Autor Thema: Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung  (Read 403911 times)

Dumdidum

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #975 am: 09.01.2020 14:59 »
Hier mal meine Wunschvorstellungen für die Tarifrunde 2020:

- Laufzeit: 36 Monate
- 1. Jahr: Reduzierung der wöchentl. Arbeitszeit auf 37h (Traum: 36,5h) + Lohnsteigerung 2%
- 2. Jahr: Reduzierung der wöchentl. Arbeitszeit auf 36h (Traum: 34h) + Lohnsteigerung 1,5%
- 3. Jahr: Reduzierung der wöchentl. Arbeitszeit auf 35h (Traum: 32h) + Lohnsteigerung 0,5%

- Reduzierung & Anpassung der Entgelt-Stufen wie schon so oft erwähnt:
Stufe 1 = Probezeit
Stufe 2 = nach Probezeit bis 2 Jahre
Stufe 3 = 2-5 Jahre
Stufe 4 (Endstufe) = ab 5 Jahre


100% JSZ noch dazu und es kann sich sehen lassen ;)

Sorry, selbstverständlich!  :D

Also auch ich finde diese Forderungen begrüßenswert (wobei die Erhöhungen für EG9+ wie oftmals gefordert, höher ausfallen müsste - Begründung folgt), denke aber dass sie nicht mal im Ansatz erreicht werden können, leider !!! Am Ende wird es auf die üblichen 2-3,5 % verteilt auf 1 bis 2 Jahre laufen und im Gegenzug wird dann was an der JSZ gekürzt, so dass sogar noch weniger als die 2% übrig bleiben werden.

Ich habe die letzten 10 Seiten interessiert durchgelesen und bin beim Thema Schwarzarbeit etwas hängengeblieben. Also leider lohnt es sich tatsächlich nicht wirklich mit Familie und Kindern arbeiten zu gehen. Zumindest nicht wenn nur einer Hauptverdiener ist. Ich habe mir mal kurz die Mühe gemacht einfach mal einen Hartz IV-Rechner zu bedienen:

2 Erwachsene, 2 Kinder (6 und 10) und dazu hab ich mal 600 € Kaltmiete, 150 € Nebenkosten und 80 € Heizung pro Monat eingetippt, dazu kein weiteres Einkommen. Einfach mal paar fiktive Daten also eingegeben, und am Ende kommt man bei 1790 € raus, netto wohlgemerkt.

Regelbedarf des Haushalts:
1.368,00 €
Kosten für Unterkunft und Heizung*:
830,00 €
gesamter Bedarf:
2.198,00 €
abzgl. zu berücksichtigendes Einkommen:
−408,00 €
Arbeitslosengeld 2 und Sozialgeld (gerundet):
1.790,00 €

Ohne dass jetzt auch mir Sympathie mit Schwarzarbeitern vorgeworfen wird. 1790 € netto sind vermutlich irgendwas bei umgerechnet um 2500 € brutto. Klar, das ist nur E3 Niveau, reich ist man damit nicht. Aber jemand mit EG 8 bekommt dann auch "nur" 300-400 € mehr im Monat dafür, dass er dann 200 Stunden im Monat arbeiten geht, davon noch Fahrtkosten, Verpflegung auf der Arbeit, Schulbücher, Klassenfahrten usw. etc komplett selbst bezahlen darf.

Unser grundlegendes System (nicht nur im TVÖD) müsste eigentlich mal überarbeitet werden (was sowieso nicht geschehen wird!). Arbeiten "lohnt" sich fast schon nicht mehr, wenn man nicht gerade irgendwas "gutes" gelernt hat oder höher eingestuft ist, oder schlichtweg beide arbeiten gehen. Bei uns in der Stadt werden auch dringend Bauleiter gesucht (EG 12), Runde 1 brachte keine einzige Bewerbung. In der freien Wirtschaft ist die Lage halt aktuell sehr gut und dafür kriegt man kaum gute (!) Leute, und zur Zeit nicht mal Berufsanfänger.

Aber um mal wieder zum Thema zurückzukommen. Ich finde, dass man das Thema des Home-Office vielleicht mal im TVÖD verankern könnte. Zumindest in manchen Berufsfeldern wäre es durchaus denkbar und teilweise auch produktiv umsetzbar. Klar, dass der Pförtner, Hausmeister oder die Raumpflegerin nicht von zuhause arbeiten kann. Aber mit einem Laptop und Internetanschluss kann man sicherlich 1-2x die Woche beispielsweise als Bauleiter, Buchhalter, Einkäufer Rechnungen von zuhause prüfen, E-Mails beantworten/lesen, telefonieren, recherchieren, oder was auch immer. 2 Tage pro Woche von zuhause aus zu arbeiten wäre meine Wunschvorstellung, 1 Tag pro Woche wäre realistischer. Aber unsere Vorgesetzten sind von der Idee natürlich nicht begeistert, und einige unverbesserliche würden dies sicherlich auch mit größter Wahrscheinlichkeit ausnutzen.

Ach ja zum Thema Effizienz mit weniger Arbeitszeit: Aus meiner 12jährigen Erfahrung im ÖD würde ich sagen, wäre mit Sicherheit möglich. Gerade bei meinen beiden bisherigen AG in der gleichen Stadt war das völlig ähnlich. Um 06.30 kommen die Kollegen zu einem gemütlichen Kaffeekränzchen zusammen, mindestens eine Stunde, das gleiche dann mittags/nachmittags auch. Und die Kollegen, die später kommen, holen das halt um 17 Uhr nach. Kaum jemand ist mehr als 6 Stunden wirklich produktiv. Aber im Umkehrschluss heißt das noch lange nicht, dass man bei einem 6-Stunden-Tag auch wirklich auf die Pläuschchen verzichten würde! Die Stimmung wäre deutlich besser, klar! Arbeitsmoral auch! Aber, ob man wirklich die gleiche Arbeit schafft? Eher würden noch viel mehr Gleittage erarbeitet werden!

Sorry für den Roman :)

WasDennNun

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #976 am: 09.01.2020 16:25 »
Ich habe nur auf einen Fall hingewiesen, der mir im Gedächtnis war, du hängst dich a) an diesem einen Beispiel auf und ziehst b) unlogische Schlüsse aus einer Sachlage, aus der man eigentlich aus der Ferne gar keine Schlüsse ziehen sollte.
jetzt machst du dich endgültig lächerlich.
zu a) ja weil du nicht mehr geliefert hast aber rumtönst alles bewiesen, wissenschaftlich geklärt....
b) meine Schlüsse sind offensichtlich so logisch, dass du es nicht durchdrungen hast, verständiges lesen hilft da.
und warum schließt du dann Schlüsse aus Dinge die dir irgendwie im Gedächnis waren? Autsch, das tut schon weh. Also ist dein Gebrabbel einfach nur gebrabbel? Tolle Argumentation wenn man nicht mehr weiterkommt.
Ich habe mir dein Beispiel verständig angesehen, du offensichtlich nicht.
Zitat
Es war nur ein Beispiel für eine verkürzte Arbeitszeit mit Effizienzsteigerung. Mea culpa :P

Warum hängst du dich an Einzelheiten so auf?
Weil ich es als Wissenschaftler hasse, wenn Leute mit dahergelaufenen Theorien als bewiesen Dinge ankommen. Und das ganz großspurig und undifferenziert als Weisheit letzter Schluss darstellen und es einfach verallgemeinern (immerhin hast du es dann ja eingeschränkt und eingesehen, dass es nicht für alle berufsgruppen geht, Respekt!).
Mein Interesse war ehrlich und dann kommst du mit nem Sternartikel daher, die dann auch noch teile der eigenen Aussage widerlegen und du es noch nicht mal merkst, da kotze ich halt ab.
Zitat
Genau diese Diskussion ist die alltägliche Nichteffizienz. Statt es auszuprobieren, wird akademisch diskutiert und das auf sehr bescheidenem Niveau.
Du lieferst einen Praxistest, der zeigt, dass man dort in 4x8h, das gleiche schafft wie in 5x8h. Wo ist da der Bezug zum 6h Tag. Das ganz flankiert mit der Zusicherung der Mitarbeiter, dass gleiche Leistungsniveau (Sprich der AG hat nicht soo viel riskiert) abzuliefern.
Also: Nix was ist jetzt bewiesen, Einzelfall hat gezeigt, dass..... Da ist dann dein Niveau wohl unterirdisch.
Also schreib nichts von bewiesen etc. wenn du irgend eine Headline gelesen hast, das ist doch Trump Niveau.

Und wenn man interessiert mit Sachargumenten kommt, es versucht zu verdeutlichen, dann weichst du aus mit abwertenden Kommentaren wie sabbern, völlig daneben, .... (ebenfalls Trump Niveau)

mein Gott das ist echt armselig.


und sorry: Ich habe mein akademische Niveau als Urkunde in der Schreibtischschublade. Da kann ich über diese beschränkte Art und Weise über Inhalte zu reden nur weinen.

Zurück zum Thema:
Ja, es wäre sicherlich nett, wenn der AG (im öD) ein Experiment wagen würde, wo er z.B. den Mitarbeiter von einem ein Amt (die messbare Arbeit liefern und nicht unter externen Zeitzwängen - wie Öffnungszeiten - leiden) 20% weniger arbeite lassen würde. Natürlich wäre die die Vorgabe, dass sie nur dann vollen Lohnausgleich erhalten, wenn sie eben 100% der alten Leistung erbringen. Solche eine Leistungsverpflichtungen ist ja bei dem von Dir zitierten Beispiel durchgeführt worden.
Ja, das wäre durchaus spannend und wünschenswert.
Aber es derzeit noch Quatsch mit Klopse zu behaupten, dass eine generelle 30h Woche Wohlstand für alle bringen würde und unlogisch zu behaupten, dass das generell kostenneutral gestaltbar wäre.

Fugazi

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #977 am: 09.01.2020 16:28 »
Zitat
Ach ja zum Thema Effizienz mit weniger Arbeitszeit: Aus meiner 12jährigen Erfahrung im ÖD würde ich sagen, wäre mit Sicherheit möglich. Gerade bei meinen beiden bisherigen AG in der gleichen Stadt war das völlig ähnlich. Um 06.30 kommen die Kollegen zu einem gemütlichen Kaffeekränzchen zusammen, mindestens eine Stunde, das gleiche dann mittags/nachmittags auch. Und die Kollegen, die später kommen, holen das halt um 17 Uhr nach. Kaum jemand ist mehr als 6 Stunden wirklich produktiv. Aber im Umkehrschluss heißt das noch lange nicht, dass man bei einem 6-Stunden-Tag auch wirklich auf die Pläuschchen verzichten würde! Die Stimmung wäre deutlich besser, klar! Arbeitsmoral auch! Aber, ob man wirklich die gleiche Arbeit schafft? Eher würden noch viel mehr Gleittage erarbeitet werden!

Nun für mich ist das ein klarer Fall von Führungsversagen, wenn Kaffeekränzchen und große private Debatten ohne dienstliche Konsequenzen geführt werden können. Dass das auch im Team mit dazu gehört, keine Frage, aber sicherlich nicht jeden Tag und während der Arbeitszeit.

Und ich muss noch eine Lanze für die Reduzierung der Arbeitszeit brechen. Ich habe selbst Anfang letzten Jahres um 10% reduziert (als Kommunaler habe ich 40h, die Bundis müssen bei uns nur 39h) und bin dadurch produktiver geworden, besser gelaunt und vor allen Dingen seitdem nicht mehr krank gewesen. Auch in unserem Team sind diejenigen, welche in Teilzeit arbeiten, nachweislich (wir müssen Statistik führen) die Produktivsten. Schon seltsam, oder?

Gleittage produzieren? Nö, ich gehe einfach eher, aber bin dafür auch jeden Tag anwesend. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Vollzeitbeschäftigten eher auf Gleittage hinarbeiten als Teilzeitbeschäftigte. Ich habe es ja genauso gemacht.

Obwohl ich von der Reduzierung der Arbeitszeit profitieren würde, sollte sich jeder überlegen ob ein paar Prozent  höheres zu versteuerndes Entgelt bei Null- und Negativzins mehr Wert ist als Freizeit.

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #978 am: 09.01.2020 16:46 »
Wasdennnun: definiere Wohlstand.

Brownyy

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #979 am: 09.01.2020 19:18 »
Die einen werden eine Arbeitszeitreduzierung befürworten, da sie weniger Zeit am Tag totschlagen müssen, diejenigen, die ohnehin schon ihre Arbeit nicht schaffen erleiden eine massive Arbeitsverdichtung. Dann gibt es wiederum welche, die Gleittage aufbauen, da sie ohnehin 40 Stunden pro Woche am Arbeitsort sind. Welcher Anteil wird denn wohl am höchsten sein?

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #980 am: 09.01.2020 19:31 »
Die einen werden eine Arbeitszeitreduzierung befürworten, da sie weniger Zeit am Tag totschlagen müssen, diejenigen, die ohnehin schon ihre Arbeit nicht schaffen erleiden eine massive Arbeitsverdichtung. Dann gibt es wiederum welche, die Gleittage aufbauen, da sie ohnehin 40 Stunden pro Woche am Arbeitsort sind. Welcher Anteil wird denn wohl am höchsten sein?

Was haben diese Verhaltensweisen und Gemengelagen mit einer bestimmten Wochenarbeitszeit zu tun?

Brownyy

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #981 am: 09.01.2020 19:42 »
Achso, der Irrglaube, dass mit einer einhergehenden Arbeitszeitreduzierung neue Stellen geschaffen werden. Ja, ich verstehe.

BAT

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« Antwort #982 am: 09.01.2020 19:53 »
Achso, der Irrglaube, dass mit einer einhergehenden Arbeitszeitreduzierung neue Stellen geschaffen werden. Ja, ich verstehe.

Dann man Dienst nach Vorschrift machen muss ist die Belastung kein Argument in der Frage der Arbeitszeit.

Brownyy

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #983 am: 09.01.2020 19:57 »
Da gebe ich dir recht, da aber ein großer Anteil unserer Arbeitnehmer eine zunehmende Arbeitsverdichtung angibt, diese als signifikante Belastung anzeigt, ist es anscheinend sehr wohl ein wichtiger Punkt.

BAT

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #984 am: 09.01.2020 20:01 »
Ja, da haben wir auch immer mehr Probleme mit.

Dennoch gibt es keine Verbindung zur Arbeitszeit, denn die Problematik wäre bei einer Diskussion über eine Absenkung von 50 auf 40 Stunden die gleiche sein wie bei 40 auf 30 oder wie bei 30 auf 20. Das sind systematische Probleme, die NULL mit der vereinbarten Arbeitszeit zu tun haben.

Brownyy

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #985 am: 09.01.2020 20:05 »
Und wie sieht deiner Meinung nach die Reaktion aus bei einer Reduzierung der AZ auf 35 Std. Von seitens AG und AN?

Kaffeetassensucher

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #986 am: 10.01.2020 07:22 »
Achso, der Irrglaube, dass mit einer einhergehenden Arbeitszeitreduzierung neue Stellen geschaffen werden. Ja, ich verstehe.

Eher der Irrglaube der AN, dass sie sich die Probleme des AG zu ihren machen müssten. Nach der vertraglich vereinbarten Anzahl an Arbeitsstunden darf man gehen. Dazu wurden sie ja schließlich vereinbart.

Was liegenbleibt ist ein Problem des AG. Will er, dass man länger bleibt, muss er Überstunden anordnen. Er kann auch neues Personal einstellen. Er kann auch bunte Einhörner ins Büro stellen, die die liegengebliebenen Anträge auffressen. Es ist aber nicht das Problem des Arbeitnehmers.

Kat

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #987 am: 10.01.2020 07:32 »
Es ist aber nur solange nicht Dein Problem, so lange kein Hilfeempfänger oder Antragsteller vor Dir steht und sein ihm zustehendes Geld, Baugenehmigung oder was auch immer verlangt. Dann ist es ganz schnell Dein Problem, selbst wenn Du dann sagst, wende Dich an meinen Chef steht der erstmal vor Dir und Du musst dich mit ihm auseinandersetzen. Was auch Zeit kostet, die man in Antragsbearbeitung investieren könnte.

Diese ganzen Aussagen, daß es nicht das Problem des AN ist, wenn er die Arbeit nicht schafft und eben nach 39 Stunden den Griffel fallen lassen soll funktioniert vielleicht irgendwo wo kein Publikumsverkehr ist. Aber in vielen Bereichen funktioniert das nicht. Außer man hat ein mehr als dickes Fell. 

Spid

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« Antwort #988 am: 10.01.2020 07:45 »
Warum sollte es den AN scheren, daß unzufriedene Kunden bei ihm auftauchen? Wenn er sich damit auseinandersetzen muß, weil es zur auszuübenden Tätigkeit gehört, tut man das halt. Denn auch die Probleme irgendwelcher Kunden sind nicht die des AN. Diese dämliche „Oh, ich arbeite mit Menschen. Wenn ich nicht dies und das tue, passiert denen dieses oder jenes, das wäre ganz, ganz furchtbar“-Attitüde ist entweder krankhaft oder selbstverschuldet.

Kaffeetassensucher

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Antw:Tarifrunde 2020 - Wunschvorstellung
« Antwort #989 am: 10.01.2020 08:03 »
Ich kann es natürlich nachvollziehen, dass man andere nicht einfach auflaufen lassen, in existentielle Nöte bringen will. Trotzdem mache ich mir auch deren Probleme, wie Spid so schön schreibt, ebenfalls nicht zu meinen eigenen. Das habe ich zu Beginn meiner Beschäftigung durchaus gemacht, gesund ist das aber nicht, man macht sich mehr Stress als nötig.

Nun habe ich kein Publikumsverkehr, arbeite dennoch mit Menschen zusammen, die durchaus monetäre Sorgen haben, wenn die Arbeit hier nicht richtig läuft. Wenn sie hier auftauchen (kommt hin und wieder vor) und ich bin da, dann ist es mein Job, mich darum zu kümmern und das tue ich dann auch. Oder wie es üblicher ist, wenn ein Antrag reinkommt, wird er bearbeitet. Aber ggf. nicht sofort. Ich priorisiere. Brennt irgendwo die Hütte und schnelles Handeln ist erforderlich, werden notfalls andere Vorgänge, die auch mal einen Tag warten können, stehen und liegen gelassen.

Auf die genannten Beispiele übertragen: Wurde einem Leistungsempfänger die Leistung nicht überwiesen und er steht am Anfang des Monats ohne Geld da, dann wird der Bauantrag eben um eine Stelle nach hinten geschoben, davon geht für dessen Antragsteller die Welt nicht unter.

Und wenn ich nicht im Büro bin, wenn ein Antrag oder eine "dringende" E-Mail eingeht (grundsätzlich sind alle "dringend"), dann muss das eben bis zum nächsten Tag warten. Niemand kann erwarten, dass er sofort und auf der Stelle Antwort erhält und dass ein Antrag noch am selben Tag bearbeitet ist. Ich leiste gerne meine Arbeitskraft im Sinne der Menschen, die ich betreue, aber ich bin nicht deren Sklave.