprechung von BVerwG und BVerfG durch die Besoldungsgesetzgeber ,,unmittelbar / jeweils gegenwärtig, so verstanden sofort, grundsätzlich bereits im jeweils laufenden Haushalts- und Kalenderjahr" anzupassen. Hierbei sind die Prozeduralisierungs-, Gestaltungs-, Handlungs-, dezidierten und konkreten Dokumentations- und Nachbesserungspflichten ,,unmittelbar / unverzüglich, tatsächlich und aufgrund von jeweils gegenwärtig realitätsgerechten und tragfähigen Tatsachengrundlagen", für das entsprechende Kalenderjahr zu erfüllen. Schließlich stellen die Alimentationsansprüche einer Beamt*in ihre jeweiligen Individualansprüche dar bezüglich derer lediglich das BVerfG eine ,,Normverwerfungskompetenz" besitzt. Hiernach schließen sich Aussetzungen aus und jede berechtigte Klage muss / müsste dem BVerfG ,,unmittelbar" mittels Vorlagebeschluss vorgelegt werden. Die Realität ist jedoch besoldungsgesetzgeberübergreifend und ,,konzertiert" eine andere. Zu all diesen Punkten soll(ten) die erwartete(n) Pilotentscheidung(en) eine umfassende Antwort beinhalten. Auch die saarländischen Vorlagebeschlüsse mit den Az.: 2 BvL 11/ 18, 2 BvL 12/ 18 und 2 BvL 14/ 18 sind im 4. Quartal 2024 durch die Präsidentin des 2. Senats des BVerfG ,,zugeteilt" und den Beteiligten ist die Möglichkeit einer Stellungnahme erteilt worden. Ich wage daher zu prophezeien, dass die Verfahren aus Bremen, Berlin, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und dem Saarland (nahezu) gleichzeitig im ersten Halbjahr 2025 durch das BVerfG entschieden werden.

Danke.

Ozymandias

Zitat von: bebolus in 18.01.2025 15:14
Ich verstehe es auch den ganzen Tag nicht, warum ein Beamt*:erin keine umgehende Bescheidung verlangen kann..

Wenn ich gegen meinen Vermieter oder sonst wen klagen möchte, kann der:die:das ja auch nicht einfach sagen: Nee, das stelle ich ruhend, weil sowas ähnliches gerade anhängig ist.

Kann man verlangen. Die Behörde und das VG und auch das OVG/VGH können daran aber nichts ändern und lehnen teilweise alles direkt ab, wenn man nicht die magischen Worte für eine Überzeugung findet. Deshalb sind auch nicht in allen Bundesländern Verfahren anhängig. Gerade BW und Bayern neigen dazu alles niederzuschmettern, was der Obrigkeit nicht gefällt.

Am Ende macht es keinen Unterschied ob man auf den Widerspruchsbescheid, vor dem VG oder vor dem BVerfg wartet. Diese hat sich auch nur 1 von ~60 Verfahren herausgepickt. Vor den VG liegen zig Tausend. Die Widersprüche dürften mittlerweile in die mittleren Zehntausend gehen, wenn nicht sogar mehr.

Am Ende kann nur das BVerfG entscheiden und da ist es eben ratsamer andere Leute alle Instanzen durchklagen zu lassen, die Beschlüsse/Urteile des BVerfG gelten danach für alle - jedenfalls indirekt.

Carisson

Ich sehe den "Mehrwert" von 40Std./Mindestlohn/Woche zu Bürgergeld sehr kritisch. Das ist nicht rund. Kann mir keiner sagen.

Ich frage mich auch, ob es eine Leistung wie Bürgergeld in seiner Höhe auch in anderen EU- oder OECD-Ländern gibt? Diese Staaten funktionieren doch auch. Ist unsere Verfassung in diesem Punkt einfach "too much"?   

SwenTanortsch

Unsere Verfassung geht als Folge der NS-Zeit von Art. 1 Abs. 1 Satz 1 GG aus, also dass die Würde des Menschen unantastbar ist, um in Art. 1 Abs. 1 Satz 2 GG festzulegen, dass die Würde zu achten und zu schützen Verpflichtung aller staatlichen Gewalt ist. Diese Errungenschaft deutscher Geschichte ist im Kontext unserer Verfassung als Ganzer zentral mitverantwortlich dafür, dass unser Land - vergleichsweise klein an Fläche, Menschen und Bodenschätzen - weiterhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157841/umfrage/ranking-der-20-laender-mit-dem-groessten-bruttoinlandsprodukt/). Gestartet ist dieses Land - verwüstet von eigener Hand, verantwortlich für die weitgehende Verwüstung nicht nur des europäischen Kontinents, schuldbeladen durch den Zivilisationsbruchs des Holocaust und darüber hinaus weiterer beispielloser Menschheitsverbrechen - als Paria unter den Völkern und also augenscheinlich unter denkbar schlechten Voraussetzungen, um im weiten Weg nach Westen heute dorthin zu gelangen, wo es nun steht: ein wohlhabendes Land in demokratischer Verfassheit, das sein Verfassung in seinen demokratischen Parteien und größten Teile seiner Bevölkerung ernstnimmt (die allerdings allesamt weitgehend glauben, die demokratische Verfassheit auch dadurch wahren und mehren zu können, dass sie das staatliche Bodenpersonal nicht nach inländischer Flugsicherheit besolden) und deshalb die Entscheidungen auch der Sozialgerichtsbarkeit - wenn auch hier des Öfteren mehr schlecht als recht - achtet.

Entsprechend muss man sowohl die Sozialstaatlichkeit aushalten als auch wohl die für einen Sozialstaat offensichtlich erstaunliche Vermögensverteilung (https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/sozialbericht-2024/553230/vermoegensungleichheit/), die beide offensichtlich der gleichen Seite derselben Medaille entspringen dürften. Den einen gefällt die Sozialstaatlichkeit, so wie sie besteht, nicht und sie wollen - sofern sie nicht als libertäre Wirtschaftflüchtlinge Politik oder das, was sie darunter verstehen wollen, aus der Schweiz machen wollen - auch in der Gestalt liberaler und liberal-konservativer Politik den Sozialstaat zurückfahren; den anderen gefällt die Vermögensverteilung, so wie sie besteht, nicht und sie wollen die Sozialstaatlichkeit stärken, indem sie diese zugunsten unterer Einkommensschichten verändern wollen, wobei sie weder jenen Schichten noch überhaupt allen Wählen bislang schlüssig erklären konnten, wieso sie das bislang dann nicht vollzogen hätten, als sie dazu die politische Gestaltungsmacht hatten.

Ergo: Unsere Sicht auf die Dinge wird auch hier im Forum weitgehend das skizzierte Spektrum abdecken, ohne dass hinsichtlich der beiden Teile derselben Medaille grundsätzliche Veränderungen auch unter dem Bundeskanzler Merz zu erwarten sein dürften - so schätze ich zumindest. Das Land wird's aushalten, so wie es bislang alle Debatten über mehr oder weniger Sozialstaatlichkeit ausgehalten hat. Finis germaniae wird durch das vergleichsweise wenige Bürgergeld, das wir staatlicherseits Bedürftigen zur Verfügung stellen (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1449979/umfrage/bundesausgaben-fuer-arbeitslosengeld-ii-hartz-iv-buergergeld/), nicht passieren, jedenfalls wenn man sich die maßgeblichen Zahlen vor Auge führt (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/75248/umfrage/deutschland-ausgaben-des-staates-2008-bis-2013/).

PushPull

Zitat von: Carisson in 20.01.2025 09:04
Ich sehe den "Mehrwert" von 40Std./Mindestlohn/Woche zu Bürgergeld sehr kritisch. Das ist nicht rund. Kann mir keiner sagen.

Dem stimme ich teilweise zu. Die Frage ist doch aber, warum wir keine massive Abwanderung aus dem Arbeitsmarkt in den angeblichen Luxus der Transferleistungen hatten und haben, sondern uns stattdessen der Vollbeschäftigung immer wieder stark angenähert haben. Von "Hartz 4" zum Bürgergeld hat sich ja quasi nichts verändert, außer die Höhe der Leistungen, die diesen Wechsel heute noch attraktiver machen müssten, sofern denn die Situation so aussieht, wie sie aussieht.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass diese Transferleistungen im absolut größten Teil für das gezahlt werden, wofür sie gedacht sind: wie Ausnahmesituationen, zur Überbrücken absehbarer Zeiträume, sodass Menschen auch nach Jahrzehnten der Arbeit nicht in Armut verfallen, wie sie niemand (sofort) im hohen Alter beschäftigen möchte.

Zitat von: Carisson in 20.01.2025 09:04Ich frage mich auch, ob es eine Leistung wie Bürgergeld in seiner Höhe auch in anderen EU- oder OECD-Ländern gibt? Diese Staaten funktionieren doch auch. Ist unsere Verfassung in diesem Punkt einfach "too much"?

Auch hier ist die Frage, woran man sich orientieren will. Eine Sozialversicherung gibt es in Deutschland bereits seit Mitte des 19 Jhd. In den USA herrscht seit Ewigkeiten ein krasser Gegenteil hierzu. Beide Länder "funktionieren", beide Länder sind starke Volkswirtschaften. Ich möchte persönlich trotz der Tatsache, ein Teil der Top 10% zu sein, nicht dort leben. Und ich glaube, das sehen die meisten Menschen in Deutschland auch so.

Auch habe ich in meinem bisherigen Berufsleben, zumindest nach den Nebenjobs neben der Schule, niemals nur meine persönliche Bestätigung im Gehalt gesucht. Das tue ich bis heute nicht, obwohl es natürlich leicht ist, mit einem derartigen Einkommen zu "gönnerhaft" zu wirken. Ich kenne aus Kindheit und Jugend aber eben auch konträre Verhältnisse und sehe heute (unabhängig von generellen Verteilungsproblemen von Budgets) bspw., dass ich völlig zurecht über 600 Euro für die Kinderbetreuung im Monat zahle, wenn dafür die alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern weniger zahlen muss, weil sie eh schon nicht über die Runden kommt.

Solidaritätsprinzip und Sozialstaat sind keine Selbstverständlichkeiten, aber ich bin froh in einem Staat zu leben, in dem die Menschenwürde zumindest größtenteils geachtet, beachtet und geschützt wird, wenngleich hier immer Verbesserungen möglich sind.

Ich darf auch darauf verweisen, dass das Beamtentum und die damit verbundene Alimentation international seinesgleichen sucht und immer wieder auch in Frage gestellt und angegriffen wird. Auch von denjenigen, die es verteidigen, weil man sich finanziell sehr flüssige Wähler sichern will ...

lotsch

Schauen wir mal was Deutschland und Europa aushält. Ich bin da leider sehr viel pessimistischer eingestellt als meine Vorredner. Deutschland und Europa ist ökonomisch und fiskalisch am Arsch, aber unsere sozialistisch geprägten Parteien gehen immer noch vom reichen Deutschland aus. Das ist der Kardinalfehler, und wenn nichts mehr da ist, dann nehmen wir halt Schulden auf, als ob es in der Wirtschaft und der Volkswirtschaft einen free lunch geben würde. Ohne jetzt im einzelnen auf die ökonomischen Probleme einzugehen, man weiß auch gar nicht wo man da anfangen und aufhören sollte, ist es so, dass sobald die sowieso löchrigen Schuldenregeln in Europa fallen werden, die Zinsen für die Schulden steigen werden, weil das Risiko steigt, wollen die Verleiher einen höheren Risikozuschlag, sonst geben sie kein Geld. So ist es nun mal, und Europa (und die Welt) ist so hoch verschuldet, dass dann alles sehr schnell zusammenbricht. Es ist so, wie es der ehemalige Präsident des Bundessozialgerichts gesagt hat, wir können nur verteilen, was in der Wirtschaft verdient wird. Sozialismus hat noch nie, nirgendwo auf der Welt funktioniert, und hat immer im Chaos geendet. Die Eingefleischten werden jetzt sagen, die haben halt damals Fehler gemacht, diesmal machen wir es besser.

Organisator

Zitat von: lotsch in 20.01.2025 12:18
(...)  wir können nur verteilen, was in der Wirtschaft verdient wird. Sozialismus hat noch nie, nirgendwo auf der Welt funktioniert, und hat immer im Chaos geendet. Die Eingefleischten werden jetzt sagen, die haben halt damals Fehler gemacht, diesmal machen wir es besser.

Man kann auch ganz unsozialistisch eine hohe Schuldenquote haben - siehe USA. Die Gründe für die Schuldenaufnahme sind da ganz divers.

Man kann schon überlegen, ob Uniper von Steuerzahler gerettet worden werden sollte oder doch lieber vom einzelnen Gaskunden. Oder ob das schon Sozialismus ist oder Solidarität.

PushPull

Wieso ist der Sozialstaat und seine Aufrechterhaltung "Sozialismus"? Wieso gibt es nur eine Ausgabenseite, die man betrachten sollte (gut, ich stimme hier zu, bspw. beim Dienstwagenprivileg oder rückblickend bei der unsäglichen Kraftstoffpreisbremse) und man tut so, als stünde die Einnahmenseite als festgemeißelt da? Es gab bspw. lange eine Vermögenssteuer – die ist übrigens auch nur ausgesetzt und nicht abgeschafft worden. Man könnte auch endlich weltweit (hatte man sich da nicht vor gar nicht all zu langer Zeit mal geeinigt) Unternehmen wie Apple, Microsoft, Amazon, Google, etc. angemessen besteuern.
Das sollte auch im Sinne von Kleinstunternehmer*innen bis hin zu Mittelständler*innen sein, da scheinbar die Steuervermeidungsmöglichkeiten analog zu Vermögen und Einnahmen zunehmen.

Insbesondere auch unnötige Subventionen (Lindner, die gelbe Null und seine FDP mögen das doch eigentlich so gerne), wie bspw. oben beschrieben abschaffen. Und andere Steuerschlupflöcher auch. Zudem Kapitalerträge, verbunden mit ordentlichen Freibeträgen bis exkl. Ober- und Reichenschicht besteuern bzw. mit Sozialabgaben versehen. Wie kann es sein, dass ein Millionenerbe auf seine Erträge nur 25% Steuern zahlt, ein normaler Arbeitnehmer aber eine Abgabenlast von knapp 50% hat? Und hört mir auf mit den Familienunternehmen, die so viele Arbeitsplätze sichern und deshalb keine Besteuerung zulassen (Stundungsmodelle wären hier eine Option).

Wir sollten aufpassen, dass wir den Begriff "Sozialismus" nicht wie die Amerikaner mit ihrem Märchen vom "American Dream" so derart verteufeln, dass alles links von rechts mit diesem Begriff zu Unrecht abgestraft wird. Dazu haben wir eine viel zu gut funktionierende Balance, nämlich die der sozialen Marktwirtschaft gefunden.

Bei der nächsten Wahl würde ich insbesondere auch mal im Kopf behalten, dass es Union, SPD und FDP waren, die unseren Staat in der Nullzins- bzw. Negativzinsphase gegen die Wand gefahren haben, weil man notwendige Investitionen z.B. in Bildung und Infrastruktur nicht getätigt hat. Ein Politiker hat es wenigstens verstanden, der darauf hingewiesen hat, dass die schwarze Null nicht bedeutet, wir würden keine Schulden aufnehmen. Ich habe das Gefühl, den Begriff der Nachhaltigkeit hat man in der deutschen Politik so behandelt, wie lotsch das Gendern. Beides schlägt sich irgendwann negativ durch, im ganzen Land oder beim ausbleibenden Besuch der Enkel, gell!?