Autor Thema: Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung  (Read 337152 times)

Dumdidum

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1185 am: 17.01.2020 14:47 »
Wird eine Stelle gemäß E11 ausgeschrieben schaut der Ingenieur in die Tabelle und lacht. Der muss sich erstmal bewerben...

Für die Vorteile im öd verzichtet man gern auf vielleicht 500€ im Monat, aber nicht auf 1000-2000€.

Und welche Vorteile wären das? Also ich sehe mittlerweile keine mehr...

Relativ sicherer Job, 39 Stunden Woche, 5-Tage Woche, (meist) Gleitzeit, JSZ (ok, Ingenieure dürften die überall bekommen)... Wenn ich statt 3500 € Brutto zu verdienen, in der FW 5000 € erhalte, aber im Gegenzug dann auch mal Samstags ran darf, oder 10 Stunden (meist sogar mehr) pro Woche länger arbeite als im ÖD, dann ist das für mich nicht wirklich ein Mehrgewinn. Der Stundenlohn ist oftmals nicht wirklich sehr viel höher. Eine 50-Stunden-Woche sind 28 % längere Arbeitszeit! Da wären das umgerechnet 500 € Brutto Mehrverdienst. Und der Druck ist sicherlich auch höher als im ÖD.

Natürlich gibt es auch große Arbeitgeber, die dann noch viel mehr bezahlen, Überstunden auszahlen etc. pp Das ist was anderes. Aber im Normalfall gibts im Mittelstand nicht immer deutlich mehr Kohle.

Otto1

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1186 am: 17.01.2020 14:49 »
Ich dachte, der Personalrat muss jeder Stellenausschreibung und -besetzung zustimmen?
Der Ausschreibung nicht. Der Einstellung der der Eingruppierung schon. Aber das umfasst bei geschickter Ausgestaltung nicht übertarifliche Zulagen oder die Anwendung der tariflichen Kann-Bestimmungen. Der Spielraum des Personalrates hängt natürlich auch vom anzuwendenden Personalvertretungsrecht ab.

Der Personalrat spielt vielleicht mit, wenn man eine besondere Stelle, die es nur einmal gibt und der Bedarf groß ist besonders zu vergüten. Wenn man jetzt aber bspw. nur allen neuen Ingenieuren eine Zulage bzw. übertarifliche Angebote machen würde, so wird da mit Sicherheit kein Personalrat mitspielen. Zu Recht.

Otto1

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1187 am: 17.01.2020 15:13 »
Wird eine Stelle gemäß E11 ausgeschrieben schaut der Ingenieur in die Tabelle und lacht. Der muss sich erstmal bewerben...

Für die Vorteile im öd verzichtet man gern auf vielleicht 500€ im Monat, aber nicht auf 1000-2000€.

Und welche Vorteile wären das? Also ich sehe mittlerweile keine mehr...

Relativ sicherer Job, 39 Stunden Woche, 5-Tage Woche, (meist) Gleitzeit, JSZ (ok, Ingenieure dürften die überall bekommen)... Wenn ich statt 3500 € Brutto zu verdienen, in der FW 5000 € erhalte, aber im Gegenzug dann auch mal Samstags ran darf, oder 10 Stunden (meist sogar mehr) pro Woche länger arbeite als im ÖD, dann ist das für mich nicht wirklich ein Mehrgewinn. Der Stundenlohn ist oftmals nicht wirklich sehr viel höher. Eine 50-Stunden-Woche sind 28 % längere Arbeitszeit! Da wären das umgerechnet 500 € Brutto Mehrverdienst. Und der Druck ist sicherlich auch höher als im ÖD.

Natürlich gibt es auch große Arbeitgeber, die dann noch viel mehr bezahlen, Überstunden auszahlen etc. pp Das ist was anderes. Aber im Normalfall gibts im Mittelstand nicht immer deutlich mehr Kohle.

Ich kann nur für die Region hier im Süden sprechen. Hier wird eben besser gezahlt. Als Informatiker (Master) sind die 4,5-5k der Einstieg. Je nach Spezialisierung bekommt man mit langer/gefragter Berufserfahrung auch 10.000 € (SAP/IT-Sicherheit). Leiter von IT-Abteilungen gehen mit noch höheren Gehältern nach Hause.

Aber das ist nicht das Ding, von den Spezialfällen darf man natürlich nicht ausgehen. Man braucht schließlich viele Indianer um den öffentlichen Dienst am Laufen zu halten und zukunftsfähig zu machen. JEDOCH: 1000-2000€ weniger im Monat ist hier gleichbedeutend mit: Mietwohnung anstelle eines Hauses, Kompakt KFZ anstelle des Mittelklassefirmenwagens mit Tankkarte und wenn man eine Familie zu versorgen hat dann kann mans gleich vergessen. Der Quadratmeter Bauland kostet hier 1.000+ €.

Der Herr Söder zieht mittlerweile die Landesbehörden aus München ab, weil man sich mit dem Geld nur nen Wohnklo mit Essnische leisten kann.

Lars73

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1188 am: 17.01.2020 15:34 »
Aus Sicht des Bundes. 4500-5000 € für Informatiker mit Master können wir ohne größere Probleme anbieten. Mit den Nettogehältern bei Verbeamtung sind wir da durchaus konkurrenzfähig (in unserer Region im Osten sogar recht attraktiv). Im Spitzenbereich bei 10000 € wird es dann schwer.

Hinsichtlich Personalrat. Solange man kein Scheme erkennen lässt in welchen Umfang man Zulagen etc. gewährt hat der Personalrat wenig Eingriffsmöglichkeiten. Auch eine generelle Zulage Ingenieure wird in es der Regel keine Versagensgründe geben. Er ist dann in der Ausgestaltung ggf. in der Mitbestimmung. PR darf in den meisten Bundesländern und beim Bund ja nicht einfach Nein sagen sondern hat abschließende Gründe für eine mögliche Ablehnung.

Brownyy

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1189 am: 17.01.2020 15:41 »
Finanziell ist der Anreiz im ÖD schlicht eine Katastrophe. Interessant werden Gehälter ab EG 14. Alles andere lockt keinen Absolventen einer Hochschule mehr hervor, der einen akzeptables Ergebnis in seinem Zeugnis stehen hat. Von Daher die erneute Forderung an die Arbeitgeberseite, die Gehälter von Führungskräften und den oberen EG´s endlich auf ein ordentliches Niveau zu bringen. Das Interesse der Arbeitgeber wäre da vorhanden. da Verdi aber diese Interessen nicht verfolgt können wir darauf lange warten.

Otto1

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1190 am: 17.01.2020 15:53 »
Aus Sicht des Bundes. 4500-5000 € für Informatiker mit Master können wir ohne größere Probleme anbieten. Mit den Nettogehältern bei Verbeamtung sind wir da durchaus konkurrenzfähig (in unserer Region im Osten sogar recht attraktiv). Im Spitzenbereich bei 10000 € wird es dann schwer.

Hinsichtlich Personalrat. Solange man kein Scheme erkennen lässt in welchen Umfang man Zulagen etc. gewährt hat der Personalrat wenig Eingriffsmöglichkeiten. Auch eine generelle Zulage Ingenieure wird in es der Regel keine Versagensgründe geben. Er ist dann in der Ausgestaltung ggf. in der Mitbestimmung. PR darf in den meisten Bundesländern und beim Bund ja nicht einfach Nein sagen sondern hat abschließende Gründe für eine mögliche Ablehnung.

Richtig. Aber wenn man dann mit 5 Jahren Berufserfahrung 1-2k weniger verdient als in der Wirtschaft fehlt eben die Perspektive. Die Einstiegsgehälter sind konkurrenzfähig.

Der Bund verbeamtet ja auch gern, aber die Kommunen und Länder stehen hier deutlich schlechter da. Vor allem im gehobenen Dienst. Mit dem Eingangsamt A9 gewinnen Sie keinen Blumentopf.

RsQ

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1191 am: 17.01.2020 15:57 »
Finanziell ist der Anreiz im ÖD schlicht eine Katastrophe. Interessant werden Gehälter ab EG 14.

Das scheint mir doch sehr übertrieben. Das hat oft mit den eigenen Ansprüchen und Rahmenbedingungen zu tun. O.k., ich bin nicht aus einem "Mangelbereich", entsprechend wenig lockt mich das Pokern ums maximale Einkommen. Zudem haben wir günstige Wohnkosten und leben auch ansonsten sehr entspannt mit dem, was wir haben.

Um die obige Aussage also mal zu relativieren: Ich wäre froh, in meinem Segment (und auch mit Uni-Abschluss auf Magister-Niveau plus solider Berufserfahrung) eine passende Stelle zu finden, die bei ~3.000 € liegt (sofern lokal, bei Pendelaufwand ~3.500 €). Da käme man also durchaus mit EG 9-11 schon hin ... der kleine Haken: Es gibt leider nur wenige Stellen ...

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1192 am: 17.01.2020 16:25 »
Um das zu relativieren: ich finde ein Entgelt von E14 völlig uninteressant.

Otto1

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1193 am: 17.01.2020 17:25 »
Als wir, also meine Kommilitonen und ich, von der Uni vor 5 Jahren in die Freiheit entlassen wurden, hatten wir alle einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Die Unternehmen bemühen sich massiv mit der Fachkräftegewinnung... Vorträge an der Uni, Angebote für Praktika, Abschlussarbeiten etc.

Will man nicht Beamter werden, so hat der öffentliche Dienst nichts was einen Spezialisten interessiert anzubieten.

Aber das bringt ja hier alles nichts. Wir müssen einfach noch bis ca. 2026-27 warten. Dann wird die Demografie die Arbeitgeber dazu zwingen und wenn nicht geht der Laden eben vor die Hunde.

Otto1

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« Antwort #1194 am: 17.01.2020 17:28 »
Finanziell ist der Anreiz im ÖD schlicht eine Katastrophe. Interessant werden Gehälter ab EG 14.

Das scheint mir doch sehr übertrieben. Das hat oft mit den eigenen Ansprüchen und Rahmenbedingungen zu tun. O.k., ich bin nicht aus einem "Mangelbereich", entsprechend wenig lockt mich das Pokern ums maximale Einkommen. Zudem haben wir günstige Wohnkosten und leben auch ansonsten sehr entspannt mit dem, was wir haben.

Um die obige Aussage also mal zu relativieren: Ich wäre froh, in meinem Segment (und auch mit Uni-Abschluss auf Magister-Niveau plus solider Berufserfahrung) eine passende Stelle zu finden, die bei ~3.000 € liegt (sofern lokal, bei Pendelaufwand ~3.500 €). Da käme man also durchaus mit EG 9-11 schon hin ... der kleine Haken: Es gibt leider nur wenige Stellen ...

Ggf. wäre Krankenpflegende Person etwas für Sie. Wird hier in der Zeitung für 3.5-4 mit 9k Ablöse gesucht. Da braucht man nur Realschule und keinen Magister.

Kaiser80

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1195 am: 17.01.2020 17:38 »
Gerne:
Meine größte Wunschvorstellung wäre es, wenn die Kommunen in die tariflichen Lage versetzt werden,  einzelnen Mitarbeitern so viel sie wollen zu bezahlen.
Also eine tätigkeitenunabhängige AT Bezahlung.
Dann könnten sie sich partielle Spitzenkräfte an Bord holen, ohne das Personaler sich hinter: Geht nicht, sind tarifgebunden, verschanzen können.
Und das gilt dann für fehlende Gärtner wie für BauIngs oder egal wer wie wo.
Dass muss dann jede Kommune für sich entscheiden, ob sie das machen kann (finanziell) und will.

Da will ich aber mal den Personalrat sehen, der das mitmacht....
Du kannst mich zwar nicht sehen, aber ich würde das machen.

Brownyy

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1196 am: 17.01.2020 17:55 »
Finanziell ist der Anreiz im ÖD schlicht eine Katastrophe. Interessant werden Gehälter ab EG 14.

Das scheint mir doch sehr übertrieben. Das hat oft mit den eigenen Ansprüchen und Rahmenbedingungen zu tun. O.k., ich bin nicht aus einem "Mangelbereich", entsprechend wenig lockt mich das Pokern ums maximale Einkommen. Zudem haben wir günstige Wohnkosten und leben auch ansonsten sehr entspannt mit dem, was wir haben.

Um die obige Aussage also mal zu relativieren: Ich wäre froh, in meinem Segment (und auch mit Uni-Abschluss auf Magister-Niveau plus solider Berufserfahrung) eine passende Stelle zu finden, die bei ~3.000 € liegt (sofern lokal, bei Pendelaufwand ~3.500 €). Da käme man also durchaus mit EG 9-11 schon hin ... der kleine Haken: Es gibt leider nur wenige Stellen ...

Natürlich ist das Gehalt in Ordnung. Auch EG12 ist in Ordnung. Aber in welcher Relation? Zum Median-Einkommen. Aber im Vergleich zum Einkommen zu einem durchschnittlichen Gehalt in der freien Wirtschaft (bei vergleichbarer oder gleicher Bildung) sieht der ÖD schlicht kein Land. Und bisher gab es hier noch kein Umdenken.

TV-Ler

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1197 am: 17.01.2020 20:25 »
Das Interesse der Arbeitgeber wäre da vorhanden. da Verdi aber diese Interessen nicht verfolgt können wir darauf lange warten.
Der Bund wollte in der Tarifrunde 2016 die Stufe 6 in den Entgeltgruppen 9-15 und hat sie bekommen ...

JahrhundertwerkTVÖD

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1198 am: 17.01.2020 20:34 »
Um das zu relativieren: ich finde ein Entgelt von E14 völlig uninteressant.

Darf ich fragen welches Entgelt du interessanter oder angebracht, du findest?
Bezogen auf das Beispiel des E14.
Sagen wir mal Führungsposition z.B. Amtsleiter in einer mittleren Gemeinde.
Dürfte so die Standard Eingruppierung sein.

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1199 am: 17.01.2020 20:49 »
Ich habe auch kein Interesse an einer mittelmäßigen Leitungsfunktion, eine Führungsposition ist in Deinem Beispiel nicht zu erkennen. Wer sowas anstrebt, mag mit E14 zufrieden sein - wobei ich das nicht für die zutreffende Eingruppierung halte.

Ein Entgelt wird für mich ab analog zu B9 (Bund) interessant - aber nur, wenn mich die Aufgabe reizt.