Autor Thema: Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung  (Read 588580 times)

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #945 am: 08.01.2020 15:11 »
Streitet euch nicht, das ganze ist für uns sowieso nicht relevant.

Wenn überhaupt, kommt eine Reduktion auf vielleicht 37h oder 37,5h...

In meinen letzten 30 Jahren ist die Arbeitszeit gestiegen. Ich gehe von 40 Stunden spätestens ab 2021 aus.

https://www.stern.de/wirtschaft/news/neuseeland--firma-fuehrt-vier-tage-woche-bei-vollem-lohnausgleich-ein---und-alle-gewinnen-8174964.html

Ich bin kein Arbeitswissenschaftler, bin nur dafür offen, neue Wage zu gehen und Versuche zu wagen. Und selbstredend sind Studien immer schwierig und die Menschen und deren Tätigkeiten zu unterschiedlich.

Dennoch kann man es nicht von der Hand wischen, daß wir gerade bei gefährlichen Tätigkeiten aufpassen müssen, was man so treibt. Ich selbst habe seinerzeit schon 24 - Stunden - Schichten auf dem Rettungswagen mitgemacht, im Zivildienst. Und gerade da sind schnell Grenzen erreicht. Gilt natürlich für das medizinische Personal ebenso, auch für LKW - Fahrer, etc.

Das ein Pförtner nicht 100 Prozent leistet ist eigentlich schon ein Atavismus. Gerade diese 70 bis 100 Prozent - Trödelei gäbe es in den neuen Arbeitsmodellen nicht mehr. Für so einige vielleicht abschreckend...



Kaffeetassensucher

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #946 am: 08.01.2020 15:24 »
...hier packen schon Einige ihre Koffer für die Auswanderung nach Finnland... ;D

Schönes Land, viele Bäume, viele Seen.  ;D

nichts_tun

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #947 am: 08.01.2020 16:04 »
...hier packen schon Einige ihre Koffer für die Auswanderung nach Finnland... ;D

Schönes Land, viele Bäume, viele Seen.  ;D

Teurer Alkohol...

Es wurde hier schon angesprochen, dass die EG 13 und höher mehr gewürdigt werden sollten.
Aus meiner Sicht ließe sich das auch dadurch erreichen - ohne größere Änderungen der EGO -, indem die derzeitigen Tabellenwerte der EG 14 zur EG 13 werden. Dann müssten für die EG 14 neue Werte zwischen EG 13 und EG 15 gefunden werden. Die danach fertiggestellte neue Tabelle ist mit dem Erhöhungsprozentsatz zu multiplizieren.

Noch einfacher ist es, wie bei der letzten Tarifrunde verschiedene Erhöhungsprozentsätze je EG und/oder Stufe festzulegen. Gerade die EG 13 als Einstieg für Absolventen mit wissenschaftlicher Hochschulbildung als auch als höchste Eingruppierung in verschiedenen Abschnitten der EGO (IT, Ingenieure) ist betragsmäßig zu niedrig ausgestaltet.


FGL

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #948 am: 08.01.2020 17:05 »
Ich bin kein Arbeitswissenschaftler, bin nur dafür offen, neue Wage zu gehen und Versuche zu wagen.
Ich bin da eher ein Anhänger der konservativen Fortschrittsmethode, die auf Edmund Burke zurückgeht. Derjenige, der eine Änderung herbeiführen will, muss darlegen und plausibilisieren, dass die angepeilte Veränderung mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Verbesserung im Vergleich zum gegenwärtigen Zustand bewirken wird. Vor diesem Hintergrund sind die hartnäckigen Nachfragen von WasDennNun absolut berechtigt. An dieser Plausibilisierung scheitern auch die Fanboys des "Bedingungslosen Grundeinkommens" ständig.

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #949 am: 08.01.2020 17:20 »
Sicherlich eine anerkennenswerte Haltung. Da wäre aber immer ein Ziel zu definieren. Ich bin auf Teilzeit gegangen und kann es für mich bestätigen. Es klappt.

Nach Ansicht des Herrn Yuval Noah Harari hat keine Veränderung der letzten tausend Jahre dem Menschen mehr an Glück gebracht. Philosophisch wäre für mich die Frage daher gar nicht zu stellen.

Der Einwand mit dem BGE ist aber gut, denn darauf würde die neue Arbeitswelt hinaus laufen. Eine Gesellschaft, die ihren Benefit mehr in den ehrenamtlichen Bereich verschiebt. Und selbst da kommt man dann zur alten Frage "ist der Mensch von grundauf gut oder schlecht?" Ich tendiere zum letzteren und halte den Einwand damit für sehr gut. Quasi der einzige der gilt.

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #950 am: 08.01.2020 19:50 »
@BAT
Zunächst kann ich es mir durchaus vorstellen, dass jemand der von 8 auf 6 h geht die gleiche Arbeitsleistung erbringen kann. Gefühlt entdeckt man das ja bei vielen Teilzeitkräften.

Das du weder Arbeitswissenschaftler bist, noch einen irgendwie was wissenschaftliches an dir hast habe ich verstanden (und das jetzt nicht als Beleidigung oder sonst was negatives missverstehen), deswegen bin ich ja so beharrlich.
Wenn man aus vereinzelten Interviews mit Erfolgsstories eine Allgemeingültigkeit ableitet, dann liegt man nun mal schief und unterliegt gefährlichen Fehlinterpretationen.
Die Effizienz der Pförtner würde ich z.B. daran messen, wie viele Personen nicht ungewollt in ein Gebäude gekommen sind, während es zugänglich ist.
Wenn ich also die Öffnungszeit von 16h (2 Pförtner a 8h) auf 12h (2 P a 6h, bei vollem Lohnausgleich) reduziere, dann kann durchaus die Effiziens gesteigert werden, weil er konzentrierter bei der Arbeit ist, sprich weniger unkontrolliert ins Haus lässt
Die Effiziens lässt sich sogar steigern, wenn man nur noch 8h auf hat und zwei Pförtner gleichzeitig da sind, die alles doppelt checken (In der Medizin wird durchaus so eine  Doppelbefundung gemacht).
Aber vielleicht erkennst du, dass sich ja auch die Rahmenbedingungen geändert haben. Was gleich bleibt sind die Kosten für die Pförtner. Sollte aber nun die Rahmenbediung Öffnungszeit fix sein, dann braucht der AG mehr Geld für die Pförtner und da ist natürlich die Frage: lohnt es sich, oder ist der Schaden nicht so gross.

Oder beim Fliesbandarbeiter: Er schafft 80 Teile am Band in 8 h mit einem Ausschuss von 10%.
Wenn er also in 6h diese Leistung erbringen soll, dann muss er eben
a) die Stückzahl pro Stunde erhöhen und oder
b) den Ausschuss verringern.
Aber er muss 72 Stück fertigen. Also anstelle eine Taktung von 10 pro Stunde, 12 pro Stunde und das mit einem Ausschuss von 0.
Ergo er hat eine Arbeitsverdichtung.

So und nun zum peinlichen Teil:
1.) Beim neuseeländische Unternehmen „Perpetual Guardian“ wurde eine 4-Tage-Woche eingeführt, also man hat halt weiter 8h am Stück gearbeitet aber nur noch 4 Tage.
2.) Man hat sich verpflichtet, weiterhin die gleiche Wochenleistung zu liefern.
Ergebnis:
Gleiche Wochenleistung
3 Tage Wochenende
Höhere Zufriedenheit bei den Angestellten.
Man sollte also die Produktivität bezahlen und nicht die Anwesenheits äääh Arbeitsstunden.

Also wurde mitnichten mit deinem Beispiel bewiesen, dass eine 6h Tag die Produktivität steigert. (Eher Im Gegenteil)
Und das irgendwie die Wöchentliche Produktivität zusätzlich gesteigert wurde konnte ich da auch nicht finden.

Also: Bevor man irgendwelche interessante Idee als wissenschaftlich Erwiesen preist, sollte man seine Quellen hinterfragen.

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #951 am: 08.01.2020 20:08 »
Sicherlich mag es nicht verifiziert sein, aber halt auch nicht falsifiziert.

Die Grundrichtung ist hier das Entscheidende.

Pseudonym

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #952 am: 08.01.2020 21:16 »
Ich sehe öfters Personen, die eine Verkürzung auf 6 Stunden produktiver gestalten würden, als es bei 8 Stunden absitzen je der Fall ist.

Zwei Stunden Büro können elend lang sein und irgendwann ist der Geist einmal erschöpft. Ich würde eine Verkürzung auf 30 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich begrüßen, wenn zuvor die Leistung der Person festgestellt und für gut befunden wurde. Zu LOB gesellt sich also LOA.

MalZu

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #953 am: 09.01.2020 00:47 »
Zur Diskussion: 6 Std. besser als 8 Std. / geistige Frische!! Und so weiter !!
Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen kleinen Betrieb und Ihre MA würden Sie mit ähnlichen Begründungen konfrontieren, a la "8 Std. im Büro können quälend lang sein; Chef"!
Ihre Reaktion!!

Kryne

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #954 am: 09.01.2020 07:23 »
Zur Diskussion: 6 Std. besser als 8 Std. / geistige Frische!! Und so weiter !!
Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen kleinen Betrieb und Ihre MA würden Sie mit ähnlichen Begründungen konfrontieren, a la "8 Std. im Büro können quälend lang sein; Chef"!
Ihre Reaktion!!

Dann würde ich sagen, jawoll, wir testen mal den 6 Stunden Arbeitstag und schauen was rauskommt.

Gerade in einem kleinen Bürobetrieb dürfte der Effizienzzuwachs enorm zu spüren sein. "Bürojobs" sind die Jobs die am meisten von kürzeren Arbeitstagen profitieren.

Insbesondere weil bei den meisten Bürojobs kein zusätzliches Personal gebraucht wird bei kürzeren Arbeitstagen. Bei einem Betrieb der z.B. fixe Öffnungszeiten und Kundenverkehr hat, wie eine Werkstatt z.B., sieht das anders aus. Hier muss man dann oft von 8h auf 2x6h Schichten umstellen und entsprechend Personal einstellen.

Kaffeetassensucher

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #955 am: 09.01.2020 07:26 »
Sicherlich mag es nicht verifiziert sein, aber halt auch nicht falsifiziert.

Was allerdings ein sehr unwissenschaftliches Argument ist. Wer eine Aussage tätigt, muss sie verifizieren.

Ansonsten könnte ich steif und fest behaupten, Russells Teekanne existiere wirklich. Du kannst es nicht falsifizieren, also muss es stimmen?

superbraz

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« Antwort #956 am: 09.01.2020 07:43 »
also wenn eine 4h Woche eingeführt werden würde (was ich nicht glaube), dann müsste dies ja für alle möglich sein...heisst aber auch, dass Öffnungszeiten angepasst werden müssen etc.
Als öffentliche Verwaltung stelle ich es mir schwierig vor, wenn zB der Freitag aus den Öffnungszeiten heraus fällt.
Gerade viele Montagearbeiter, welche Donnerstag Abend nach Hause kommen, nutzen gerade den Freitag, um ihre Wege beim Einwohnermeldeamt etc. zu erledigen. Das gibt dann aber ganz sicher viele Negativschlagzeilen.
Gefallen würde mir ein 3 Tages-Wochenende vermutlich genau so, wie vielen anderen auch!

Den 6h Tag finde ich auch nicht schlecht, na klar...aber wenn ich daran denke, dass ich an einem 8h Tag schon manchmal gerade so schaffe, was ich schaffen wollte / muss, da wär es bei 6h am Tag noch stressiger.
Selbst ein Dienstag mit seinen 10-11h ist oft gut gefüllt.
Dazu muss man sagen, dass ich (bis auf einen externen Dienstleister) allein für die IT hier im Haus zuständig bin (60 MA, Kitas, Grundschulen, Feuerwehren)

Die 39h Woche wie im Tarifgebiet West fänd ich erstmal fair!

Kat

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #957 am: 09.01.2020 07:51 »
Wieso? Der eine arbeite Mo., Di, Mi, Do. Ein anderer arbeitet Di, Mi, Do, Fr und wieder ein anderer arbeitet Mo, Di, Do, Fr. Es heißt ja nicht, dass alle an den gleichen Tagen arbeiten. Aber das ist ja auch jetzt schon möglich, man darf ja bis zu 10 Stunden am Tag arbeiten, so kriegt man in 4 Tagen auch seine 39 Stunden voll. Ich habe mehrere Kollenge, die nur 4 Tage die Woche arbeiten.

Kaffeetassensucher

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« Antwort #958 am: 09.01.2020 07:53 »
Den 6h Tag finde ich auch nicht schlecht, na klar...aber wenn ich daran denke, dass ich an einem 8h Tag schon manchmal gerade so schaffe, was ich schaffen wollte / muss, da wär es bei 6h am Tag noch stressiger.

Erstens musst du ja nicht mehr schaffen, als in der vertraglich festgelegten Zeit (in dem Fall: in 6 Stunden pro Tag) zu schaffen ist. Und zweitens sehe ich keinen Grund, warum bei einem 6-Stunden-Tag plötzlich alle Gleitzeitregelungen unwirksam werden sollten. Entsprechende Regelungen vorausgesetzt, bleibt es ja keinem unbenommen, trotzdem z. B. 7 Stunden am Tag zu arbeiten, das wäre dann entsprechend Mehrarbeit, für die es Gleitzeitgutschrift gibt, die du an anderen Tagen, wenn weniger zu tun ist oder wichtige Termine anstehen, nutzen kannst.


WasDennNun

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« Antwort #959 am: 09.01.2020 08:41 »
Sicherlich mag es nicht verifiziert sein, aber halt auch nicht falsifiziert.

Die Grundrichtung ist hier das Entscheidende.
Also deine Grundthese war, wenn ich es richtig verstanden habe,
bei einer Reduktion der täglichen Arbeitszeit von 8h auf 6h bei vollem Lohnausgleich würde alle gewinnen,
da die gleiche Wochenarbeitsleistung erbracht werden würde.
Begründet wurde es von dir damit, dass der AN ja nicht 8h konzentriert arbeiten kann und es Beweise gibt, dass man nur 6 konzentriert arbeitet
Natürlich voller Lohnausgleich, eher plus, da die Effizienz über bisherigen vollschichten Tätigkeit liegt.
[...]
Praxistests haben die Sinnhaftigkeit bewiesen. Ebenso wie die Unmöglichkeit, mehr als sechs Stunden konzentriert zu arbeiten.
Dann kommst du mit einem solchen Praxistest als Beispiel daher: Das Unternehmen Perpetual Guardian in Neuseeland
Dort wurde aber genau das Gegenteilige "bewiesen":
Bei entsprechender (nicht monetären) Motivation sind dort die AN in der Lage gewesen in 8h 25% mehr zu leisten als vorher. Sie haben nämlich dort in 4x8h das gleicher geschafft wie in 5x8h vorher. Obwohl ja eigentlich das nicht möglich ist?!?

Also müsste die These eher lauten:
Gebt den Leuten vor was sie zu schaffen haben und überlast es ihnen wie, wann und in welcher Zeit sie es machen. Das lässt sich allerdings nicht in einer gesetzlichen Vorgabe eines 6h Tages oder einer 32h Woche fixieren.