Autor Thema: Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung  (Read 568421 times)

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1230 am: 19.01.2020 17:05 »
Die Selbstverantwortung und -bestimmtheit des Individuums zu negieren, ist Paternalismus. Wer nicht über die finanziellen Ressourcen verfügt, hinreichend vorzusorgen, wird im heutigen Zwangssystem dazu gezwungen, unzureichend vorzusorgen - und dann nichts davon zu haben, weil weder Rente noch ALG1 die staatliche Grundleistung erreichen.

nichts_tun

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1231 am: 19.01.2020 21:05 »
Ich negiere nicht die Selbstverantwortung und -bestimmtheit des Individuums, sondern gab nur zu Bedenken, dass es solche Menschen gibt. Wenn jemand geringe finanzielle Ressourcen hat, so ist die heutige Zwangsabgabe für diese noch eine bessere Absicherung als keine. Sicherlich werden diese im im Rentenalter auf ergänzende staatliche Leistungen angwiesen sein (SGB XII, Wohngeld oder dergl.).

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1232 am: 19.01.2020 21:13 »
Also siehst Du es als „Absicherung“, wenn jemand Zwangsabgaben zahlt und davon nichts hat, weil seine Rente und sein ALG1 ohnehin auf das staatliche Grundsicherungsniveau aufgestockt werden muß?

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1233 am: 19.01.2020 21:45 »
Voraussichtlich hat er aufgrund von Freibeträgen ja mehr, als der reine Aufstocker, der keinerlei Zwangsabgabe gemacht hat. Insofern ist er ja besser Abgesichert
 ::) :o :P

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1234 am: 19.01.2020 21:53 »
Freibeträge gibt es bei Einkommen aus Erwerbstätigkeit.

2strong

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1235 am: 20.01.2020 01:11 »
Also siehst Du es als „Absicherung“, wenn jemand Zwangsabgaben zahlt und davon nichts hat, weil seine Rente und sein ALG1 ohnehin auf das staatliche Grundsicherungsniveau aufgestockt werden muß?

Es ist eine Absicherung für das Sozialsystem, nicht für das Individuum. Für Letzteres wäre es rational, die Mittel für unzureichende Absicherung anderweitig zu verwenden und später die höhere staatliche Grundversorgung zu beziehen. Dagegen werden die Lasten der das Sozialsystem tragenden Allgemeinheit durch Zwangsabgaben des Individuums und daraus resultierenden (unzureichenden) Renten- bzw. Arbeitslosenleistungen reduziert, denn das System hat lediglich noch die Differenz auszugleichen.

Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1236 am: 20.01.2020 02:59 »
Es zieht also den schwächsten abhängigen Beschäftigten das Geld aus der Tasche, um den allgemeinen Haushalt zu entlasten, während alle anderen aus der Zwangsversicherung einen Vorteil ziehen.

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1237 am: 20.01.2020 06:37 »
Freibeträge gibt es bei Einkommen aus Erwerbstätigkeit.
Nö. Der Begriff ist nicht nur auf Erwerbstätigkeit fixiert.
Und wenn es dir hilft, dann nenne den nicht angerechneten Part der Rente halt nicht Freibetrag, sondern nicht zu berücksichtigende Einkommen. Es läuft ja darauf hinaus, dass derjenige der mehr Rente abgezwungen bekommen hat, später auch mehr Geld trotz Unterstützung durch Grundsicherung hat. (So zumindest verstehe ich die derzeitigen Änderungen, ist aber natürlich spekulativ)

Außerdem ist ja nicht gesagt, das derjenige, dem jetzt das Geld aus der Tasche gezogen wird, auch später im Grundsicherungsniveau landet. Das ist ja auch nur spekulativ.


Spid

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1238 am: 20.01.2020 06:52 »
Dann zeig mir doch mal, wo der Freibetrag o.ä. bei Rentenbezug steht. M.W.n. wird nämlich die Rente voll angerechnet.

Es ist nicht spekulativ, daß das Zwangsrentensystem in einer nicht unerheblichen Zahl von Fällen dieses Ergebnis produziert - und nur darauf kommt es an. Es geht ja um Abschaffung und nicht die Ausnahme Einzelner.

Kat

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1239 am: 20.01.2020 07:01 »
Wird eine Stelle gemäß E11 ausgeschrieben schaut der Ingenieur in die Tabelle und lacht. Der muss sich erstmal bewerben...

Für die Vorteile im öd verzichtet man gern auf vielleicht 500€ im Monat, aber nicht auf 1000-2000€.

Und welche Vorteile wären das? Also ich sehe mittlerweile keine mehr...

Relativ sicherer Job, 39 Stunden Woche, 5-Tage Woche, (meist) Gleitzeit, JSZ (ok, Ingenieure dürften die überall bekommen)... Wenn ich statt 3500 € Brutto zu verdienen, in der FW 5000 € erhalte, aber im Gegenzug dann auch mal Samstags ran darf, oder 10 Stunden (meist sogar mehr) pro Woche länger arbeite als im ÖD, dann ist das für mich nicht wirklich ein Mehrgewinn. Der Stundenlohn ist oftmals nicht wirklich sehr viel höher. Eine 50-Stunden-Woche sind 28 % längere Arbeitszeit! Da wären das umgerechnet 500 € Brutto Mehrverdienst. Und der Druck ist sicherlich auch höher als im ÖD.

Natürlich gibt es auch große Arbeitgeber, die dann noch viel mehr bezahlen, Überstunden auszahlen etc. pp Das ist was anderes. Aber im Normalfall gibts im Mittelstand nicht immer deutlich mehr Kohle.

Du weißt aber schon, daß der öffentliche Dienst die Branche mit den meisten befristeten Verträgen ist? Und je nach Amt gibt es auch Mehrarbeit ohne Ende.

Kryne

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1240 am: 20.01.2020 07:12 »
Gerne:
Meine größte Wunschvorstellung wäre es, wenn die Kommunen in die tariflichen Lage versetzt werden,  einzelnen Mitarbeitern so viel sie wollen zu bezahlen.
Also eine tätigkeitenunabhängige AT Bezahlung.
Dann könnten sie sich partielle Spitzenkräfte an Bord holen, ohne das Personaler sich hinter: Geht nicht, sind tarifgebunden, verschanzen können.
Und das gilt dann für fehlende Gärtner wie für BauIngs oder egal wer wie wo.
Dass muss dann jede Kommune für sich entscheiden, ob sie das machen kann (finanziell) und will.

Meine Erfahrung im ÖD, besonders im kommunalen Umfeld zeigt mir eher, dass dies die Gemeinden nicht nutzen würden. Zumindest ALLE mit denen ich bisher auch nur entfernt zutun hatte.

Das liegt gar nicht an den dortigen Führungskräften oder Personalern, sondern einfach an den politischen Gremien, die am liebsten einem Bau Ing die E5 zahlen würden.

Es werden aktuell nicht mal alle Möglichkeiten genutzt.

Wird eine Stelle gemäß E11 ausgeschrieben schaut der Ingenieur in die Tabelle und lacht. Der muss sich erstmal bewerben...

Für die Vorteile im öd verzichtet man gern auf vielleicht 500€ im Monat, aber nicht auf 1000-2000€.

Und welche Vorteile wären das? Also ich sehe mittlerweile keine mehr...

Ich finde ganz Konkret die Arbeitszeit. Ich kann quasi, zumindest bei meinem AG, die Gleitzeit voll ausnutzen und alles machen was ich will. Ich habe keine Kernzeiten oder sonstwas. Ich bekomme Montags mal nen Schrank geliefert zwischen 8 und 10 ? Kein Problem. Dann gehe ich einfach mal um 11 auf die Arbeit, juckt keinen. Mach das mal in einer Baufirma.

In der Baufirma kann es gut und gerne mal vorkommen, dass ich an nem Tag auf mehr als 12 Stunden komme. Muss nur eine Baustelle irgendwo in der Walachei sein und noch paar Stunden Stau aufm Heimweg.

Noch dazu hat man mehr Leistungsdruck in einer Baufirma, weil die Ergebnisse wesentlich messbarer sind als im ÖD.

Was einem das ganze monetär wert ist, muss halt jeder selbst abschätzen.
« Last Edit: 20.01.2020 07:18 von Kryne »

WasDennNun

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« Antwort #1241 am: 20.01.2020 08:08 »
Dann zeig mir doch mal, wo der Freibetrag o.ä. bei Rentenbezug steht. M.W.n. wird nämlich die Rente voll angerechnet.
Jain, die Erwerbsunfähigkeitsrente nicht, aber darum ging es hier ja auch nicht.
Zitat
Es ist nicht spekulativ, daß das Zwangsrentensystem in einer nicht unerheblichen Zahl von Fällen dieses Ergebnis produziert - und nur darauf kommt es an. Es geht ja um Abschaffung und nicht die Ausnahme Einzelner.
Doch es ist bezogen auf den Fall absolut spekulativ. Denn die Mehrheit der Rentenbezieher beziehen keine Grundsicherung.
Und wie viele davon zwischenzeitlich so wenig in die Zwangsversicherung zahlten, dass es nur zur Grundsicherung gereicht hätte, wenn sie nicht wieder mehr einzahlten, kann ich nicht beurteilen, zumindest gibt es mit Sicherheit auch welche, die danach so viel einzahlen, dass sie keine Grundsicherung bekommen (wg. Teilzeit oder Jobdelle oder what ever).
Weiterhin ist es genauso wenig spekulativ die aktuelle politsche Diskussion zu dieser "Ungerechtigkeit" und die daraus resultierenden Änderungen an dem System einfließen zu lassen.
Es wird mEn so kommen, dass diejenigen die mehr in die Zwangsversicherung zahlen auch mehr monatliches Geld zur Verfügung gestellt bekommen.
In sofern wird den schwächsten dieses Geld aus der Tasche gezogen, weil sie ja nicht unbedingt im späteren Erwerbsleben zu diesen gehören müssen, aber wenn sie nicht gezwungen wären in dieser Phase auch zu zahlen, würden sie dann in später wieder zu den schwächsten gehören, weil dann die Rente noch niedriger wäre.

2strong

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« Antwort #1242 am: 20.01.2020 08:15 »
Es zieht also den schwächsten abhängigen Beschäftigten das Geld aus der Tasche, um den allgemeinen Haushalt zu entlasten, während alle anderen aus der Zwangsversicherung einen Vorteil ziehen.
So muss man es sehen. Bei Gründung des Sozialversicherungssystems war Derartiges kein vordringlich zu lösendes Problem (Nachkriegsgesellschaft) und das Konzept m. E. durchaus geeignet. Mittlerweile ist es inadäquat.

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #1243 am: 20.01.2020 08:17 »
Das liegt gar nicht an den dortigen Führungskräften oder Personalern, sondern einfach an den politischen Gremien, die am liebsten einem Bau Ing die E5 zahlen würden.
Wenn in der Nachbarkommune tolle Dinge klappen und dieses von den Medien und den dortigen politischen Gremien genutzt wird um sich zu feiern, ....ein Hoch auf die gute Personalpolitik ....
Ja aber bei den "Deppen" in den Gremien ist der Weg sicherlich weit und nichts von heute auf morgen.

WasDennNun

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« Antwort #1244 am: 20.01.2020 08:18 »
Und je nach Amt gibt es auch Mehrarbeit ohne Ende.
Angeordnet und vom Personalrat abgesegnet?